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Am Hofe des Pharao

22.02.2017, 19:10 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Wind strich über die Wüste. Der Sand war in der Hitze ein gleißendes Meer. Überall Sandkörner, in der Luft, auf der Stirn, zwischen den Lippen. Ägypten noch ohne die Pyramiden. Nichts als Wüste jenseits des Nils. Aber schon von großen Wesen bewohnt, groß sowohl körperlich als geistig. Einwanderer von fern her gekommen mit einem Wissen auf hohem Niveau, Überlebende der großen Katastrophe, die sich im Westen im Meer ereignet hatte. Atlantis war ihre Heimat gewesen, sie hatten sie aufgeben müssen, weil sie gegen das Gebot Gottes verstoßen hatten. Sie waren zu ehrgeizig gewesen. Sie wollten ihr Leben so leben, wie sie es sich wünschten, eine Unterordnung war ihnen fremd. Ihre intellektuelle Überlegenheit war sehr groß. Sie konnten kraft ihres Geistes Krankheiten heilen, sie konnten Materie bewegen, sie konnten mit den Göttern und mit dem Höchsten reden. Sie waren Gottessöhne und-töchter.

Muriel war die Tochter eines Einwanderers, der aufgrund seiner Zukunftsschau die große Flut vorausgesehen hatte und der sich rechtzeitig auf die tollkühne Fahrt über das tobende Meer gemacht hatte, allerdings bevor die Insel zerbrach und in den Fluten unterging. Sie hatten gerade noch eine ruhige Periode vor dem Untergang erwischt und waren mit einem Schiff und ein paar Vorräten und dem Hofstaat aufgebrochen. Eine Flucht aus der Heimat in ein unbekanntes Land. Flüchtlinge, aber nicht arm und nicht unwissend und von großer Statur. Als sie die Westküste des Landes erreichten, das heute Afrika genannt wird, mieteten sie sich Kameltreiber und bildeten eine lange Karawane, die mit ihren Edelmetallschätzen und ihrem ganzen Hofstaat bis zu dem großen Strom kamen, den sie im Traum vorausgesehen hatten. Hier ließen sie sich nieder, denn der Strom überflutete das Wüstenland und wurde dadurch zeitweise sehr fruchtbar, und sie konnten dann Vorräte sammeln und speichern. Sie waren gute Architekten gewesen, denn sie hatten eine Vorstellung von einem Haus, und sie bildeten es so aus der Materie. Sie schufen wie Gott Materie in verschiedenen Formen. Der Vater von Muriel war ein Priester „von Gottes Gnaden“. Er hatte Zutritt zu den heiligen Hallen hoher Geister. Er war kein Irdischer im eigentlichen Sinne. Man spürte es, man fühlte es, seine Augen beherrschten die Gegenwart und Zukunft. Er wusste alles.
Er wusste auch, dass seine einzige Tochter Priesterin in seinem neuen Reich sein musste. Er dachte an sie mit Sorge, denn sie war ein wenig anders, als er erwartet hatte. Sie hatte etwas Aufsässiges in ihrem Benehmen. Sie wollte sich nicht der Übermacht ihres Vaters beugen, sie kam nach der Mutter. Er liebte Dana, die Göttin an seiner Seite, sie war von zauberischer Schönheit, gertenschlank mit jenen großen schrägen Augen, die Geheimnisse versprachen und doch offen waren. Er war ihr nicht verfallen, aber er liebte sie sehr, und aus dieser Liebe ging ihre einzige Tochter Muriel hervor.
Sie würde ihnen einen Sohn schenken, das wussten sie, aber das würde eine große Katastrophe im Reich heraufbeschwören. Dennoch: das Gesetz des Lebens war nicht zu umgehen.

