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Juni-Märchen: Wie die Akelei zu ihrer besonderen Blüte kam

Juni-Märchen: Wie die Akelei zu ihrer besonderen Blüte kam

09.06.2016, 19:37 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Juni-Märchen, oder Wie die Akelei zu ihrer besonderen Blüte kam

Juni - Märchen
oder
Wie die Akelei zu ihrer besonderen Blüte kam


Es war die Stunde Pan´s.
Ich hatte mich mit dem Malzeug wieder einmal in den Garten hinaus begeben, um mir die Akelei genau zu besehen und zu malen. Tröpfchen, mein Elfenmägdelein, hatte mich auf die Idee gebracht, mit der Anfrage, ob ich nicht ein Märchen, und zwar über die Akelei, hören wollte. Und gerade blühten diese und der Garten war voll von ihnen. Und immer, wenn ich an ihnen vorbei ging, musste ich eines ihrer Blütenköpfchen betasten, ihre Blütenblättchen vorsichtig zur Seite schieben , um den wunderbaren Aufbau der Blüte zu begreifen. Da waren die Deckblätter, die wie beschirmend zwischen den Kelchblättern hervorsprießten. Aber diese Kelchblätter waren das Besondere. Jedes war in sich, wie früher ein Bonbontütchen, geschlossen, mit dem Zipfel nach oben.
Zipfel , ja , Zipfel...wie ein winziges Zipfelmützchen, oben kess eingerollt. Allerliebst sah das aus.

Nun, dies wollte ich versuchen zu malen. Aber dann sah ich die Liege einladend im Schatten stehen und eh ich mich besann, lag ich da schon längs und träumte in den nachmittäglichen Sommerhimmel hinein. Die Sonne versuchte mit ihren Strahlen durch das Laubwerk des Holunderbusches zu kommen, in dessen Schatten ich lag. In diesem Geflirre von Sonne und Schatten über mir, meinte ich plötzlich Tröpfchen zu erblicken.

Es saß da unter einer Blütendolde, wie unter einem Sonnenschirm auf einem Blatt und blickte müßig auf mich hinab. Dabei zupfte es immer wieder die älteren Blütchen aus den Dolden und ließ sie spielerisch auf mich hinabschweben.

"Na ,endlich, da bist du ja. Ich dachte schon, du wollest mein Akeleimärchen gar nicht mehr hören... Ha-ha-hatschi!"

"Aber Tröpfchen, und wie ich das will! Schau doch, ich habe ja mein Zeichenzeug mit gebracht.Ich will ja nicht nur dein Märchen hören, sondern ich will es auch illustrieren und die Akelei dazu malen."

"Aha, malen....so wie damals jenes Vergißmeinnicht, das sich dann unter meinen Füßen in Nichts auflöste? "

"Na ja, das haben Aquarelle so an sich, dass sie sich unter Wassereinfluss auflösen und du hattest es mit deinem Zauberröckchen so liebevoll und ausgiebig begossen", lächelte ich.

"Hach, du kannst heut darüber lachen, aber ich dachte, ich hätte ein Pflänzchen umgebracht oder zumindest verkommen lassen. Das Schlimmste, was einem Blumenelf passieren kann. Ha-ha-ha-hatschiiii!"schniefte es und bei jedem Niesen rieselten weitere kleine weiße Blütchen auf mich herab.

"Tröpfchen, ich glaube , der Zusammenprall mit dem Wassertropfen und das anschließende Schlammbad haben dir nicht gut getan."

" Ach nee, ich glaube eher, es kommt von der Hasel. Die blüht. Hatschi!"

"Ach du lieber Schreck. Ein Blumenelflein mit Pollenallergie. Ja gibts denn sowas?"

