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Revolution von innen: Der neue VW-Golf

Revolution von innen: Der neue VW-Golf

Wolfgang Stegers
02.02.2017, 21:01 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Mehr als 40 Jahre und über sieben Generationen wird der VW-Golf gebaut. Bis Jahresende waren es über drei Millionen. Jetzt rollt die überarbeitete Generation Golf VII vom Band. Auf den ersten Blick mag dieser Golf aussehen wie alle anderen zuvor – aber Achtung, Dramatisches ist passiert.

Beim Käfer, dem Volks-Wagen schlechthin, kennen wir Brezel-Fenster, Rollgas, den „Blinker-statt-Winker“, die Panoramascheibe und die elefanten-fuß-großen Rückleuchten. Irgendwie lassen sich die Modellgenerationen dieses Luftikus mit dem Boxermotor im Heck einordnen. Bilder tauchen aus der Erinnerung auf. Schwerer tun wir uns mit dem Erfolgsschlager Golf.

Golf I bis VII: Feilen am Erfolgsmodell

Nun tritt ein neuer Golf an. Sachlich, emotionslos werden in Wolfsburg die Generationen durchdekliniert. Werden der Golf I mit dem Golf IV verglichen, oder trifft Golf III auf den VI-er, dann muss man lange in der Gedächtnisablage kramen, um die signifikanten Unterschiede festzumachen. Daher haben wir hier für unseren Seniorbook-Leser im VW-Archiv eine Bildstrecke die einzelnen Generationen aufgereiht, um die Gesichter zu erkennen.

VIDEO-KLASSIKER: Dauertest und dann Zerlegen: VW Golf im Härte-Check


Alle 40 Sekunden wird ein Golf

In der Gegenüberstellung werden die Unterschiede deutlich. Zugegeben, eindrucksvoller wäre sicherlich das „Erfahren“ der verschiedenen Gölfe. Das Fazit ist aber klar: Weiterentwicklung durch Evolution. Das meint, keine Brüche, kein Verlassen der erfolgreichen Linie jenes Kompaktwagens, der seine eigene Klasse, die Golfklasse, formte und weltweit zum Erfolgsmodell avancierte. Mehr noch, der Golf entwickelte sich im Laufe seiner Jahre zum Benchmark der Automobilindustrie. Rund um den Globus sind allein im letzten Jahr beinahe 1 Million davon verkauft worden, davon über eine halbe Million in Europa. Der Primus der deutschen Zulassungsstatistik schaffte auf dem Heimatmarkt 225.000 Exemplare.

Trotz Abgasbetrug - weltgrößter Hersteller

Nun ein neuer Golf. Er präsentiert sich in den Showräumen der Händler just zu jener Zeit, in der der VW-Konzern durch „schweres Wetter“ stampft. Gleichzeitig punktet er aber bei den Verkaufszahlen. Was in der Wolfsburger Sprachregelung mit „Dieselproblematik“ beschönigt wird, war schlicht Betrug am Kunden und Verstoß gegen bestehende Gesetze. Aber aus der Sicht seiner Käufer scheint der VW-Konzern mit all seinen Marken doch so viel Attraktivität auszustrahlen, dass Erzrivale Toyota als größter Automobilhersteller vom Thron gestoßen wurde. Nun trägt Volkswagen diesen Lorbeerkranz.

Inwieweit das Verteidigen nun schwerer wird als das Erobern aus der Position des Verfolgers und was schließlich ein solcher Titel überhaupt wert ist, mögen Marketingexperten bewerten. Käufer wollen von den Produkten überzeugt werden.

Mehr als Facelift: Starkes "Update"

VW spricht beim neuen Jahrgang von einem starken „Update“ des Golf VII. So blieb, wie bei einem Facelift üblich, die Rohkarosse aus Blech unangetastet. Lediglich Anbauteile aus Kunststoff wurden „nachgeschärft“ und neu geformt. Das Update, der große revolutionäre Umbau, verbirgt sich im Inneren. Signifikant neu geschrieben wurde auch Kapitel „Umwelt“. Alle Benzinmotoren verfügen nun über einen Partikelfilter. Und als „Sahnestückchen“ präsentiert sich im Kapitel „Technik“ der neu konstruierte 1,5 Liter Benzinmotor, mit Direkteinspritzung und spezieller Turbopower.

Feinste Turbotechnik mit VTG-Lader

Der eine, der 13 unterschiedlichen Motoren, offeriert das besondere Technik-Schmankerl einer Abgasturbine mit verstellbaren Leitschaufeln zu bieten. Sie passen sich den Drehzahlen an und überbrücken das gefürchtete „Turboloch“ – jene Zeit, die es braucht, bis der Verdichter auf Touren gekommen ist und Frischluft in die Zylinder pressen kann.

Turbolader: Verstellbare Schaufeln

Was bei Dieseltriebwerken als VTG-Lader üblich ist, hatte als einziger Benzinmotor bisher nur der Porsche 911 Turbo zu bieten. Der Grund, durch die hohen Abgastemperaturen beim Benziner – durch dessen Abgasstrom die heiße Schaufelseite angetrieben wird, damit auf der anderen, der kalten Seite, die Frischluft komprimiert werden kann -,müssen die Schaufeln aus hochfestem Spezialstahl geschmiedet und höchst präzis gefertigt sein. Das treibt die Preise. Jetzt will der Golf dies e Technik aus der Nische in die Großserie führen.