Muriel bekam die Ausbildung eines Götterlieblings, sie musste sich mit Mathematik und technischen Problemen auseinandersetzen und sie lernte die Geheimsprache der Götter kennen. Eine Zahl genügte, um eine Handlung heraufzubeschwören, und ein Lächeln genügte als Dank. Man sprach wenig am Hofe. Aber man wusste alles voneinander, denn der Verkehr lief meist telepathisch ab. Muriel war aber nicht gehorsam, wie es die Eltern wünschten. Sie hatte etwas Ungebärdiges in ihrem Wesen. Sie wollte den Eltern nicht gehorsam sein. Sie wollte sie selber sein. Das war zu jener Zeit nicht ungefährlich, denn der Gehorsam gegenüber den Eltern war oberstes Gesetz. Es verbürgte Ordnung in der Gesellschaft.

Der Hofstaat des Pharao bestand aus etwa 200 Leuten, Frauen und Männern und Kindern, sie hatten schwere Strapazen hinter sich und so erlaubte der Pharao ihnen zunächst eine längere Verschnaufphase, sie sollten sich niederlassen, ihre Häuser errichten und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Dann bestimmte er per Königlichem Erlass eine Priesterweihe für junge Mädchen, die die Aufgabe hatten, die jungen Männer des neuen Staates in die Sexualität einzuführen. Dies war nötig, um Übergriffe und Gewalt in der Gesellschaft zu vermeiden. Muriel war die Oberpriesterin, die die zehn jungen Frauen zu ordinieren hatte. Sie wurden angewiesen, zur Verfügung zu stehen, aber sich keinesfalls gefühlsmäßig an die Männer zu binden, die ihre Schüler in Sachen Triebbewältigung waren. Sexualität war ein heiliges Gut. Nur wer es rein hielt, konnte hohen Seelen Eintritt in diese Welt geben, und je mehr hohe Seelen sich inkarnierten, um so erfolgreicher war der Herrscher, der Pharao, der Gottkönig.

Alles hatte eine tiefe Bedeutung, jeder Gedanke war sichtbar für den Pharao. Lange Zeit walteten die jungen Priesterinnen ihres Amtes. Alles gelang ihnen. Sie waren Helfer, Meister ihrer Kunst, in die sie von älteren Frauen eingeführt worden waren. Diese hatten alles von ihren Männern gelernt, sie kannten alle Mittel, Männern zu einer höchst möglichen Entspannung zu bringen. Jeder junge Mann, der 16 Jahre alt war, durfte um eine solche Initiation bitten, und er suchte sich mit verbundenen Augen eine Priesterin aus. Ob sie schön war oder weniger, spielte keine Rolle.Ja, es war geradezu verboten, ihr in die Augen zu schauen oder sie etwa als Lustobjekt zu betrachten. Es war eine technische Schulung und zugleich eine Entlastung der Gesellschaft. Muriel war Oberpriesterin. Sie verfügte über einen wunderschönen Körper und ein verträumtes Gesicht. Sie hatte langes schwarzes Haar, es reichte bis zu ihrer Taille herab und ihre Beine waren gertenschlank wie die eines Füllen. Ihr Vater liebte sie, er begehrte sie wie seine Frau, aber er hielt sich streng an die Sitten seines Volkes. Zwar galt es als nicht verboten, sexuelle Kontakte innerhalb der Familie zu haben, aber in seiner Familie war das unmöglich geworden, da die Mutter und Muriel sich gegenseitig überwachten. Liebesobjekt war der Vater, war die Tochter, aber Kandidaten waren andere, denen Gefühle nicht zu bieten waren. Man schloss die Augen und erlebte den Kontakt wie im Traum.
Es gab nur eine einzige Regel: Man durfte sich als Priesterin nicht in einen der jungen Männer verlieben und sie zu häufigen Begegnungen auffordern.Man durfte seine Tempelanlage nicht verlassen und sich mit ihnen zum Beispiel in der Natur treffen. Man durfte sich nicht im Wasser des Flusses beim Bad begegnen. Man war nur nackt in der Dunkelheit seines Tempelraums. Zwar sah man den Körper des anderen, wenn die Pupillen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten und ein wenig Licht durch die Deckenöffnung herunterfiel, aber es blieb bei einem Unterricht in Sachen Geschlechterliebe. Ein gesellschaftlicher Dienst, eine Hilfe für die spätere Ehe, denn Ehen waren nötig, um eine Ordnung in der Gesellschaft zu erhalten. War eine Ehe geschlossen, waren Besuche bei der Priesterin nicht mehr zulässig. Das waren die Regeln.

