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Das wertvollste und teuerste Bauteil im Auto: Der Sitz - gesunde Hightec-Woh ...

Das wertvollste und teuerste Bauteil im Auto: Der Sitz - gesunde Hightec-Wohlfühloase

Wolfgang Stegers
21.06.2016, 14:21 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Vom einfachen Holzbrett über Gartenstuhl hinzu Karbonschale und Wellnessoase - nahezu alle Sitzgelegenheiten wurden für Po und Rücken der Passagiere angeboten. Jetzt glänzen sogar Kleinwagen mit „Aktion gesunder Rücken“ und ein Opel-Entwickler wurde zum Sitzpapst.

Rückenleiden als Volkskrankheit

„Ich habe Rücken“ – was manchmal als Ausrede benutzt wird, um sich vor dem Tragen schwerer Lasten zu drücken, hat leider oft einen ernsten Hintergrund. Kaum einem sind Rückenleiden fremd. Nahezu jeder klagt über Beschwerden, Schmerzen oder Zwicken entlang der Wirbelsäule oder in den Schultern. Oft treten die Wehleiden bei längeren Autofahrten auf.

Auf die „leichte Schulter sind sie wahrlich nicht zu nehmen. Entspanntes und schmerzfreies Fahren beginnt nicht allein mit der richtigen Sitzposition. Da kann man noch so aufrecht sitzen, die Arme leicht angewinkelt am Lenkrad haben, können die Beine ebenso mit leichtem Winkel in den Knien zu den Pedalen gestellt sein und der Kopf ist leicht gestreckt und aufrecht. All dies ist richtig und gut. Aber wem hilft die beste Position, wenn der Sitz nicht passt? Besser: wenn aus Sicht der Orthopädie derSitz den Anforderungen an gesundes Sitzen für einen gesunden Rücken nicht genügt?

Die Wirbelsäule in Form halten und stützen

Körpergerechtes Sitzen, kein lässiges Räkeln, kein anstrengendes Flezen, das ist gar nicht so einfach. Gute, passgenaue Sitze helfen dabei enorm. Ergonomie meint, dass eine einstellbare Stütze für die Lendenwirbel die Wirbelsäule „in Form“ hält und den Oberkörper strafft. Auch eine genügend große Auflage für die Oberschenkel trägt entscheidend zum Komfort und Wohlbefinden während der Fahrt bei. Denn im Autositz ist man festgeschnallt, der Bewegungsspielraum eingeschränkt. Allein schon deswegen, um im Falle eines Unfalls bestmöglich geschützt zu sein.

So ist der Sitz die Schnittstelle zwischen Mensch und Fahrzeug. Und mittlerweile ist er zum teuersten und wertvollsten Bauteil in einem Personenwagen geworden. Bis zu 7000 Euro reicht die Preisskala bei einem Einzelsitz der Luxusklasse. Und davon gibt es dann meistens vier. Der Sitz ist im Auto zum eigenen Kosmos geworden – hier finden sich alle Materialien und Bauteile wie im übrigen Wagen auch. Die folgende Aufzählung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Stahlblech, Magnesium, Aluminium bei den Metallen.

Die Chemie wartet mit diversen Schäumen unterschiedlicher Dämmung auf; hinzukommen Kunststoffe, weiche wie harte. Textilien, synthetische wie natürliche, Leder und Stoffe. Auch wenn mittlerweile das sehr geschätzte Rosshaar ebenso wie die Federkerne ausgedient haben.

Gegensprechanlage in den Kopfstützen

Aus der Elektrik und Elektronik kommen die unterschiedlich starken Motoren für die Sitzverstellung, Längsrichtung, Höhe und Lehnenwinkel sowie für die Belüftung und Klimatisierung des Sitzes. Sensoren und Bussysteme für die elektronische Datenerfassung. Nicht zu vergessen die Pneumatik. Der Kompressor presst Luft in aufblasbare Polster zur besseren Positionierung der Schulter oder Massage von Rücken und Oberschenkeln. Und dann die Lautsprecher in den Kopfstützen, um besser mit den Infotainmentsystemen kommunizieren zu können.

Bis zu hundert Patente sind im Sitz verborgen

Ein solches Wunderwerk für Po und Rücken umfasst bis zu 100 Patente. Auf diversen Fachkongressen stellen die „Sitzforscher“ neue Entwicklungen vor und diskutieren über technische Anforderungen zukünftiger Mobilität. Denn mit dem autonomen Fahren wachsen auch die Aufgaben für den Sitz. Er muss in der Lage sein, den „Fahrer“ zu überwachen und permanent zu vermessen. Denn er muss im Notfall auch eingreifen können.

Big Bio Data ist dazu notwendig und unterscheidet sich kaum vom jährlichen Grundcheck beim Arzt. Wenn der Fahrer dazu nicht fähig sein sollte, weil das Überwachungssystem Tiefschlaf, Abwesenheit (liegt auf der Rückbank) oder ein gesundheitliches Problem sensiert hat, ist der sichere Nothalt zwingend notwendig.

Autonomes Fahren – Biodaten des Fahrers

Was heute noch sehr weit entfernt zu sein scheint, steht in Wahrheit bereits in den Startlöchern der Entwicklungslabors und warten auf Freigabe. Anfang des nächsten Jahrzehnts wird es so weit sein, meint der beim Autobauer Opel verantwortliche Ingenieur Andrew Leuchtmann. Er gilt in der Branche als „Sitzpapst“. Denn die Rüsselsheimer nehmen für sich in Anspruch, als Erste mit Nachdruck sich für ergonomisches und gesundes Sitzen in allen Fahrzeugklassen eingesetzt und es auch realisiert zu haben.

„Unsere heutigen Sitze sorgen dafür, dass Personen jeglicher Größe die optimale Haltung einnehmen können, egal, ob groß , klein, dick oder dünn“, meint Leuchtmann nicht ohne Stolz. Schließlich hätten die anderen Hersteller nachziehen müssen. Dazu arbeiten sie seit Jahren mit der Fachorganisation „Aktion Gesunder Rücken“ , einem Bündnis diverser Fachärzte und Therapeuten zusammen. Hier werden fachübergreifend die Anforderungen für gesundes Sitzen formuliert. Wer sich mit dem Gütezeichen schmücken will, muss diese erfüllen.

Zwei Airbags im Falle eines Seitenaufpralls

So ist aus dem harten Brett auf dem Kutscher bock eine Wohlfühloase mit Wellness-Massage, Klimatisierung und Heizung auf der einen, auf der anderen Seite aber auch ein orthopädisches Gestühl geworden, dass den 24 Wirbelkörpern und ihren dazwischen liegenden Bandscheiben sicherere Halt, den Schultern seitliche Stütze, dem Becken eine gesunde Auflage und den Oberschenkeln durchblutungsfreundliches Polster garantiert. Dass dabei noch Airbags aus beiden Seitenlehnen sicheren Schutz bei Crashs bieten, wird zum wichtigsten Aspekt für den Fall des Falles. Gesunder Rücken im sicheren Sitz.

1 Kommentar

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tja, Federkern und Rosshaar....
wer die Mercedes-Sitze aus den 90ern kennt, vermißt sie
einfach und gut
  • 22.06.2016, 22:42 Uhr
  • 0
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