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Sein Lieblingsthema

Sein Lieblingsthema

09.05.2017, 19:31 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Sein Lieblingsthema.

In der Kleinstadt im Norden Deutschlands steht ein großes Ereignis bevor. Die Freiwillige Feuerwehr feiert am nächsten Wochenende ihr 80jähriges Jubiläum.
Wilhelm Braun, der Feuerwehrhauptmann sitzt an seinem Schreibtisch und grübelt. In der nächsten Woche wird das neue Feuerwehrauto angeliefert. Im vergangenen Jahr wurden sie zu 30 Einsätzen gerufen. Seine Ehrenamtlichen erschienen immer pünktlich ohne zu murren. Ein Haus war nicht mehr zu retten. Aber sie konnten oft größeren Schaden verhindern. Bei einem Einsatz im Dezember rettete der 20jährige Jürgen Block ein kleines Kind aus der zweiten Etage eines Wohnhauses. Alle Zeitungen berichteten über die mutige Tat des jungen Mannes.Vom Landrat bekam er sogar eine Ehrenurkunde überreicht. Diese Belobigungen stiegen dem Jürgen zu Kopf. Er stolziert seitdem herum wie ein eitler Gockel. Bei jeder Zusammenkunft und auch bei jedem Umtrunk erzählt er immer wieder wie er in das brennende Haus rannte und in allen Zimmern das Kind suchte. Der kleine junge hatte Kerzen angesteckt. Als die Tischdecke Feuer fing flüchtete er ins Badezimmer.
Wilhelm Braun überlegt: Was mache ich jetzt mit diesem Größenwahnsinnigen. Er ist zu Recht geehrt worden, aber nun muss er sich wieder bei seinen Kameraden einreihen. Bei allen Einsätzen der letzten Monate erschien Jürgen immer als erster. Er ist wie besessen und will sich mehr und mehr profilieren und die Organisation der Einsätze an sich reißen. Irgendwie kommt es mir verdächtig vor, dass stets Jürgen die letzten Feuer gemeldet hat. Wir stellten Brandstiftung bei einigen Mülleimer Bränden fest. Dann loderte das Stroh in einer Scheune und vor zwei Wochen wurden wir zu einem brennenden Reifenlager gerufen. Überall fanden wir Brandbeschleuniger.

Kurz entschlossen ruft Wilhelm seinen Sohn Ulrich in Berlin an. Als dieser sich meldet werden einige Sätze zur Einleitung gesprochen. Es entsteht eine kurze Pause. Ulrich fragt: „Vater warum rufst du an? Diese Gespräche führen wir doch Sonntags Abends.“ Wilhelm räuspert sich: „Möchtest du uns nicht an dem kommenden Wochenende besuchen? Ich brauche dich hier für eine diplomatische Recherche.“ „Das klingt ja spannend. Da ist doch euer großes Feuerwehrfest. Darf ich meine Freundin Elke mitbringen? Ihr kennt sie noch gar nicht?“ antwortet Ulrich. „Gerne wir freuen uns auf euch“. Mit gegenseitigen Grüßen an Freundin und Mutter endet das Gespräch.

