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Keine Angst vor der Courage

Keine Angst vor der Courage

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern
21.07.2016, 14:02 Uhr

Wie tolerant dürfen wir sein, um nicht unsere mühsam erworbene Freiheit aufzugeben? Wie intolerant dürfen wir sein, um nicht als besitzstandswahrend oder veränderungsresistent zu gelten?

Diese Fragen stellen sich mir zurzeit immer wieder, wenn in mir einerseits die Bereitschaft zur Großzügigkeit und Achtung fremder Kultur(en) da ist und andererseits die Empörung aufsteigt angesichts der Missachtung der unseren.

Darum habe ich sie satt, die Reden, die christliches Gutmenschentum suggerieren, aber Furcht sind vor dem Selbstbewusstsein des Christentums und unser Denken lähmen. Sind unsere westlichen Freiheiten nicht Resultate eines christlichen Menschenbildes: dass der Mensch kein unbedeutender Wurm ist, dass Glaube keine Einbahnstraße ist, in der wir uns vor Gott in den Staub werfen, „Gott ist groß“ rufen und auf ein Paradies hoffen, selbst dann, wenn wir vorher „Ungläubigen“ den Tod gebracht haben? Durch Jesus Christus haben wir gelernt: In den Augen Gottes sind wir wer, denn Gott wurde Mensch. Und Menschen leben nun einmal hier auf der Erde. Das bedeutet zwar Verantwortung, aber auch Freiheit: Freiheit, sich selbst zu entdecken, nicht festgelegt zu sein auf die Ernährer- oder Gebärerin-Rolle. Sogar Freiheit zum Fehler-Machen.

Müssen wir Freiheit also verleugnen? Müssen wir uns schämen, dass wir es weit gebracht haben mit der Akzeptanz der Unterschiedlichkeit von Menschen und ihren Lebensentwürfen, mit der Akzeptanz der Freiheit der Frauen und Mädchen, sich nach ihren eigenen Vorstellungen zu entwickeln, mit der Akzeptanz der Gleichwertigkeit der Geschlechter und der Nicht-Festlegung auf bestimmte Rollen und Funktionen? Was ist so schlimm daran, das als Leitbild für die Zukunft der Gesellschaft zu behalten?

Veränderung, das ist sicher, wird es geben durch die Menschen, die aus einer anderen Kultur zu uns kommen. Veränderungen nicht nur für sie, sondern auch für uns. Wir müssen uns mit „dem Fremden“ auseinandersetzen, die Menschen zunächst einmal annehmen, sind sie doch Menschen wie wir, aber auch, um sie da, wo sie anders auftreten, zu verstehen. Aber wir müssen den Neuankömmlingen auch etwas zumuten. Wir müssen unsere Errungenschaften ernstnehmen, die nicht vom Himmel gefallen sind. Wir müssen sie schätzen, couragiert vertreten und die, die sie nicht verstehen, zu überzeugen versuchen. Ein Kopftuch, das zum Zeichen der Religionszugehörigkeit getragen wird wie das Kreuz um den Hals, o.k. Die wahren Motive nicht wirklich zu kennen, auch o.k. Die totale Vermummung in einer Gesellschaft, in der man „Gesicht zeigt“, nicht o.k. Genauso wenig die Abschaffung von Aktivitäten, die bei uns ganz normal sind.
Im Johannesevangelium lesen wir eine Geschichte von der Loslösung aus einer bedrückenden Tradition und der Verantwortung für die eigene Freiheit. Es ist die kurze Geschichte vom Gelähmten am Teich Betesda. Jesus hat diesen Kranken nicht nur bedauert. Er hat ihn gefragt, ob er denn überhaupt gesund werden will. Auf dessen anklagende Antwort, bisher keine Hilfe erfahren zu haben, fordert Jesus ihn ohne Umschweife auf: Steh auf… und geh!

