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Kommunikation oder wie gehe ich mit dem geschriebenen Wort um

Kommunikation oder wie gehe ich mit dem geschriebenen Wort um

03.06.2017, 16:39 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

'Man kann nicht nicht kommunizieren', sagt Paul Watzlawick, der sich seit ultimo mit der menschlichen Kommunikation beschäftigt. Selbst wenn wir nichts tun, oder gar schlafen, kommunizieren wir.
Nun, den Schlafenden können wir sehen, anfassen, ggf. auch hören. Doch mit wem und wie kommunizieren wir eigentlich, wenn wir, vor allem in einem Forum wie WL, schreiben? Ja klar, wir schreiben, soviel dürfte fest stehen. Fragt sich nur WIE? Die Frage mit wem wir tatsächlich schreiben, bleibt uns oft verborgen, darauf möchte ich auch nicht eingehen.

Das nebenstehende Bild zeigt klar auf, wie viel Kommunikation in aller Wahrheit beim Schreiben übrig bleibt: 7%. Das ist der Inhalt, dass ist im täglichen Leben das gesprochene Wort.
Gut und gerne 93% der Gesamtkommunikation enfällt, haben wir nicht und bräuchten sie doch so dringlich.

Ich lese, ich schreibe, der/die andere liest und schreibt. Doch wo sind gerade unsere Gedanken? Beim Strümpfe stricken, oder dem Ehegespunst, vielleicht auch wo völlig anders. Viele sind aber auch konzentriert bei der Sache, überlegen sich genau, was sie schreiben, oder sie hauen längst überkommene, aber von ihnen oft gedachte Floskeln raus.

Eine schriftliche Kommunikation hat so ihre Tücken. Ich mache mir Gedanken, höre meine eigene Stimme im Kopf, betone und schreibe und was bleibt? Worte. Worte ohne jede Betonung, stimmlos und emotionslos, Worte eben, aneinander gereiht zu mehr oder weniger vollständigen Sätzen.
Im 'Eifer des Gefechts' kommt es zuweilen vor, dass der Gedankenfluss vorhanden ist, genauso, wie der gute Wille sich klar und verständlich zum Ausdruck zu bringen, es blinkt ein neuer Kommentar auf, den ich (vermutlich) erst mal lese, da er an mich gerichtet ist und schon holpert mein Kommentar vor sich hin. Das, was ich wirklich sagen wollte, ist unvollständig.
Oder, es entwickelt sich erst im Laufe des gegenseitigen Austauschs, worauf ich eigentlich hinaus wollte.

Wenn ich ein Gegenüber habe, das mir wohlgesonnen, wenigsten aber aufmerksam ist, funktioniert eine Diskussion im Grunde recht gut. Eine Erfahrung, die ich durchaus gemacht habe, auch bei sehr kontroversen Diskussionen. Es ging um die Sache, das Thema und nicht darum, dem anderen auf die Füße treten zu müssen.

Eine andere Erfahrung, die ich ebenfalls machen durfte ist, dass kaum richtig gelesen wird und in Kommentare hinein interpretiert wird, was das Zeug hält. Nachfragen, Fehlanzeige. Ich halte das für eine der übelsten Unarten, die es bei der schriftlichen Kommunikation überhaupt gibt.
Eine weitere, noch schlimmere Unart ist, den anderen zu verunglimpfen, ihn zu beschimpfen, zu beleidigen, eine verachtende Position einzunehmen.
Das ist, was ich eben gerade wieder einmal erlebte. Nein, ich bin nicht getroffen, weil ich schwer zu treffen bin (hatte gut Lehrmeister!). Vielmehr wollte ich einen solchen Beitrag schon längst geschrieben haben, weil ich letztere Beschreibung nur allzu oft beobachte. Nicht nur hier auf WL, auch anderswo. Anderswo, na schön, da schreiben auch viele junge, unerfahrene Leute, aber hier?

Lebenserfahrung wird wohl doch viel weniger zum eigenen Gewinn genutzt, etwas lernen zu dürfen, auch wenn's unschön war. Nein, da wird der eigene Frust, das eigene vermeintliche Versagen, oder das vermeintliche Versagen der Umwelt, der Gesellschaft (wer auch immer) an jemandem ausgelassen, dessen Idee oder Meinung gerade im Wege steht. Ein Stechen und Hauen und Nachtreten.

Was mich am allermeisten erstaunt ist die Tatsache, dass im Grunde durch die Bank weg sich ALLE ein friedliches Miteinander wünschen. Keiner will in Unfrieden leben, keiner will tatsächlich echten Unfrieden durch Waffengewalt erleben.

Doch wie, um alles in der Welt, soll Frieden entstehen, wenn so viele nicht einmal in der Lage sind, schon beim Lesen und Schreiben achtsam zu sein?

