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Die Erfindung der Mutterliebe

Die Erfindung der Mutterliebe

Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
19.02.2017, 05:38 Uhr

Mit "Mutterliebe" hat der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau nichts im Sinn, als er 1762 seinen Roman "Emile oder über die Erziehung" publiziert. Eigentlich will er ein Zeichen gegen die festzementierte absolutistische Ständegesellschaft setzen, die ihn anwidert, und im Übrigen hält er Erziehung für viel zu wichtig, um sie Frauen zu überlassen.
Rund 40 Jahre später ist Rousseau posthum zum Helden der Französischen Revolution geworden und "Emile" zur Grundlage moderner Erziehung.

Was bisher geschah:


In der Antike und im Mittelalter schenkte man weder Müttern noch Kindern besondere Beachtung.
In der Wiege unserer Zivilisation, im alten Griechenland, gibt es keine Doppelbelastung für Mütter und von einer weiblichen Sinnkrise kann auch keine Rede sein: Auf mütterliche Gefühle wird schlicht und ergreifend verzichtet.
Am liebsten würden die Patriarchen, für die die Liebe zwischen Männern das höchste ihrer Gefühlswelt ist, ihre Kinder (Söhne) selbst zur Welt bringen.

Wie so vieles Andere übernehmen die Römer das sehr schnörkellose Verhältnis der Griechen zu Kindern und Frauen (die Männerliebe dagegen nicht) und sorgen für seine Verbreitung.
Bis weit ins Mittelalter spielte Mutterliebe keine besondere Rolle in Europa.

Hatten Frauen in der Antike schon keinen leichten Stand, so gebären Christentum und Kirche im Frühmittelalter ein Konzept, das ihnen das Leben noch schwerer macht: das der Erbsünde.
Dem Kirchenlehrer Augustinus (354 – 430) und anderen Klerikern war aufgefallen, dass es Eva war, die Adam den vergifteten Apfel reichte - und damit die Vertreibung aus dem Paradies verschuldet hat.
Das Fazit: Menschen sind schlecht und von Geburt an Sünder, Frauen sind noch schlechter.

Erst im Hochmittelalter, zu Beginn des 13. Jahrhunderts, ändert sich die Ein- stellung zu Mutter und Kind; der christliche Marienkult zeigt Wirkung.
Kunst und Kultur sind in die Madonna mit ihrem Jesuskind vernarrt, Maria wird zum Ideal der selbstlos liebenden und aufopferungsvollen Mutter.
Daran sollen sich weltliche Mütter orientieren, doch am kurzen, entbehrungsreichen Leben der mittelalterlichen Durchschnittsmutter ändert auch der Kult nichts.
Die meisten Mütter können froh sein, wenn sie im Schnitt etwa zehn Geburten überleben und wenigsten jedes zweite Kind das Kleinkindalter übersteht.

Jean-Jacques Rousseau und die Erfindung der Mutterliebe


Es war es wieder ein "männliches" Konzept, dass das Leben von Frauen und Kindern nachhaltig verändern sollte.

Man schreibt die Epoche der Aufklärung, ein Zeitalter der Emanzipation, in dem sich die Menschen immer weniger mit dem lieben Gott und immer mehr mit ihrem irdischen Dasein beschäftigen.
Ich denke, also bin ich“, ist der neue Leitgedanke einer heranbrechenden Zeit, die an Vernunft, Toleranz und persönliche Handlungsfreiheit glaubt.

Im Jahr 1762 wird es noch mehr als drei Jahrzehnte bis zur französischen Revolution dauern, doch die Vordenker und Philosophen jener Zeit reiben sich schon heftig an der zementierten absolutistischen Ständegesellschaft, in der sich König und Adel mit turmartigen gepuderten Perücken auf den Köpfen, seidenen Pluderhosen, vergoldeten Kutschen und galanten Schäferspielchen in ihren pompösen Schlössern und Gärten vergnügen, während der sogenannte „dritte Stand“ – Bürger, Arbeiter und Bauern – den Rokoko-Spaß mit erdrückend hohen Steuern bezahlen müssen.