" Du, ich bin ja nur für Blumen da, nicht für Büsche. Aber die Hasel steht hier eben so nahe bei. Doch nun lass mich dir endlich erzählen, bevor es noch schlimmer wird. Also, das war nämlich so:

Vor vielen Zeiten, nachdem der liebe Gott all die hübschen Blumen geschaffen hatte, übergab er diese der großen Mutter Erde. Diese schwelgte aber bereits in einer Vielfalt und gab die Blumen an Mutter Natur weiter. Sie solle damit Feld Wald und Flur besonders hübsch ausschmücken. Und das tat diese dann auch, wie ihr ja alle allenthalben immer noch sehen könnt.

In den Gärten stellte sie Blumen mit extra hübschen Blüten auf, denn so nahe bei, sollten sie die Menschen besonders erfreuen.

Nun war da aber ein Blümchen dabei, das war so unscheinbar und farblos. Nicht einmal ein bisselchen Farbe hatte es an sich, mit der es hätte prunken können. Rein gar nichts. Dem lieben Gott müssen da wohl schon die Farben ausgegangen gewesen sein. Und auch die Blüte zeugte nicht mehr von großer Phantasie eines genialen Meisters. Sechs flache Blättchen, basta.

Aber Mutter Natur tat das unglückliche Dingelchen leid und sie bat die Sonne, sich doch des Pflänzchens anzunehmen und dafür zu sorgen, dass sich doch wenigstens etwas Chlorophyll in Stengel und Blättern entwickeln möge. Das tat die liebe Sonne, denn unter anderem ist das ja ihr Metier.

Nun also war das Blümchen wenigstens erst einmal lebensfähig. Aber traurig war es trotzdem. So wurde es immer mutloser und zarter. Es wollte doch auch bloß ein wenig Farbe im Gewand haben , wenn sein Kleidchen schon von einfachster Machart war.

Mutter Natur wußte keinen Rat mehr. Sie überlegte hin und her. Alle Blumenstoffe waren verbraucht. Auch konnte sie dem lieben Gott ja nicht so mir nichts, dir nichts ins Handwerk pfuschen und einfach ein anderes Kleid machen lassen. Sowas habt ihr Menschen dann in späteren Jahren erst gemacht, dass ihr den Blumen und Pflanzen gänzlich neue Kleider und Formen verpasst habt.

Nun, also ein neues Kleid war nicht möglich. Mutter Natur war sehr in Gedanken. Aber sie wäre nicht jene große Mutter aller Natur gewesen, würde sie nicht alles zum Guten wenden können, was ihre Schützlinge und Wesen da draußen betraf.

Farbe, dachte sie , wo bekomme ich Farbe her? Und da hatte sie eine Idee. “

Hier machte Tröpfchen eine Pause, um einen Sonnenstrahl zu befreien, der sich in seinem Haar verfangen hatte, und nun vorwitzig mit seinen Locken spielte.

„ Ja, und weiter?“ drängte ich.

„Also Mutter Natur hatte eine geniale Idee. Übrigens wurde die von euch Menschen dann irgend wann übernommen und manche noch erhaltene alte Frescen und Mosaiken sind so entstanden. Mit solchen Farben.“

„Äh??“

„ Ja, sie überlegte also, wo sie Farben auftreiben könnte. Da fielen ihr die unterirdischen Schatzkammern der Zwerge ein und welch eine Farbenpracht all die glitzernden Edelsteine entfalteten! Sie würde sofort zu den Zwergen gehen.“

„ Zwergen?“

„ Ja, ja, die gab´s damals noch. Du weißt doch , vor der Sache mit Köln....Wie war es doch in Köln vor dem, mit Heinzelmännchen so bequem. Und dann......neugierig war des Schuster´s Weib....“

„ Schneider´s...“

„ ...Schneider´s Weib....streut Erbsen hin , zum Zeitvertreib....na ja, ab da gab´s keine Heinzelmännchen mehr. Nur uns Elfen gibt es noch. Allerdings werden wir immer für Schmetterlinge oder Libellen gehalten. Nur Menschen mit Flügeln, also mit viel Phantasie, sehen uns noch. Ihr sagt ja auch: auf den Schwingen der Phantasie....“

