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Vom Wasser des Lebens

Vom Wasser des Lebens

26.09.2016, 11:44 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Vom Wasser des Lebens
Es gibt Märchen in denen ein Sterbender nur durch das Wasser des Lebens gerettet werden kann. Dazu braucht es einen liebenden Menschen, der die Strapazen des Weges auf sich nimmt, um zum Ziel zu gelangen, das Wasser des Lebens zu holen.

Es war einfach zu viel was ihm in den letzten Tagen zugemutet wurde.
Da waren die Ameisen in seinem Zimmer, im Pflegeheim, die erst angemahnt wurden als sie bereits eine Straße bildeten, die er, der sich oft langweilte voller Interesse beobachtete.
Die Biologie des Lebens fand schon als Kind seine Aufmerksamkeit. Jetzt hatte er Zeit und war glücklich über die neue Gesellschaft.
Eindringlich wurde er aufgefordert Unternehmungen dagegen zu zulassen.
Das Aufgebot der Heimleiterin wirkte tief, holte den 88 Jährigen in die Wirklichkeit zurück.

Man hielt ihn für dement.
Eines Nachts lief sein Katheder über. Das Personal war erbost, unterstellte ihm ihn absichtlich herausgerissen zu haben. Alles war durchnässt. Von seinen heimlichen Tränen über die Schroffheit, bekamen sie nichts mit.
„Ich habe mich so geschämt“, sagte er mir leise am Telefon als er mir die Situation schilderte.

Die Scham eines älteren Menschen, der durch eine Krankheit in die Abhängigkeit, eines Pflegeheimes geraten ist, ist für mich eine schmerzhafte Erfahrung. Vieles verstehe ich erst heute, erkenne Fehler auch in meinem Berufsleben.

Ein andermal schickten sie ihm einen Clown zum Bespaßen ins Zimmer. Der 88 Jährige vermied es sich zu den Bewohner zu setzen, deren Leben aus dahindösen und Bespaßung, Essen aufnahme und ins Bett gehen bestand. Eine Zeitlang versuchte er Kontakt mit ihnen aufzunehmen, vergeblich. Ein Clown? Seine Sehnsucht waren Impulse zum Nachdenken, man ließ ihn in Ruhe....
So reihte sich eines zum Anderen, bis die gestaute Trauer sich Bahn brach.

er wollte nur noch weg!
Aufgeregt fuhr er mit dem Rollstuhl in den Raum wo das Personal den Schlüssel für den Fahrstuhl aufbewahrte.
Einrichtungen, die Menschen mit Demenz aufnehmen werden besser bezahlt, auch wenn nicht alle wirklich dement sind, es rechnet sich gut wenn sie es werden. In einigen Pflegeheimen dürfen Bewohner mit dieser Diagnose nicht ohne Begleitung das Haus verlassen. Es gibt ein Code, der nur Eingeweihten bekannt ist, der den Fahrstuhl nach unten fahren lässt, nach oben zu den Therapieräumen ist er offen.

Ich wollte nur noch weg,
so erzählte er es mir später. Man wies ihn zurecht. Ohnmächtig vor Zorn, schrie er: „Ich bin der Geschäftsführer.“ Ich musste lachen als er mir das schilderte.
Später führte das Personal genau diesen Vorfall als Beweis seiner Demenz an.

Das Wasser des Lebens
Seine Stimme am Telefon war wieder einmal müde, kaum zu verstehen. Die Ereignisse der letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Nun kam auch noch ein Darmstau hinzu. Die Sommerliche Hitze machte den Körper apathisch. Die Verzweiflung hatte sich manifestiert. Ich war ratlos. Dann fiel mir ein, dass ich ihm vor längere Zeit den Bestseller „Darm mit Charme“ geschickt hatte. Darin waren auch Hinweise wie man solch einen Stau lösen könnte.

