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Paulus in Ephesus

23.02.2017, 16:56 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Er hatte einen Brief erhalten von einem gewissen Paulus, der seine Stadt, die schöne, elfenbeinfarbene Marmorstadt Ephesus besuchen wollte. Es gab schon eine größere Gruppe von Christen, die sich regelmäßig trafen, sozusagen ihre Familien untereinander besuchten, einen öffentlichen Versammlungsraum hatten sie noch nicht. Die Stadt galt als Mittelpunkt der geistigen Elite an der Westküste dieses Brückenkontinents, zwischen Orient und Okzident.
Paulus hatte sich durch seine Briefe schon einen Namen gemacht.. Er schrieb von einem jüdischen Redner und Heiler, der drei Jahre in seiner Heimat aufgetreten war, mit einem kleinen Gefolge, aber großen Reden und Taten der Menge aufgefallen war. Gegenüber der römischen Herrschaft aufgemuckt hätte und dadurch zum Tode am Kreuz verurteilt worden war.
Im Grunde hatte er sich nur der Tatsache gegenüber schuldig gemacht, dass er die römischen Götter nicht verspottet, aber auch nicht anerkannt hatte und von seinem himmlischen Vater gesprochen hatte, als er sei er sein leiblicher Sohn.
Ein Wunderheiler, ja, das habe man miterlebt, ein Wortakrobat, ja, seine Reden rissen die Hörer mit, es kam vor, dass einige ihr Geld und ihre Frau im Stich ließen und ihm nachfolgten, als sei er der schon seit langem verkündete Messias.
Es waren auch Frauen darunter, besonders eine mit langem wallendem Haar und edlen Gesichtszügen, die ihm auf den Fersen blieb, die nichts von ihm erwartete, außer dass sie in seiner Nähe bleiben durfte. Man munkelte, sie habe diesen Jesus auch einmal verführt, aber natürlich umgeben immer Gerüchte zwei Menschen, die als Mann und Frau ständig gemeinsam auftreten.
Welcher Mann kann schon den Verführungskünsten einer Frau widerstehen. Wer kann überhaupt dem Liebreiz einer jungen Frau widerstehen oder der Weisheit einer älteren? Frauen hätten denselben Wert wie Männer, hatte dieser Jeshua sogar öffentlich verkündet, einer, der auf der Seite der Entrechteten, der Armen, der Kranken stand und der sich sogar für eine Dirne , die mit Steinen beworfen wurde, eingesetzt hatte.
Einer, der es ernst nahm mit dem Hinweis darauf, dass alle seine Brüder und Schwestern vor Gott seien.
Und dieser Paulus hatte als eingefleischter Skeptiker, klug und gebildet wie er war, all diesen Gerüchten standgehalten, nichts davon ernst genommen, alles was tauglich schien, verworfen und verspottet.
Nur als er einmal unterwegs war, auf seiner Reise nach Damaskus hatte er eine merkwürdige Erfahrung gehabt, die ihn geradezu zu einem anderen Menschen gemacht hatte. Er hatte plötzlich auf dem Esel sitzend, das ganze Universum zu seinen Füßen gesehen, die wirbelnden Sterne, die blitzenden Farben der Tiefen des Kosmos, und darüber eine gleißende Gestalt und diesen Jeshua zu ihrer Rechten. Gott, Vater und Sohn – klang es ihm aus der Tiefe seiner Erfahrung entgegen – und von diesem Zeitpunkt an, wusste er, dass es sich um Wahrheit handelte, was dieser junge Mann so lässig dem Volk verkündete. Wahrheit, nichts sonst.

Und dieser Paulus, dieser von Gott Auserwählte und mit einer Erfahrung Gesegnete, schrieb, er wolle Ephesus mit einer Handvoll getreuer Helfer besuchen und in dem großen Theater predigen, nein, von Jeshua berichten.

Yenim war Beamter in der Stadtverwaltung und sollte für diese Rede Vorbereitungen treffen. Er war bekannt, dass er alles mit äußerster Genauigkeit ausarbeitete. Es mussten Übernachtungsplätze gefunden, für angemessene Verköstigung der Reisenden, für die Versorgung der Reisetiere musste gesorgt werden, vielleicht sollte er auch Deniz, der Leiterin der Lustbarkeiten im Ort, bekannt geben, dass bald ein paar Männer die Stadt besuchen würden und ein paar außergewöhnliche Dienste erwarteten. Natürlich hatte er, Yenim, sich ein paar mal diese wunderbaren Massagen geben lassen und das ganz mit der Zustimmung seiner Frau. Um es den fremden ausgehungerten Seelen zu erleichtern, war sogar ein Wegweiser mit einer großen weiblichen Hand in den Stein gemeißelt: „Gehst du in diese Richtung, Fremder, kannst du die Seligkeit nicht verfehlen.“

Nun gut. Yenim wollte sich nichts zuschulden kommen lassen, und als die kleine Gruppe, von Paulus angeführt, erschien, waren alle mit seinem Arrangement nicht nur einverstanden, sondern auch sehr zufrieden. Man bewunderte die schöne lange Straße, die prächtigen mehrstöckigen Gebäude am Straßenrand, das öffentliche WC mit den bequemen Sitzen, die Bibliothek natürlich nicht zu vergessen, die der Wissenselite kostenlose Bildungsmöglichkeiten zugestand.

