wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Dichter und Denker

Dichter und Denker

14.06.2017, 18:04 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Dichter haben es heute schwer. Denker auch. Und Künstler erst. Aber das ist nicht neu. Goethe nach seinem Besteller: die Leiden des jungen Werther - hatte noch eine Wahl. Entweder einen langweiligen Job als junger Allerweltsanwalt in Frankfurt oder an den Hof des jungen Carl August in Weimar. Er entschied sich für Weimar. Zwischendurch konnte er sogar nach Italien abhauen. Schiller desertierte als Militärarzt; das gefiel seinen Landesherrn gar nicht. Aber Schiller hatte vollkommen recht. Lieber ein überdurchschnittlicher Dichter, als ein lausiger Arzt. Durch die Vermittlung Goethes, wurde er einer Geschichtsprofessur in Halle teilhaftig, wo er von den Studenten gefeiert wurde. Hölderlin wurde wahnsinnig in einem Tübinger Turm. Ein Ausnahmedichter, der leider nicht so gute Beziehungen pflegte. Man würde sagen, vernetzt war.
Und heute? Nun ja, Dichter und Denker und Künstler, die auch wirklich von ihrer Kunst leben können, gibt es nur wenige. Irgendwie erwarten alle, so auch viele Buchhändler, wenn sie Lesungen buchen, dass die alle von Luft und Liebe leben. Und ja, kleine, feine Buchhandlungen gibt es auch nicht mehr viele, seit Amazon & Co.
Es liegt wohl auch an unserer Einstellung zur Kultur. Kultur scheint irgendwie entbehrlich. Selten kaufen die Leute ein Gedichtband. Eventuell wird man fündig im Netz. Einen Roman kauft man lieber, da hat man neben einer hoffentlich guten Geschichte auch mehr Buch. Schrecklich finde ich persönlich die Bücherwühltische. Bücher - eine Ware wie Handtücher auf Rudis Resterampe: Alles muss raus. Oder wie Bananen-Bernd: schnell, sonst verdirbt die krumme Frucht ...

Vielleicht wäre es besser, notleidende Künstler mit Bananen zu füttern, ehe sie verderben. Die Bananen und die Künstler. Denn, wenn was in der Förderung gestrichen wird, dann trifft es als erstes die Kunst.

Ist Kunst, Poesie, Kultur eigentlich Luxus oder selbst Lebens-Mittel? Sein oder nicht sein, das ist die Frage. Da werden die Meinungen wahrscheinlich weit auseinander gehen. Die einen sagen: "was brauchen wir Kultur; reicht doch, wenn Onkel Albert auf dem Kamm blasen kann, statt auf dem letzten Loch. Das ist dann Kultur. Und uns reicht das. Ein bisschen Blasmusik kriegt jedes Dorf zur Kirmes hin. Reicht doch!" Andere werden sagen: "Bücher, Musik - wie und was auch immer, eine tolle Ausstellung, Theater, Konzerte - gehören zu meinem Leben. Möchte ich nicht missen. Teuer ist es für mich (und auch für den Steuerzahler), aber waren wir nicht mal das Land der Dichter und Denker? Das Land der Kultur, in der es einen Goethe, einen Schiller, und ja einen genialen Hölderlin gab, auch wenn er wahnsinnig wurde? Könnte wir nicht so einen oder so eine wieder brauchen - auch wenn sich wie damals viele aufregen?" Heinrich Heine war so einer klassischer Provokateur, der Satire noch wirklich konnte und nicht nur Comedy.

Nicht leicht - mit der Kunst und Kultur. Aber was ist heute schon leicht? Gibt heute eigentlich noch die leichte Kunst? Fragen über Fragen.

(c)ThomasBernhard2017

5 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Was ist leichte Kunst? Im Moment fällt mir nichts dazu ein.

Erich Kästner lese ich auch heute noch sehr gern oder auch Dürrenmatt. Mit den "richtigen literarischen Koryphäen" habe ich eher nichts am Hut.

Sehr gerne mag ich von Hand geformtes bzw. gemaltes. Das hat für mich nichts damit zu tun, was gerade angesagt ist. Ich denke, es hängt auch sehr davon ab, woran man als Kind hingeführt wurde.
  • 15.06.2017, 12:55 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich mag meinen Heine, Büchner, Lenz, Brecht, C.D.Friedrich und viele andere mehr, Kunst und Kultur in jeglicher Form ist Teil meines Lebens, meines Berufes und ein Teil von mir.
  • 15.06.2017, 12:17 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
sex sells
  • 15.06.2017, 12:07 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wir haben immerhin noch ein paar gute Schriftsteller wie Walser, Ortheil, den Deutsch-Türken Orhan Pamuk, ein paar lebende Philosophen wie den etwas zerknautschten Sloterdijk in Karlsruhe und den etwas seichten, dafür aber jungen Precht , und als ganz neues Problem tauchte bei uns die Frage auf, ob man einem Platz in Heidelberg noch den Namen Gadamer lassen dürfe ... alles wird eben streng hinterfragt, ob jemand vielleicht doch heimlich ein Nazi gewesen sei ...

Ansonsten sorgen Helene Fischer und Dieter Bohlen doch für gute Wochenend-Unterhaltung in der Abteilung Musikl.

Warum muss man immer so anspruchsvoll sein?! Ein bisschen Spaß muss sein - ist doch zur Lebensphilosophie geworden, nicht wahr?
  • 14.06.2017, 19:07 Uhr
  • 3
Herr Bohlen müßte sich schon sehr geändert haben, bevor ich mir deeen antue.
  • 15.06.2017, 12:44 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.