Noch immer war seine Stimme leise fast unverständlich, als ich ihm vorschlug darin zu lesen.
„Wo soll ich das suchen? Wie soll ich das machen, wollte er von mir wissen. Er, dessen Leben ohne Bücher nicht vorstellbar ist, wusste nicht mehr mit dem einen umzugehen.
Zum Glück hatte ich das Buch zweimal gekauft und konnte ihm die Seite angeben.

Mit klopfendem Herzen rief ich, zurückgekommen von einem Termin, bei ihm an.
Seine Stimme war voller Kraft und klare Sätze. Ich war sprachlos.
Ein kleines Wunder?
„Wie geht es Ihnen, hat sich der Stau gelöst?“ Erleichtert antwortete er, dass ein Anfang gemacht wäre. „Ich habe jetzt drei große Tassen mit Wasser getrunken und später werde ich noch was trinken.“
Mir kommen vor Freude die Tränen. Der angeblich demente Mann hat sich selber die richtige Medizin verordnet. Er brauchte nur einen Hinweis, dem er nachgegangen ist. Das Wasser hat seine beginnende Verwirrtheit aufgelöst.

Von einer Freundin, die im Krankenhaus arbeitet erfuhr ich wie oft alte Menschen dehydriert (ausgetrocknet) aus Pflegeeinrichtungen eingeliefert werden. Völlig verwirrt kommen sie an. Nach der Gabe von Infusionen werden sie mit klarem Kopf entlassen – zurück ins Pflegeheim.
@Margarethe Noah

Kritik ist erwünscht!

21 Kommentare

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Margarete, DANKE für diesen wunderbaren Beitrag, der mich tief berührt hat.

Es gibt übrigens von einem persischen Arzt ein Buch, "Du bist nicht krank, du bist durstig".

Da wir fast alle im Alter zu wenig trinken, habe ich mir diesen TItel gemerkt, und wenn ich irgendwo einen Schmerz spüre, trinke ich heißes Wasser. Und alles ist wieder ok.

Wenn man dieses Wasser auch noch mit einer positiven Emotion verbindet, z.B. Dankbarkeit, wirkt es nahezu Wunder. (Vgl. dazu Emoto und seine Experimente).
  • 14.03.2017, 19:52 Uhr
  • 3
danke Edith,
ich werde mir das Buch beorgen. Trinke auch gerade heißes Wasser wil mein Rücken fast durchbricht - melde mich Morgen nochmals,
  • 14.03.2017, 20:43 Uhr
  • 1
Margarete, täglich 10 Tropfen Vigantolöl (Vit. D) und 2 Tropfen Vit K2 mk7 (Calcium für den Knochenaufbau).
Das allopathische Calcium setzt sich eher an den Wänden der Gefäße ab!
  • 14.03.2017, 21:16 Uhr
  • 0
Ja, Karin, das habe ich auch während meiner Ayurveda-Kuren gelernt. Ich mache das seit Jahren. Das Wasser wird durch das Kochen leichter und hat dann eine ganz erstaunliche Reinigungskraft.

