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Dauerhafte psychische Störungen! Patienten verklagen Haarwuchsmittel-Herstel ...

Dauerhafte psychische Störungen! Patienten verklagen Haarwuchsmittel-Hersteller

News Team
19.03.2017, 14:25 Uhr
Beitrag von News Team

Das beliebte Haarwuchsmittel Finasterid steht nach Informationen der "Welt am Sonntag" im Verdacht, schwere, dauerhafte psychische und körperliche Störungen auszulösen.

Zwei Geschädigte wollen demnach gegen einen Hersteller des Mittels und die zuständige Aufsichtsbehörde klagen. Sie wollen auf diesem Wege herausfinden, wie viel diese bereits über diese möglichen Nebenwirkungen wussten, ohne dass die Hersteller in ihren Packungsbeilagen davor warnten.

Schwere Depressionen und Arbeitsunfähigkeit

Die beiden Männer sowie drei weitere Betroffene berichteten der Zeitung gegenüber von schweren Depressionen und Konzentrationsstörungen, die diese zum Teil dauerhaft arbeitsunfähig machen und teilweise bereits seit Jahren anhalten.

Mediziner berichten zudem, dass dieses Störungsbild kaum behandelbar sei und möglicherweise eine irreversible Störung im Stoffwechsel des Körpers zugrunde liege.

Bundesinstitut bestätigt 170 Verdachtsfälle

Das für Zulassungen und Warnhinweise zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigte auf Anfrage mit, dass es offenbar signifikante Hinweise auf schwere psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit Finasterid gibt.

Demnach seien bislang 17 Verdachtsfälle von Depressionen bekannt, zusätzlich zu 28 Verdachtsfällen sexueller Störungen. Insgesamt seien der Behörde 170 Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen gemeldet worden.

Beipackzettel soll vervollständigt werden

Die Aufsichtsbehörde kündigte zudem an, es sei „kürzlich auf europäischer Ebene beschlossen“ worden, „Depressionen im Abschnitt Nebenwirkungen der Produktinformationen aufzuführen“.

Diese Entscheidung könnte für Finasterid eine Zäsur bedeuten. Sie könnte dazu führen, dass Ärzte künftig deutlich zurückhaltender bei der Verschreibung sind und Patienten viel mehr abwägen. Eine offizielle Anerkennung solcher Nebenwirkungen könnte auch rechtliche Folgen haben und zu Klagen auf Schadenersatz führen. Der Hersteller Dermapharm beantwortete Fragen der „Welt am Sonntag“ nicht.

Erektionsstörungen durch Finasterid

Finasterid, das in den Hormonhaushalt des Körpers eingreift und die Umwandlung von Testosteron in den Botenstoff DHT bremst, war in den vergangenen Tagen bereits im Zusammenhang mit Erektionsstörungen und Potenzproblemen in die Kritik geraten.

Wissenschaftler der Universität Chicago hatten eine Studie veröffentlicht, laut der etwa jeder hundertste Patient diese sexuellen Funktionsstörungen entwickle, vielfach ebenfalls dauerhaft.

Nebenwirkungen seit Jahren bekannt

In den USA werden mögliche schwere Nebenwirkungen des Mittels schon seit Jahren öffentlich diskutiert. Dort haben rund 1400 Männer gegen den Hersteller des Originalpräparats Propecia, die Merck Group, geklagt.

In Deutschland wird das Mittel überwiegend von Generika-Herstellern verkauft. In den Apotheken wurde im vergangenen Jahr nach Angaben der Marktforschungsfirma IMS Health Finasterid für rund 16 Millionen Euro verkauft. Hinzu kommen nach Schätzung des bekannten Bremer Pharmakritikers Gerd Glaeske rund fünf Millionen Euro an Umsätzen mit Finasterid-Präparaten, die Männer in Online-Shops bestellen.

Bessere Aufklärung gefordert

Pharmakritiker Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung an der Universität Bremen, bezeichnete die beschriebenen Risiken von Finasterid gegenüber der „Welt am Sonntag“ als „dramatisch“.

„Das Problem, dass diese Schäden bleibend sind, war bislang so nicht bekannt“, sagte Glaeske. Er fordert deshalb zusätzlich zu mehr Risikohinweisen auf den Packungen öffentliche Warnungen vor dem Mittel, etwa in Form sogenannter „Rote Hand-Briefen.

Das sind Informationsschreiben von Arzneimittelherstellern an Ärzte, in denen diese zum Beispiel über neu erkannte Arzneimittelrisiken informieren.

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