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Mariä Lichtmess

Mariä Lichtmess

01.02.2017, 19:23 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Schlenkeln, Dienstbotenwechsel und Kerzenweihe an Mariä Lichtmess
Früher ein gebotener Feiertag - Gerard Zacher erzählte beim Kneippverein

von Gerard Zacher

Deggendorf - Bis 1912 war das Fest "Mariä Lichtmess", das am 2. Februar
begangen wird, ein gesetzlicher Feiertag. Es war dies im Bauernkalender
früher ein ganz besonderer Tag, erzählte Kneippvorsitzender Gerard
Zacher beim Kneippverein. Es findet in den Kirchen festliche Kerzen-
weihen für das ganze Jahr statt, teilweise mit Lichterprozessionen, so Zacher.
In Lalling gab es dazu vor vielen Jahren Fackelwanderungen zum Ranzingerberg.
Der 2. Februar ist traditionell der Tag, an dem die Tannenbäume aus den
Kirchen geräumt und die Krippenfiguren verpackt werden. Es ist das letzte
Fest in der Weihnachtszeit. Das Datum berechnet sich vom 25. Dezember
her, denn zählt man vom 1. Weihnachtstag 40 Tage weiter, kommt man zum 2. Februar.
Es "schenkelten" (wechselten) früher um diese Zeit in der Landwirtschaft die
Dienstboten, die Knechte und Mägde(Dirn). In Hengersberg gab es dazu
den berühmten "Schlenkel-Markt" zum "Aussuchen". Der dann mündlich abge-
schlossene "Jahresvertrag per Handschlag galt jeweils vom
Agathentag (3.Tag nach Lichtmess) bis Mariä Lichtmess des
nächsten Jahres. Die Zahlung erfolgte jährlich am Lichtmess-
tag. Zacher verwies darauf, dass er diese alten Bräuche aus
Aufzeichnungen mit deutschen Schriftzeichen aus dem Jahre 1936
von seiner Tante Oberlehrerin Maria Preiss entnehmen konnte.

Kein Wunder, dass an Lichtmess Feiern angesagt waren, denn Geld befriedigte und
machte lustig, sagte Zacher. Manche Dienstboten heirateten. Auf
"guten Bauernhöfen" freilich wechselten die Dienstboten im Lallinger
Winkel recht selten, denn sei gehörten zur "Familie". Für manchen
Knecht, für manche Magd gab es "Zuckerl" des Bauern: Ein paar neue
Schuhe, eine Hose, Holzklapperl, ein Schürzel oder ein Baumwoll-Hemd.
Mancher Dienstbote hatte sich vom letzten Sommer noch einen Winter-
Apfel aufgehoben, den er als "Gegengabe" der Bäuerin feierlich über-
reichte. Äpfel galten im Lallinger Obstwinkel schon immer als etwas
Besonderes. Freilich der jährliche Gesamtlohn, der es an Lichtmess gezahlt
wurde, lag bei 30 bis 100 Mark bei freier Kost und Wohnung, vielleicht
gab es dazu noch einen "Bifing" (Furche auf dem Acker), wo der Dienst-
bote Korn, Flachs oder Kartoffeln für sich selbst anbauen dufte. Bei
schlechten Dienstboten, die gehen mussten, schlug der Bauer im
Lallinger Winkel bei deren Abtritt dreimal mit dem Hammer an das
Tor, um damit zu unterstreichen, dass jetzt Schluss ist. Beim "Einstand"
gab es als Festschmaus einen stark geschmalzenen "Kartoffelsterz"
mit "gstandner Milch". Und fürs "Schlenkeln" winkten zusätzlich
eventuell 5 Mark.

