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Über einen Montag Abend im Baumarkt und einen Schlüssel der immer passt

Über einen Montag Abend im Baumarkt und einen Schlüssel der immer passt

05.06.2017, 18:44 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Baumärkte gehören für mich zu den Lokalitäten, innerhalb derer man sich nur auf zwei mögliche Arten bewegen kann. Entweder man kennt sich aus und will überhaupt nicht schnell zur Kasse gelangen, weil das sich Verlieren in der dargebotenen Vielfalt zum erfüllenden Freizeiterlebnis wird oder man gehört zu der bedauernswerten Minderheit, die sich das Auffinden von Gesuchtem hart und mit Ausdauer erarbeiten muss.
Da ich zur Gruppe der letztgenannten gehöre, habe ich mir angewöhnt niemals spontan dorthin zu gehen, sondern vorab mit akribischer Genauigkeit alles aufzuschreiben was ich brauche. Erst wenn mindestens 5 oder mehr Notwendigkeiten entstanden sind, wage ich den als nach Canossa empfundenen Gang.

Selbstverständlich informiere ich mich im Vorfeld über mögliche Varianten, Hintergründe und vor allem analogen Begrifflichkeiten zu den von mir benötigten Kleinodien, denn genau in diesen uferlos existierenden Analogien der sich in Baumärkten befindenden, mir als Kuriositäten begegnenden Strukturgüter, wohnt eindeutig ein in den Schalk vernarrter Spitzbube, dessen einziges Bestreben es sein kann, die Kommunikation mit den Fachberater/Innen auf subtile Weise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden zu lassen. Abgekürzt heißt das Eingeständnis meiner Unfähigkeit nichts anderes, als das ich ungeeignet bin, um dort „mal eben schnell“ etwas zu besorgen.
An einem Montagabend Ende Mai 2017, direkt nach der Arbeit, war es dann so weit. Der Zeitpunkt wurde von mir übrigens strategisch gewählt, da ich vermutete, dass sich die begeisterten Hand- und Heimwerker bevorzugt unmittelbar vor oder am Wochenende selbst, mit Material eindecken würden.
Meine Strategie ging auf. Bereits bei der Parkplatzsuche landete ich einen Volltreffer. Schattenplatz unter einem Baum in erster Reihe. Beim Einkaufswagen holen wurde ich dann allerdings mit einer unvorhergesehenen Herausforderung konfrontiert. Das angebotene Gefährt besaß eine ca. 1,20 m lange Ladefläche ohne seitliche Begrenzungen und vermittelte den Eindruck, dass sein Nutzer mindestens so viel einzukaufen beabsichtigt, um damit ein kleines Blockhaus, wenn nicht sogar ein vielleicht doch etwas größeres, in diese Welt zu setzen. Was mich final überzeugte den rollbaren Gabelstapler mit einem Chip auszulösen, war zum einen das integrierte Drahtkörbchen (ca. 60 x 12 x 8 cm) auf Höhe der Griffstange und zum anderen die Ermangelung einer Alternative.
Weitere mögliche Verirrungen oder gar Unwägbarkeiten galt es direkt im Keim zu ersticken, indem mein Fokus beim Betreten der mich schlicht überfordernden Hallen, einzig die Infotheke zuließ.

