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Das Zeitalter der Narzissten

Das Zeitalter der Narzissten

Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
11.03.2017, 16:03 Uhr

Narziss kann man nichts recht machen. Er manipuliert und lässt jeden, der ihm zu nahe kommt, am ausgestreckten Arm verhungern. Über Menschen mit krankhafter Eigenliebe und ein Zeitalter, das auch als 'Zeitalter der Narzissten' bezeichnet wird.

In der griechischen Mythologie ist Narziss der schöne Sohn des Flussgottes Kephissos, der beim Versuch, sein Spiegelbild in einem Teich zu küssen, ertrinkt.
Im wirklichen Leben versteht man unter Narzissmus die ‚krankhafte Eigenliebe' eines - meistens männlichen - Menschen, eine Eigenliebe, die das Leben seiner Umgebung, vor allem aber der Frauen an seiner Seite, zum Albtraum werden lassen kann.

Narzissten gibt es – grob gesagt – in zwei Ausführungen.
Es gibt den „grandiosen“ Typ, der sich in allem und jedem ‚GROß-artig" fühlt, und den „depressiven“ Typ, der glaubt, von allen verraten und verkauft zu werden, und der zum Mauler wird, sobald man ihn näher kennenlernt.

Aber: Wer Narziss begegnet, trifft zunächst auf eine sehr einnehmende und glänzende Persönlichkeit, die auf andere sehr verführerisch wirkt.
Erst nach und nach zeigt Narziss auch seine andere Seite, seine Egozentrik und seine tiefe Überzeugung, einzigartig und allen anderen überlegen zu sein.

Narziss


  • ist auf den ersten Blick faszinierend, intelligent und verführerisch
  • ist im Inneren tief verletzt, will davon aber nichts wissen
  • urteilt schnell und provoziert gerne
  • ist unberechenbar. Ihm macht es Spaß, andere zu überraschen.
  • möchte unentbehrlich und einzigartig sein. Wird ihm dieses Gefühl nicht zugestanden, macht jemand möglicherweise sogar Anstalten, ihn zu beurteilen, oder auch nur einem Hauch von Kritik zu üben, reagiert ein narzisstisch veranlagter Mensch mit Ablehnung und Wut.
  • kann sich über Kleinigkeiten maßlos aufregen.
  • wertet andere ab, um sich selbst aufzuwerten. Narzissten erkennen intuitiv die Schwachstellen ihres Gegenübers und hacken gerne darauf herum.
  • mag es, wenn sich andere schwach zeigen, damit er ihnen zur Hilfe eilen und sich als unentbehrlich und überlegen präsentieren kann.
  • hält seinen Besitz, seine Hobbys und seine Vorlieben für nicht zu übertreffen, allein aus dem Grund, weil sie ‚seins‘ sind. Alles, was er hat und ist, wird zur Erweiterung seines Ichs; deshalb gibt es in seinen Augen auch keine andere, gleichwertige oder sogar bessere Alternative, auch wenn objektive Gründe dafür sprechen.
  • gibt sich gerne kritisch. Auf Partnerinnen, die ihm zu stark sind, geht er los, um sie zu schwächen. Wird die Frau an seiner Seite allerdings zu schwach, interessiert er sich nicht mehr für sie und verlässt sie.
  • hat Angst vor Nähe. Mitunter bricht er eine Beziehung schlagartig ab, weil sie ihm zu eng wird. Bleibt er in einer Beziehung, möchte er umsorgt und umhegt werden und erwartet, dass seine Partnerin sich seinen Wünschen anpasst. Alltag langweilt und frustriert ihn, zur Not inszeniert er Krisen, um überhaupt etwas empfinden zu können. Wenn Narziss keine Anregung hat und er sich langweilt, wird es für seine Mitmenschen schwierig.
  • schafft es, seine Partnerin(nen) in einer sogenannten „Double-Bind-Situation“ festzuhalten: „Egal, was Du tust – es ist das Falsche!“

Narzisstisch veranlagte Menschen haben kein Ohr für die Bedürfnisse, Vorlieben und Nöte ihrer Mitmenschen. Sie können nicht gut zuhören und ihre sozialen Verhaltensmuster sind darauf ausgelegt, andere zu manipulieren – dadurch verschaffen sie sich Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Natürlich können Narzissten auch mitfühlend sein. Oder sich mitfühlend geben. Vorsicht ist bei einem mitleigem Narziss geboten – Mitgefühl könnte (s)eine Manipulations-Masche sein.
Denn herzliche Gesten oder Handlungen machen Narzissten Angst – emotionale Nähe birgt für sie das Risiko des Kontrollverlustes, und Kontrolle ist ihnen außerordentlich wichtig.
Jede Situation muss unter allen Umständen im Griff behalten werden; sich zu öffnen bedeutet für sie Schwäche und schürt ihre Sorge, in die Defensive geraten zu können.