Weihe der Sterbekerze
Am Lichtmesstag wurde auf dem Bauernhof von allen Hausbewohnern
der Lichtmess-Rosenkranz in der Stube gebetet. Dazu ließ die Bäuerin
die Lichtmesskerzen weihen, befestigte sie auf Brennholz-Spänen und
stellte sie zusammen mit Wachsstöcken auf den Stubentisch. Nach Anzünden
der Kerzen kniete die Familie mit den Ehalten um den Tisch und betete
den Rosenkranz bis die Kerzen heruntergebrannt waren. Unter den Tisch
stellte man auch ein Brett auf dem ebenfalls sog. Pfennigkerzen brannten.
Diese waren für die verstorbenen Angehörigen im Hause gedacht.
Auf den Weihwasserkesserl bei der Tür wurden einige brennende
Kerzen für das Heil der Ein- und Ausgehenden gestellt. Aus den
angesengten Spänen bastelte man sog. Drudenkreuze, die in die
Ställe gehängt wurden. Sie sollten das Vieh beschützen,
insbesondere vor Druden, die im Volksglauben als Hexen
den Tieren und Menschen schadeten. Den übrig gebliebenen
Docht aßen die Leute in dem Glauben, sich damit gegen Halskrankheiten schützen zu können.
Freilich hielten viele vom sog. "Einblaseln" mit gekreuzten Kerzen
am folgenden Tag des heiligen Blasius mehr. Jeder Dienstbote hatte eine
Sterbekerze dabei, die an Lichtmess geweiht wurde, aber auch immer
wieder erneuert wurde .Beim Hinscheiden wurde diese Kerze bei der
"letzten Ölung" angezündet. Die Kerzenweihe in der Lallinger St.Stephanus
Kirche nahm der Pfarrer immer sehr feierlich vor, unterstrich Zacher. Es
wurde von einer besonderen Weihe- und Segenskraft gesprochen. Die
Wachsstöckl, bei Rorate- und Engelämtern sowie bei Sterbeämtern
verwendet, durften nicht fehlen. Die schwarze Wetterkerze aus Altötting
fand dann bei starken Gewittern zusammen mit dem Loretto-Glöckchen schützende
Verwendung. Gerade zu einer Zeit, wo es noch kein elektrisches Licht gab
oder später der Strom bei Gewittern abgeschaltet wurde, galten Kerzen
bei zunehmender Helligkeit an "Mariä Lichtmess" als Zeichen des
Erwachens , des Neuanfanges. Außerdem sind die brennenden Kerzen ein
Zeugnis für die Wachsamkeit und Ausdruck des Gotteslobes, denn Gott
ist der Quell und Ursprung allen Lichtes..
gz


Schlenkeln, Dienstbotenwechsel und Kerzenweihe an Mariä Lichtmess
Früher ein gebotener Feiertag - Gerard Zacher erzählte beim Kneippverein

von Gerard Zacher

Deggendorf - Bis 1912 war das Fest "Mariä Lichtmess", das am 2. Februar
begangen wird, ein gesetzlicher Feiertag. Es war dies im Bauernkalender
früher ein ganz besonderer Tag, erzählte Kneippvorsitzender Gerard
Zacher beim Kneippverein. Es findet in den Kirchen festliche Kerzen-
weihen für das ganze Jahr statt, teilweise mit Lichterprozessionen, so Zacher.
In Lalling gab es dazu vor vielen Jahren Fackelwanderungen zum Ranzingerberg.
Der 2. Februar ist traditionell der Tag, an dem die Tannenbäume aus den
Kirchen geräumt und die Krippenfiguren verpackt werden. Es ist das letzte
Fest in der Weihnachtszeit. Das Datum berechnet sich vom 25. Dezember
her, denn zählt man vom 1. Weihnachtstag 40 Tage weiter, kommt man zum 2. Februar.
Es "schenkelten" (wechselten) früher um diese Zeit in der Landwirtschaft die
Dienstboten, die Knechte und Mägde(Dirn). In Hengersberg gab es dazu
den berühmten "Schlenkel-Markt" zum "Aussuchen". Der dann mündlich abge-
schlossene "Jahresvertrag per Handschlag galt jeweils vom
Agathentag (3.Tag nach Lichtmess) bis Mariä Lichtmess des
nächsten Jahres. Die Zahlung erfolgte jährlich am Lichtmess-
tag. Zacher verwies darauf, dass er diese alten Bräuche aus
Aufzeichnungen mit deutschen Schriftzeichen aus dem Jahre 1936
von seiner Tante Oberlehrerin Maria Preiss entnehmen konnte.

