wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Islam VI - kleine Anmerkungen zu "Frauen im Islam"

Islam VI - kleine Anmerkungen zu "Frauen im Islam"

14.08.2016, 16:14 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Das Thema ist zu umfangreich, darum nur Anmerkungen.

Wie die Stellung der Frauen in vorislamischer Zeit gewesen sei, da gibt es widersprechende Aussagen. Die eine sagt, in vorislamischer Zeit habe sie eine bessere Stellung gehabt, die andere Aussage, sagt genau das Gegenteil. Dass der Islam im arabischen Raum die Zivilisation gebracht hat, die zur Bildung vom Staatswesen führte, ist sicher nicht abzustreiten. Aus unserer heutigen Sicht mag uns die Epoche vor Mohammed unzivilisatorisch erscheinen und wir regen uns darüber auf, dass sich Mohammed selbst an Karawanenüberfälle beteiligt hat und Aischa im Alter von neun Jahren zur Ehefrau nahm. Wenn wir die Lebenswelt des 7. Jahrhunderts ausblenden, so erscheint sie uns von heutiger Warte aus gesehen barbarisch. Selbst wenn wir nicht sehr viel von der vorislamischen Welt im arabischen Raum wissen, scheint mir diese Sichtweise nicht gerecht zu sein, denn Mekka lag schon vor den Zeiten Mohammeds an den Handelswegen, die Südarabien mit den Ländern östlich des Mittelmeers verbanden, auf diesen Wegen das Judentum und das Christentum sich bis in die arabische Welt ausdehnte. Die Kaaba war schon vor Mohammed ein religiöses Zentrum, damals zwar noch die Hauptzentrale des Polytheismus, aber ein kulturelles Zentrum als barbarisch zu bezeichnen, nur weil dort Polytheismus vorherrscht, aber trotz allem mit anderen Ländern wirtschaftlich verbunden ist, kann nicht wirklich so barbarisch gewesen sein.

Außerkoranische Quellen über Mohammed gibt es erst ab 200 Jahre nach Mohammed, so ist die Prophetenbiografie des Ibn Ishāq erst durch Hishām (gest. 830) überliefert. Diese islamischen Überlieferung bezeichnen die Zeit vor Mohammed als »Zeit der Unwissenheit«. Damit ist die Zeit vor Mohammeds göttlicher Offenbarung gemeint (vgl. Irene Schneider, Pos. 224). Erst im 9. Jahrhundert wurden die »Bräuche des Propheten« in kanonischen Sammlungen zusammengetragen. Das sind sog. gesetzlich verbindliche Präzedenzfälle (»Hadithe«), die berühmtesten Sammlungen sind die des al-Bukhari (gest.870) und die des Muslim (gest.875).

Dass die Frauen in vorislamischer Zeit angeblich keine Rechte gehabt haben, darin widerspricht sich schon die Vita (Sunna) des Propheten Mohammed, der nach Überlieferung eine Witwe namens Khadīdja, die immerhin am Ende des 6. Jahrhunderts ein florierendes Handelsunternehmen in Mekka betrieb. Ihre Angestellten begleiteten ihre Karawanen bis nach Syrien. Sie stellte Mohammed als Verwalter ihrer Handelswaren ein und ergriff die Initiative ihn schließlich zu heiraten. So ganz rechtlos scheinen Frauen damals nicht gewesen zu sein, vor allem dann nicht, wenn sie gut begütert sind.

Nach Khadīdja‘s Tod heiratet Mohammed die neunjährige Aischa. Der an der University of California lehrende Islamwissenschaftler Reza Aslan äußerte sich dazu wie folgt.

»Und so schockierend Muhammeds Verbindungen mit einem 9 jährigen Mädchen für unser heutiges Empfinden sein mag, so handelte es sich hier doch lediglich um ein Eheversprechen, eine Art Verlöbnis. Aischa vollzog die Ehe mit Muhammed erst, als sie die Pubertät erreicht hatte, in einem Alter also, in dem in Arabien ausnahmslos jedes Mädchen als reif für die Ehe angesehen wurde« (Kein Gott außer Gott, S.85).

