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An den Wassern vom Bodensee

An den Wassern vom Bodensee

12.09.2016, 04:55 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Besuch am großen Schwabenmeer


Ich sitze auf der Mauer und beobachte das abendliche treiben am Bootshafen. Nach und nach kehren die vermieteten Schiffe heim. Die Fahrgäste steigen aus, kommen die Treppen empor und gehen ihres Weges. Die Arbeiter übernehmen das Boot und lenken es behutsam an ihren Stammplatz. Dort wird jedes Schiff mit den vorherigen vertaut. Dann kommt die große schwere Plane sorgsam darüber. Der Arbeiter muß warten, bis das nächste Schiff an seinen Stammplatz gebracht wird. Er wird abgeholt und zu der schwimmenden "Verkaufsinsel" gebracht. Von dort übernimmt der den nächsten Heimkehrer und bringt ihn ebenfalls an den Stammplatz. Das Spiel beginnt von neuem. Das erste Boot dieser Reihe wurde an eine verankerte Boje gehängt. Die nächsten jeweils dahinter. Solange, bis das hinterste Schiff am Kai vertaut werden kann.

Ich warte auf meine Familie. So gerne ich auch immer auf dem Wasser war, heute zog es mich nicht ins Boot. Ein Viersitzer Tretboot mit Rutschbahn war angemietet. Die beiden Enkel und meine Kinder waren zusammen rausgefahren. Heute machte es keinen Sinn, ihnen hinterher zu schauen. Ich konnte sie in Kurzem nicht mehr sehen, trotz Brille. Meine Augen sind müde geworden.

Hinter mir laufen die Bade- und Strandgäste vorbei, manche unterhalten sich ein wenig. Es ist auch hier Abend geworden. Um 20 Uhr schließt alles ab. Feierabend. Das letzte Boot durfte um 19 Uhr rausfahren. Automatisch lasse ich den heutigen Tag Revue pasieren. Er war erlebnisreich. Die Jüngste ist nicht zu bremsen. Ihr Wissendrang geht beinahe ins Unermessliche. Sie war nicht das erste mal hier am See. Nein. Aber sie wollte gerne alles noch einmal anschauen, sich vieles verinnerlichen.

Salem, Uhlingen am Bodensee.
Es ist ein Ort mit einer Ansammlung von Sehenswürdigkeiten. Da war zunächst der Affenberg. Hier durchwandern wir eine Ausdehnung, dicht bewaldet, auf den Gehwegen. Sozusagen auf dem inneren Ring. Die Affen sind los, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tiere fühlen sich hier wohl. Sie reissen nicht aus. Und sie wissen genau, wenn die Gäste kommen, dann sind sie der Mittelpunkt. Popkorn ohne alles wird in Portionen jedem in die Hand gedrückt. Die Affen mögen es. Bananen jedoch mögen sie lieber. und deshalb packe ich meinen Reiseproviant lieber gleich in den Rucksack. Die Sitzbänke und die Absperrbalken, die zu ihrer Sicherheit dienen, werden gerne aufgesucht, um Popkorn aus der Hand der Menschen zu nehmen. Groß und Klein. Alt und Jung. Jeder wird gleich behandelt. Eine dargebotene Hand wird beäugt, ist Popkorn drin (meistens ist das so) dann greift der Affe gemütlich zu und nimmt sich eines raus. Es ist fast schon menschlich. Die hart gebliebenen "Knopsen" werden auf den Boden geworfen. Wenn die nächste Hand schon hingehalten wird, fällt das vorherige Korn ebenfalls gleich zu Boden. Immer das neueste kommt in den Mund. Wie kleine Kinder.

Ach ja, auch Affenkinder sind dabei. Halbjährige, ein-, zwei-, und mehrjährige. Opas genauso wie Mamas. Affen sind ausgesprochene Gruppentiere mit familiärer Ordnung. Hier auf dem Affenberg sind sie, um später ausgewildert werden zu können. Es ist kein Zoo. Es wird Essen geboten, damit sie auf alle Fälle den Grundstock haben. Salat zur Fütterungszeit alle 2 Stunden. Wer da nicht aufpasst, dem nehmen die Kleinsten schon mal den Bissen weg, wenns sein muß auch aus dem Mund. Und blitzschnell sie die fast-noch-Babys dann auch schon auf dem nächsten Baum verschwunden, hängen an dünneren Ästen. Sie wissen genau, die größeren kommen hier nicht her, denn sie sind zu schwer und fallen runter. Dann bleiben sie hängen, sichern kopfüber nochmal die Gegend ab und futtern das ergatterte Salatblatt. Wenn der Großvater kommt machen alle Platz, und warten brav ab, bis er sich wieder von dannen trollt.

