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Affen im Palast

31.05.2016, 08:07 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wir Inder hören als Kinder unheimlich viele Geschichten über Dämonen und Fabelwesen, Parabeln und Legenden. Als Erwachsene hören wir unzählige Erzählungen aus den Puranas (altindische Schriften, geschrieben auf Palmblättern). Im Alter erfinden und erzählen wir unzählige Geschichten aus eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. Eine davon ist diese hier.

Eine Affenbande ging auf Wanderschaft und kam in einen einsamen Wald. Dort fand sie eine verlassene Stadt und den dazugehörigen Palast. Ein draufgängerischer Affe traute sich und schlich sich in den Palast hinein. Er erwartete, dort Vögel, Mäuse oder Schlangen zu treffen. Aber es war sehr still drin. Der Affe sprang in einen Saal. Es war nicht sehr hell, dennoch sah er dort einen sich schnell bewegenden Geist und er schrie und erschrak sich fast zu Tode. Er floh aus dem Saal. Zitternd stand er vor der Affenbande und erzählte von einem schreienden, sich schnell bewegenden, fürchterlichen Dämon, dem er begegnete.

Eine junge Äffin meinte,

>> Es könnte auch sein, dass du den Dämon gestört hast und er deswegen so heftig reagiert hat <<.

Die Äffin beschloss, hinein zu klettern. Sie bewegte sich langsam und betrat zögernd den Saal. Dort begegnete sie einer Äffin, die sie ruhig und sanft betrachtete und sich kaum bewegte. Die junge Äffin verneigte sich entschuldigend und machte einen Rückzug.

Nachdem die Äffin der Affenbande ihre friedliche Begegnung mit dem Geist berichtet hatte, sagte eine der älteren Affen leise,

>> Es ist der senkrecht stehende Teich, den die Menschen erschaffen haben <<

und die Affenbande beschloss weiter zu wandern.

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sure.sh 2016/04

Wie Menschen Menschen zu Affen machen,
machen Affen Affen nicht zu Menschen.
© Manfred Hinrich (1926 – 2015), Dr. phil., deutscher Philosoph

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