Eines Tages suchte ein junger Mann mit blonden Locken Muriel auf. Ein Götterjungling, schön wie ein junger Löwe, stark wie ein Tiger, und mit dem kühnen Blick eines Adlers. Er sah Muriel und ertrank in ihrem ersten Blick. Sie wurden ein Paar und blieben es über eine lange Phase. Sie trafen sich zu jeder Tages- und Nachtzeit und waren unzertrennlich. Muriel veränderte sich. Sie blühte auf, Ihre Augen waren wie glühende Kohlen, sie brannte lichterloh. Ihr Vater spürte, was mit ihr vorging und er bemerkte auch, dass sie ein Kind erwartete. Ein uneheliches Kind. Nie würde das Kind die Würde des Amtes weiter tragen können, es würde ausgestoßen sein aus der Familie des Pharaos. Muriel wusste das alles. Sie brachte das Kind zur Welt und übergab es dem jungen Mann. Dann ging sie in die Wüste und die sengende Sonne erlöste sie von der Schande, dem Schmerz und dem Verlust ihrer königlichen und priesterlichen Würde.

Ihr junger Geliebter verehelichte sich und seine Frau nahm das Kind liebevoll an. Es wurde einer der großen Baumeister dieser Volkes aus dem fernen Westen. Die Mutter hatte ihm alles, was sie an mathematischen und technischen Formeln in sich getragen hatte, übermittelt, sozusagen ins Blut geträufelt. Er war der erste Erbauer einer Stufenpyramide, einem Vorläufer der großen Pyramiden Ägyptens. Der Pharao übertrug ihm also den Bau seiner Grabstatt und er übergab ihm damit auch eine der größten und ehrenvollsten Aufgaben seines Amtes.

Muriel hatte ihm einen würdigen Nachkommen geschenkt, und ihr Opfer war von den Göttern angenommen worden.

8 Kommentare

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autobiographisch?
  • 22.02.2017, 22:35 Uhr
  • 1
Emil, ich habe Ägypten dreimal besucht und war jedesmal in einem Ausnahmezustand.
Sicher kennst Du auch das Buch "Die EInweihung" von Elisabeth Haich. Das habe ich vor Jahren auch verschlungen.
Vor ca. einem Jahr habe ich den Wunsch gehabt, etwas mehr zu erfahren, und mir wurde das dann als eine der vielen Inkarnationen telepathisch übermittelt.
Ich werde es vielleicht fortsetzen.
  • 23.02.2017, 09:36 Uhr
  • 1
Guten Tag Edith,
so wie das geschrieben ist, muß es eigentlich selbst erlebt sein. Danke für die Klarstellung
  • 23.02.2017, 10:15 Uhr
  • 0
Emil, danke für Deine Beurteilung.
Ich wollte einmal frühere Leben erinnern - und so entstand dann diese Erzählung ... und weitere.
  • 23.02.2017, 11:00 Uhr
  • 1
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Muriel... ein ägyptischer Name?
..ich habe mich viel mit der pharaonischen Kultur beschäftigt und finde sie immer interessant....
...auch das Weisheitsbuch der Ägypter aus pharaonischer Zeit ist aufschlußreich...
eine faszinierende Kultur... Geschichten waren schon immer die Grundsubstanz von hochkultivierten Völkern...
  • 22.02.2017, 21:17 Uhr
  • 1
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Oh boa was für eine tolle Geschichte Edith. Hat sie zufällig einen geschichtlichen Hintergrund? Oder ist sie frei erfunden.
Ganz toll geschrieben.
  • 22.02.2017, 19:22 Uhr
  • 1
Du stellst immer die richtigen Fragen, Brigitte. Ich werde es DIr per PN beantworten.
  • 22.02.2017, 19:49 Uhr
  • 1
  • 22.02.2017, 19:51 Uhr
  • 0
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