So vergingen gute 2 Stunden, bis wir das Gelände wieder verließen. Vor dem Berg sind große alte Wirtschaftsgebäude. Eine kleine Gastwirtschaft ist dort drin ebenfalls untergebracht. Verhungern muß hier keiner. Auf den Dächern sind die großen Storchennester. 8 Störche haben wir mal auf einem einzigen Dach gesehen. Und im Hof gibt es eine Tombola, für Kinder und Kind gebliebene. Unter Aufsicht einmal am Rad drehen. Das Zahlenblatt zeigt rundum Nummern. Die Nummer, auf der das Rad stehen bleibt, zeigt der Aufseherin, welche Frage sie an die Jüngsten nun richtet. Wird die Frage richtig beantwortet, erhält das Kind einen Ausweis als Storchenkenner. Der Name des Kindes wird von Hand eingetragen. Dort stehen die Kleinen mit ihren Eltern auch schon mal schlange.

Und schon ist das Stichwort gefallen.

Denn nach einer kleinen Stärkung (Gulaschsuppe für die Oma z.B.) geht es zurück in die Stadt Uhldingen. Mit dem Auto so gute 5 Minuten. Ein neuer Parkplatz am Bodenseeufer. Hier erwarten uns Reptilien hinter Glas. Ein schönes helles Haus. Alles sehr sauber. Nicht nur Schlangen, auch Echsen. Oma wollte da gar nicht mit rein. Albträume von Schlangen hielten sie zurück. Doch wer meinen Jüngsten Sohn kennt der weiß: Du mußt dich der Angst stellen.
Drei Erlebnisse hier prägen heute noch mein Denken. An einem Glas hängt ein etwas größeres Schreiben. Ich lese es und schaue mir die Echse an. Sie hat sich ganz hinten etwas versteckt. Ihr Rücken ist weiß, mit rissiger Umrandung. Hm. Sie hatte unter starken Verbrennungen zu leiden, wurde gerettet und hier her gebracht, gesund gepflegt und darf den Rest ihres Lebens hier bleiben. "Hier geht es mir wieder gut" . konnte ich auf dem Schreiben lesen. Trotz meiner innerlichen Abwehr kommt tiefes Mitgefühl auf. Ich frage mich heute, wieviel von den unsäglichen Schmerzen das Tier heute noch weiß, noch in seiner Erinnerung hat.

Eine Klapperschlange wurde gefüttert. Das Glas ein wenig geöffnet, und eine Maus am langen Arm vor die Schlange gebracht. Hinter dem Pfleger allerdings dufte keiner sein. Bevor er das Schloß aufsperrte sicherte er einige male, dass dem auch so ist. Es dauert ein paar Sekunden, bis sich das Tier in Richtung Beute orientiert. Die Zunge nahm Witterung auf, der Kopf drehte sich langsam der Beute zu. Und blitzschnell beißt sie zu. Sie hält die Maus fest zwischen ihren Zähnen und der lange Arm kann behutsam zurückgezogen werden. Scheibe zu, Schloß zu. Alle bleiben ruhig stehen und lauschen nun den Ausführungen des Pflegers. Alle Fragen werden ruhig und gezielt beantwortet.
HIer drin herrscht eine Atmosphäre der Ruhe. Auch die Oma blieb innerlich total ruhig. Es ist auf Geborgenheit ausgerichtet.
Ich gehe weiter, zwei Warane ein kleiner ein größerer drehen schnell ihren Kopf. Aha, die haben mich gesehen. Ich laufe weiter und komme darauf nochmal zurück. Und wieder sind die Köpfe der beiden schnell auf mich gerichtet. Der Kleine schaut nur, der gößere beginnt mit Kau- und Schluckbewegungen. Gut, dass die dicke Scheibe davor ist. Wir bäugen uns, ich bewege meinen Kopf. Die beiden Köpfe bewegen sich ebenfalls im Gleichklang mit mir.
Meine Gedanken wandern nochmal den Rundgang ab. In einem größeren Gehege sind drei Warane. Einer davon oben, auf dem schmalen Mauervorsprung stehend schaut er zum Fenster raus. Ob er Fernweh hat? Sieht jedenfalls ulkig aus.
Draußen, im Entree erstehe ich noch einige kleine Andenken.

