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DEFIZIT AN SCHAM

DEFIZIT AN SCHAM

12.01.2017, 11:35 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

"Wir haben ein Defizit an Scham", schreibt Paweł Potoroczyn, ehem. Direktor des IAM (Instytut Adama Mickiewicza) via @faznet.
ZITAT:
"Wir haben ein Defizit an Scham. Heute schämt sich niemand mehr für irgendetwas. Lüge, Manipulation, Unrecht, Vetternwirtschaft, Kasernenhofwitze, Aggression, Paranoia, Hakenkreuze an den Mauern, schmutzige Fingernägel und Dimenmentalität. Denn niemand lehrt mehr, sich zu schämen. Brutalität, Grobheit und Fremdenfeindlichkeit stoßen in unserer Kultur immer seltener auf etwas, das ihnen Einhalt gebieten würde. Denn warum sollte man sich da Zurückhaltung auferlegen? Nur, damit man sich nachher nicht schämen muss? Unsinn. Und so macht der Pöbel dem Pöbel auf schamlose, pöbelhafte Art den Hof."
Ende Zitat
Ein guter Text, der an Aktualität kaum mehr zu übertreffen ist.
Ich danke der FAZ für die Übersetzung!
Wir sollte uns alle mal an der Nase nehmen.

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7 Kommentare

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Man sollte in der Erziehung gewisse Werte vermitteln, welche in
unserer heutigen Zeit mehr in den Mittelpunkt gerückt werden
sollten und so stellt sich bei Fehlverhalten auch die "Scham" wieder
ein. Ein interessanter Beitrag - Danke !
  • 12.01.2017, 19:28 Uhr
  • 2
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also ich kann das ja nur subjektiv beurteilen. ich schäme mich, wenn ich mich z b ertappe über jemanden ein falsches urteil gefällt zu haben, aufgrund von ersten u.u. oberflächlichen eindrücken. ich schäme mich über "herausgerutschte" worte, die meinen eigentlichen umgangsformen nicht entsprechen, natürlich nur die im negativen sinn das fällt mir so beim ersten darüber nachdenken ein.

beim zweiten ansetzen, kommt mir in den sinn, dass ich mich weitaus häufiger "fremdschäme".... worüber ich mir jetzt erstmal weitere gedanken machen müßte ...vielleicht melde ich mich dann nochmal zu wort!

ein interessante beitrag, weil er herrlich zum nachdenken anregt, danke!
  • 12.01.2017, 18:49 Uhr
  • 4
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Scham umfasst ein breites Spektrum psychologischer, aber auch soziologischer Inhalte: Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, Gehemmtheit, peinliches Berührtsein, Verlegenheit bis hin zu depressiven Stimmungen und kognitiven Dissonanzerscheinungen als innere Schamaussagen. Letztlich aber resultieren diese Reaktionen auf Unsicherheiten, Widersprüchen und Ungleichgewichten zwischen Überzeugungen, Maximen, Kodifizierungen gesellschaftlichen Normen und Traditionen. Die Grundfrage dabei ist, inwieweit Erziehung und Elternhaus, sog. Vorbildpersönlichkeiten, Schule/Bildung, Vereine, Gruppen usw. und die Gesellschaft insgesamt entsprechende moralische und ethische Normen nicht nur vorlegt, sondern auch lebt und erlebbar macht. Aber war nicht das Schamgefühl schon "immer" im jeweiligen macht-, gier- und egozentrischen Kontext von politischen, religiösen oder sozialen Strategien und Zielen ins Unterfutter verbracht worden - oder so hoch gehängt worden, das jeder bequem "darunter" hindurchgehen konnte ohne anzustoßen?
  • 12.01.2017, 17:02 Uhr
  • 2
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Scham setzt voraus, dass der Mensch sein sein eigenes Fehlverhalten erkennt, dieses aber durch die in letzter Zeit andressierte Ellbogenmentalität - haste was, biste was, nur der Starke kommt weiter, die nichts haben sind selber Schuld - legalisiert wird.
Durch diese geistige Abgestumpftheit können die wenigen Mächtigen ihr eigenes Süppchen kochen und werden durch die Masse sogar noch unterstützt und bewundert.
  • 12.01.2017, 14:03 Uhr
  • 4
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Da hat, denk ich auch was mit den "WERTEN" zu tun, die immer mehr abhanden komm. Ich seheh mic zwar als LINKS, aber bin aber Wertkonservativ
  • 12.01.2017, 12:33 Uhr
  • 2
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Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
Der Wandel hängt von persönlichen Ansprüchen und gesellschaftlichen Erwartungen im Rahmen der natürlichen Gruppendynamik ab. Während sich ein Säugling kaum schämt, wenn er in die Hose macht, ist das bei einem Dreikäsehoch bereits anders.

Generell gilt: Die Hauptquelle des spontanen Schamgefühls verschiebt sich mit zuneh­mendem Alter vom Mangel an Zugehörigkeit zum Scheitern der Selbstbestimmung. Das ist logisch: Für einen Erwachsenen ist die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und autonom über sich zu bestimmen, von größerem Nutzen als die Geborgenheit im Schoß der Gemeinschaft.
Abgesehen davon trägt die übermächtig erdrückende Präsenz der Medien bedeutend dazu bei, die Schamgrenze zu senken.
  • 12.01.2017, 11:58 Uhr
  • 1
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