„ Also gut, keine Heinzelmännchen mehr. Aber erzähle weiter. Sie ist also zu den Zwergen gegangen....“

„...und dort durfte sie sich Edelsteine aussuchen und auch ein paar von den Zwerglein zur Hilfe. Sie
sollten die ausgesuchten Steine zerreiben. Sie selbst wollte dann das Gesteinsmehl mit Flüssigkeit zu einer Farbe vermengen. Genau so haben es eure Maler damals gemacht. Unter all den Farben gefiel ihr das Blau des Lapislazuli sehr gut.Aber das hatte schon der Rittersporn und so entschied sie sich für das Dunkelviolett des Amethist

Freudig kehrte sie mit zwei Farbeimern zur Akelei zurück. Die war überglücklich. Flux wurden ein paar Elfenjungen herbeigerufen. Die brachten ihre Eimerchen aus Kastanienschalen und ein paar Marderhaare als Pinsel mit. Dann kletterten sie in die Spitzen der umstehenden Grashalme hinauf und schon begann eine fröhliche Malerei.

So also kam die Akelei zu ihrer Farbe. Da die Junges aber so eifrig pinselten, waren ihnen ihre Elfenhütchen im Wege und tauchten auch selber ab und zu in die Farbe. Also hängten sie diese oben über die Blüte. Aber, oh Schreck, als sie mit Malen fertig waren, ließen sich die Hütchen nicht mehr abnehmen, sie waren mit der Farbe verklebt. Da half alles Ziehen und Zerren nichts, eher wäre die ganze Blume zerrissen. Und die Akelei fand, dass diese Zipfelmützchen etwas ganz Besonderes aus ihr machten und war´s zufrieden.
So entstand diese wunderhübsche Blüte der Akelei. Der Prototyp, würdet ihr heute sagen. Die restliche Farbe wurde verdünnt und für nachfolgende Generationen aufgehoben.“

" Ha-ha-ha-hatschiiii..."Davon wachte ich auf. Aber eigenartig, da hatte wohl ich immer genießt. Und auch jetzt kitzelte mich ein Sonnenstrahl in der Nase. Der Himmel strahlte in makellosem Blau, die Sommerhitze um mich herum flirrte und im Holunderbusch suchte ich vergeblich im Schattenspiel der Blätter nach Tröpfchen.

Es schien mir, als habe ich einen wunderschönen Traum gehabt. Aber als ich mich erheben wollte, um ihn gleich in meinen Labtop einzugeben, seltsam, da rieselte es wie Schnee von meinen Schultern und Haaren. Lauter kleine Holunderblütchen.....

Und das Märchen? Ja geht nur hin und schaut bei der Akelei nach, da werdet ihr schon die Elfenhütlein mit ihren allerlieblichst eingedrehten Zipfelchen sehen können....
.
© H.M. Kalitta

9 Kommentare

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so schön geschrieben, dass ich nach draußen bin und hab mir unsere Akeleien ganz genau besehen - sie haben wirklich Zipfelchen
  • 17.06.2016, 20:48 Uhr
  • 0
ach, das find ich jetzt aber lieb
  • 18.06.2016, 00:19 Uhr
  • 1
gelle, so bin ich nun mal, nicht immer, aber immer öfters
  • 18.06.2016, 09:40 Uhr
  • 0
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Heide Marie wieder superschön. Ich bin begeistert
  • 15.06.2016, 11:34 Uhr
  • 0
Ach wie schön, wenn´s dich freut
  • 15.06.2016, 16:46 Uhr
  • 1
Ja Heide Marie war für mich ein richtiges Erlebnis das zu lesen
  • 15.06.2016, 19:56 Uhr
  • 0
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eine richtig schöne Sommergeschichte
  • 09.06.2016, 20:12 Uhr
  • 0
danke liebe Rosemarie
  • 09.06.2016, 23:36 Uhr
  • 0
  • 10.06.2016, 07:30 Uhr
  • 0
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