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Wie Mütter bei der Rente vom Staat benachteiligt werden

Wie Mütter bei der Rente vom Staat benachteiligt werden

Helmut Achatz
18.09.2016, 12:19 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Wie Mütter bei der Rente vom Staat benachteiligt werden – das betrifft vor allem Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes schon bald wieder arbeiten gingen. Wenn sie in Rente gehen und während der Kindererziehungszeit zu viel verdient haben, bekommen sie im schlechtesten Fall gar nichts ihrer Arbeitsleistung anerkannt.

Wie das? Die Rentenversicherung sieht bei der Anrechnung der Kindererziehungszeit eine Obergrenze vor, wenn die Mutter mehr als der Durchschnitt verdient hat. Das Ganze ist leider ziemlich kompliziert – wie überhaupt das Rentenrecht. Die „Freie Presse“ aus Chemnitz hat das Problem anhand eines Falls, nämlich der von Heidrun Buchner, aufgedröselt. Heidrun Buchner bekam, so das Blatt, 1975 eine Tochter. Dummerweise habe sie in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes 14 Monate gearbeitet und Beiträge zur freiwilligen Zusatzrentenversicherung gezahlt. In punkto Anrechnung der Kindererziehungszeiten gilt aber eine Bemessungsgrenze – und Heidrun Buchner lag darüber, wie übrigens viele Frauen in der DDR, die ja auf ein gut ausgebautes Kinderbetreuungssystem setzen konnten.

30,45 oder 28,66 Euro für einen Rentenpunkt

So weit, so schlecht. Mütter bekommen für die Kindererziehung von der Rentenversicherung einen Entgeltpunkt, sozusagen die Währung der Rentenversicherung, gut geschrieben – und der ist zurzeit in Westdeutschland 30,45 Euro wert und in Ostdeutschland 28,66 Euro . Wenn Kindererziehung und Arbeit zusammenkommen, bekämen die Mütter natürlich entsprechend mehr Entgeltpunkte. So weit die Theorie. In der Rentenpraxis ist das leider ganz und gar nicht so. Für die Entgeltpunkte haben die Rentenversicherungspolitiker eine Obergrenze eingezogen. Wenn jetzt eine Frau zu gut verdiente während der Kindererziehung bekommt sie nicht die Summe ihrer Entgeltpunkte, sondern weniger oder gar nichts von den Ansprüchen aus der Kindererziehung.

Obergrenze bei der Mütterrente

Das wird an einem Beispiel deutlich wie die Zeitschrift „Lichtblick“ errechnete, wobei sie den fiktiven Fall von Marianne L. nimmt: „Marianne L. hatte damals (gemeint ist das Jahr 1990, als ihr Kind zur Welt kam) 80 000 Mark (ja, der Euro wurde erst 2002 eingeführt) Jahresgehalt und lag weit über dem damaligen Durchschnittsgehalt“. Der Durchschnitt lag damals, im Jahr der Geburt des Kindes laut Deutscher Rentenversicherung bei 41 946 Mark, die Beitragsbemessungsgrenze lag bei 75 600 Mark – und dafür gab’s 1,8 Rentenpunkte.

Wäre Marianne L. vor dem 1. Juli 2014 in Rente gegangen, hätte sie auch den Entgeltpunkt für die Kindererziehungszeit bekommen, leider geht sie erst später in Rente. Also, die Gnade der frühen Geburt hat sie nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt gab’s pauschal einen Entgeltpunkt für jedes Kind.

Willkür bei der Rentenberechnung

So, Marianne L. bekommt weniger als diesen Punkt, denn Punkte aus Beschäftigung und Kindererziehung werden nur noch bis zu einer Höchstgrenze anerkannt. Für das Jahr der Geburt von Mariannes Kind, sprich 1990, haben die Rentenpolitiker eine Obergrenze festgelegt – genau 1,8 Rentenpunkte.

Die Regelung ist willkürlich, der Zeitpunkt ist Willkür und auch die Obergrenze ist nach Gutsherrenart festgelegt. Warum liegt die Obergrenze für Kinder, die 1990 geboren wurden bei 1,8 und für Kinder, die 1980 geboren wurden bei 1,7 Rentenpunkte? Willkür ist auch der Stichtag 1. Januar 1992 – denn Mütter (oder Väter), deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bekommen zwei Jahre Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung angerechnet, „bei Geburten ab 1992 sind es 36 Monate“, so die Rentenversicherung.

Millionen Mütter von Betrug betroffen

Es handelt sich auch nicht um ein paar Ausnahmen. „Lichtblick“ zufolge bekommen rund 2,5 Millionen Frauen die versprochene höhere Rente „nur zum Teil oder überhaupt nicht“.

Die Beitragsbemessungsgrenze sei, so die „Freie Presse“ deshalb schon mehrmals angegriffen worden, bisher ohne Erfolg. Der Fall liegt beim Bundesverfassungsgericht, das bislang freilich noch nichts entschieden hat, zumindest nach meinemWissen. Das Sozialgericht Brandenburg ist davon überzeugt, „dass die Regelung zur Höchstbegrenzung verfassungswidrig ist. Sie führt zu einer ungleichen Behandlung verschiedener Personengruppen, weil sich Kindererziehungszeiten nicht bei allen Versicherten gleich auswirken. Benachteiligt sind diejenigen Versicherten, die während der ersten Lebensjahre ihrer Kinder arbeiten, vergleichsweise eher höhere versicherungspflichtige Entgelte erzielen und so die Solidargemeinschaft mit hohen Rentenversicherungsbeiträgen unterstützen. Erzielt ein Versicherter während der Kindererziehungszeit ein solch hohes beitragspflichtiges Entgelt, werden seine Kindererziehungszeiten nicht mehr in gleicher Weise berücksichtigt wie bei einem Versicherten mit geringerem oder ohne Entgelt.“ (Haufe, Ungleichbehandlung von Besserverdienenden, 20.4.2012).