Ich schätze die Ayurveda Medizin sehr. Vor allem die wunderbaren Massagen, die synchron von 2 Helferrinnen ausgeführt werden.
  • 15.03.2017, 08:07 Uhr
  • 0
Guten Morgen zusammen
Edith deine Buchempfehlung finde ich sehr interessant.
"Du bist nicht krank, du bist durstig".
Auch wenn ich es noch nicht kenne habe ich jedoch schon Assoziationen dazu.
Ein bisschen wird das auch in meiner Geschichte deutlich.
Durst nach geistigen Impulsen. Noch immer ist der Geist hungrig/durstig, doch er versinkt in der Gleichförmigkeit des Alltags und rettet sich in Fantasien, die manche für eine Demenz halten...
Danke für die Empfehlung - es ist ein Schritt weiter
  • 15.03.2017, 08:45 Uhr
  • 0
Karin,
auch dir ein Danke.
Vermutlich ist kaltes Wasser gar nicht so gesund für ihn.
Aber in einem Pflegeheim muss man nehmen was den Geist des Hause bestimmt.
Leider bin ich zu weit weg und nicht mehr fit genug zu ihm zu fahren.lich dankeschön
  • 15.03.2017, 08:50 Uhr
  • 0
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Ein sehr guter Beitrag
  • 14.03.2017, 18:57 Uhr
  • 1
Danke Elke - mich berührt das alles sehr und nur wenn ich darüber schreibe geht es mir besser.
  • 14.03.2017, 19:00 Uhr
  • 1
Ich kenne das auch. Und ich mache zur Zeit in dem Bereich 2 Ausbildungen
  • 14.03.2017, 19:01 Uhr
  • 0
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Margarethe. Toefe Achtung für Dich und Gratulation zu diesem, unter die Haut gehenden Beitrag. Ja, auch ich kann da sehr viel zu schreiben, doch Du hast alles WICHTIGE gesagt!
  • 14.03.2017, 13:52 Uhr
  • 1
Danke liebe Freya, deine Gedanken sind mir sehr wichtig
  • 14.03.2017, 18:40 Uhr
  • 1
  • 14.03.2017, 18:56 Uhr
  • 1
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Robert, nicht ganz stimmig. Bei den meisten alten Herrschaften geht das Durstgefühl verloren. Da liegt die Gefahr zu dehydrieren.
  • 14.03.2017, 13:49 Uhr
  • 1
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Ich hatte Furcht davor, meine Mutter auch in so ein Heim geben zu müssen. Aber sie hat es sich selber ausgesucht (mithilfe meiner Schwester) und eine wirklich gute Entscheidung getroffen. Sie wird respektiert.
Das Trinken vergessen die Dementen übrigens nicht, wenn man ihnen ein gefülltes Glas auf den Tisch stellt ...
  • 14.03.2017, 13:11 Uhr
  • 1
Wenn ich mir kein Wasser hinstellen, trinke ich auch zu wenig. In einem guten Heim wird darauf geachtet, dass die alten Menschen trinken.
  • 14.03.2017, 13:21 Uhr
  • 1
Robert, er kam durch eine Hirnblutung ins Heim für Demente, weil nirgendwo ein anderer Platz frei war.
Solange ein Bewohner keine besondere Arbeit macht ist alles gut.
Ich denke Heime haben auch ihre Bedeutung. Es gibt so viele die alleine leben und irgendwann dort gut aufgehoben sind, wenn...
  • 14.03.2017, 13:26 Uhr
  • 1
Conny,
wenn es ein gutes Heim ist ...
Aber es gibt auch die weniger Guten und die sollten nicht unerwähnt bleiben, auch um daraus zu lernen.
Danke fürs lesenswert
  • 14.03.2017, 13:28 Uhr
  • 0
Wenn ich als Angehörige merkte, dass es an Pflege hapert, dann spreche ich das Personal an. Schwer hat es leider derjenige, der keine Angehörigen hat.
  • 14.03.2017, 13:31 Uhr
  • 2

nur manche Angehörige haben keine Wahl - sie können das Heim nicht rückgängig machen - Wohin mit dem Vater die Mutter oder Tante?
Ein schwieriges Thema. Roberts Geschichte ist einfach wegweisend, Margarethe
  • 14.03.2017, 13:39 Uhr
  • 0
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Nachdem meine Mutter zweimal total dehydriert von der AWO Pflegeeinrichtung in ein Krankenhaus verbracht wurde, hatten wir uns dazu entschlossen, ihre häusliche Pflege zu übernehmen. Das alles, passierte vor vielen Jahren. Patienten sind Schutzbefohlene, so steht es auf Papier. Danke für deinen Lebensnahen Beitrag, liebe Margarethe.
  • 26.09.2016, 20:16 Uhr
  • 2
Danke dir Peter. Ein wichtiger Beitrag von dir
  • 26.09.2016, 20:18 Uhr
  • 2
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