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Polizeizeichner erklärt das Geheimnis eines guten Phantombilds

Polizeizeichner erklärt das Geheimnis eines guten Phantombilds

News Team
13.10.2016, 14:31 Uhr
Beitrag von News Team

Rund 7,35 Milliarden Menschen leben auf der Erde - und jeder hat ein einzigartiges Gesicht. Diese Erkenntnis ist Grundlage der Arbeit von Dirk Scheerle, Phantombild-Experte des LKA Niedersachsen. Vor mehr als 30 Besucherinnen und Besuchern sprach er am Dienstagabend(11.10.) im Polizeimuseum Niedersachsen in Nienburg/Weser über seine Arbeit und die Bedeutung des Phantombildes für die polizeiliche Fahndung.

Phantombilder entstehen auf Grundlage subjektiver Wahrnehmungen von Zeugen und der subjektiven Interpretation des Beschriebenen durch den Phantomzeichner. Und dennoch hat sich das Phantombild als Hilfsmittel der polizeilichen Fahndungsarbeit als erfolgreich erwiesen. Die Erklärung für diesen Erfolg liegt tief in der menschlichen Psyche verborgen.

Der Vortrag fand im Rahmen der Ausstellung "Soko S - Die Jagd nach dem Bomben-Attentäter von Bremen und Eystrup" statt. Ausgehend vom Phantombild mit dem 1951 der Paketbomben-Mörder Erich von Halacz identifiziert wurde, nahm Scheerle seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung des Phantombildes in der Fahndungsarbeit. Er skizzierte dessen Etablierung als Fahndungshilfsmittel sowie die technischen Entwicklungen seit damals: Bis heute hat der Kohlestift noch nicht ausgedient, doch auch die Arbeit am Tablett und mit 3-D-Darstellungen sind keine Zukunftsmusik mehr.

Besonders betonte Scheerle den menschlichen Aspekt seiner Arbeit: Als Polizeizeichner sitzt er ständig Opfern oder Angehörigen von Opfern gegenüber. So geht mit dem Phantombildzeichnen eine enorme emotionale Belastung für die Zeugen einher, die viel Einfühlungsvermögen verlangt.

Auch die Ermittler lassen ihre offenen Fälle nicht los: Zu Scheerles Arbeitsbereich gehört ebenfalls das "Aging", bei dem Fotos oder Phantombilder "gealtert" werden. Diese Methode wird unter anderem bei der Vermisstensuche angewandt, etwa im noch offenen Fall der seit 2001 verschwundenen Katrin Konert.

Das Phantombild steht nicht allein, sondern bettet sich als Puzzleteilchen in die Fahndungsarbeit ein. Nur im Zusammenspiel mit anderen Fahndungshilfsmitteln und in enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, kann es zum Erfolg einer Ermittlung beitragen.

Der Vortrag war sehr gut besucht. Ein angehender Polizeistudent reiste extra aus Nordenham an, um dem Experten zu lauschen. Mit seiner großen Leidenschaft für seinen Beruf überzeugte Scheerle alle Zuhörerinnen und Zuhörer.

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