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Tröpfchen in Not  ,        2. Tröpfchengeschichte

Tröpfchen in Not , 2. Tröpfchengeschichte

10.06.2016, 17:16 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

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Heute war es drückend heiß. Die Sonne stach mit spitzen Fingern auf die Erde und die Natur schien müde und kraftlos. Die Menschen stöhnten unter der Hitze und suchten den Schatten unter Bäumen, die doch viel zu gerne auch etwas kühler gehabt hätten.

Nun, die hatten aber wenigstens ihre Wurzeln, die weit genug in das Erdreich hinein reichten ,um dort Feuchtigkeit und Kühle zu tanken.

Anders sah es mit den Blumen aus. Manche streckten noch unverdrossen ihre Blätterärmchen zum Himmel aus, als wie um Regen bittend, aber andere nickten schon recht traurig mit den Köpfchen.

Ich dachte an Tröpfchen und dass es doch heut ganz schön zu tun hatte, um sein Pensum an zugeordneten Blumen zu bewältigen und alle zu tränken. Auch machte ich mir Gedanken wegen des Zauberröckchens. Würde es denn aus dieser trockenen heißen Luft genügend Feuchtigkeit saugen können? Nun, es war ja ein Zauberröckchen und darüber brauchte ich mir wohl keine Gedanken zu machen. Zauberei gehört nun mal ins Reich der Märchen, da ist alles möglich

Wir Menschen können zwar viel, und manchmal grenzt bei uns manches an Wunder, aber so einfach mal hokus pokus und dann is gut, nee, das haben wir noch nicht heraus. Als Jules Verne seine Bücher schrieb, dachte niemand, wie nahe wir seinen Ideen mal kommen könnten und bei Peterchen´s Mondfahrt hielt man das auch noch für ein Märchen und Zauberei. Heute wissen wir zwar, auf den Mond zu kommen, aber das hat mit Zauberei wiederum nichts zu tun. Das ist High tech.

Je nun, wie auch immer, Tröpfchen ist ja ein Elf aus diesem Jahrhundert und sein Röckchen unserem Standard angepasst. Und so hat es nun diese Membranen und so kann es das Wasser eben halten. Wie es aber sooo viel Wasser immer wieder aus der Luft filtern kann und in welcher Schnelligkeit das passiert, so dass es immer einsatzbereit ist, ja, Leute, d a s ist eben Zauberei.

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Ja, es war also ein richtig heißer Sommertag. Tröpfchen hatte alle Rockzipfel voll zu tun. Da bildeten sich am Horizont die ersten Wölkchen, wuchsen im Näherkommen zu stattlichen Wolkengebilden und überzogen allmälich den halben Himmel. Nein, nicht den ganzen, da würde mein lieber Schwager den Wahrheitsgehalt anzweifeln und mich korrigieren. Ein heftiger Wind kam auf und noch bevor man Blitze entdecken konnte, kündete schon ein heftiges Grummeln von ihnen. Ein Sommergewitter.

Tröpfchen war so eifrig bei der Arbeit und als es endlich bemerkte, was um es selbst herum vorging, da war es schon zu spät. Es versuchte noch, unter einem großen Kastanienblatt Schutz zu suchen, aber bevor es den Baum erreichte, da brach das Wetter los. Riesige Tropfen fielen auf die Erde und ergaben, wo sie auf den heißen Staub der Wege trafen, diesen köstlichen Geruch eines heftigen Sommerregens.

Nun sollen wir Menschen ja jeden Baum als Unterstand bei Gewitter meiden. Und das ist unbedingt wichtig und zu befolgen. Bei Elfen und Naturgeistern ist auch das anders. Auch Zauberei? Wer weiß? Jedenfalls dachte unser Elflein gerade noch, gleich in Sicherheit zu sein, da erwischte es ein Tropfen in voller Stärke. Es war einer der Sorte, den, wenn Menschen ihn als Beweiß beschreiben, wie heftig ein Regenguss war, im Durchmesser eines kleinen Hühnerei´s anzeigen, obwohl ein Taubenei auch gereicht hätte. Der schrie zwar noch „Achtung, weg, ich komme !“ und vollführte ein Funkenspektakel in allen Regenbogenfarben, um auf sich aufmerksam zu machen, wobei ihm ein letzter versprengter Sonnenstrahl half. Doch umsonst, er traf unser Tröpfchen volle Breitseite und nahm es mit nach unten.

Aber ach , da war ein altes Schlammloch, ein ausgetrockneter Gartenteich. Und justement dahinein landete Tröpfchen und Tropfen. Der Regentropfen entschuldigte sich zwar noch, stammelte auch wohl so etwas wie "von gleicher Fraktion" , vereinte sich mit seinen Brüdern und zerfloß.