Die jungen Leute beziehen am Freitag Abend das Gästezimmer in dem Ulrich seine Kindheit verbrachte. Gut dass sich die Frauen sofort sympathisch finden, denn Ulrich hält sich während der Festtage viele Stunden bei der Clique auf, die sich um Jürgen scharrt. Er hört aufmerksam zu und erneuert eingeschlafene Freundschaften. Nicht nur einmal hört er den Satz: „Der Jürgen kennt kein anderes Thema mehr als die Feuerwehr und seinen SUPERMAN Einsatz. Er wartet direkt darauf, dass andere Menschen in Gefahr geraten, aus der er sie selbstverständlich retten wird.“ Am Sonntag Abend bespricht Ulrich das Problem ausführlich mit seinem Vater. Sie sind sich einig, dass sie ihren Feuerwehr Star vor sich selbst beschützen müssen. Am nächsten Morgen fahren Elke und Ulrich zurück nach Berlin. Dort arbeitet Jürgen als Personenschützer bei der Regierung. Er bittet seinen Chef um eine Woche Urlaub und fährt anschließend sofort zurück nach Hause.
Wie besprochen erwarten ihn dort in Vaters Büro acht junge Feuerwehrleute. Ulrich setzt zu einem kleinen Vortrag an: „Ich denke, wenn Jürgen wirklich der Brandstifter im Ort ist müssen wir ihn, unbemerkt von der Öffentlichkeit, bei der Tat erwischen. Er wird nicht lange zögern, weil er das neue Fahrzeug in Aktion erleben will. Wir tauschen jetzt alle unsere Handy- Nummern und einer von euch ist stets in seiner Nähe. Auffälligkeiten werden sofort an mich weiter geleitet. Am nächsten Tag ruft Rudi, der Tankwart an: „Jürgen hat seinen 5 Liter Kanister mit Benzin gefüllt.“ Max und Toni melden am Nachmittag: „Sein Auto steht seit zwei Stunden im Erika Weg.“ Dort befindet sich ein altes Fachwerkhaus. Es steht unter Denkmalschutz und wird von einer jungen Familie mit zwei kleinen Kindern bewohnt. Ulrich schreibt über App: „Lasst ihn nicht aus den Augen, er wird bis zur Dämmerung warten. Sobald er den Kanister aus dem Kofferraum holt schreibt SOS und dann - alle in den Erika Weg. Ich komme auch und werde ihn befragen. Um 22 Uhr schreibt Max SOS kommt schnell. Wenig später trifft Ulrich ein. Jürgen sitzt einige Meter entfernt vom Haus auf einem Findling, umringt von 6 seiner Feuerwehrkollegen. Es stinkt nach Benzin. Als er Ulrich bemerkt schreit er wütend: „Das hätte ich mir ja denken können – Scheiß Bulle.“ Mit dem Kopf zeigt Ulrich auf das Haus und fragt: „Hat dort einer etwas bemerkt?“ „Nein die Kinder schlafen und die Eltern sitzen vorm Fernseher und schauen einen Tatort.“ „Gut nichts wie weg hier. Wir treffen uns im Feuerwehrhaus. Du Jürgen steigst bei mir ins Auto, aber dalli!
Bis Mitternacht wird noch debattiert. Inzwischen, weiß Jürgen, dass er besser den reuigen Sünder spielen soll, wenn er in der Stadt bleiben will. Sein Ansehen in der Feuerwehr hat er für immer verloren. Wilhelm Braun, der natürlich auch zugegen ist, gibt am Ende dieser Versammlung bekannt: „Wir wollen nicht unseren guten Ruf im Landkreis verlieren, darum bleibt Jürgen Block weiter Mitglied unserer Feuerwehr.“ Er wendet sich diesem zu: „Ich versichere dir, wir werden dich alle beobachten. Bei dem geringsten Verdacht, gehe ich mit dem Video von heute Abend zur Polizei. Dein Supermann Image hast du heute verspielt. Ich will zu diesem Thema nichts mehr von dir hören.“

Einige Tage später, Ulrich ist wieder in Berlin, betritt Wilhelm den Krug. Am Ecktisch sitzt, wie immer um diese Zeit, der Bürgermeister und liest in der Tageszeitung. Wilhelm bestellt an der Theke ein Bier und setzt sich zu ihm. „Hallo Wilhelm ich lese hier den Bericht über unser Feuerwehrfest. Das neue Fahrzeug wird genau beschrieben und auch eure anderen Aktivitäten. Warum wird Jürgen Block unser Vorzeige Feuerwehrmann hier gar nicht erwähnt?“ „Ach Hermann, das Thema ist jetzt Vergangenheit. Wir müssen den Jürgen von seinem Sockel herunter holen. Ich möchte dich bitten uns dabei zu helfen, einfach dadurch, dass du ihn nicht mehr erwähnst.
Hermann blinzelt ihm zu: „In Ordnung, ich konnte es auch schon nicht mehr hören“, sagt er laut lachend.

copyright: M.K.