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich glücklich darüber bin, dass nach Deutschland Einwanderer kommen, die ihre 14 jährige Ehefrau mitbringen. Es ist allerdings ein juristisches Problem, denn solch eine Ehe wurde nicht in Deutschland geschlossen. Damit müssen sich schlaue Juristen auseinandersetzen, deren Spezialgebiet das Außenrecht ist. Ich habe keinen blassen Schimmer davon, glaube nur zu wissen, einem Ehemann könne man schlecht sagen, du darfst nicht mit deiner Frau schlafen. Sex in der Ehe ist in Deutschland Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen:

Sure 4,34 – Vielleicht die berühmteste Vers zum Thema „Islam und die Frauen“

Diese Sure wird gerne von Islamkritikern angeführt um darzulegen, wie frauenfeindlich der Koran (angeblich) sei. Ja, sogar schlagen dürfe man sie (angeblich).

Bei genauerer Betrachtung dieses Verses kommen Koranexegeten, u.a. auch von feministischer Seite, zu anderen Ergebnissen und rücken den Vers in ein anderes Licht. Diese Bemühungen zeigen auch, dass der Islam nicht im Mittelalter hängengeblieben ist und durchaus reformfähig ist. Von erhitzten Islamkritikern wird eine Reformfähigkeit allerdings bewusst gewollt abgesprochen. Machen Leute brauchen eben ihre Feindbilder.

Doch kommen wir nun zur Sure 4,34. Rudi Paret übersetzt sie folgender maßen. Die Worte in Klammern stehen nicht im Arabischen, sondern sind als Interpretation von Paret hinzugefügt:

»Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.«

In dieser Übersetzung von Paret stehen Männer über den Frauen. Dass Gott, die Männer von Natur aus vor den Frauen ausgezeichnet hat, ist Interpretation. Und ob die Frauen Gott demütig ergeben sind oder vielleicht doch ihrem Ehemann, ist offengelassen, denn das Wort „Gott“ steht nur in Klammern und damit nicht im Urtext.

Die modernere Übersetzung von Hartmut Bobzin leitet den Verse wie folgt ein:

»Die Männer stehen für die Frauen ein ….« Das ist sinngemäß etwas völlig anderes.

Die amerikanische muslimische Islamwissenschaftlerin Amina Wadud wies darauf hin, dass der arabische Ausdruck qauwāmūn ʿalā auf eine Verpflichtung der Männer hinweist, für eine Frau Sorge (auch finanzielle) zu tragen, wenn sie schwanger ist. Für das Wort „daraba“, was gewöhnlich mit „schlagen“ übersetzt wird, schlägt sie eine andere Bedeutung vor und führt die Redewendung „daraba mathalan“ an, was heißt „ein Beispiel geben“. Auch unter Berücksichtigung anderer Gebote, z.B: dem koranischen Verbot der Tötung von neugeborenen Mädchen, folgert sie, dass deswegen auch eine Beschränkung der Gewalt gegenüber Frauen gemeint sein müsse. Das betreffende Wort möchte sie aus diesem Grunde lieber mit „ermahnen“ als mit „schlagen“ (Schneider Pos. 905-908). Ob das mehr Interpretation als Übersetzung ist, mag dahingestellt sein, allerdings, so weist Irene Schneider(*) in ihrem Buch darauf hin, viele klassische Kommentatoren sprechen zwar vom schlagen, aber diese Schläge dürfen nicht stark sein, sondern so, als schlage man mit einer Zahnbürste (Schneider, Pos.911). Wie ein Klaps auf den Po. Das ist doch beruhigend.