Mit dem Zügle
Meine kleine Gruppe ist nun auf der Wanderschaft zum Ufer. Die Pfahlbauten wollen besichtigt werden. Nach der Unterführung wartet ein kleiner Zug, um müde Gäste dorthin zu bringen. Logisch, ist ja schon etwa 14 Uhr 30 oder so um den Dreh. Da dürfen auch die Kinder müde sein und wir steigen ein. Einfache Fahrt, denn um 17 Uhr fährt die letzte Bahn. Da sind wir mit Sicherheit noch im See.
Von den Pfahlbauten hatte ich schon Abbildungen gesehen, doch ich stellte mir das alles etwas anders vor. Die Häuschen stehen direkt im See. Baumstämme in Seeboden geschlagen, Bretter drauf, Haus draufgebaut. Und Bretter von Haus zu Haus. Gehwege müssen ja auch sein; das Ufer ist nicht nur einen Schritt vom Haus entfernt. Aufgrund der hohen Eintrittspreise gehe ich da nicht mit rein. Mama und die Kleine marschieren los, entschließen sich dann aber auch fürs schnellere Badevergnügen, denn ihnen ist das ganze ja schon gut bekannt. Also direkt daneben einen Ankerplatz auf der Wiese gesucht, gefunden, und ab ins Wasser. Hier ist ein Kiesstrand, der viele Meter ins Wasser führt, mit leichter Abschrägung. Das Wasser ist sauber und ganz klar. Weißt du, fragt mich mein Sohn, warum der See "Bodensee" heißt? Hier siehst Du es. Du kannst den Boden sehen. !

Die Bootsfahrt
Die Wasserratten sind kaum wieder raus zu bekommen. Erst als Papa mit dem Bootfahren winkt und Baden vom Boot aus, sind sie fluchs draussen und raffen ihre Sachen zusammen. Oma paßt dann auf alles auf, denn sie bleibt gerne am Ufer zurück und siniert über das Wasser vom Bodensee.

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19 Kommentare

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An alle, denen mein Beitrag gefällt und ...
Was haltet Ihr von einem gemeinsamen Bodenseeausflug. Sozusagen ein Nutzertreffen. Wer dabei wäre, bitte auf PN melden.
  • 14.09.2016, 21:59 Uhr
  • 0
Schauen wir doch erstmal wie und was zusammen kommt.
  • 18.09.2016, 16:17 Uhr
  • 1
Ich habe gestern und heute ein Gedicht gechrieben, zum Wetter. Bin gerade am überlegen ob ich es in die Themenwelt stelle. "Septemberregen"
  • 18.09.2016, 17:49 Uhr
  • 1
Es ist vollbracht.
  • 18.09.2016, 18:21 Uhr
  • 1
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Unser guter alter Bodensee - lang war ich da nicht mehr ! Danke für den Ausflug dahin, gut gemacht !! Liebe Grüsse aus Schwaben <3
  • 14.09.2016, 10:31 Uhr
  • 1
Susanne, wir könnte ja mal einen Nutzerausflug dorthin machen. Das wäre doch was
  • 14.09.2016, 21:57 Uhr
  • 0
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Danke liebe Edith, das hast du wunderbar beschrieben. L.G. Marga
  • 13.09.2016, 11:03 Uhr
  • 1
Danke Marga. Es war auch ein sehr schöner Tag.
  • 14.09.2016, 00:44 Uhr
  • 0
Marga wärst Du mit einem gemeinsamen Bodenseeausflug einverstanden?
  • 14.09.2016, 21:58 Uhr
  • 0
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eine schöne Geschichte, über einen schönen See...der Bodensee, den ich auch kenne und liebe....
  • 13.09.2016, 10:26 Uhr
  • 1
Danke Karin, da haben wir ha eine gemeinsame Liebe
  • 14.09.2016, 00:45 Uhr
  • 1
so ist es...
  • 14.09.2016, 08:39 Uhr
  • 0
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Ein sehr schöner Artikel, denn auch ich liebe den Bodensee.
  • 13.09.2016, 09:28 Uhr
  • 1
Danke Lina, sind wir schon drei
  • 14.09.2016, 00:46 Uhr
  • 0
Das freut mich, Edith, ganz lieben Gruß!
  • 14.09.2016, 09:29 Uhr
  • 0
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Eine schöne Geschichte
  • 12.09.2016, 21:16 Uhr
  • 1
Margarete, es war auch sehr schön.
  • 12.09.2016, 22:10 Uhr
  • 0
Das glaube ich ,kenne den Bodensee auch .l.g. Margarete
  • 13.09.2016, 09:42 Uhr
  • 1
Ich nehme an, dass die meisten unser großes Meer kennen.
Schön, dass meine Geschichte so manche Erinnerung zutage befördert hat.
  • 14.09.2016, 00:48 Uhr
  • 1
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