Kein Wunder, dass an Lichtmess Feiern angesagt waren, denn Geld befriedigte und
machte lustig, sagte Zacher. Manche Dienstboten heirateten. Auf
"guten Bauernhöfen" freilich wechselten die Dienstboten im Lallinger
Winkel recht selten, denn sei gehörten zur "Familie". Für manchen
Knecht, für manche Magd gab es "Zuckerl" des Bauern: Ein paar neue
Schuhe, eine Hose, Holzklapperl, ein Schürzel oder ein Baumwoll-Hemd.
Mancher Dienstbote hatte sich vom letzten Sommer noch einen Winter-
Apfel aufgehoben, den er als "Gegengabe" der Bäuerin feierlich über-
reichte. Äpfel galten im Lallinger Obstwinkel schon immer als etwas
Besonderes. Freilich der jährliche Gesamtlohn, der es an Lichtmess gezahlt
wurde, lag bei 30 bis 100 Mark bei freier Kost und Wohnung, vielleicht
gab es dazu noch einen "Bifing" (Furche auf dem Acker), wo der Dienst-
bote Korn, Flachs oder Kartoffeln für sich selbst anbauen dufte. Bei
schlechten Dienstboten, die gehen mussten, schlug der Bauer im
Lallinger Winkel bei deren Abtritt dreimal mit dem Hammer an das
Tor, um damit zu unterstreichen, dass jetzt Schluss ist. Beim "Einstand"
gab es als Festschmaus einen stark geschmalzenen "Kartoffelsterz"
mit "gstandner Milch". Und fürs "Schlenkeln" winkten zusätzlich
eventuell 5 Mark.

Weihe der Sterbekerze
Am Lichtmesstag wurde auf dem Bauernhof von allen Hausbewohnern
der Lichtmess-Rosenkranz in der Stube gebetet. Dazu ließ die Bäuerin
die Lichtmesskerzen weihen, befestigte sie auf Brennholz-Spänen und
stellte sie zusammen mit Wachsstöcken auf den Stubentisch. Nach Anzünden
der Kerzen kniete die Familie mit den Ehalten um den Tisch und betete
den Rosenkranz bis die Kerzen heruntergebrannt waren. Unter den Tisch
stellte man auch ein Brett auf dem ebenfalls sog. Pfennigkerzen brannten.
Diese waren für die verstorbenen Angehörigen im Hause gedacht.
Auf den Weihwasserkesserl bei der Tür wurden einige brennende
Kerzen für das Heil der Ein- und Ausgehenden gestellt. Aus den
angesengten Spänen bastelte man sog. Drudenkreuze, die in die
Ställe gehängt wurden. Sie sollten das Vieh beschützen,
insbesondere vor Druden, die im Volksglauben als Hexen
den Tieren und Menschen schadeten. Den übrig gebliebenen
Docht aßen die Leute in dem Glauben, sich damit gegen Halskrankheiten schützen zu können.
Freilich hielten viele vom sog. "Einblaseln" mit gekreuzten Kerzen
am folgenden Tag des heiligen Blasius mehr. Jeder Dienstbote hatte eine
Sterbekerze dabei, die an Lichtmess geweiht wurde, aber auch immer
wieder erneuert wurde .Beim Hinscheiden wurde diese Kerze bei der
"letzten Ölung" angezündet. Die Kerzenweihe in der Lallinger St.Stephanus
Kirche nahm der Pfarrer immer sehr feierlich vor, unterstrich Zacher. Es
wurde von einer besonderen Weihe- und Segenskraft gesprochen. Die
Wachsstöckl, bei Rorate- und Engelämtern sowie bei Sterbeämtern
verwendet, durften nicht fehlen. Die schwarze Wetterkerze aus Altötting
fand dann bei starken Gewittern zusammen mit dem Loretto-Glöckchen schützende
Verwendung. Gerade zu einer Zeit, wo es noch kein elektrisches Licht gab
oder später der Strom bei Gewittern abgeschaltet wurde, galten Kerzen
bei zunehmender Helligkeit an "Mariä Lichtmess" als Zeichen des
Erwachens , des Neuanfanges. Außerdem sind die brennenden Kerzen ein
Zeugnis für die Wachsamkeit und Ausdruck des Gotteslobes, denn Gott
ist der Quell und Ursprung allen Lichtes..
gz

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