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Das Fenster

15.06.2016, 04:46 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Meisterwerke

eine Betrachtung von e.franke

DAS FENSTER

Edith steht im 2. Stock und schaut zum Fenster.
Direkt über dem Treppenaufgang ist ein schönes Fenster.
Tüllgardine einmalig gemustert. und Blumen vor dem Fenster.
Doch nicht nur die Blumen, auch eine herrliche Bergsicht
und die Gardine - einfach ein Traum.

Ich bin in Iny im Allgäu, besuche meine Eltern. Doch die sind inzwischen schon zum Speisesaal gegangen. Und da ich sehr gerne den Ausblick genieße, bleibe ich im Treppenhaus stehen. Ich schaue aus dem Fenster. Mit Abstand allerdings, denn es gibt keinen guten Zugang zu dem Fenster. Ich halte mich am Treppengeländer, und meine Augen hängen traumverloren am Fenster.

Als ich ankam und geparkt hatte, regnete es und ein kalter Wind bließ. Inzwischen ist alles besser geworden. Um so mehr freue ich mich über diesen Ausblick. Die Berge, der Wald darunter und diese herrlichen Blumen direkt vor dem Fenster. Blüte um Blüte umfahren meine Augen und wieder hängt mein Blick an der duftigzarten Gardine. Nicht ganz einfach so eine Gardine herzustellen. Billig war diese nicht. Das ist deutlich zu erkennen. Im ganzen Haus gibt es keine zweite davon.

Ich sauge all diese Ausblicke und Anblicke begierig in mir auf. Das schönste im Haus ist dieses eine Fenster. Immer und immer wieder zieht es mich hier her. Beim Heimfahren habe ich dieses Fenster vor meinen Augen. Und bis heute, nach 13 Jahren, ist es noch immer so frisch im Gedächtnis.

Es regnet auch auf dem Heimweg. Ich freue mich darüber, dass in der Zeit, die ich im Haus wartete, das Wetter freundlich wurde. So konnte ich die Bergsicht voll und ganz genießen.

Als ich am darauffolgenden Wochenende wieder meine Eltern besuchte, hatte ich gutes Wetter. Wir gingen gemeinsam um den Bau herum, durch die Parkanlage. Und heimlich suchte ich nach diesem Fenster. Von hier unten kann ich die Begkuppen natürlich nicht sehen. Ist doch klar. Sind doch die vielen höheren Häuser direkt vor meinen Augen. Ich begleite meine Eltern noch zum Speisesaal
und verabschiede mich. Dann steige ich nochmal eine Treppe höher, um die Bergsicht aus diesem schönen Fenster noch kurz zu genießen. Und nun fällt mir auf, dass hier das Wetter immer gleich war. Es war ein Bild, an die Wald über dem Treppenaufgang gemalt. Nun betrachte ich DAS FENSTER mit einer anderen Einstellung und versuche es 2D zu sehen. Es müssen tausende kleiner Pinselstriche sein, die hier so harmonisch und lebhaft den Betrachter in die 3D Welt entführen. Die Gardine sieht so echt aus, leichte Biegungen von einem zarten Windhauch, den ich trotzdem zu spüren glaube obwohl ich es nun als Bild erkannt habe. Eine Tüllgardine gemalt und Blumen mit echt wirkenden Knopsen. Jedes Blütenblatt für sich gezeichnet und gekonnt ausgemalt. Die Berge, so wie man sie hier oben wirklich vor Augen hat, auf diese Wand gemalt.
Nein, es ist nicht als Bild zu erkennen. DAS FENSTER ist so echt, wie es echter gar nicht sein könnte. Ein wahres Meisterwerk.

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2 Kommentare

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Hallo Edith, eine schöne Geschichte. Es dauerte etwas bis ich es begriffen habe. Dann bin ich noch mal von vorne angefangen und dann kam der Aha Effekt. Liebe Grüße
  • 16.06.2016, 14:05 Uhr
  • 1
Hallo Marga. Ja genau so erging es mir. Mehrere Besuche bedurfte es, bis bei mir der Aha Effekt kam. Bis ich dieses geliebte Fenster als die Kust eines sehr guten Malers erkannte.
Danke für Deinen Kommentar und Dein lesenswert.
  • 16.06.2016, 14:25 Uhr
  • 0
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