Und dann das Theater. Paulus sah sich diesen Ort zuerst an und erlebte, wie seine Stimme den auf den höchsten Rängen sitzenden Hörer erreichte. Eine phänomenale architektonische Leistung.
Er würde sie alle erreichen, er brauchte nur ein paar Tage, um sich von den Strapazen der langen Reise zu erholen. Seine Rede stand ihm klar vor Augen. Er würde über die Liebe untereinander reden, das Thema, das auch seinem Meister am wichtigsten gewesen war.
Die Liebe, nicht das, was Yenim darunter offenbar verstand, das hatte er ihm gleich am ersten Tag gesagt, als dieser ihm die vielen hübschen Dienerinnen angepriesen hatte, die offenbar seinen Besuch fest eingeplant hatten – nein, er war so von der Liebe zu Gott erfüllt, dass ihm das alles, diese kleinherzigen Versuche, Liebe zu empfinden, nichts bedeutete, zu einem absoluten Nichts wurde.

Yenim war ein wenig enttäuscht von dieser Seite des Paulus, der sogar die Ehe nur erlaubte, wenn der Mann es allein nicht mehr aushielt. Irgendwie war dieser Mensch gar nicht mehr von dieser Welt, in der die Frauen mit ihren Tänzen, ihrem Lachen und ihrer Fähigkeit, Männer einen Abglanz jener Herrlichkeit zu gewähren, die Paulus offenbar auf einem anderen Wege zuteil geworden sein musste, die Männer verwöhnten.

Der Tag der Rede kam, und das Theater war halb gefüllt. Viele waren aus der Umgebung gekommen, einige sogar von Izmir, der großen Stadt am Meer. Paulus sprach voller Leidenschaft. Er war kein philisterhafter Prediger, sondern einer der sozusagen seiner Seele Flügel bereitete, damit sie zum Hörer fliegen und ihn einfangen konnte. Er war kein Menschenfischer wie Simon Petrus, aber ein Menschenfänger geworden, und er empfand das als seine Seelenaufgabe.

Sein nächstes Ziel waren die Höhlenkirchen in den Bergen Kappadokiens , und er fürchtete nicht, dass es eine qualvolle Reise zu Fuß werden würde, denn er war mehr Seele als Körper, und die beherrschte alles, die widerstand allem, die ermächtigte ihn, Gott zu dienen.

Als Yenim von ihm Abschied nahm und dieser ihm für seine Fürsorge und Gastlichkeit dankte, fiel er vor diesem Menschen auf die Knie und weinte – vor Scham, vor Glück, vor Dank für den Höhepunkt seines Lebens.

© ez+k

17 Kommentare

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Edith ST - Diese Geschichte ist sehr rührselig geschrieben. Der Paulus
wird aber in der Bibel etwas anders beschrieben.
  • 24.02.2017, 19:06 Uhr
  • 1
Dies ist eine Erzählung, kein historischer Bericht, sie keinerlei Ansprüche erhebt.
  • 24.02.2017, 21:28 Uhr
  • 0
So wird es wohl sein.
  • 25.02.2017, 09:12 Uhr
  • 0
LIna, ich habe die Erzählung noch einmal gelesen und möchte zusammenfassen, was da über Paulus gesagt wird:
1. Er wird in Ephesus erwartet. Das ist eine historische Tatsache.
2. Er kommt und sieht sich das Amphitheater an, in dem er sprechen wird. Eine historische Tatsache.
3. Er will weiter nach Kappadokien reisen. Eine historische Tatsache.
4. Es wird von ihm gesagt, dass er an einem Besuch einer Dirne nicht interessiert ist. Auch das eine historische Tatsache, die iim NT mit dem Hinweis darauf, dass Männer eben heiraten sollten, ebenfalls belegt ist.

Was also weicht Deiner Meinung nach von der Bibel ab?
Und wieso 'rührselig'??
  • 25.02.2017, 10:22 Uhr
  • 0
Edith, Du hast den Bericht sehr gut ausgeschmückt und das
soll kein Vorwurf sein. Die historische Aufzählung ist
in Ordnung und die Stätten kommen natürlich in der Bibel
vor. Ich denke an die Missionsreisen von Paulus und diese
habe ich vor zwei Jahren in Griechenland nachvollzogen
und mich auch mit den Beweggründen dieses Apostels befasst.
Mir sind wahrscheinlich andere Faktoren dieses Mannes
wichtig!
  • 25.02.2017, 10:46 Uhr
  • 2
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Edith ST, ich habe nicht ganz begriffen, was du uns mit dieser schönen Geschichte sagen willst?
Übrigens, eine kleine Korrektur: Izmir hieß in der damaligen griechischen Zeit Smyrna.
  • 24.02.2017, 17:39 Uhr
  • 1
Digger, danke für die Korrektur.

Diese Geschichte soll ein früheres Leben einer Person sein, die sich als der Organisator des Besuchs von Paulus in Ephesus mit Yenim bezeichnet.

