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Der Beetle Dune und das nicht endende Sommer-Sonne-Strand-Feeling

Der Beetle Dune und das nicht endende Sommer-Sonne-Strand-Feeling

Wolfgang Stegers
02.06.2016, 15:52 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

„Dunsein“ und „Dune“ (gesprochen engl /dʒuːn/ amer /du:n/) passen irgendwie zusammen – In den Dünen fläzen, eine Bottle Bier in der Hand. Der späte, goldfarbene Sonnenuntergang an diesem Frühsommertag taucht den VW Beetle in weiches Licht. Die Lider leicht gekniffen, die Augen auf unendlich gestellt, ein weiterer Schluck aus der Flasche.

Die Erinnerungen ans erste Käfer-Cabrio zaubern ein Grinsen auf die Lippen. Muffig-feuchte Roßhaarfüllung im Stoffdach, hölzernes Rollgas, Reservehahn im Fußraum umlegen, ein asthmatischer 30-PS-Motor unbekannter Laufleistung, das sind die Erinnerungsfetzen aus der Vergangenheit, die als Dünung durch den Kopf wandern.

Ach ja, unter der geflochtenen Kokosmatte im Fußraum schimmelte das eingelegte Zeitungpapier. Seine Aufgabe, die Feuchtigkeit aus dem löchrigen Unterboden aufzusaugen.

Der Preis der Rostlaube 550 Mark. Der ahnungslose Student hatte sich die Schrottkarre andrehen lassen. Es musste ja unbedingt ein Cabriolet sein. Aber kosten durfte es nichts.
Viel Freude hat dieser Käfer nicht gemacht. Aber den Besitzerstolz zu unendlicher Größe aufgeblasen, ebenso wie die Leidensfähigkeit.

Der Schimmel-Hautgout für Fahrer und Co

Unvergessen dieser arttype Hautgout im Sommer. Die Mischung aus feuchtwarmer Heizluft aus dem Fußraum, um den Boden zu trocknen, und der Modergeruch sonnengetrockneter Roßhaare im Zustand fortschreitender Verwesung. Aber da musste man durch. Denn nur an Hundstagen war die Luftheizung überhaupt fähig, Trockenhitze in den Fußraum zu blasen und das Mikroklima da unten zu trocknen.

Liegt es am Sonnenuntergang, am glattgeleckten Beetle Baujahr 2016 oder am Bier, dass die Bluehour hier am Strand von Nordwijk so intensiv und schier endlos durchs Hirn wabert? Es ist die Stimmung von Kid Rocks Song „All Summer Long“ : Herumtollen auf der Sandbank, alles mögliche rauchen und den Whisky aus der Flasche zu schlürfen. „Splashing through the sandbar...smoking funny things.. sipping whisky out oft the bottle.“ Ja, genau so, so war es, wenn auch nicht 1989, sondern vielleicht ein paar Jährchen früher.

Der Beetle als Erinnerungsanker automobiler Ersterfahrungen

Geht doch Beetle. Bist doch gar nicht so schlecht, altes Weichei. Du mit Internetanbindung, Navisystem, Assistenzsystemen und vollgestopft mit Elektronik. Wie viel davon? So genau will ich es auch gar nicht wissen. Das würde nur die Stimmung verderben und das Rolling back in the good old days platzen lassen. „Zeig’ doch Beetle, was du einigermaßen authentisch in die Neuzeit gerettet hast – und dies’ Mal bitte ohne verkitschte Blumenvase.“

Ja, die äußere Blechform ist - mehr recht als schlecht – so ins 3. Jahrtausend gerettet, daß die Neuinterpretation dem Vorbild treu geblieben ist. Der Käfer-Kokon Jahrgang 2016 kann auch im Inneren bei Sitzposition, Armaturentafel, nahtlos an den Vorgänger anschließen. Selbst die drei aufgesetzten, armbanduhrgroßen Zusatzinstrumente wirken authentisch. Leider müssen die Ziffernblätter aufs Edelbranding „VDO“ verzichten. VDO als Instrumenten- und luxuriöse Uhrenmarke hat den Zeitensprung nicht geschafft.

Vom Stand in Kalifornien ins Dickicht der Großstadt

Wie auch die Motoren und ihre Anordnung nicht. Obwohl, das Triebwerk im Heck und dessen Boxerbauweise könnte man sich sehr wohl vorstellen. Schließlich ist die 911er-Linie des Käfers unter dem Namen Porsche nach wie vor über Maßen erfolgreich.

Aber Großserienlimousinen verlangen nach Frontmotor (2 Diesel, 3 Benziner 105 – 220 PS), Frontantrieb (mit und ohne Doppelkupplungsgetriebe), Wasserkühlung. So ist die Beetle-Karosse (Limousine oder Cabrio) der auf die Golf-Plattform gestülpte neue Hut. Der Beetle-Dune will aber noch mehr. Er will das All-Summer-Long-Feeling der Dune-Buggys an kalifornischen Sandstränden ins Dickicht der Großstädte transportieren.

Käfer Buggys made in Osnabrück

Natürlich hat das nichts mehr mit jenen Open-Air-Veranstaltungen auf der Käferplattform der 60er und 70er Jahre zu tun. Als glasfaserverstärkte Plaste-und-Elaste-Karossen von Apal oder HAZ kopierten sie das kalifornische Original von Bruce Meyers aus dem Jahr 1964 mehr oder minder. So ähnlich wie bei den Mountainbikes kam auch hier die Idee aus dem US-Sonnenstaat an der Westküste. Selbst die VW-Zeitschrift „Gute Fahrt“ hatte in Zusammenarbeit mit Karmann einen Käfer-Buggy entwickelt, von dem einige tausend in Osnabrück produziert wurden.

Beetle Dune: Sonderausstattung Pink für USA und China

Dennoch als Sondermodell des Beetle soll der Dune das hippiereske Lebensgefühl widerspiegeln – anders sein als die Anderen, gegen den Strom schwimmen, sich unterscheiden und trotzdem nicht am Kauf pleitegehen. In diesem Flow weiß man sich weltumspannend verbunden. Der Beetle ist im hippen Kalifornien nach wie vor trendy und in Asien, vor allem in China, lieben sie ihn. Bonbonfarben sind bei den jungen Chinesinnen besonders beliebt.

Fuchsine heißt die Sonderfarbe samt dem Sondermodell Pink. Es ist für USA, wo alles mit dem Dune Buggy begann, vorgesehen und China, wo die meisten verkauft werden. Zweihundert sollen auch nach Europa kommen. Aber nach Deutschland nicht. Sind hier die Hippies ausgestorben oder ist das All-Summer-Long-Feeling im Dauerregen abgesoffen? Das VW-Marketing wird es wissen und Hardcore-Fans des Beetle Dune werden für den Pink Vertriebswege durch die Dünen finden.

2 Kommentare

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Wolfgang Stegers
Danke, dass die Community so beflissen Korrektur liest - das macht einen am Morgen wieder fröhlich und schärft die Sinne. Merci vielmals
  • 03.06.2016, 10:42 Uhr
  • 0
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Müsste es nicht Sommer-Sonne-Strand-Feeling heißen?
Und wird Dune nicht „Djuhn“ ausgesprochen?
  • 02.06.2016, 19:18 Uhr
  • 0
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