Ich wünsche ein gesegnetes Pfingstfest.

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13 Kommentare

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Überempfindlichkeiten, gekränkte Eitelkeiten - das gibt es sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Kommunikation.
"Gelassenheit" könnte das Zauberwort sein - aber da muss jeder bei sich selbst anfangen....
  • 03.06.2017, 18:13 Uhr
  • 1
Möglichkeiten, die hinzukommen (können), Heidi. Gelassenheit ist sicher ein guter Ansatz.
Mir geht's vor allem um Interpretation und Beschimpfung, falsche Behauptungen und Unterstellungen. Das kann für den der austeilt, auch mal üble Folgen haben. Ein Platzverweis bei solchem Verhalten ist mind. angemessen.
  • 03.06.2017, 18:22 Uhr
  • 0
Sicher, manches ist weit unter der Gürtellinie - aber diese Kommentare werden oft schnell gelöscht, Gott sei Dank. Und ich persönlich finde es voll in Ordnung, wenn sie gemeldet werden. Manche sehen das aber auch wieder als Denunziation an. Ich persönlich habe bisher einiges gemeldet - aber es auch in den Kommentaren gesagt, dass ich melden werde wenn z. B. geschrieben wurde: "Die Rasse der Muslime ist wie wilde Tiere"... oder Renate Kühnast hätte gesagt: "Deutsche raus, Ausländer rein." Oder "Frau Merkel gehört vor Gericht". Oder "Muselmännchen schieben Frauen in die Gosse, wo sie auch hingehören".

Alle diese Entgleisungen waren hier wirklich gestanden - wurden aber dann Gott seiDank gelöscht.
Wenn mich jemand persönlich als doof oder rückständig bezeichnet, dann kann ich darüber höchstens den Mund verziehen, denn ich weiß, dass ich weder doof noch rückständig bin, der Schreiber blamiert sich damit nur selbst.

Andere melden solche Beleidigungen - auch das ist in Ordnung. Was aber sehr seltsam ist, dass es der/die eine oder andere als Beleidigung empfindet, wenn man z. B. schreibt, dass dessen Meinung unsinnig ist, weil sie keiner seriösen Überprüfung stand hält. Auf diese Weise kann keine fruchtbare Diskussion zustande kommen, weil der andere nur eins will: Recht haben!
  • 03.06.2017, 19:54 Uhr
  • 1
Ich gebe Dir da durchaus Recht, ich darf sagen, m.M.n. bist 'du' ein Idiot, ich darf es nur nicht behaupten.
Meinungen sollten möglichst auch als Meinung gekennzeichnet sein. Das funktioniert leider nicht immer. Ist dann jemand beleidigt, kann man immer noch schreiben, wie es gemeint war, ggf. kann man sich entschuldigen.

Darum geht es mir. Diskutieren muss man lernen. Das ist nicht einfach! Man muss argumentieren lernen, warum man nun dieser und nicht jener Meinung ist. Man muss lernen, des anderen Meinung hinzunehmen, man muss lernen, sich annähern zu können. Im 'normalen' leben ist das ja schon schwer genung, wenn man miteinander spricht. am Telefon hören wir wenigstens die Stimme. Sie ist ein so wichtiger Informationsträger! Ganz schwierig sie zu kontrollieren! Mimik, Gestik sind eher zu kontrollieren, aber auch nicht lange. Selbst Profis können das nicht lange durchhalten.

Und hier im Schreibmedium, was bleibt?
Achtsamkeit einerseits und auch Gelassenheit andererseits. Auch diese beiden müssen erlernt werden.

Ich sehe eine zunehmende Verrohung. Und gerade jene, die sich angesprochen fühlen sollten, werden noch frech wie Dreck am Weg.

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte....
Du kennst dieses Gedicht ganz sicher. Ganz genauso läuft's.
  • 03.06.2017, 20:08 Uhr
  • 1
Den Schlusssatz kenne ich und finde ihn sehr treffend.
Ich frage mich nur, wenn ich über den Briefwechsel früherer Zeiten nachdenke, welch wertvolles Gedankengut er enthielt, ob die Menschen damals anders gestrickt waren?
Welche Mühe machte ich mir noch in meiner Jugend um einen richtig schönen Brief zu schreiben. Ich ließ mir sogar, fragte man mich mal nach einen besonderen Wunsch, geschöpftes Büttenpapier schenken.
Und einen ähnlichen Brief zu erhalten - war das nicht ein Hochgenuss!
Heute haut man in die Tastatur, was das Zeug hält - ohne Rücksicht auf Verluste.
Schade eigentlich.
  • 03.06.2017, 20:27 Uhr
  • 1
Richtig!
Ich musste auch noch Briefe schreiben, telefonieren war auch noch lange Zeit ziemlich teuer.