Widerspruch gegen Rentenbescheid

Mütter, die sich benachteiligt fühlen, sollten Widerspruch einlegen. Der Dresdner Rechtsanwalt Matthias Herberg hat sich auf solche Fälle spezialisiert und ermutigt die Betroffenen beim Sozialgericht zu klagen, was übrigens gerichtskostenfrei ist.

Mehr dazu unter vorunruhestand.de

15 Kommentare

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Der Mann sollte genug verdienen um Frau und Kinder zu ernähren. Es wird immer schlimmer! Der Mittelstand ist ziemlich weggefallen und da gibt es nur noch Reiche und Arme. Es ist schon schlimm was man mit den Leuten macht.Aber das Deutsche Volk wehrt sich nicht, weil die Politiker uns Lügen auftischen und die BRD verkaufen bis wir nichts mehr haben. Ausserdem haben wir keine Handhabe gegen unsere Nochbesatzer.
  • 24.09.2016, 16:32 Uhr
  • 0
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Man sollte die Witwenrente abschafen, so das die frau vom mann die volle rente bekommt. Das wäre gerecht.
  • 18.09.2016, 23:08 Uhr
  • 2
und was ist mit den Alleinerziehenden? Finde es ungerecht, dass eine Witwe, die z.B. nie gearbeitet hat, vom Geld des Mannes gut leben kann, während eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die immer arbeiten musste, im Alter als Bettlerin da steht. Wieso ist eine Ehefrau ohne Kinder mehr wert, als eine Frau mit Kindern, die alles allein gemeistert hat? Wundert sich hier jemand noch, dass Deutschland an letzter Stelle beim Kinderwunsch steht?
  • 19.09.2016, 04:28 Uhr
  • 5
Was ist mit einer Alleinerziehenden Mutter die nie arbeiten war? Die Rente ist in allen Bereichen ein heißes und schwieriges Thema.
  • 20.09.2016, 08:42 Uhr
  • 2
die bekommt genau so viel, oder wenig, wie eine die arbeiten war, aber wenig verdient hat. Die ohne Arbeit vom Sozialamt und die mit Arbeit von der Rentenkasse. Das ist der einzige Unterschied, wenn ich an mich denke.
  • 20.09.2016, 11:44 Uhr
  • 0
Ich habe eine Alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern die jetzt mit Ü40 erst arbeiten geht, wo von hat die gelebt und ihre Miete an mich gezahlt???
  • 20.09.2016, 13:04 Uhr
  • 0
Hartz4, oder Sozialgeld gibt's auch. Irgendeiner muss sich ja kümmern.
  • 23.09.2016, 19:20 Uhr
  • 0
Ich glaube hier wird etwas falsch verstanden. Erstens, mit arbeiten gehen werden Rentenbeiträge gezahlt was dann zur Rente führt. Zweiten, ein Vater bezahlt gar keinen Unterhalt weil er nichts hat und der zweite nach Lust und Laune.
Zudem wohne ich Haut nah am Geschehen um zu wissen was Arbeit bedeutet.
  • 23.09.2016, 19:38 Uhr
  • 0
aber du hast doch gefragt wie sie ihre Miete bezahlt, wir haben nur geschrieben wie es sein könnte. Verstehe wirklich nur Bahnhof.
  • 23.09.2016, 20:41 Uhr
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in diesem Rentensystem ist einiges ungerecht. Es gab mal eine Zeit, da wurden Wehrpflichtige besser mit Rentenpunkten versorgt, als Frauen, die Kinder versorgten. Warum? Es lohnt sich auch heute noch mehr, zum Bund zu gehen, als Mutter zu werden. Die Quittung hat der Staat ja längst, die Kinder bleiben aus. Meine Enkelin ist beim Bund und hat eine Unmenge an Vorteilen, selbst wenn sie Mutter würde. Was genau macht eine Altenpflegerin falsch?
  • 24.09.2016, 05:34 Uhr
  • 0
Wehrpflichtige gibt's aber schon lange nicht mehr - also brauchen wir wohl auch keine Mütter?
Frauen sind aber auch manchmal dumm. Eine langjährige Pflegekraft wurde mal auf ihr schlechtes Gehalt angesprochen und sie sagte doch glatt, dass sie die Arbeit so liebt, dass ihr das egal ist. Hätte sie erwürgen können. Mit solchen Sprüchen erreicht sie genau den Status von Mutter Teresa. Kann man auch nur sagen, wenn man einen gut verdienenden Ehemann hat. Die anderen Frauen sind ihr sicher egal.
  • 24.09.2016, 13:14 Uhr
  • 1
Ja, es gibt schon dumme leute.
  • 24.09.2016, 13:26 Uhr
  • 1
ich lasse mich auch nicht ausnutzen, gebe gern, helfe gern, aber alles hat seine Grenzen.
  • 24.09.2016, 13:34 Uhr
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Wo die Frauen noch von der Rente des Mannes gelebt haben, sind sie auch hingekommen!!!
  • 18.09.2016, 22:44 Uhr
  • 1
Ja sicher, das ist eine frechheit wie der Staat mit frauen finanziell umgeht.
  • 18.09.2016, 23:14 Uhr
  • 1
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