Abgasreinigung: Rußfilter für die Benziner

Den Partikelfilter erhalten jetzt alle Benzinmotoren. Wie der „Rußbeutel“ bei Dieselmotoren, sammelt der blechdosengroße Staubfänger die mikrofeinen Teilchen aus dem Abgas. Über 90 Prozent des Feinstaubs bleiben am Filter hängen. Die aktive Oberfläche eines solchen Filtersiebs umfasst gut zwei Fußballfelder. Durch die katalytische Beschichtung finden hier auch chemische Umwandlungsprozesse statt. Wenn etwa 3 Gramm Rußstaub gesammelt ist, wird dieser abgebrannt. Kraftstoff wird in den Filter gespritzt und verbrennt zusammen mit dem Ruß.

Revolutionär neue Technik an Bord

Das Fahren im aufgemöbeltem Golf ist wie gewohnt. Sitzposition, Übersicht und „Fahrgefühl“ scheinen sich dem Fahrer hinter dem Steuer anzupassen. Die neu installierte Elektronik jedoch verlangt vom Fahrer sich Zeit zu nehmen, bis er dann „durchblickt“. Das elektronische Cockpit „Active Info Display“ bietet eine Vielzahl an Einstellungen und Konfigurationen. Aus den 5 Profilen wie „Classic“, „Verbrauch & Reichweite“, „Effizienz“, „Leistung & Fahrassistenz“ sowie „Navigation“ kann man seine Lieblingsansicht wählen. Durch die hohe Pixel-Auflösung von 1440 X 540 erscheinen Bilder und Beschriftungen gestochen scharf, Linien sind klar umrissen. Trotz aller Infofülle bleiben die Anzeigen im 12,3 Zoll großem Schirm schnell erkennbar und ablesbar, auch weil sie farblich zugeordnet werden.

Apps:..wenn der Postbote klingelt

Der große Bildschirm in der Mittelkonsole erreicht eine ähnliche Qualität, ist aber stärkerem Lichteinfall ausgesetzt. In der teuersten Variante „Discover Pro“ lässt sich der Touchscreen mittels Gesten steuern, so wie man es vom Smartphone gewohnt ist. Natürlich sind die gängigen Smartphone-Systeme integrierbar und lassen sich mit dem Infotainmentsystem koppeln. Wer mag, kann Stunden damit verbringen, seine eigene digitale Erlebniswelt ins Auto zu bringen. Dazu gehören dann auch die App „DoorBird“. Sie stellt Videokontakt zur eigenen Haustür her und zeigt den klingelnden Postmann oder Paketboten, dem die Haustür geöffnet werden kann, um Pakete zu liefern.

Sattelfest für die Elektromobilität

Der Golf als Allrounder will auch in Zukunft sattelfest für eine geänderte Mobilität sein. Sie schöpft ihre Energie immer weniger aus de Verbrennen von Kohlenwasserstoff sondern nutzt Strom zum Antrieb. An Bord gespeichert in elektrischen Batterien, treiben sie mit wachsendem Anteil de Räder an. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs soll sich nach den Plänen der Wolfsburger in Schritten vollziehen und dem Mobilitätsbedürfnis seiner Benutzer gerecht werden. In wenigen Wochen sollen dann auch elektrifizierten Varianten des neuen Golf vorgestellt werden:
*Der „segelnde“ Golf erhält eine zusätzliche Lithium-Ionen-Batterie
*Das Plugin-Hybridmodell erhöht die rein elektrische Reichweite auf 50 Kilometer
*Der Golf GTE mit rein batterie-elektrischem Antrieb und 200 Kilometer

Daten und Highlights

In zehn Stichpunkten lassen sich die wichtigste Fakten zusammentragen:
1. Intuitiver: Infotainmentsystem „Discover Pro" mit Gestensteuerung bringt die Bedienung der Zukunft an Bord.
2. Größer und edler: Infotainmentsysteme wurden neu konzipiert und erhielten durchgängig größere Touchscreens.
3. Allways on: Online-Services „Guide & Inform" und neue Car-Net-Dienste „Security & Service" für den Golf.
4. Teilautomatisiert: Golf fährt dank neuem Stauassistent mit bis zu 60 km/h teilautonom durch den Stop-and-Go-Verkehr.
5. Effizienter: Neuer Benzinmotor 1.5 TSI* (96 kW und 110 kW) für den Golf und Golf Variant.
6. Stärker: Neuer Golf GTI jetzt mit 169 kW / 230 PS; starke 180 kW / 245 PS für den GTI Performance*.
7 Sparsamer: Neu entwickeltes 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) senkt Verbrauch um bis zu 0,3 l/100 km.
8. Schärfer: Neue Stoßfänger, neuer Kühlergrill sowie neue und serienmäßige Voll-LED-Rückleuchten.
9. Strahlender: Neue LED-Scheinwerfer lösen im Golf und Golf Variant des Modelljahres 2017 alle Xenon-Scheinwerfer ab.
10. Umfangreicher: Serienausstattung des Grundmodells jetzt inklusive neuem Infotainmentsystem „Composition Colour".

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