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Qual der Wahl: Reisemobil oder Campingbus

Qual der Wahl: Reisemobil oder Campingbus

Wolfgang Stegers
02.05.2017, 19:52 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Sicher haben sie schon darüber nachgedacht was denn eigentlich besser ist, um der automobilen Reiselust zu frönen, unabhängig von Fahrplänen und festen Routen zu sein. Die mobile Wohnung oder das rollende Campingzelt?

Mit den Osterfeiertagen beginnt traditionsgemäß die Campingsaison. Dann schwärmen Tausende von Reisemobilen und Campingbusse aus, auf zur Fahrt in den warmen Süden. Aber der Weg dorthin wurde heuer von Schneeschauern und Eisregen begleitet. Spätestens als große und eher behäbige Fahrzeuge wie angewachsen auf den Stell- und Campingplätzen stehenblieben (nachdem sie vielleicht mit Ach und Weh leichte Bergpassagen gerade noch gemeistert hatten), stellte sich die Frage: Wohnmobil oder Campingbus?

Ein Schneckenhaus bei schlechtem Wetter

Die Entscheidung ist sicherlich nicht einfach. Die mobile Wohnung ist wie ein Umzug von A nach B. Auf dem Stellplatz angekommen, wird nach den Versorgungsstationen für Propangas zum Heizen und Strom zum Wohnen gesucht. Bei schlechtem Wetter zieht man sich in sein Schneckenhaus zurück und watet auf besseres Wetter. Selbst die Fahrräder bleiben im oder am Wohnmobil.

Der Aktionsradius von großen Reisemobilen wird durch Zufahrtsbeschränkungen und mangelnden Parkmöglichkeiten in touristisch relevanten Städten erheblich begrenzt. Selbst in ländlichen Gemeinden schließen Zusatzhinweise an Parkplatzbeschilderungen ihr Verweilen zumindest über Nacht aus.

Klein, kompakt und agil

Besser dran sind die Nutzer von Campingbussen und Kastenwagen. Ihre Fahrzeuge können zwar nicht mit dem großzügigen Raumangebot der Wohnmobil-Riesen aufwarten, doch müssen sie sich über die Versorgung mit dem Betriebsstoff ihrer Heizung keine Gedanken machen. Die arbeitet in aller Regel mit Diesel, das im regulären Tank des Campingbusses reichlich gebunkert ist. Und sie bleiben flexibel. Denn bei Maßen, die kaum jene einer Mittelklasse-Limousine übertreffen, findet sich auch in gut besuchten Innenstädten immer ein Parkplatz, zumal der durchaus auch in einem Parkhaus mit zwei Metern Einfahrtshöhe zu finden sein kann.

Durch dick und dünn dank Allrad

Nicht unerheblich ist ebenso die Fahrsicherheit von Campingbussen. Sie werden häufig auch als allradgetriebene Varianten angeboten, was nicht nur bei einem ebenso späten wie unerwarteten Wintereinbruch wie jüngst erlebt durchaus von Vorteil ist. Neben der aktiven Sicherheit durch zahlreiche Assistenzsysteme punktet ein Campingbus vor allem mit seiner hohen Crash-Sicherheit, die weitaus höheren Anforderungen genügen muss als die eines Reisemobils mit integriertem oder teilintegriertem Aufbau.

Der Campingbus wird daher bei ungünstigen Wetterbedingungen zum besseren Freizeitpartner und zur Reiselimousine erster Klasse, die schnelle Ortwechsel erlaubt und im Zweifelsfall die Nacht einfach auf dem Parkplatz des Landhotels verbringt. Am nächsten Tag steht die Wahl erneut an, ob er wieder als Feriendomizil eingesetzt werden soll oder die komfortable Weitereise garantiert, je nach dem, wie Regen oder Schnee fallen und der Wind weht.

