wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Hotel Mama/Papa

Hotel Mama/Papa

11.04.2017, 13:33 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer kennt dass ?

Der Schulabschluss ist schon eine ganze Weile her, und der Sohnemann hat immer noch keine Ahnung, was als Nächstes kommt. Also wohnt er erst einmal weiter bei den Eltern, chillt ein bisschen, schlängelt sich so durch die Tage. Ist ja auch bequem und praktisch, das sichere Nest zuhause, mit Mamas Ratschlägen und Papas Kochkünsten. Doch was, wenn aus Wochen, Monate oder sogar Jahre werden, eine Art Dauerzustand?
Es ist ein allgemeiner Trend, lange im Elternhaus zu bleiben. Die jungen Menschen leben heute so lange zuhause wie noch nie, das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.12% der 30-jährigen jungen Männer leben noch bei den Eltern. Diesen hohen Wert hat es noch nie gegeben. Ja, es sind vor allem junge Männer, die länger zuhause wohnen. Die jungen Frauen heute treten beim Ablösen nicht so stark auf die Bremse wie die Männer, sie sind eher in einer Aufbruchsstimmung. Das traditionelle Muster „Kinder, Küche, Kirche, Kommune“ wird beibehalten, aber auf jeden Fall um das 5te „K“ …der „Karriere“…. ergänzt. Sie haben ihre Geschlechtsrolle neu definiert und erweitert. Sie sind agiler, flexibler, krisenfester und daher auch früher selbständig. Die jungen Männer sind da vergleichsweise träge.
Fakt ist:
62 Prozent der 18- bis 24-Jährigen leben noch mit ihren Eltern in einem Haushalt.
Söhne leben länger zuhause als Töchter: nur 56 Prozent der jungen Frauen, aber 68 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen leben noch daheim.
Auf dem Land lebt man länger zuhause: In kleineren Gemeinden leben 78 Prozent aller jungen Erwachsenen bei den Eltern, in Großstädten nur 45 Prozent.
Das ist wohl eine Reaktion darauf, dass für die junge Generation der weitere Lebenslauf nicht mehr so planbar ist wie das etwa bei uns Eltern der Fall war. Unser damals vorherrschende Muster – Ausbildung, Berufseintritt, Familiengründung – ist heute nicht mehr klar. Junge Leute lassen sich Zeit und wollen sich nicht unter Druck setzen lassen.
Einer der Gründe:
Es gibt ca. 300 Berufe, die in Deutschland ausgebildet werden können, dazu etwa 18.000 verschiedene Studiengänge! Die jungen Leute haben eine derartige Fülle von Alternativen und Optionen, dass überfordert schon wieder,. sie können sich nicht mehr orientieren. Vielfalt und Offenheit machen Entscheidungen leider immer schwieriger.
Warum machen wir als Eltern da mit?:
Wir bieten heute förmlich eine Partnerschaft auf Augenhöhe an und stellen tolle Ressourcen zur Verfügung. Instinktiv, weil diese Situation auch für uns Vorteile hat. Wir bekommen die neuesten Entwicklungen unserer Kinder mit.Wir sehen, wie man sich kleidet, was Mode ist, wie man spricht. Und vor allem profitieren wir davon, dass die Kinder sich mit allem Digitalen auskennen, da lebt quasi der Apple-Dienst direkt im Haus. Außerdem erkaufen wir Eltern uns auch Zeit, in der wir noch nicht über uns als Paar nachdenken müssen.
Dieser Trend zeigt, dass das Verhältnis zwischen uns Eltern und Kinder gut ist. Das müssen wir wertschätzen. Die meisten Eltern stellen sich gut auf ihre Kinder ein und haben ein faires gleichberechtigtes Verhältnis zueinander.
Bei uns erfolgte er sogar in Etappen, ein bereits flügge gewordenes Kind kehrte vorübergehend wieder ins elterliche Nest zurück, seine Weichenstellung funktionierte nicht , das Ziel des Profisportler hatte nicht geklappt. Es gibt immer wieder derartige Rückfluchten. Das Schwierige ist ja: Selbst wenn ich einen guten Schul- oder sogar einen guten Berufsabschluss habe, gibt es immer noch keine Garantie. Viele wissen dann immer noch nicht, wie es weitergeht. Soll ich weiter studieren? Soll ich schon in den Beruf? Es könnte die falsche Entscheidung sein. Geben wir es zu: wir zählen zu den wichtigsten Beratern in allen Bildungs-und Karrierefragen unserer Kids.
Ein weiterer Aspekt:
Die Finanzen. Zu Hause besteht meistens eine gesicherte Existenzgrundlage, die Einkommen der Eltern sind wesentlich höher als das, was unsere Jugend verdienen kann. Das hält die Jugend in sicheren Gefilden. Wir hatten zwar rechtzeitig zum 16 Lebensjahr der Jungs vereinbart, dass wir nur noch die notwendigen Basiskosten zahlen. Den Rest mussten unsere Söhne durch ein erhöhtes Taschengeld und Nebeneinkünfte sich irgendwie selbst organisieren. Diese Regelung sollte sie selbständiger machen, die eigene Verantwortlichkeit fördern. Finanzen sind ja die Ressourcen für die eigene Lebensgestaltung. Wenn das mit den Finanzen klappt, gelingen auch andere Entscheidungen, war unsere Denkweise. Aber zu allem gehört halt auch ein gut bezahlter Job, und der ist nicht leicht zu finden heutzutage.
Und dann das alltägliche:
Wie bedient man eine Waschmaschine? Wie kauft man ein? Welche Versicherungen? Amtsgänge? Oje…wo finde ich was? Wohnungseinrichtung? Klar doch, Palettenbett und Ikeaschrank. Mietwohnung oder evtl. kleine Eigentumswohnung ? Zinsen sind doch faktisch null ?!
Das ist ja das Bequeme am Hotel Mama/Papa, dass man diese lästigen Alltagssachen nicht machen muss – die aber zum selbständigen Leben dazu gehören.
Ich halte es für eines der größten Defizite, dass heute in den meisten Schulen nichts gelernt wird über wirtschaftliche Zusammenhänge wie Haushaltsökonomie und Kontoführung. Über Verbraucherverhalten und Haushaltsfähigkeiten. Das gehört meines Erachtens in eine moderne Schule hinein. In der Schule soll ich lernen zu leben. Und deswegen schätze ich Schulen sehr, die das machen. Das Berufskolleg unseren Jüngsten zeigte das vorbildlich….an der Entscheidung welchen Beruf er wählen soll änderte es insofern was als das sein dualer Abschluss Abitur/ gestaltungstechnischer Assistent für weitere Berufsaussichten nicht in Frage kommt, da ein selbstständiges Leben damit für ihn nicht machbar wäre.

Es vergehen wohl noch ein paar Jahre, bis alle flügge und ausser Haus sind….ich denke ich bin eher in Altersruhe !

Mehr zum Thema

3 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Heute gibt es viel mehr Abiturienten als früher, die dann möglichst auch noch studieren wollen. Somit ist der Berufseinstieg sehr viel später. Da bietet es sich schon an so lange wie möglich zu Hause zu wohnen, allein aus finanziellen Erwägungen heraus.
  • 11.04.2017, 19:16 Uhr
  • 0
Einer der von mir angeführten Gründe...stimmt
  • 11.04.2017, 19:17 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Die meisten jungen Leute waren noch nie so unselbständig und hilflos, wie heute.
  • 11.04.2017, 16:19 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.