Sure 4,3 – Vielleicht der zweitberühmteste Vers zum Thema „Islam und die Frauen"

Es handelt sich um den sog. Polygynie-Vers. Der Wortlaut nach Hartmut Bobzin:

»Und wenn ihr fürchtet, den Waisen gegenüber nicht gerecht zu handeln, so heiratet von den Frauen, was euch dünkt – zwei, drei oder vier. Und wenn ihr fürchtet, ihnen nicht gerecht zu werden, dann nur eine oder was ihr an Sklavinnen besitzt! So könnt ihr am ehesten Ungerechtigkeit vermeiden.«

Zwei, drei oder vier Frauen zu heiraten können sich eh nur diejenigen leisten, die ein volles Portemonnaie haben, denn alle vier Frauen müssen gleich gerecht versorgt werden. Wenn man das Geld nicht hat, dann heiratet man nur eine Frau. Ich denke, so machen es die meisten Muslime. Dieser Vers hatte einen bestimmten Offenbarungsgrund. Aischa erklärte, ein Vormund begehrte eine Waise, wollte aber nur geringeres Brautgeld als üblich zahlen. Deswegen durfte der Vormund sie nicht heiraten, sondern er wurde verpflichtet, andere Frauen zu heiraten, die nicht seiner Vormundschaft unterstellt waren.

Was lehrt die Betrachtung der zwei Verse?

Sie lehrt uns, dass wir den Koran nicht wie ein Roman von vorne bis hinten durchlesen können und dann hätten wir ihn verstanden. Der Offenbarungsanlass eines Verses gibt uns Hilfestellung zum Verstehen eines Verses. Die Beschäftigung mit zweitgenössischen Koranexegeten lehrt uns, dass der Islam nicht im Mittelalter steckengeblieben ist. Im Mittelalter eingefroren sind nur fundamentalistische Deutungen radikaler Islamisten. Wenn man einen ganzen Vers lies und nicht nur den ersten Satz, dann hilft das auch schon weiter, dafür Sure 4,3 ein gutes Beispiel ist.

Und wie sieht es mit dem Kopftuch aus?

Es besteht kein Zwang im Tragen eines Kopftuchs. Jedenfalls gibt es im Koran diesen Zwang nicht. Im Iran schon. Das ist eine andere Geschichte.

Das Kopftuch (Hidschāb) nur als Ausdruck einer rückständigen Kultur begreifen zu wollen, ist bewusst gewollte Häme. Natürlich können wir darüber diskutieren, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn wir von Menschen nur den Augenschlitz sehen. Ich hätte Hemmungen, solch eine Frau anzusprechen, habe aber in Istanbul gesehen, dass es Männer machen. Einfach so zum Ratschen. Unter einem Tschador, Niqab (Gesichtsschleier) verbirgt sich eine ganz normale Frau. Eine Burka in Deutschland? Niemals gesehen.

Es geht mich nichts an, was andere Menschen für eine Kleidung bevorzugen, darum lasse ich jedem seine oder ihre Kleidung. Das tragen von Verschleierung hat religiöse, sittsame Gründe. Man lese hier bitte auch vollständig und beschränke sich nicht nur auf Sure 24,31. Im Vers 30 können wir eben auch über die Männer lesen, »dass sie ihre Blicke senken und ihre Scham bewahren sollen.« Den Frauen wird das Tragen eines Schals geraten, um ihren Ausschnitt zu bedecken. Sie sollen ihren Schmuck nur dem Gatten zeigen, was auch immer damit gemeint sein soll.

In Sure 33.59 wird gesagt, die Frauen »mögen ihre Gewänder (gilbãb) über sich schlagen … auf dass sie nicht belästigt werden ...«

und wenn man die Frauen des Propheten um eine Sache bitte, dann tue man es hinter einem Vorhang, heißt es in 33,53.

