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Thema für den Monat Dezember 2016: W Ü R Z E

06.12.2016, 10:45 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als das neue Thema W Ü R Z E feststand, da juchzte ich innerlich. Hatte dieses Wort mich schon in meinen ersten fünf Lebensjahren jeden Sonntag begleitet und das möchte ich euch mitteilen.

Großvater durfte immer am Sonntag den gekauften Braten zubereiten. Ich war seine große Hilfe. Natürlich wurde auch die Großmutter dazu eingespannt, denn sie holte dann ihren Porzellan-Mörser aus dem Regal und Opa reichte ihr zur Zerkleinerung darin die ausgesuchten Gewürze.

Meistens waren es Piment- und Pfefferkörner, ein Lorbeerblatt, Liebstöckel, vom Rosmarin, Oregano, die abgemachten und getrockneten Nadeln und Blättchen, ein wenig getrocknete und geriebene Zitronenschale, Paprika, Knoblauch, Salz und etwas Öl. Das zerkleinerte sie zu einer dicken Paste.

Jetzt durfte ich mitarbeiten. Ich rieb das abgewaschene und getrocknete Bratenstück mit meinen kleinen Händen unter seiner Leitung ein und dann verging kurze Zeit mit Warten, denn Oma durfte das grob zerteilte Gemüse von Zwiebeln, Lauch, Sellerie, Tomaten, Petersilie zuerst anbraten in einer schwarzen, gusseisernen Kachel (hochdeutsch Bratenkasserolle) und darauf wurde dann endlich das Bratenstück gelegt, aufgegossen mit Brühe und dann war Großvaters wichtige Sonntagsarbeit erledigt.

Während wir das gemeinsam machten, sprach er immer wieder davon, wie wichtig es ist, diesem Bratenstück wieder ein Leben mit Würze einzuhauchen. Ich verstand ihn überhaupt nicht, und fragte ihn auch warum, wenn wir das nachher zusammen essen, dann braucht es doch nicht zu leben. Er verglich den Braten mit einer solchen Lebendigkeit an Aromen und Gewürzen, die er ihm mit in den Ofen gab, dass ich nicht weiter fragen wollte. Es ließ mir aber keine Ruhe und ich fragte ihn immer mal wieder nach der aufgetragenen Würzpaste und er sagte: Weißt du, es ist wie im Leben, alles sollte gut zueinander passen. Zucker brauchst du, um die sauren Speisen ein wenig süßer zu machen und mit Salz ist es umgekehrt. Pfefferst du die Speisen, bekommen sie einen leicht anderen Geschmack und wenn du ausprobierst, was dir an ausgesuchten Gewürzen dazu schmeckt, dann ist es wie im Leben, von jedem etwas, eine richtige Menge, und du merkst, wie es deinen Gaumen freut und so soll es auch mit dem Leben sein.

Heute verstehe ich seine Worte, liebe die Gewürze und würze auch, und wenn ich jetzt im Advent die süßen Marzipankartöffelchen meiner Großmutter herstelle, dann werde ich immer in die vergangene Zeit hineinversetzt. Sie sagte damals: wir haben Kartoffeln, doch süße Kartoffeln können wir uns jederzeit machen, die wachsen nicht unter der Erde…. Fand ich damals auch komisch, doch es waren gemahlene Aprikosenkerne…Großvater hatte ein kleines Aprikosenbäumchen im Garten stehen…, Grieß holte sie in der Mühle, Zucker kam dazu, und diese Zutaten wurden gekocht, sie quollen, und ich durfte mit ihr die Kugeln drehen und im Kakao wälzen. Das war einfach toll, wie sie zaubern konnte.

Seht ihr, was Würze ausmacht. Und so ist es auch im Leben! Wir schleifen uns ab, verfeinern unser täglich Brot, würzen es mit Temperament und Feuer und unsere Seele mag gerne in uns wohnen.

Einen schönen Advent für euch, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest mit vielen Aromen, Freuden, Andacht und Geselligkeit.

….übrigens, wenn ihr einen Apfel nach dem vielen Süßkram essen wollt, dann bestreut ihn doch mal mit Salz, und ihr werdet sehen...er schmeckt einfach süßer und solltet ihr eine frische Ananas zubereiten, dann schält sie wie einen Apfel kreisrund, stecht die Augen aus und dann reibt ihr sie mit Salz ein. Lasst sie kurz stehen, wascht dann das Salz ab, und schneidet längliche Schnitze. Ihr werdet merken, dass die Schnitze viel frischer schmecken und das Pelzige der Ananas verschwunden ist.


Ein frohes Fest und für das bald beginnende Jahr 2017 viel Würze für euch in eurem Leben!

4 Kommentare

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... und auf frische, geschnittene Erdbeeren frische Zitrone träufeln, dann schmecken sie süßer und aromatischer - wirklich!

Vielleicht sollten wir Autoren der Schreibwerkstatt ein gemeinsames Koch- und Würzbuch herausbringen?

Spaß beiseite: Ein sehr gelungener Beitrag über die Wichtigkeit der richtigen Würze beim Essen und im Leben...
  • 04.01.2017, 09:20 Uhr
  • 1
Vielen Dank liebe Inga und auch für dich ein gutes Jahr, gewürzt mit vielen Prisen an Wärme, Freundlichkeit, bester Laune und einem guten Händchen an Glück und dabei das Wichtigste: der Gesundheit!
...vielleicht wäre es doch eine Überlegung wert, würzige Gaumenfreuden in Papierform anzubieten....
Herzlichst Brigitte
  • 09.01.2017, 20:05 Uhr
  • 1
es ist nur so, dass jeder gewürze anders wahrnimmt...es ist wie mit allem...nichts gleicht einander...auch beim würzen
  • 09.01.2017, 20:21 Uhr
  • 1
...deshalb lieber Eckhard, mach die Probe mit wenig Würze, taste dich heran, und wenn du merkst, dass es Gaumen und Leib wohl bekommt, dann hast du Erfahrung und die Gelinggarantie darf auch erhöht werden. So, wie es dir Freude bringt!
  • 09.01.2017, 21:01 Uhr
  • 1
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