Wenn man einen Brief schreibt, möchte man im Allgemeinen einen Kontakt pflegen, da gibt man sich Mühe.

Streitereien gab's schon immer. Aus so manchem Streit wurde eine Fehde, was ich ganz schlimm finde.
Viele Streitereien werden aber auch friedlich beigelegt, wenigstens irgendwann.

Heute denken viele, dass sie eben mal zwischen Tür und angel jemanden beschimpfen dürfen. Ich habe keine Ahnung, wo das herkommt. Es wird nicht argumentiert, es wird verbal eingedroschen. Auf FB gibt's wohl viele, die sind ziemlich weit von jedem Anstand und sozialem Wohlverhalten entfernt. Hier gibt's auch solche, keine Frage. Ich kann mich ganz gut wehren, wenn's sein muss. viele können das nicht.

Nur stelle ich immer wieder fest, dass auch durchaus gebildete Leute nicht richtig lesen, blöde Kommentare loslassen, sich daneben benehmen, keine andere Meinung zulassen, maßlos interpretieren und nicht einmal in der Lage sind, auf Richtigstellungen zu reagieren.
Ich hatte mal einen Nachbarn, gebildet, sprach ein gutes Deutsch, doch im Grunde war er einfach nur asozial. Ich weiß, das sagt man nicht mehr, aber es trifft den Kern der Sache. Ihm war nicht beizukommen. So empfinde ich oft Kommentare. Nicht gegen mich, sondern auch gegen andere. Einfach übel.

Es könnte allerdings sein, dass ich von zivilisierten Menschen zu viel erwarte.

Nun, es gibt ja auch in der Politik und sonstigen Öffentlichkeit genug, die dissoziales Verhalten vormachen. Wenn die dürfen... dann darf ich auch?!
  • 03.06.2017, 20:44 Uhr
  • 1
Früher war die Hemmschwelle einfach höher. Aber trotzdem war "früher nicht alles besser." Es war oft auch nur Form ohne Inhalt - und sehr viel Heuchelei.
Das was heute abgeht, muss eine Demokratie aushalten können, hoffe ich wenigstens.
  • 03.06.2017, 20:53 Uhr
  • 1
Da sagst Du was. die Hemmschwellen sind gesunken, wenn nicht gar gefallen.
Eine Demokratie hält das auch aus. Wenn wir mal wieder eine hätten, wär's ja gut. Ich denke auber auch, wir befinden uns in einer Zeit eines Wandels. Da kommt viel Müll ans Licht. Das muss so sein, damit wir uns das angucken und ändern können. Viele wollen es noch nicht sehen, sie werden aber müssen.
  • 03.06.2017, 20:57 Uhr
  • 1
Renate: noch haben wir eine Demokratie. Schau mal nach Ungarn, Polen, Russland, dort bröckelt es gewaltig.
  • 03.06.2017, 21:11 Uhr
  • 0
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Jeder Kontakt mit Menschen ist eine Begegnung von Energien.
Barbara A. Brennan, Nasa-Physikerin und später Heilerin einer Schule in Berlin, s a h diese Energien. In ihren beiden Büchern "Lichtarbeit" und "Lichtheilung" beschreibt sie, wie beim Händegeben zweier Menschen manchmal die Auren ineinanderfließen oder sich voneinander wegbewegen.

Kommunikation von Menschen, die sich achten, verstärkt dieses Feld, und diese Erfahrung kennt jeder. Man d e n k t gezielter, tiefer.

Sind immer wieder Querschüsse da von anderen Mitspielern, zerfleddert das Gespräch allmählich.

Ich habe einmal ein wunderschönes Wort über das Wesen von Gesprächen gelesen. Den Namen des deutschen Schiftstellers habe ich leider vergessen. Er sagte:
"Wenn zwei miteinander reden, ist der eine ein Instrument und der andere der Spieler, Und am schönsten ist es, wenn man nicht weiß, wer das Instrument und wer der Spieler ist."
  • 03.06.2017, 16:55 Uhr
  • 1
Ja, die Resonanz ist dann harmonisch.

Man resoniert ja auch immer, auch wenn zerfleddert wird. Das Wort finde ich sehr treffend auf viele Diskusionen bezogen.

MITeinander Reden, ist oft soooo schwer. Und eigentlich ganz leicht, wenn man aufrichtig ist. Aufrichtigkeit verletzt nicht.
  • 03.06.2017, 17:09 Uhr
  • 0
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Renate, Auf den Punkt gebracht!
  • 03.06.2017, 16:54 Uhr
  • 2
Danke, Froukje.
  • 03.06.2017, 17:03 Uhr
  • 0
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