Im Alten Testament nahm Rebecca den Schleier und verhüllte sich, weil ein Mann auf dem Felde entgegegenkam (1. Moses, 24,64) und im Neuen Testament heißt es, eine Frau, die mit unbedecktem Haupt betet oder prophetisch redet, schände ihr Haupt, als wäre sie geschoren … (1. Korinter 11, 4-8).

Eine islamische Erfindung ist der Schleier nicht.

Irene Schneider: Der Islam und die Frauen, beck'sche reihe, München, 2011
Hartmut Bobzin (Übersetzung): Der Koran, beck'sche reihe, München, 2012

Islam Teil I

3 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
"die ihre 14 jährige Ehefrau mitbringen. Es ist allerdings ein juristisches Problem, denn solch eine Ehe wurde nicht in Deutschland geschlossen."

Wenn jemand seine 14jährige "Ehefrau" aus der Türkei, Afghanistan oder Syrien mitbringt, ist das kein juristisches Problem.
In diesen Länder gibt es ein gesetzliches Mindestalter zur Ehe. In der Türkei 18, in Syrien 17 und in Afghanistan 16 (dort war es ursprünglich auch bei 18. Erst die durch den Westen eingesetzten Taliban haben das Alter gesenkt).
Auf jeden Fall ist eine Ehe mit 14 in den Heimatländern nicht legal und damit auch nicht in Deutschland.
  • 15.08.2016, 19:46 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Folgende Religionsgemeinschaften gibt es in Deutschland: Römisch-Katholische Kirche, Evangelische Landeskirchen, Neuapostolische Kirche, Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Buddhisten, Serbisch-Orthodoxe Kirche, Zwölfer Schia, Russisch-Orthodoxe Kirche, Zeugen Jehovas, Zentralrat der Juden in Deutschland, Syrisch-Orthodoxe Kirche, Hindus, Juden ohne Gemeindezugehörigkeit, Bund Evangelisch-Freikirchler Gemeinden, Baptistengemeinden, Alawiten, Bulgarisch-Orthodoxe Kirche, Jesiden, Evangelisch-methodistische Kirche, Bund Freikirchler Pfingstgemeinden, Mennoniter, Ukrainisch-griechisch-katholische Kirche, Bund Freier evangelischer Gemeinden, Mormonentum, Brüderbewegung, Armenische Apostolische Kirche, Siebenten-Tags-Adventisten, Altkatholische Kirche, Apostelamt Jesu Christi, Assyrische Kirche des Ostens, Koptische Kirche, Sufismus, Herrnhuter Brüdergemeinde, Apostolische Gemeinschaft, Heilsarmee, Johannische Kirche, Kirche des Nazareners, Mazedonische-Orthodoxe Kirche, Freie Bibelforscher. Alle sind inklusive Frauen !!! Also, bei diesem Angebot brauch ich keinen Islam, und seh auch keinen Grund zum Diskutieren .
  • 15.08.2016, 17:43 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es gibt bereits 1000 verheiratete Kinder in Deutschland - ein Problem, das sich völlig neu stellt. ! ! !
Da gibt es nichts zu verharmlosen!

Zur Verhüllung der Frau nur so viel: Man hätte ebenso darauf kommen können, Männer Selbstdisziplin zu lehren.
De Maiziere traut sich nicht, die Burka abzuschaffen, so viel Kleinmut!
Andere Länder in Europa machen es uns vor, und trotzdem knickt man vor so viel Intoleranz unserer Kultur gegenüber ein.
Toleranz ist kein Gummiband mit zerfransten Rändern. Jede Toleranz hat GRENZEN!

Ich schätze den Sufismus auch sehr, aber er hat nichts mit Gewalt zu tun. Auch die Verhüllungsorgien der Frau sollen ja gewalttätige Übergriffe von Männern verhindern.
GEWALT als beherrschendes Prinzip des Lebens - vor 100 Jahren - ja, aber bitte nicht mehr heute!
  • 15.08.2016, 09:27 Uhr
  • 7
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.