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Die originale Linzer Torte

Die originale Linzer Torte

21.09.2016, 12:21 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die „Wahre TORTENKÖNIGIN“ ist die Linzer Torte


Sie ist ein kulinarisches Wahrzeichen Oberösterreichs, ein herrlich duftender Genuss und die perfekte Kombination aus süßem Teig und saurer Marmelade: die Linzer Torte.
Das aparte Backwerk mit dem knusprigen Gitter über roten Marmelade-Rauten blickt auf eine lange Kulturgeschichte zurück. Beinah so viele Erfinder geistern durch die kulinarische Welt wie angebliche Originalrezepte: Der Satiriker Alfred Polgar munkelte, ein Wiener Konditor namens Linzer hätte sie geschaffen. Andere schreiben ihr Entstehen dem Leibkoch des Erzbischofs Firmian von Passau zu. Und wieder andere nennen Johann Conrad Vogel. Der Konditor, der aus dem Fränkischen Weihenzell nach Oberösterreich kam und in den Zuckerbäckerbetrieb der Katharina Kreß eingeheiratet hat, soll die Torte 1828 für das Linzer Magistrat aus der Taufe bzw. dem Ofen gehoben haben. Alles nicht wahr. Die Linzer Torte ist nämlich viel älter.

REZEPTE AUS 350 JAHREN


In der Stiftsbücherei Admont fand man im „Buech von allerley Eingemachten Sachen, also Zuggerwerckh, Gewürtz, Khütten und sonsten allerhandt Obst wie auch andere guett und nützlich Ding“ aus dem Jahr 1653 bereits vier Rezepte für einen „Lintzer Taig“.
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Damals schon verkneteten also die Köchinnen Butter (Butterschmalz), Mandeln, Zucker und Mehl; der Teig hat sich in den vergangenen 350 Jahren nur minimal verändert. Manch alte Rezepte kommen ganz ohne Eier aus, andere verlangen 32. Zumeist werden rohe Eier verwendet, manchmal auch gekochte, durch ein Sieb gedrückte Dotter.
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Waren es zuerst Zitronen, die für ein feines Aroma sorgten, kamen in Rezepten ab 1722 Zimt, Muskat, Piment und Nelken dazu, dann das seltene Sandelaroma und noch später Vanille. Zur fruchtigen Schicht heißt es in den ersten Backvorschriften: „füll ein, mit was du willst“. 1793 ist erstmals von „Ribes“ die Rede, und die Ribiselmarmelade ist nach wie vor die perfekte Ergänzung zum süßen Teig.
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Das offene Gitter diente früher nicht nur der Dekoration, sondern war auch praktisch: Hätte man den Teig rund um die fruchtige Schicht in der Mitte ganz verschlossen, wäre er durch den Dampf beim Backen gerissen.
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In ihrer Anfangszeit war die „Lintzer Dortten“ übrigens eine sogenannte Schüsseltorte und wurde in einer silbernen Schüssel über der Feuerstelle gebacken.

OBERÖSTERREICHS SÜSSE BOTSCHAFTERIN


Als klassische Vertreterin der barocken Backkunst vereint die Linzer Torte alles, was seinerzeit gut und teuer war: Butter, Mandeln und exotische Gewürze. Seit damals erfreut sie sich ungebrochener Beliebtheit.
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1809 schreibt Fürst Hermann von Pückler-Muskau in sein Tagebuch: „Ich blieb die Nacht und den folgenden Tag in Linz, weil ich gehört hatte, daß die Stadt ihrer Torten und schönen Mädchen wegen berühmt sei. Die Torten mögen ihren Ruf allenfalls verdienen …“
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Und so wird die Linzer Torte heute in alle Welt geschickt und gilt als süße Botschafterin Oberösterreichs. Denn, um es mit den Worten des Dramatikers Ernst von Wildenbruch (1845–1909) zu sagen: „Was sind aller Dichter Worte gegen eine Linzer Torte?“

Die originale Linzer Torte


ZUTATEN FÜR 1 TORTE
Zeitaufwand: 70 Minuten
plus Wartezeit über Nacht

250 g kalte, geriebene Butter
250 g Mehl
250 g Zucker
200 g gemahlene Mandeln
1 TL Zimt
½ TL Nelkenpulver
1 Prise Salz
geriebene Schale von ½ Zitrone
2 Ei-Dotter
Butter für die Form
200 g Johannisbeermarmelade
1 verquirlter Ei Dotter zum Bestreichen
ZUBEREITUNG
(1) Aus der kalten Butter, dem gesiebten Mehl, Zucker, Mandeln, Gewürzen, Zitronenschale und den Ei-Dottern rasch einen glatten Mürbteig herstellen. Mit Klarsichtfolie bedecken und mindestens 30 Minuten, besser über Nacht kühl rasten lassen.
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(2) Backrohr auf 170 °C vorheizen.
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(3) Eine Tortenform buttern oder mit Backpapier auskleiden. Eine gute Hälfte des Teiges einfüllen und glatt streichen.
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(4) Die Marmelade mit einem Löffelrücken darauf verteilen, am Rand 1 cm frei lassen.
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(5) Aus zwei Dritteln des übrigen Teiges ein Gitter (Anleitung siehe Grafik) auf die Torte legen.
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(6) Den restlichen Teig zu einer Rolle formen und diese um den Rand legen. Wer ein gerilltes Gitter möchte, kann den Teig mit einer Gabel eindrücken.
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(7) Das Teiggitter und den Rand mit versprudeltem Dotter bepinseln.
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(8) Im Ofen bei 170 °C ca. 50 Minuten goldbraun backen.
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Tipp: In einem kühlen Raum hält die Torte (gut versteckt) bis zu 2 Wochen und wird sogar mit jedem Tag besser.

3 Kommentare

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danke für die ausführliche Geschichte und für das Rezept! Die gabs bei uns daheim früher öfter!
  • 22.09.2016, 19:43 Uhr
  • 0
Die große Kindheits-Erinnerung, wurde gern gemacht, weil die erst nach ein paar Tagen richtig gut schmeckt.
  • 22.09.2016, 21:21 Uhr
  • 2
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...und die wünsch ich mir natürlich auch zu meinem Geburtstag von Dir..
  • 21.09.2016, 21:07 Uhr
  • 2
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