Skiferien sind auch möglich

Was lange nicht bedeutet, dass Campingbusse bei Kälte nicht bestehen können. Ihre Kraftstoffheizungen mit gut fünf Kilowatt Leistungen temperieren auch bei strengen Frösten den Innenraum mollig warm und verhindern überdies das Einfrieren der Wasserversorgung zuverlässig. Der Zeltstoff der verschiedenen Hubdach-Systeme lässt sich mit beim Hersteller oder im Zubehörhandel erhältlichen Dämmmatten zusätzlich isolieren, so dass der Wärmeverlust über diese Kältebrücke erheblich reduziert wird.

Auch die Verglasung der Fahrzeuge kann mit solchen Iso-Matten zusätzlich abgedeckt werden, sportliche Camper nutzen ihren Bus sogar als rollende Skihütte für einen Wochenend-Ausflug ins nächste Ski-Ressort. Die zahlreichen gut ausgestatteten Camps in den Alpenregionen ersetzen mit ihren meist hochmodernen Sanitäranlagen eine Dusche oder eine Toilette an Bord.

Deutlich geringere Kosten bei Campingbussen

Dennoch bleibt das komfortable und sichere Reisen über jedwede Entfernung die Domäne der Campingbusse und das bei deutlich niedrigeren Kosten. Auf manch gebührenpflichtigen Autobahnen im Ausland zahlen große Reisemobile bisweilen den doppelten Satz einer Limousine, an vielen Zahlstationen geht ein Campingbus noch als solche durch. Auch Schwerverkehrsabgaben, die im Ausland Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse betreffen, gelten für sie nicht. Beides schont die Urlaubskasse.

Und nicht zuletzt liegt der Treibstoffbedarf eines Campingbusses dank seines niedrigeren Gewichts, seines geringeren Luftwiderstandsbeiwertes und seiner kleineren Stirnfläche erheblich unter dem eines Wohnmobils. Während die Verbrauchswerte eines integrierten Fahrzeugs bei gleich welcher Fahrweise kaum unter zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer zu senken ist, lassen sich moderne Campingbusse auch mit kräftigerer Motorisierung mit fünf bis sieben Liter Treibstoff über die Standardstrecke bewegen.

Unübertroffen: Komfort- und Platzangebot der Wohnmobile

Campingbusse und Kastenwagen haben die langjährige Führung der übrigen Reisemobil-Bauarten seit einiger Zeit beendet. Sie liegen – gewiss auch aufgrund der angeführten Vorteile – in der Publikumsgunst vorn. Dabei spielt auch das Kaufargument eine Rolle, dass Campingbusse je nach Anforderungen und Einsatzzweck auch als Erst- oder Zweitfahrzeug taugen. Dennoch fällt die Wahl schwer. Bei Anschaffungspreisen deutlich über 50 000 Euro sollte die nicht überhastet getroffen werden. Ob man sich auf dem knappen Raum eines Campingbusses einrichten und bei wochenlanger Tour wohlfühlen kann, sollte vorher geprüft werden. Und ob sich ein Seniorenpaar mit all den Mobilitätseinschränkungen eines großen Reisemobils anfreunden kann, ist ebenfalls nicht sicher.

Campingbus plus Caravan-Anhänger

Sehr empfehlenswert ist daher der Urlaub auf Probe, im Frühjahr vielleicht in einem Campingbus, im Herbst dann mit einem größeren Heim auf Rädern. Und diejenigen Familien, die den Campingbus im Alltag nutzen, ihn an langen Wochenenden bei Ausflügen schätzen, denen aber während der Sommerreise das Platzangebot nicht ausreicht, sei zu einem Caravan als Anhängsel geraten. Der kostet in der Einsteigerklasse kaum mehr als 15 000 Euro, erweitert den Lebensraum im Urlaub erheblich und kann dank hoher Anhängelasten mühelos ins Schlepp genommen werden.

Aber immer gilt: Vorher ausprobieren, das schützt vor teuren Fehlentscheidungen.

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