9 Kommentare

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Hallo Karin du hast ja recht. Lies doch mal weiter unten was ich am 9.5. Harry schon geantwortet habe. Mein Gedanke dabei war auch, wie das Ansehen dieser speziellen Feuerwehr bei den Kollegen im Landkreis gelitten hätte. Sie wären mit Hohn und Spotte über Wilhelms Truppe hergefallen.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, das es nur eine Geschichte ist die ich mir ausgedacht habe.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht dir Marga
  • 13.05.2017, 11:12 Uhr
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Hallo Marga, also mir hat deine Geschichte gut gefallen...Ich fand sie spannend... Allerdings glaube ich, dass ein Brandstifter im wahren Leben nicht so glimpflich davon kommt...LG Karin
  • 12.05.2017, 22:35 Uhr
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Hallo Marga, eine Straffung würde der ansonsten netten Geschichte gut tun. Eigentlich ist Brandstiftung ja ein schweres, kriminelles Vergehen, aber vllt. wird das auf dem Land, wo jeder jeden kennt, etwas anders gehandhabt.
LG
wize.life-Nutzer
  • 10.05.2017, 18:23 Uhr
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Hallo Renate, ja bestimmt ist das so. Ich bin nicht bei der Feuerwehr, aber ich wohne in einer Kleinstadt.
  • 10.05.2017, 19:41 Uhr
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Liebe Marga,
gefällt mir, dass du das Thema variiert hast. So haben auch andere vielleicht Mut nicht ratlos darauf zu schauen.
Du hast das sehr flüssig geschrieben.
Als Leserin wünsche ich mir, dass du es ein wenig einkürzt, damit es nicht zu gedehnt wirkt.
Dennoch klasse Idee von seinem Lieblingsthema zu schreiben
  • 10.05.2017, 08:23 Uhr
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Danke Margarethe, wenn ich etwas geschrieben habe denke ich auch oft, dass es zu lang ist. Es fällt mir dann immer so schwer etwas wieder zu löschen. Ich finde es gut, dass hier auch mal jemand etwas kritisiert. Beim nächsten Mal werde ich daran denken.
Liebe Grüße Marga
  • 10.05.2017, 10:46 Uhr
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Liebe Marga,
ich kenne das. Es gibt so Füllwörter, die man weglassen kann.
Mir gelingt das auch nicht immer. Aber darum treffen wir uns ja hier. Wenn du deinen Text auf ein Diktiergerät liest merkst du schon selber wo was zu viel ist.
Und ich bewundere noch immer wie du mit dem Vorschlag kreativ umgegangen bist...
Liebe Grüße zurück, Margarethe
  • 10.05.2017, 11:58 Uhr
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Ach Harry, er ist doch erst 20 und ich hatte meinen sozialen Tag. es ist ja noch nichts schlimmes passiert. Mord und Totschlag haben wir überall und jeden Tag.
Danke fürs lesen. Den Fehler habe ich berichtigt.
Freundliche Grüße Marga
  • 09.05.2017, 21:53 Uhr
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Du gehst mit dem Herrn Block aber sehr wohlwollend um. Ich denke, die Realität sieht da etwas anders aus. Bedenkt man dabie, dass es sich bei solchen Brandstiftern meist schon um eine Sucht handelt, ist es auch nur gut, dass man damit etwas anders umgeht.
Über einen vertippsler bin ich gestolpert: „Gerne wir freuen und auf euch“. ... das und müsste ein uns sein.
Die Idee einfach das M durch ein S im Titel zu ersetzen find ich schon mal gut. Es soll ja nichts vorgegeben sein
  • 09.05.2017, 20:34 Uhr
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