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Niedrigstlöhne bei Spielzeugkette Toys R Us – 90 Prozent aller Mitarbeiter a ...

Niedrigstlöhne bei Spielzeugkette Toys R Us – 90 Prozent aller Mitarbeiter arbeiten in Teilzeit

News Team
15.05.2016, 14:53 Uhr
Beitrag von News Team

Berlin. In den Filialen des Spielwarenhändlers Toys R Us arbeiten offenbar viele Angestellte für Gehälter, die für den Lebensunterhalt nicht oder nur kaum reichen. 90 Prozent aller Angestellten dort haben nach Informationen der „Welt am Sonntag“ flexible Teilzeit-Verträge. Diese garantieren den Angestellten lediglich eine Mindeststundenzahl. Erst über zusätzliche Mehrstunden, mit denen die Betroffenen jedoch nicht verlässlich planen können, kommen sie auf ein volles Gehalt. Nach offiziellen Angaben des Unternehmens liegt die Zahl zwar bei lediglich 80 Prozent, doch laut Informationen des Betriebsrates sind darin auch die Zentralverwaltung und die Läger enthalten, in denen kaum Teilzeitkräfte arbeiteten.

Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di führe die flexible Teilzeit dazu, dass es unter den rund 1700 Angestellten in den 65 Toys R Us-Filialen eine signifikante Zahl an Aufstockern gebe. Diese müssen ihr Gehalt mit staatlichen Sozialleistungen aufbessern. Das Unternehmen kommentierte dies auf Anfrage nicht.

Für Arbeitgeber sind solche kapazitätsorientierten Verträge attraktiv, da sie – gerade im hart umkämpften Einzelhandel – helfen, die Personalkosten gering zu halten. Sie verhindern, dass Mitarbeiter bezahlt werden müssen, wenn die Läden leer sind, während in Spitzenzeiten keine zusätzlichen Kräfte eingestellt werden müssen.

Arbeitsmarktexperten halten es für wahrscheinlich, dass solche Arbeitsverträge bundesweit in den kommenden Jahren Zulauf verzeichnen werden. Denn die Bundesregierung versucht zurzeit, andere Flexibilisierungsinstrumente wie Werkverträge zu unterbinden. Die flexible Teilzeit könnte für viele Firmen eine attraktive Ausweichmöglichkeit sein, meint etwa Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Wenn man anderswo Hürden einbaut, mag es Arbeitgebern durchaus als interessant erscheinen, stattdessen stärker auf solche Arbeitsverträge mit flexiblen Einsatzzeiten zu setzen.

Schon heute seien sie in all jenen Branchen ein Thema, die von unplanbaren Nachfrageschwankungen abhängen, Gastronomie und Tourismus etwa. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge arbeiten derzeit etwas mehr als fünf Prozent aller Beschäftigten in flexibler Teilzeit oder Arbeit auf Abruf.

Tatsächlich ruft die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) bereits nach einer Lockerung der derzeitigen gesetzlichen Vorgaben für solche Verträge: Die Ankündigungsfrist von zurzeit vier Tagen, wann ein Mitarbeiter zum Dienst eingeteilt werde, müsse verkürzt werden, sagte ein BDA-Sprecher auf Anfrage. Beim Bundesgesundheitsministerium sieht man hier derzeit keinen Handlungsbedarf, wie eine Sprecherin sagte. In der Opposition dagegen wünscht man sich weniger Flexibilität bei der Ausgestaltung solcher Arbeitsverträge. Die Arbeit müsse für die Beschäftigten berechenbarer werden, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Brigitte Pothmer. „Dafür muss die Dauer festgeschrieben und die Lage der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit verbindlich eingegrenzt werden“, so Pothmer.

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