Worauf warten wir also? Wir müssen irgendwo auch selbst anpacken, wenn wir was für uns verbessern wollen. Und couragiert für unser Glück eintreten. Was in der Geschichte wie im Zeitraffer geschieht, erscheint wie ein Sinnbild unserer Geistesgeschichte und ein Aufrütteln in unserer derzeitigen Verunsicherung:

Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme Ausgezehrte. Es war aber dort ein Mensch, der lag 38 Jahre krank. Als Jesus den liegen sah und vernahm, dass er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortet ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt... Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. (Aus Johannes 5, 2-9)


Pfarrerin Susanna Arnold-Geissendörfer,
Vorstandsrätin DEF Bayern
Diese Andacht erscheint in der neuen def aktuell

11 Kommentare

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DAS soll eine Pfarrerin in einer Predigt vorgetragen haben???

Zitat

Darum habe ich sie satt, die Reden, die christliches Gutmenschentum suggerieren, aber Furcht sind vor dem Selbstbewusstsein des Christentums und unser Denken lähmen. Sind unsere westlichen Freiheiten nicht Resultate eines christlichen Menschenbildes: dass der Mensch kein unbedeutender Wurm ist, dass Glaube keine Einbahnstraße ist, in der wir uns vor Gott in den Staub werfen, „Gott ist groß“ rufen und auf ein Paradies hoffen, selbst dann, wenn wir vorher „Ungläubigen“ den Tod gebracht haben?

Ende

wer das glaubt, ist selber schuld.
  • 30.07.2016, 00:04 Uhr
  • 0
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Da letzten Sonntag nicht nur das Fest der Nationen vor dem neuraum war (wo ungefähr 20 verschiedene Nationen Stände hatten und es auch entsprechend lecker zu essen gab) und parallel der Opfer, den Angehörigen und des Täters des Amok-Laufs in München gedacht wurde, gab es eine sehr spannende Message zu diesen beiden Themen.
Angst ist immer ein schlechter Ratgeber, das hat man an dem WE noch einmal deutlich gemerkt....... Love changes!
Hier ein kurzer Recap zu dem Sonntag:
https://www.youtube.com/watch?v=PxLPXg-cEK0
Und hier die Message dahinter:
  • 26.07.2016, 15:45 Uhr
  • 0
Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern
danke für Ihren Beitrag
  • 31.07.2016, 15:51 Uhr
  • 0
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Jetzt ist mir beinahe schlecht geworden.
"Darum habe ich sie satt, die Reden, die christliches Gutmenschentum suggerieren, aber Furcht sind vor dem Selbstbewusstsein des Christentums und unser Denken lähmen."

Christliches Selbstbewusstsein hat den Westen ein Dutzend islamische Länder überfallen lassen und Millionen Tote produziert (von den Jahrhunderten davor ganz zu schweigen). Reicht soviel Selbstbewusstsein der Frau Arnold-Geissendörfer noch nicht?

