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Ach, lass die doch!

Ach, lass die doch!

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern
04.10.2016, 16:16 Uhr

Einige Herbstgedanken zur Demokratie und dem Einheitsfest und zu den Medienberichten

Herbst in Deutschland. Es regnet, es ist kühl und ungemütlich. Der Wein an der Hauswand färbt sich schön rot. Ungemütlich und kalt sind auch die Gedanken an das Einheitsfest in Dresden. Schrecklich, die vielen Bilder von hasserfüllten Gesichtern und schreienden Menschen. Unentrinnbar, in allen Medien. Wir müssen uns das Dümmste anhören, es hat es breit in alle Medien geschafft. Die Störung der Einheitsfeiern ist mehr Nachricht als die Feier selbst mit Musik, Videos und Reden, muss man fast annehmen. Und diese Bilder von den lauthals schreienden Menschen sind wirklich erschreckend. Was schreien sie denn gar so? Schreien ist nicht Reden, sondern das Gegenteil. Es soll nicht geredet werden, auch nicht zugehört, es soll nur einfach Krach geschlagen werden. Schreitherapie?

Um was schreien sie denn am Einheitsfest? Merkel muss weg und die Mauer muss wieder her? Sie wollen keinen Kuchen? Oder doch, aber das Stück war zu klein? Es war gar nicht zu klein, aber sie dachten eben, es war zu klein?

Klar, da brüllt sich eine Gruppe in Rage, von der wir oft und oft gehört haben, sie fühle sich abgehängt und vernachlässigt. Sind sie es? Schreien sie es raus, oder schreien sie es sich unter der intensiven Zuhilfenahme der Medien selbst herbei? Isolieren sie sich nicht selbst dadurch? Jedenfalls, die Medien potenzieren es und blähen es durch diese Art der Berichterstattung erst so richtig auf. Nicht berichten geht nicht, aber so bleibt ja fast nichts anderes hängen.
Und nun, dem Einheitsfest und der sächsischen Bundesratspräsidentschaft sei Dank, bekommen sie also endlich die Aufmerksamkeit, die sie sich wünschen. Gratis, alle Medien halten drauf. Ob es was hilft? Kaum, denn es geht ja nicht ums Mitmachen, sondern um das dagegen Anschreien. Die Folge ist auch nicht das Eintreten einer Besserung, sondern eine massive Verschlechterung des Standortes. Schade um alles, dass schon aufgebaut worden war. Nun wird es mit dem Tralala wieder eingerissen oder vielmehr niedergeschrieen. Die Schreier sind schuld. Und auch die, die einfach so weitermachen und so tun, als wenn nichts wäre.

Schlecht für die Sachsen, die nicht nur bundesweit, sondern auch in Europa und der Welt blamiert sind bis auf die Knochen. Ach, da wohnen die Schreier, die Neonazis, die Unverbesserlichen, die Einheits- und Deutschlandfeinde. Die Europagegner und Flüchtlingshasser. Schlecht für die Wissenschaft, den Tourismus in Sachsen. Wer will denn da schon hin dann? Aber richtig schlimm wird es erst, wenn es auch der Wirtschaft erheblich schadet. Dann, kann sein, gibt es stärkeren und allgemeineren Widerstand gegen den Pöbel und Mob. Im Moment nur: Denkbar schlechte Bilder. Ein echt schlechtes Image.

Die Hoffnung mag ja sein, dass, wenn man sich nur richtig schön stille hält, auch das vorübergeht. Dass sich das von alleine erledigt, dass man sich gar nicht so aufregen soll und muss. Was, wenn nicht? Angsthase. Wird schon nicht so schlimm sein. Lass die doch.
Und wir sehen ja, dass sie Sympathien genießen, und dass man sie lässt. Aber die Demokratie? Wie heißt da die Antwort? Ja, die Demokratie. Was willst du denn mit der? Lass die doch.


Bild: Pegidastand in München

1 Kommentar

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Wir sollten uns von den Brüllern nicht verleiten lassen, zurückzubrüllen. Aufmerksame Gelassenheit, das ist es, was wir ihnen entegegensetzen können, denn das zeigt ihnen, dass sie keinen Erfolg haben.
  • 04.10.2016, 18:06 Uhr
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