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Wasser

Wasser

09.09.2016, 10:10 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wasser

Birgit schaut auf ihre Armbanduhr und murmelt: „das darf doch nicht wahr sein --- 30 Minuten!“ Die schlanke 50 jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern bewegt sich mit schräg geneigten Kopf Richtung Badezimmer. Mit der flachen Hand schlägt sie kräftig an die Tür und brüllt: „Eine halbe Stunde, stell sofort das Wasser ab.“ Hinter der Tür wird es plötzlich still. Kein Geräusch kommt mehr aus dem Bad. Mit zufriedenen Lächeln geht Birgit zurück ins Wohnzimmer. Dort sitzt die 20-jährige Lilli mit Ohrstöpseln und hört Musik. Sie schaut hoch: „Wollen wir jetzt essen? Ich will um 19 Uhr zum Sport.“ „Ja, deck schon mal den Tisch, es gibt Nudeln mit Champion“ antwortet Birgit. „Wir essen sofort wenn Frank da ist. Das muss heute schnell gehen, weil anschließend noch eine Familienkonferenz angesagt ist.“ „Oh, nein“ stöhnt das junge Mädchen. Sie kennt Mutters „Konferenzen“, die sind immer unerfreulich und enden oft im Streit. Schon vor zehn Jahren haben sich die Eltern getrennt. Seitdem hält Birgit die Familie zusammen und dafür gibt es festgelegte Regeln. Inzwischen sind sie drei erwachsene Menschen, die sich lieben, aber die auch mal eigene Wege gehen.

Sauber und frisch gekämmt erscheint der 18 jährige Frank am Küchentisch. Birgit muss ein Lächeln unterdrücken als sie den Aufdruck auf seinem T Shirt liest. IMMER COOL BLEIBEN kann sie dort weiß auf schwarz lesen. Lilli hat ihn schon über die Konferenz unterrichtet. Natürlich hat auch er eine Verabredung und möchte das Haus bald verlassen.
Als der Tisch abgeräumt ist holt Birgit einen DIN A 4 Umschlag vom Schreibtisch.Sie legt mehrere bedruckte Bögen auf den Tisch. „Heute hat die Stadt die Strom und Wasserrechnung für 2015 geschickt. Sie haben die Wassergebühren schon wieder erhöht. Wir zahlen jetzt für 1 cbm Frischwasser 1,35 € und für 1 cbm Abwasser 5,41 €. Natürlich ist auch eine Nachzahlung fällig. Da kann ich meinen Kurzurlaub vergessen. Ich werde das ab sofort nicht mehr allein bezahlen. Wenn ihr jeder 1/3 bezahlen müsst, werdet ihr notgedrungen sparsamer mit diesem kostbaren Lebens-Elixier umgehen. Frank, es kann einfach nicht sein, dass du 30 Minuten unter der laufenden Dusche stehst. Bisher habe ich das geduldet, aber nun ist Schluss.“ Frank macht ein langes Gesicht: „Wovon soll ich das bitteschön bezahlen? Ich verdiene doch gar nichts,“ brummt er. „Du hast eine Menge Freizeit, auch wenn du demnächst die Uni besuchst. Such dir eine Arbeit die bezahlt wird, auch wenn du dabei schmutzig wirst. Dann lohnt sich die Duscherei wenigstens“, antwortet seine Mutter cool. Lilli hat auch schon einen Vorschlag zum Wasser sparen: „Die Spülmaschine ist auch nie richtig voll“ sagt sie. „Ach und erst mal die Waschmaschine, da könnten wir bestimmt drei Waschgänge in einer Woche einsparen. Frank will nicht der Einzige sein, der den schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Er schaut seine Mutter an: „Dann darfst du aber auch nicht mehr den Rasen sprengen und die Blumen gießen.“ Birgit kontert sofort: „Wenn du nicht nur noch vor dem Computer sitzen würdest, dann hättest du auch schon mal unsere Regenwassertonne gesehen. Das Wasser kostet nämlich gar nichts. Der Wasserhahn an der Hauswand hat einen eigenen Zähler. Beim Rasensprengen wird das teure Abwasser nicht berechnet.“ Frank gibt noch nicht auf: „Überall wird doch Wasser verschwendet. Jede Woche fährst du mit unserem Auto in die Waschanlage, das steht zwar nicht auf dieser Rechnung,“ er zeigt auf das Papier, „aber bezahlen musst du es auch.“
Die vernünftige Lilli, sie will pünktlich in der Sporthalle sein, sagt: „Mutti du hast recht, wir müssen achtsamer mit unserem Wasser umgehen. Das ist allen Leuten schon lange bekannt. Der Einzelne wird leider erst aufmerksam, wenn er es im eigenen Portemonnaie merkt.

Etwas Bizarres habe ich kürzlich bei Facebook gelesen.
Ein Student aus dem Umweltstudium wohnt noch zu Hause. Sie haben im Garten ein überdachtes Schwimmbecken mit 60 cbm Wasser. Jeden Morgen um 6 Uhr beginnt für den Vater dort der Tag. Natürlich nutzt der Sohn dies Angebot auch. Er hat dabei nur stets ein schlechtes Gewissen. Voller Bewunderung liest er alle Berichte über Greenpeace Aktivitäten. Kürzlich hat ein Schiff voller Umwelt-Aktivisten im Eismeer auf die schmelzenden Gletscher aufmerksam gemacht. Nach einem besonders eindringlichen Vortrag seines Professors über Wasserverschwendung fährt dieser Spinner in einen Baumarkt und kauft dort einige rote Farbbeutel. –- Das Foto ihres verdorbenen Schwimmbecken hat er noch stolz im Netz veröffentlicht.
Sein Vater hat ihn aus dem Haus gewiesen. Nun wohnt er in einer WG; 5 Studenten und nur eine Dusche.“
Gemeinsam lachen die Drei. Lilli hat es mal wieder geschafft.


Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.

copyright: Marga Koch

4 Kommentare

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Rein zufällig habe ich auch den Wasserpsarkurs eingelegt. Nur, seitdem zahle ich auch für die andere Partei mit, die einfah nicht psaren will.
  • 09.09.2016, 21:18 Uhr
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O, je das will man ja auch nicht. Hallo Edith ich wünsche dir ein schönes Wochenende
  • 10.09.2016, 08:56 Uhr
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Liebe Marga,
ein herzerfrischender Beitrag von Dir, der ohne Polemik das Problem der Wasserverschwendung deutlich aufzeigt. Gefällt mir!
  • 09.09.2016, 10:56 Uhr
  • 0
Danke Inga, ich denke auch am praktischen Beispiel und ohne den moralischen Zeigefinger versteht es jeder es besser. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
  • 09.09.2016, 11:40 Uhr
  • 1
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