Da saß Tröpfchen nun. Zum Glück war es auf dem Wassertropfen nicht all zu hart gelandet. Es war ihm selbst nichts geschehen. Aber beim Versuch, aus diesem Matsch und dieser neuerlichen Pampe heraus zu kommen, rutschte es immer wieder aus. Nicht nur seine Flügelchen, sondern auch sein Röckchen wurden dabei fürchterlich in Mitleidenschaft gezogen. Kurz, total verdreckt und verschlammt. Je mehr es aber versuchte , sich zu befreien, desto mehr sank es ein. Kraftlos lag es dann in dem Schlamm. Das teure Röckchen war dahin und eben so unbrauchbar, wie seine Flügelchen geworden. Fliegen konnte es nicht mehr, selbst wenn es aus diesem vermaledeiten Loch heraus finden würde.Verzweifelt begann es zu schluchzen.

Das hörte eine Amsel. Und als sie festgestellte, dass es gerade zu regnen aufgehört hatte, stieß sie hinunter zu Tröpfchen. Sie sah sofort, was zu tun war. Sie nahm Tröpfchen vorsichtig um die Taille und zog und zog. Aber das Elflein steckte zu tief mit den Beinchen fest und so mühte und plagte die Amsel sich doch sehr. Sie stemmte sich mit den Beinen gegen und zog, sie hüpfte sogar dabei etwas hoch. Sie versuchte die ganze Technik, die sie anwandte, um einen dicken Wurm aus dem Erdreich zu Tage zu befördern.

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Ich stand am Fenster. Der Schauer war vorbei. Nun wollte ich sehen, wie es den Blumen ergangen sei.

Ach, die Amsel ist auch schon da! Klar, in dem aufgeweichten Boden kann sie nun leichte Beute machen. Aber was hat sie denn da? Die arbeitet aber kräftig! Und w a s hat sie da, eine Libelle? Wie kommt die an eine Libelle? Das muß ich mir ansehen.

Barfuß eile ich hinaus. Die Amsel läßt mich nah herankommen, bevor sie hinauf aufs Garagendach fliegt. Ich schaue nach der Libelle. Libelle? Das ist ja Tröpfchen! Und in welchem Zustand!

„Tröpfchen, so sehen wir uns wieder! Armes Kleines, komm wein nicht mehr, alles wird gut!“

Damit lege ich ganz vorsichtig diese kleinen Beinchen frei und lächle insgeheim über das Wortspiel „Elfenbein-chen“ Aber oh, wie sieht der kleine Elf bloß aus!

„Hör mal, Tröpfchen, ich nehme dich jetzt erst mal mit hinein. Habe keine Angst. Aber wir müssen den Schmutz von dir entfernen, verstehst du das? Ich werde dich baden müssen.“

Drinnen nehme ich eine Müslischale, fülle warmes Wasser ein und setze das kleine Wesen ganz behutsam samt Kleidchen hinein. Dann breche ich ein winziges Stückchen aus einem Seifenrest und reiche es der Kleinen.

„Damit kannst du dich waschen und auch dein Röckchen etwas damit bearbeiten. Ich befürchte, ich mit meinen großen Händen mach da eher etwas kaputt. Aber der Schmutz muss da vollkommen raus. Ich schau derweil nach einem Handtuch.“

Als ich wieder komme kullern dicke Tränen über Tröpfchens Gesicht und es schaut mich mit roten Augen an. Als ich aber frage weshalb es wieder weinen müsse, lacht es mich mit glockenhellem Stimmchen aus.

„Dieses Ding da, diese Seife, die kitzelt ganz schön in den Augen.“

"Kitzelt, haha!!! Das sehen wir Menschenkinder aber ganz anders! "

Doch mein Tröpfchen strahlt nun wieder und nicht nur vor Sauberkeit. Und so packe ich es vorsichtig in ein Gästehandtuch, wo es unter Lachen und Gekicher ein wildes Gestrampel beginnt und in den weichen Falten ein Versteckspiel beginnt. Ich befürchte aber,dass die Flügel erneut zu Schaden kommen könnten und in der hohlen Hand bringe ich es hinaus und setze es zum Trocknen in den nun auch wieder strahlenden Sonnenschein.

Als ich später noch einmal hinaus gehe, um nach ihm zu sehen, liegt da ein Rosenblatt, auf dem steht geschrieben mit winzig kleiner Schrift:,

„Gutschein für ein Blumenmärchen. Würde dir die Akelei gefallen?“


(c) H.M.Kalitta

9 Kommentare

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allerliebst erzählt von unserer Meisterin
  • 17.06.2016, 20:49 Uhr
  • 0
oho, Rosewitchen, jetzt wer ich aber rot
  • 18.06.2016, 00:20 Uhr
  • 1
muss nicht
  • 18.06.2016, 09:39 Uhr
  • 0
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Das hast Du ganz allerallerliebst erzählt. Mit so viel Herzensphantasie!
  • 15.06.2016, 23:14 Uhr
  • 0
Ganz lieben Dank , Gisela, da muss ich mich nun aber anstrengen für die nächste Geschichte, denke dabei an den Holunder
  • 16.06.2016, 23:46 Uhr
  • 0
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Einfach nur wunderschön Heide Marie
  • 15.06.2016, 11:27 Uhr
  • 0
Danke Helgelein
  • 15.06.2016, 16:44 Uhr
  • 1
War so schööööön das zu lesen
  • 15.06.2016, 19:56 Uhr
  • 0
  • 16.06.2016, 23:43 Uhr
  • 0
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