Als höflicher Mensch begrüßte ich die Dame hinter der kreisförmig geschwungenen, bei mir eine Hand breit über dem Solarplexus endenden, bei ihr fast das Schlüsselbein erreichenden Balustrade mit einem Lächeln: „Guten Tag, wo bitte finde ich einen Perlatorschlüssel?“ Antwort: „Geradeaus in der Autozubehörabteilung.“
Die Geschwindigkeit mit welcher sich thematisch orientierte, im Vorfeld betriebene Fachrecherchen als zeitlich absolut zu rechtfertigende Investition heraus zu stellen vermochten, war ein Umstand, den ich in diesem Moment mit zufriedenem Erstaunen zur Kenntnis nahm, um dann ganz gezielt nach dem Standort der Bad- und Sanitärabteilung zu fragen. Fern lag mir verständlicherweise eine Demotivation der Mitarbeiterin, indem ich ihr die Wahrheit über Perlatoren und den ihnen zur Verfügung stehenden Schlüsseln erzählte. Auf meiner Liste befanden sich schließlich noch 6 weitere Artikel, zu deren Ortung ich ihre uneingeschränkte Unterstützung benötigte. Insgesamt hatte Frau Zumbroich (war auf ihrem Namensschild zu lesen) 5 von 7 Treffern beim Identifizieren der von mir genannten Wunschobjekte. Diese Quote hob mein Selbstbewusstsein derart in die Höhe, dass ich mich angefüllt mit Optimismus auf den Weg machte, um endlich einen Perlatorschlüssel mein Eigen nennen zu dürfen. In Köln braucht man einen solchen, sofern der Unwille zum Austausch einer kompletten Armatur aufgrund von sich permanent bildenden Kalk-Stalaktiten oder eine Abneigung gegen die Brachialität von Rohrzangen, gegeben sein sollte.

Die entsprechende Abteilung zeichnete sich durch zwei Dinge aus. Ihr labyrinthartig, verschachtelter Aufbau, sowie die Abwesenheit eines Beraters. Egal. Unerschrocken und zuversichtlich betrat ich die fremde Welt, um den Bereich ausfindig zu machen, in welchem sich Wasserhähne befanden – zumindest erschien mir die Schlussfolgerung einer zusätzlichen Anwesenheit von Perlatorschlüsseln in genau dieser Umgebung naheliegend.
Wie sehr ich mich irrte wurde offensichtlich, nachdem ich des Suchens müde, eine eindeutig zufällig erschienene Fachperson ansprach und gebeten wurde zu folgen. Links rum, rechts rum, am Mittelgang angekommen geradeaus. Nach ca. 20 Metern wagte ich zu fragen wo wir denn hingehen würden. „Zu den Ersatzteilen, die sind bei den Autozubehören. Aber fragen sie mich nicht warum,“ antwortete der Auskenner lächelnd beim Ankommen um dann nachzulegen: „Welche Größe brauchen Sie?“

Die Erkenntnis, dass Frau Zumbroich sehr genau wusste was ein Perlatorschlüssel ist und die Tatsache, dass mir nun eine Frage gestellt wurde, die ich trotz vorangegangener Feldstudien nicht zu beantworten in der Lage war, hinterließ in mir genau jenes Gefühl, welches ich unbedingt zu vermeiden versucht hatte.
Aber so kurz vor dem Ziel würde ich keinesfalls aufgeben, also entgegnete, nein behauptete ich ohne Fundament eines Wissens mit voller Überzeugung das erste was mir in den Sinn kam: „Es handelt sich um einen Universalschlüssel.“ Gedacht habe ich: „So, und jetzt komm du mal umme Ecke mein Lieber. Mal sehn watte darauf zu wechseln hast.“ Wieder ein Lächeln nur dieses Mal verbunden mit einem kurzen Umdrehen und zielsicheren Griff. „Sagen Sie das doch gleich. Bitte sehr. Einmal Universalschlüssel.“

©Martina Marie

Nachtrag:
- Der Name Zumbroich ist keiner Person des wirklichen Lebens zugeordnet
- Über ein mögliches Ende der Geschichte, auch wenn es sich fast genauso ereignete wie von mir erzählt, habe ich länger nachgedacht als sie zu schreiben. Anfügen möchte ich lediglich den Wunsch, dass jeder beim Überreichen/Erhalten des Universalschlüssels seinen eigenen erkennt und erhält.
- Das linke Bild zeigt das Ergebnis meiner, wie ich finde gelungenen Reinigung des Perlators (Vorher-Fotos wollt ihr nicht wirklich sehen). Das rechte Bild ist im Internet zu finden und frei verfügbar.

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