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Mein erstes Motorrad

06.03.2017, 11:34 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Eigentlich war es schon zu spät dafür. Eigentlich war ich schon zu alt, hatte zu viele Ängste, war 10 Jahre nicht mehr Auto gefahren und war auch nicht gerade eine Meisterin im Radfahren.
Aber wenn frau nen Virus aufgepickt hat, was soll sie machen?
Dabei hatte es so harmlos angefangen. Ein fröhlicher Abend beim Griechen und ein Pärchen, neu in der Nachbarschaft, gesellte sich dazu. Er fuhr Motorrad und sie mit.
Ich hatte bis dato nichts mit Motorrädern am Hut, das waren doch alles Rocker, oder? Aber Andy lud mich ein, mal als Sozia bei ihm mitzufahren.
Am darauffolgenden Samstag ging's dann los und ich war begeistert, so was Tolles hatte ich nur als Kind auf der Kirmes erlebt. Dagegen war Autofahren ja stinklangweilig! Ich konnte mich gar nicht beruhigen und beschloss, dass mein Liebster den FS Klasse 1 machen musste.
Das tat er dann auch und ich fuhr ein Jahr bei ihm mit. Und dann machte ich einen
Fehler - ich setzte mich vorne auf sein Motorrad, den Lenker fest im Griff, den Motor zwischen den Schenkeln und dachte nur: das musst du auch können!
Heimlich meldete ich mich bei der Fahrschule an. Die ersten Stunden waren grauenvoll, die Maschine fuhr mit mir statt umgekehrt. Auch alles zu koordinieren fiel mir schwer, ganz zu schweigen von den anderen Verkehrsteilnehmern, auf die ich auch noch achten musste. Sollte ich mit 42 nicht lieber mit Golf anfangen? An manchen Tagen wollte ich fast aufgeben, aber dann siegte doch mein Dickkopf. Nur mein Fahrlehrer und ich wissen, wie viele Stunden ich mich abrackerte.
Einmal habe ich sie sogar umgeschmissen. So peinlich, schnell wieder aufrichten!
Das gelang mir auch, wie ich glaubte, mit Hilfe meines Fahrlehrers, nach hinten ist die Sicht durch den Helm ja etwas eingeschränkt. Und wie sollte ich das alleine schaffen, irgendwo unterwegs, allein auf weiter Flur? Staunend guckte er mich an. Das hatte ich doch eben auch alleine gemacht!
Ach! Ja? Panik verleiht ungeahnte Fähigkeiten.
An die Prüfung kann ich mich nur nebulös erinnern, aber ich bestand auf Anhieb.
Nun brauchte ich ja ein Motorrad und besuchte diverse Messen. Geheimnisvolle Kürzel wie CBR, XXR, VFR, R1 etc. verwirrten mich, ich traute mich kaum, mal auf einer Platz zu nehmen.
Auch ein Honda-Händler wurde aufgesucht. Der hatte gleich eine Lösung: die Blaue da hinten, steig mal drauf! Tat ich und wusste – das ist es! Wir beide gehörten zusammen! Königsblau, naked, eine CBR 400 gedrosselt auf 27 PS, Grauimport, gebraucht, sehr gut erhalten und super Preis.
Haben will.
Bald machte ich sie auf, wie es so schön in Bikerkreisen heißt und erfreute mich an 55 PS.
Später kam noch eine nicht ganz billige Vollverkleidung dazu und machte das Fahren bei 160 km/h (AB!) angenehmer, da hinter der Schutzscheibe dann Windstille herrschte. Ja, ich gestehe, ich fuhr gerne schnell.
Mit der habe ich dann 5 Jahre lang viel erfahren und erlebt. Auch diverse Kurven- und Fahrtrainings absolvierte ich und somit mutiger und auch fahrtüchtiger geworden, brauchte ich was Stärkeres. Ich tauschte sie gegen eine mit 105 PS aus und ging dann auch mal auf die Rennstrecke damit, aber mein erstes „Baby“ werde ich nie vergessen.

7 Kommentare

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Ein toller Beitrag, Renate!
Gut und kurzweilig geschrieben, man fühlt das "Motorradfieber"!
  • 04.04.2017, 22:39 Uhr
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Freue mich sehr, dass er dir gefällt, Inga
  • 05.04.2017, 09:49 Uhr
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Hallo Renate, ganz schön mutig. Ich habe später den Mororadfahrerinnen manchmal neidisch hinterhergeblickt. Als erst die Kinder da waren hatte ich keine Zeit mehr und als die groß waren keinen Mut mehr. Deine Geschichte habe ich gerne gelesen. Liebe Grüße Marga
  • 08.03.2017, 18:12 Uhr
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Hallo Marga, so ähnlich ging es mir auch, ich habe dann aber allen Mut zusammengekratzt, weil ich es unbedingt wollte.
Das hat mir auch in anderen Bereichen geholfen, mit Mut an eine Sache heranzugehen.
Vielleicht hast du ja auch Lust, meine beiden Bücher zu dem Thema zu lesen
"Frau+Motorrad= eine Liebesgeschichte" und
"Mein Motorrad, der Hase und ich"
von Renate Dietzelt (geb. Glaeser)
Bei Amazon & Co. kann frau auch reinlesen
Liebe Grüße
Renate
  • 09.03.2017, 10:15 Uhr
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  • 09.03.2017, 10:49 Uhr
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Renate, du bist ja eine richtige Bikerfrau...wenn man das so liest von dir. Der Beitrag ist gelungen...
  • 06.03.2017, 14:21 Uhr
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Hallo Karin, ja, kann man so sagen, 20 tolle Jahre meines Lebens! Und danke für deine positive Beurteilung
  • 06.03.2017, 14:55 Uhr
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