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Silvester

Silvester

28.12.2016, 08:12 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Apfelbrechen – das Silvester-Orakel in Lalling


Rassige Nagerl für den Silvesterpunsch – viele alte Bräuche

von Gerard Zacher

Deggendorf /Lalling –“Apfelbrechen“ galt in früheren Jahren als das
besondere Silvester-Orakel im Lallinger Winkel, erzählte
Kneippvorsitzender Gerard Zacher beim Kneippverein. Und er
ging auf viel alte diesbezügliche Bräuche zu Silvester ein.
Beim „Apfelbrechen“ gab es zur Jahreswechsel-Wende viele
seltsame Überraschungen. Aus den Gebilden, die dabei
entstanden wurde versucht, die Zukunft heraus zu lesen.
Wenn das Kernhaus noch frisch und kernig war –waren das
positive Zeichen – war es aber schon bräunlich eingefärbt,
gar etwas angefault, galt der Blick in die Zukunft eher gefährlich.
Die Silvesternacht – so Gerard Zacher – ist eine besondere große
Losnacht. Im Lallinger Obstwinkel gab es in früheren Zeiten da
manch seltenes Brauchtum. Manchmal zog in einer kalten
Winternacht auch die „wilde Jagt“ vorbei. Es winkten ein selbstgebannter Obstler
und der obligatorische Silvesterpunsch mit rassigen Nagerln, Zimt,
selbstgemachter Apfel- und Johannisbeerwein, mit Boskop-Speiteln
und je einen Schuss Arak und Rum. Der bitter-säuerliche Geschmack
der Boskop verlieh dem Silvesterpunsch eine besondere Note. Das
alles genossen -und das besondere Flär für eine gespenstische Silvesternacht
war gegeben.
Die wichtigste Zutaten „offener Arak und Rum“ holte meine Tante Oberlehrerin
Maria Preiss – so Zacher weiter – in eigenen kleinen Flaschen bei einer Tages-
reise aus Deggendorf. Der Postomnibus fuhr bereits um 7 Uhr in Lalling weg
und kam erst gegen 17 Uhr wieder zurück. An Silvester – ein gewöhnlicher Werktag-
kam sie gerade noch zur abendlichen Sitzweil. Fast niemand feiert damals im Lallinger
Winkel an diesem Tag – die große Losnacht wurde eher gefürchtet. Das Vieh erhielt reichlich Futter,
das die Bäuerinnen mit Weihnachtsweihwasser und einem Kreuzzeichen versahen. Der Bauer
glaubte, wenn das Vieh an diesem Tag ausreichend Heu bekam, auch im kommenden Jahr keine Not
aufkommen würde. Die jungen Mädchen schälten ringelweise sorgfältig Äpfel, wobei sie darauf
achteten, dass die Ringel in einem Stück blieben. Diese warfen sie in der Silvesternacht über
die Achsel und suchten aus dem am Boden liegenden Gebilde die Anfangsbuchstaben des
Zukünftigen zu ergründen. Sie zählten auch die Apfelkerne, wobei eine gerade Zahl eine Hochzeit
im kommenden Jahr verheissen haben soll.
Nach einer kargen Abendmalzeit sassen alle in der warmen Stube um den Tisch und der Bauer
erzählte von den vielen Ereignissen des alten Jahres und wertete diese. Je später der Abend, umso
schauriger wurden dann Raunachts- und Gespenstergeschichten. Die Mutter schickte die Kinder
ins Bett, denn da durften keine „Schindel“ mehr auf dem Dach sein“. Je näher die Mitternacht
rückte, umso mehr traten die Orakelgeschichten –meist als selbst erlebt deklariert – in den
Mittelpunkt. Selbst das Neujahrsanläuten der Kirche „St. Stephan“ soll da schon zu eigenartigen
gespensterhaften Problemen geführt haben. So waren in der Läutkammer die drei Glockenseile nicht
mehr vorhanden und in der Ecke soll eine schwarze Gestalt gestanden haben, die auf ein „erlösendes
und verzeihendes Wort“ gewartet haben soll und erst der gerufene Pfarrer soll mit einem in die
Ewigkeit geschicktes „Ego te absolvo……“ bewirkten haben, dass das Gespenst verwand.
In manchen Bauernstuben gab es das Bleigissen. Über einer Kerzenflamm brachte der Bauer Blei zum
Schmelzen und ließ es in kaltes Wasser gleiten. Alle anderen folgten diesem Tun. Mit viel Phantasie
versuchten die Bleigießer aus den jeweiligen entstandenen Figuren auf kommende Schicksale
im kommenden Jahr zu schließen. Freilich der Pfarrer durfte von solchem Handeln nichts wissen,
denn dieser wies solches Handeln in den Bereich des „Freimaurertums“ und da droht damals
der Kirchenausschluss.
Die Uhren gingen damals nicht so genau und mancher wartetet gar nicht bis Mitternacht, er
schlummerte „selig“ und wild von der Zukunft träumend in den kalten Neujahrsmorgen. Derlei
seltsame Träume sollen im neuen Jahr manchmal Wirklichkeit geworden sein. Die Neujahrs-
anbläser rissen manche Langschläfer am Neujahrsmorgen aus der Traumwelt……….. gz.

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