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5 Sofortmaßnahmen gegen Abgasbelastung in München

5 Sofortmaßnahmen gegen Abgasbelastung in München

Thomas Bily
20.07.2017, 16:05 Uhr
Beitrag von Thomas Bily

Schadstoffalarm in München! Nicht nur für den Mittleren Ring und die großen Ausfallstraßen werden weit überhöhte Schadstoffwerte ausgewiesen. Auch viele "normale" Straßen und Wohnviertel sind schwer belastet. Hier sind 5 Sofortmaßnahmen, die ich aus täglichen Beobachtungen des Straßenverkehrs ableite. Empirisch sozusagen.

1. Download der MVG APP: München hat ein perfekt funktionierendes, flächendeckendes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Die dazu gehörige APP führt einem minutengenau vor Augen, wie schnell es - selbst mit zweimal Umsteigen - geht. Zeit kann nicht die Ausrede sein. Mit den Öffentlichen ist man fast immer schneller unterwegs (und günstiger). Nur das Fahrrad kann noch mithalten. Bevor die S-Bahn Fahrer wieder quengeln wegen der anfälligen Stammstrecke, grenzen wir das Versuchsfeld ein auf U-Bahn, Tram und Bus.

2. Ächtung des Kinder-Kutschierens mit dem Auto: Vor allem zwischen 7.00 und 8.30 Uhr und zur Mittagszeit fällt auf, wie viele Eltern ihre Kinder herumkutschieren. Vielleicht weil sie Angst haben, dass sie in der bösen Stadt verloren gehen oder den Weg in die Schule nicht finden? Wenn dem so ist, dann sollen sie Fahrrad oder Öffentliche nutzen und nicht mit ihren Zweifahrzeugen (im Glockenbach ist das gerne mal der Range Rover) die Luft verpesten. Muttis und Papis: Ihr könnt euch eure Likes für Eisberg-Videos oder Bio-Kaffee sparen, wenn ihr nicht bereit seid, euren und den Hintern eurer Kinder zu bewegen. An alle Lehrer und Erzieher: Sprecht die Leute, die ihre Kinder mit dem Auto vorfahren oder abholen an auf ihr Umweltbewusstsein. Die Kinder sollen dann kein Bio-Müsli mehr bekommen, sondern nur noch Semmeln mit Innereien vom Großstadtschwein.

3. Umerziehung von Tussen und Schnöseln, die sich zu fein sind, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Aus meiner Zeit in großen Medienhäusern weiß ich, wie viele - gerade junge bis mitteljunge Damen und Herren in der Steigphase der Karriereleiter - sich zu fein fühlen, die Öffentlichen zu nutzen. Sie wollen unbedingt in ihrem Mini, 1er BMW oder A3 gechilled zur Arbeit fahren und schon das erste Telefonat mit Schatzi aus der Tiefgarage starten (man hat sich ja schon eine Minute nicht mehr gesehen). In der Arbeit steht das Auto dann doof rum, weil sie eh einen Bürojob haben und den ganzen Tag nicht raus dürfen. Das machen auch Mitarbeiter von Unternehmen, bei denen die Öffentlichen direkt vor die Haustür fahren. An alle Chefs und Tiefgaragenverwalter: Firmenautos und TG Plätze bekommt nur noch, wer das Auto für den Job braucht. Also Vertriebler oder Transportfahrer. Und wenn Firmenauto, dann ein Elektromobil. Und am besten geht ihr, liebe Chefs, mit gutem Beispiel voran. Auch wenn man sich manchmal was Schöneres vorstellen kann, als Schweißtropfen züngelnder Teenies in der U-Bahn. Dann seid ihr wenigstens zweimal am Tag im richtigen Leben.

4. Verbannung der Showfahrer: Wir arbeiten direkt in der Stadtmitte und ihr werdet gar nicht glauben, wie viele Showfahrer durch die Münchner Altstadt cruisen: angefangen von alten Herren im Ferrari (nix gegen alte Herren, nix gegen Ferrari) bis runter zu aufgetunten 3er BMWs - hauptsächlich gefahren von jungen Menschen mit Migrationshintergrund (erkennbar an der Musik, die mit 800 Watt rausdröhnt). Bei allem Verständnis für Fehleinschätzungen der Außenwirkung und für andere "Kulturen": Nicht in unserer Stadt! Fahrt aufs Land oder noch besser: Fahrt in euer Land! Da könnt ihr vielleicht dem einen oder anderen imponieren, weil die nicht alle fünf Minuten einen Ferrari sehen und die türkischen Charts in den Musikboxen der Oberland-Wirtshäuser noch was Besonderes sind. So oder so: Schleichts eich!

5. Aussperren der Parkplatzsucher: In der Vorweihnachtszeit ist es besonders schlimm. Die Straßen sind verstopft mit Leuten, die Parkplätze suchen, die es gar nicht gibt. Ehepaar, die sich dann im Auto streiten ("Wären wir doch daheim geblieben. Ich hab´s ja gleich gewußt."), Rentner in der A Klasse ("Mei, mir ham Zeit. Schee is in da Stadt.") oder auch Touristen ("Schatzi, Parkhaus soll teuer sein. Lass uns mal erst ´nen normalen Parkplatz suchen."). An alle Geschäftsinhaber: Gebt Rabatte für Leute mit MVG Abo oder Monatskarten. An die Stadt München: Lasst nur noch Anwohner und Lieferanten mit Auto in die Altstadt. Der Rest kennt sich eh nicht aus und steht nur im Weg.

Zusatz-Maßnahme: Werbung für saubere Luft: Es gibt ja bereits eine Kampagne zum Schutz der Isar unter "Deine Isar". Liebe Stadt München: Du hast Geld genug für eine zweite Kampagne mit dem Slogan "Deine Stadtluft". Statt an der Isar könnten die Plakate an den Einfallsstrassen hängen und der im täglichen Stau stehenden Zielgruppe vor Augen halten, wie sie gerade wieder die Luft verpesten und die Zeit sinnlos vertrödeln. Muss das wirklich sein?

Alle Maßnahmen sind ruckzuck umsetzbar, kosten (bis auf 6.) nicht viel Geld, sondern sparen womöglich noch Geld (wie 3.).

Wenn Sie nicht glauben, was Sie da lesen, dann stellen Sie sich 5 Minuten an eine beliebige Ampel in der Münchner Innenstadt und erleben Sie selbst all diese Punkte live und in Farbe. Dann sehen Sie auch, warum immer weniger Autos bei Grün über die Kreuzung kommen: Weil mindestens jede/r Zweite irgendwas in sein Handy tippt und erst aufwacht, wenn einer der nicht tippt, hupt. Irgendwann bleiben alle bei Grün stehen - wie in Neapel.

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