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Wie hat sich die Rente in 128 Jahren entwickelt?

Wie hat sich die Rente in 128 Jahren entwickelt?

Helmut Achatz
03.01.2017, 20:34 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Was haben Andrea Nahles, Ulla Schmidt, Norbert Blüm, Walter Riester, Walter Arendt, Konrad Adenauer und Otto von Bismarck miteinander zu tun? Viel, denn sie haben die Entwicklung der Rentenversicherung maßgeblich beeinflusst – ob im positiven oder negativen Sinn sei dahin gestellt. Die gesetzliche Rente ist 128 Jahre alt – wie hat sie sich entwickelt?

„Zum Mitschreiben – die Rente ist sicher“, postulierte am 10. Oktober 1997 Norbert Blüm, der damalige Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, im Bundestag. SPD-Politiker Rudolf Dreßler warnte, Blüm zu glauben. „Wer sich auf das Wort des Bundesministers verlässt, hat auf Sand gebaut“. Genau so ist es gekommen, wie wir heute wissen, 20 Jahre später.

„Kinder kriegen die Leute immer“

Die Geschichte der gesetzlichen Rente ist aber noch von mehr irrigen Annahmen geprägt. Erinnert sei nur an Konrad Adenauer, der davon überzeugt war: „Kinder kriegen die Leute immer“. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl war doch 1996 noch der Meinung, dass „die Rente das Ergebnis der Lebensleistung eines Menschen ist“. Weit kritischer – und aus heutiger Sicht auch realistischer – war dagegen der Ex-Ministerpräsident von Sachsen, Kurt Biedenkopf, der erkannte, dass es mit dem Generationenvertrag nicht zum Besten bestellt ist, denn „die Generation meiner Kinder hat dadurch, dass sie nur wenige Kinder hat, den Generationenvertrag längst aufgekündigt; die Vorstellung, man könne eine Umlagesystem unbeschadet der demographischen Entwicklung und der Bereitschaft der Bevölkerung, Kapital zu bilden, auf Jahrzehnte hinaus garantieren, ist unrealistisch … Der Generationenvertrag ist demographisch gekündigt“. Ziemlich ehrlich war auch Wolfgang Schäuble, 2007 Bundesinnenminister, der meinte, das Rentenalter müsse über 67 Jahre hinaus verschoben werden.

Sozialdemokraten haben Überaltung verschlafen

Ansonsten sollte niemand einem Politiker glauben, vor allem dann nicht, wenn er etwas verspricht, weil er es ja doch nicht halten kann – wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der 1999 noch der Öffentlichkeit vorgaukelte, er stehe dafür, dass „auch zukünftige Renten steigen wie die Nettoeinkommen.“ Sein Parteigenosse Walter Riester versprach nur ein Jahr später: „Ich kann den Jungen auch sagen, dass zukünftig jedes Jahr die Renten angehoben werden“. Schon 2004 gab es dann gleich drei Nullrunden – so viel zu Riesters Versprechen. Die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt log 2002 noch dreister indem sie behauptete, die Rentenanpassung werde nicht angetastet – und „die Vorschläge von Nullrunden kommen von denen, die vom Rentensystem wenig verstehen“. Von ihr stammt auch das Zitat: „Die Bundesregierung will keine Rentenkürzung, und deshalb hat sie sich dafür entschieden, dass die Auszahlung für die Rentner sicher ist, dass die Beitragssätze stabil sind.“ Neben Biedenkopf gehört Franz Müntefering zu den wenigen, die zur Selbstkritik in der Lage sind. Er räumte ein, dass „wir Sozialdemokraten in der Vergangenheit die drohende Überalterung unserer Gesellschaft verschlafen haben. Jetzt sind wir aufgewacht. Unsere Antwort heißt: Agenda 2010! Die Demographie macht den Umbau unserer Sozialsysteme zwingend notwendig.“

Schon vor 40 Jahren hätten die Rentenpolitiker gegensteuern müssen, denn es war bereits damals absehbar, dass sich die Demographie verschiebt, statt dessen haben sie ein Wahlversprechen nach dem anderen abgegeben. Sie wiegen die Öffentlichkeit immer noch in Sicherheit und gaukeln ihnen etwas vor, statt die Fakten nüchtern zu analysieren und daraus Folgerungen zu ziehen. Andrea Nahles, die mit 45 Jahren noch immer jüngste Rentenministerin in der deutschen Geschichte, hat die Agenda 2010 wieder zurück gedreht und ist mit milliardenschweren Wahlgeschenken ins Amt gestartet. Erinnert sei nur an die Ausweitung der Mütterrente und die „abschlagfreie Rente mit 63“.

Blick zurück in die Geschichte

Insofern lohnt ein Blick in die Geschichte der Rentenversicherung, deren Grundstein Otto von Bismarck vor 128 Jahren legte. Seit dem haben viele am Rad gedreht. „Kaum eine deutsche Regierung, die sich nicht an einer Reform versucht hätte“, schreibt die „Versicherungswirtschaft-heute“. Entscheidend war das Jahr 1957 als das bundesdeutschen Rentensystems unter Bundeskanzler Konrad Adenauer von dem bis dahin zugrundeliegende Kapitaldeckungsverfahren schrittweise durch das umlagefinanzierte Modell ersetzt wurde. Arbeitsministerin Andrea Nahles bildet mit der abschlagsfreien Altersrente ab 63 Jahren und der Mütterrente keine Ausnahme. Sie stehe vielmehr in langer historischer Tradition – und diese Geschichte verdeutlicht die Grafik des Versichererverbands GDV ...
eine kleine Zeitreise.

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1 Kommentar

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Über die Verlogenheit oder Dummheit eines BK Gerhard Schröder und seinen Genossen ist schon viel geschrieben worden.

Es gibt eine Überversorgung im Rentensystem mit gesetzlicher, betrieblicher und Branchen-Renten einerseits und eine Unterversorgung vieler Rentner durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, schlechter Bildung, DDR-Systemwechsel usw. Auch im Pensionäre-System gibt es diese Überversorungen (Politiker) und Unterversorgungen (kleine Beamte).

Die Altersversorgungssysteme waren ursprünglich zur "Versorgung" und nicht zur "Vermögensbildung" und Aufblähung der Erbschaften gedacht.

Wir brauchen eine interne Umverteilung von hohen Renten und Pensionen durch eine "Solidaritätsumlage" zur Erhöhung der niedrigen Renten und Pensionen. Zumindest müssen die kleinen Renten analog zu den Beamten erhöht werden (Mindestrente). Zielgröße sind die Mindest-Pensionen von ca. 1.700 Euro/Monat für Beamte.
  • 04.01.2017, 13:24 Uhr
  • 0
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