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Suffade - Ein Schatten seiner selbst

Suffade - Ein Schatten seiner selbst

24.01.2017, 16:43 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Suffade

Er ist ein Schatten
seiner selbst, getrieben von Sucht, vom ewigen Verlangen nach dem Stoff der seinen Träumen neue Nahrung verspricht. Sein Elixier ist hochprozentig, der Körper schreit nach mehr. Er ist abhängig geworden vom Dämon Alkohol. Die Gesellschaft will ihn nicht mehr. Sie kann ihn nicht verstehen, duldet keine Verlierer in ihren Reihen. Stellt ihn kategorisch an den Rand. Verachtet ihn.

Einsam
geworden verliert er den Kampf gegen sich und die Sucht und stürzt in die Gosse. Die Sicht zur Wahrheit ist verstellt, der Weg zurück scheint zu diffus um gangbar zu sein. Alkohol bestimmt sein Denken, der Verstand ist gelähmt, kann den Kontrollverlust nicht stoppen. Die Reise führt in ein Dickicht von Gedanken. Den Weg säumen Spuren von ertränkten Gefühlen, die ihm im Rausche des Deliriums das Sein kaum noch ertragen lassen.

Ganz unten
ist er jetzt. Angekommen in der Welt der Gescheiterten, im Unterholz der Erfolgreichen erwarten ihn hämische Blicke von oben. Jede Hoffnung scheint zerrissen, nur noch Fetzen von Erinnerung und unerfüllter Träume liegen am Grund, im Schatten der Guten. Der Ausstieg aus der Unterwelt erscheint zu steil. Und doch. Er will heraus aus dem Irrgarten der Sucht. Er will weg von den Dämonen, die ihm den Weg versperren, weg von den Geistern im wirren Gestrüpp der Abhängigkeit. Wieder und wieder versucht er gegen die Reflexe anzukämpfen. Vergeblich. Er wähnt sich Pflanzen gleich, die unter lichtfressenden Blätterkronen ihr kümmerliches Dasein fristen, im Dunkel vegetieren.

Er sieht
nach oben, träumt sich in winzige Triebe, die dem Lichte entgegen klettern. Festgekrallt an rissigen Borken, schwingen sie im Wind, bis dieser zum Sturm wird und sie mit wilder Kraft gleichsam zum Rückfall verdonnert. Aufgefangen von Lianen, die zu Helfern werden, wächst der Mut zum Weiterkämpfen mit dem gleich fernen Ziel. Gerissene Äste geben ein Lichtfenster frei. Zartes Licht bringt wärmende Kraft für geduldig bewahrten Lebenstrieb.

So soll es sein,
so will er sein, ein Beispiel will er sich nehmen. Heraus aus den sauren Gründen und hinauf ans Licht, der Sucht zum Trotz. Der Sonne entgegen, aufwärts soll es gehen. Fuselduft und Kneipenluft will er vergessen, über alle Barrieren steigt er der Lichtung namens Abstinenz entgegen. Allen Ungläubigen zum Trotz.

Der Wind
weht frisch da oben, es riecht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Er braucht einen guten Stand um frei von allen Zwängen die Früchte des Lebens auch dauerhaft genießen zu können. Er glaubt wieder an sich. Er weiß: Die Sonne scheint auch für Verlierer.

©Franz

1 Kommentar

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Ein gelungenes Portait von einem Menschen der eines Tage seiner inneren Sehnsucht nach Leben folgt.
  • 30.01.2017, 12:39 Uhr
  • 0
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