Eigene Fehler zuzugeben, fällt Narzissten ungemein schwer, stattdessen neigen sie dazu, ihre innere Unruhe und Leere auf andere zu projizieren, um sich besser zu fühlen. Die Gründe für Narzissmus werden in der Kindheit vermutet.

Die Generation „Ich“

Jeder Mensch hat narzisstische Züge.
Narzissmus ist zunächst nichts weiter als eine gesunde Überlebensstrategie: Jedes Baby muss sich erst auf sich selbst konzentrieren und als „Selbst“ wahrnehmen und lieben, bevor es losmarschieren und Stück für Stück seine Welt erobern kann.
In seiner Entwicklung ist es sein eigenes kleines „Ego-Zentrum“, um das alle anderen – vor allem: Mama! – kreisen.

Ein kleines Kind, das sich unsicher, schwach oder unterlegen fühlt, wird zum Schreihals, Aufschneider und Angeber werden, um auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Das ist eine sinnvolle und bei Kindern akzeptierte Strategie, die verhindert, dass sie sich verschreckt zurückziehen, anstatt sich hinauszuwagen, um von ihrer Umwelt zu lernen.

Unangenehm und zur Persönlichkeitsstörung wird Narzissmus erst, wenn Menschen in dieser Phase steckenbleiben; wenn sich Egozentrik und Eigenliebe ins Grenzenlose verlängern und zur einzigen Form des Wohlbefindens werden.

Der Unterschied zwischen einem „normalen“ Menschen und einem neurotischen Narzissten liegt in ihrer Kritik- und Lernfähigkeit.
Neurotiker – zu denen auch Narzissten gehören – reagieren stur mit immer ein und demselben Verhaltensmuster, während „Normale“ situationsangepasst agieren und ihr Verhalten ändern, sobald ihr herkömmlichen Verhaltensweisen sie nicht weiterbringen.
Das setzt aber voraus, dass man bereit ist, sich mit sich und seiner Umwelt kritisch auseinanderzusetzen und anzuerkennen, dass nicht immer „die Anderen“ schuld sind, wenn etwas schief läuft – unterm Strich also: Selbstreflektion und Selbstkritik.
Ein Unding für Narzissten!

Narziss und die Liebe

Ein Märchenprinz – so präsentiert sich Narziss den Frauen an seiner Seite in den ersten Wochen des Kennenlernens.
Doch der schöne Schein trügt, und sobald die erste Phase des Verliebtseins vorüber ist und der Alltag beginnt, wird es für ihn zu langweilig, oder zu eng. zeigt sich seine andere Seite: Eine Liebesbeziehung mit einem narzisstisch veranlagten Mann bedeutet immer, dass nur einer von beiden geliebt wird und der andere liebt.
Der Narzisst hält die Flamme auf der niedrigsten Stufe und gibt gerade so viel, dass die Partnerin nicht enttäuscht das Handtuch wirft, während sie selbst Höchstleistungen vollbringt, um ihren vermeintlichen Prinzen gnädig zu stimmen.

Kann man Narzissten, ändern, „heilen“ oder „retten“?
Eigentlich nicht.

Denn: Jede Verhaltensänderung basiert auf einem Anstoß, in der Regel ist das ein Leidensdruck, den wir selbst empfinden..
Aber Narziss empfindet diesen Leidensdruck eben gerade nicht: Warum auch? Schließlich sind es die anderen, die seinen Ansprüchen und Erwartungen nicht genügen.
Warum an dieser bequemen Lebenseinstellung rütteln?

Den vollständigen Artikel mit allen Darstellungen und weiterführenden Leseempfehlungen ist in meinem Blog Generationengespräch zum Nachlesen: Das Zeitalter der Narzissten

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2014

Die Agentur für Bildbiographien fertigt seit 2012 hochwertige Bildbände und Chroniken über Familien- und Unternehmensgeschichten an und bietet zusätzlich einen bezahlbaren Ghostwriting-Service für Unternehmen und Privatpersonen. Weitere Informationen auf unserer Homepage www.bildbiographien.de

2 Kommentare

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Oh, ja. Kann ich nur bestätigen. Mein Ex war ein Narziss wie es im Buche steht. Daran zerbrach die ganze Familie. Bin momentan lieber Single!
  • 14.03.2017, 17:18 Uhr
  • 1
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Das kann ich gut verstehen! Besonders die permanente Abwertung anderer (um sich selbst aufzuwerten) ist vielen Narzissten gar nicht bewusst, für ihre Umgebung aber sehr schmerzhaft. Das dauert, bis d i e Wunden verheilt sind, wenn man das selbst erlebt hat. Alles Gute!
  • 15.03.2017, 08:45 Uhr
  • 2
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