Oder möchte sie einfach den rechten Rand in die Kirche locken. Das muss sie sich bei den Politikern abgeschaut haben.
  • 23.07.2016, 19:43 Uhr
  • 1
Da muss ich dir mal sehr recht geben, Michael.
Aber dieser Aspekt wird leider viel zu wenig beachtet
  • 23.07.2016, 23:20 Uhr
  • 0
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Ein interessanter Artikel.
Den Atheisten ein Dorn im Auge.
Wenn sie sterben werden sie auch Asche und das wars dann.
Keine Perspektive, keine Seele und Geist, also auch in der Ewigkeit keine Bleibe.
Ein armseliges Leben.
  • 22.07.2016, 09:29 Uhr
  • 0
Lieber Helmut,
Es wäre besser, du gewöhntest dich rechtzeitig an den Gedanken, dass du nach deinem Tod auch nur Asche bist - oder Humus, je nachdem ob du dich verbrennen lässt oder nicht.
Wenn du ein armseliges Leben führst, dann spreche ich dir hiermit mein Mitgefühl aus.
Ich führe kein armseliges Leben. Ich warte nicht auf jenseitige Paradiese. Ich lebe hier und jetzt.
Warum lässt du dich auf die Zeit nach deinem Tod vertrösten? Gehts die hier sooo schlecht?
Und hältst du dich für soo wichtig, dass du für alle Ewigkeit eine Bleibe brauchst? Ist das nicht ein wenig übertrieben?
  • 22.07.2016, 11:44 Uhr
  • 2
Trotzdem schön, dass wenigstens EINER hier mal antwortet.
Die Frau Arnold-Geissendörfer hat wohl keine Zeit.. Der Pfarrermangel.. die vielen Gemeinden, die zu betreuen sind...
Und es werden immer weniger Kirchenmitglieder, die immer weiter auseinander wohnen.. Und der Dekan sitzt einem im Nacken und möchte immer mehr Arbeit aufbürden..
Kein einfacher Job.
Er ist ja auch bald überflüssig...
  • 22.07.2016, 11:48 Uhr
  • 1
Lieber Herr Böhr. Es geht dem Menschen wie dem Vieh. Wenn er stirbt ist er dahin. Asche zu Asche, Staub zu Staub.
Nur, ich glaube auch, wie viele Millionen Menschen, auch an ein Leben nach dem Tod.
Das unterscheidet uns und macht sich auch in meinem guten Alltagsleben bemerkbar.
  • 22.07.2016, 21:07 Uhr
  • 0
Lieber Herr Wagner,
Nochmals: schön dass hier mal einer antwortet.

Ich versteh Ihren Beitrag nicht ganz.

Einerseits:
Sie schreiben ja (ganz vernünftig), dass es dem Menschen wie dem Tiere geht: nach dem Tod ist alles vorbei. Mensch und Tier sind "dahin".
Beim Tier ist das ja sowieso klar, im allgemeinen sind auch Christen der Meinung, dass Tiere keine "Seele" haben, die irgendwie "weiterleben" könnte.

Andererseits:
Beim Menschen soll diese ominöse "Seele" allerdings "ewig" weiterleben. Das glauben auch Sie.

Dass viele Millionen Menschen das auch glauben macht die Sache aber nicht plausibler.
Ich vermute, dass Sie für Ihren "Glauben" auch keine Nachweise haben. Von Beweisen will ich gar nicht reden. Aber ein "Leben nach dem Tode" ist nunmal hochgradig unwahrscheinlich. Wenn wir einmal die Bibel nicht als Quelle akzeptieren und auch unser Wunschdenken herausrechnen bleibt eigentlich rein gar nichts übrig, was FÜR ein solches "ewiges Leben" spräche.

Glauben SIe nur deswegen an eine unsterbliche Seele weil das eine angenehme Illusion ist? Ist es das, was Sie mit Ihrem "guten Alltagsleben" sagen wollten? Dass es sich besser mit dieser Illusion lebt? Und falls ja, warum ertragen Sie das Leben in der Realiatät nicht?
  • 23.07.2016, 08:07 Uhr
  • 2
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" Sind unsere westlichen Freiheiten nicht Resultate eines christlichen Menschenbildes..."

Nein, das sind sie nicht. Wie Werner schon richtig bemerkte, wurden die Menschenrechte GEGEN den Widerstand der Kirche erkämpft.
Dass die Menschenrechte eine christliche Errungenschaft seien ist eine jener Lügen, die die Kirche und ihre Angestellten verbreiten. Einen der neueren Lügen. Selbst wenn man noch akzeptieren könnte, dass solche alten Lügenmärchen wie eine Auferstehung von den Toten nicht aufgegeben werden: neue Lügen können wir nun gar nicht gebrauchen.

Lieber Frau Anrold-Geissendörfer, antworten Sie doch endlich eimal:
Wussten Sie das nicht? Oder haben Sie absichtlich diese Falschinformation verbreitet, damit sich ihre Kirche mit fremden Federn schmücken kann?
Wenn Ihnen Ihr Ehrgefühl etwas wert ist, sollten Sie das einmal erklären!
  • 21.07.2016, 16:56 Uhr
  • 2
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