In dieselbe Kategorie gehört die Geschichte "Am Hofe des Pharao". Mir werden diese Erzählungen auf paranormale Weise übermittelt (d.h. 'diktiert' ; Hellhören).

Sicher ist Dir bekannt, dass sehr viele Menschen solche 'außergewöhnlichen Erfahrungen' machen (DIss. von Nicola Kohls, 2004, mit demselben TItel).
EIne solche Geschichte entsteht in ca. 10 Minuten, das imnnere Diktat ist sehr schnell und der Text ist absolut stilistisch vollendet. Ich muss allerdings Tippfehler korrigieren, da das Diktat sehr schnell ist.
  • 24.02.2017, 18:49 Uhr
  • 0
Ich habe mich einmal kundig gemacht und die nachfolgenden Zeilen in "Paranormal" gelesen. Da mir diese "außergewöhnlichen Wahrnehmungen" nicht zur Verfügung stehen, akzeptiere ich sie einfach.
"Der Hell- Hörende kann z.B. akustisch die Stimme eines nichtanwesenden Menschen oder eines anderen Wesens "hören". Es gibt das Phänomen des Stimmenhörens, das heute in den neuen Psychiatrieansätzen, z.B. nach Marius Romme und Sandra Escher aus Maastricht, nicht mehr unbedingt als Symptom einer geistigen Krankheit betrachtet wird. Man räumt ein, der Mensch könnte auch schlichtweg etwas aus anderen Bewusstseinsebenen hören. Manche Menschen sagen, sie hören eine richtige Stimme, andere nehmen eher eine Impression in der eigenen Seele wahr, die sie als Stimme empfinden. So kann auch hier schon wieder das Fühlen mit hineinspielen. Sieht die betreffende Person vielleicht noch vor dem inneren Auge ein Bild der Quelle des Gehörten, kommen Hellhören, -fühlen und -sehen zusammen. Die Schweizer Psychologin Annie BernerHürbin geht deshalb dazu über, von einem "Gewahrsein" zu sprechen oder von "subtilem holistischen Wahrnehmen".
  • 24.02.2017, 19:10 Uhr
  • 0
Sehr bekannt für eine 'telepathische Übermittlung' sind die Bücher der Alice A Bailey, die sie, in New York lebend, von dem tibetischen Meister Dhjwal Khul diktiert bekam.
Dies ist in theosophischen Kreisen eine absolut bekannte und anerkannte Tatsache. Ich habe selber diese ca. 20 Bände in meiner Bibliothek.

Ebenso bekannt wurde der Amerikaner Walsch mit seinem Buch "Gespräche mit Gott".

Solche Gaben stellen sich ein - bei jedem - wenn man sich intensiv auf dem spirituellen Weg befindet. In den alten indischen Weisheitsschriften werden sie "siddhis" genannt = Kräfte.
  • 24.02.2017, 21:35 Uhr
  • 1
Vielleicht ist es hilfreich, wenn ich darauf hinweise, dass es an der Universität Oldenburg ein Institut f. Transpersonale Psychologie gibt, die sich nicht nur mit den 5 Sinnen des Menschen beschäftigt, sondern mit den 'inneren Sinnen', die zu trans-personalen Erfahrungen führen.
Das ist ätherisches, astrales Hellsehen, Remote Viewing, Hellhören, Intuition = Hellwissen und Heilen.

In Freiburg gibt es auch ein Institut f. Transpersonales Bewusstsein.
  • 25.02.2017, 10:33 Uhr
  • 0
Du hast dir ja ein interessantes Gebiet ausgesucht. Ich lehne diese Phänomene nicht ab, bin aber ausserstande, sie zu verstehen. Für einen Horst Michael Petschar ist die "Parapsychologie existent und mit den üblichen naturwissenschaftlichen Modellen nicht zu erklären. Welche Kräfte dahinter stecken, kann man nur vermuten. Einige vermuten dahinter okkulte, andere psychische Kräfte. Was auch immer dahinter steht, Fernwahrnehmung existiert und ist eine der größten Rätsel der Menschheit".
Wahrscheinlich hat sich deshalb auch das Militär dafür interessiert und Forschungen betrieben. Was dabei herausgekommen ist, weiß ich nicht.
  • 25.02.2017, 11:52 Uhr
  • 1
Ja, besonders in den USA und Russland ist in der Mitte des letzten Jahrhunderts viel Remote Viewing Forschung betrieben worden, um den Feind auszuspähen.
Einer der besten gegenwärtigen Hellseher ist Martin Zoller: www.martinzoller.com
Er hat auf facebook 2014 Trumps Sieg vorausgesagt, als alle das für absolut unmöglich hielten.
Geh mal auf seine Seite, er hat viele Voraussagen für Deutschland gemacht, seine persönlichen Analysen sind ganz erstaunlich.

Ich selber habe eine große Zahl solcher Erfahrungen gemacht und darüber 2014 6 längere Beiträge geschrieben.
wize.life/themen/kategorie/philosophie/artike...rit-siddhis
  • 25.02.2017, 14:57 Uhr
  • 0
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