Es ist diese etablierte Gesellschaft, eitel, selbstsüchtig und unehrlich, die den französischen Philosophen und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) zur Weißglut ärgert – und gegen die er ein Zeichen setzen will.
Das tut er mit zahlreichen Veröffentlichungen, sein wichtigstes Werk ist aber der Erziehungsromans „Emile oder über die Erziehung” aus dem Jahr 1762, in dem er den „naturhaft guten Zustand“ des Menschen postuliert, der erst durch Erziehung ins Schlechte verkehrt werde.

„Alles ist gut, wenn es aus den Händen des Schöpfers hervorgeht;
alles entartet unter den Händen des Menschen.“
Jean-Jacques Rousseau

Das ist ein gedanklicher Umsturz – werden doch Kinder zu jener Zeit als eine Art kleiner Tiere angesehen, die erst durch eine Erziehung „mit harter Hand“ zu Menschen geformt werden müssen.

Keine Mutterliebe in den besseren Kreisen


In den besseren Kreisen überlässt man diese unangenehme Aufgabe sowieso anderen.
Wer es sich leisten kann, wahrt Distanz zum eigenen Nachwuchs – die Kindersterblichkeit ist in allen Gesellschaftsschichten nach wie vor erdrückend hoch, was sicherlich auch zu dieser Haltung beiträgt.
Ein Kind zu stillen, ist nur etwas für arme Leute; Betuchte geben ihre Kinder oft jahrelang zu Ammen aufs Land, die über eigens eingerichtete Agenturen vermittelt werden. (Nur bei sehr reichen Städtern lebt die Amme im Haus, Dienstboten hüten die Kinder).
Nach der Zeit bei ihrer Amme wird der Nachwuchs gutsituierter Eltern im Alter von sieben bis 16 Jahren ins Kloster oder zu den Jesuiten geschickt, wo ihre Erziehung mit der Maxime, ihre „tierische Natur“ durch Strenge zu bezähmen, fortgesetzt wird.

Mutterliebe?
Wahrscheinlich konnte ein Kind froh sein, wenn „maman“ es nach seiner monate-, manchmal jahrelangen Abwesenheit überhaupt wiedererkannte. Im Übrigen ließen sich Eltern, die etwas auf sich hielten, von ihren Kindern siezen.

Emile oder über die Erziehung


Wie nicht anders zu erwarten war, fällt Rousseaus pädagogisches Konzept vom "naturhaft guten Zustand" von Kindern, die erst durch die gängigen Erziehungspraktiken in schlechte Erwachsene verwandelt werden, mit Pauken und Trompeten durch.
Sowohl Kirchenvertreter wettern gegen die „neuen Wilden“, aber auch die aufgeklärten Denker und Philosophen seiner Zeit haben nur Hohn und Spott für seinen merkwürdigen Denkansatz übrig:
Nach der Lektüre des Romans habe er Lust bekommen, auf allen vieren zu gehen, spöttelte Rousseaus Zeitgenosse Voltaire.

Doch alle Aufklärer glauben an die Vernunft und an eine bessere Welt mit besseren und vernünftigeren Menschen.
Die Idee, die Kindheit als eigenständigen und vollwertigen Lebensabschnitt anzusehen, in der Kinder wichtige positive Erfahrungen machen sollten und ohne Drill, sondern mit Vernunft auf ihr Erwachsenenleben vorbereitet werden, passt eigentlich sehr gut ins Konzept einer aufgeklärten Welt – dieser Aspekt in Rousseaus neuem Denkansatz gefiel.

„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“
Jean-Jacques Rousseau

Mit Frauen oder Müttern hatte dieser Ansatz übrigens noch gar nichts zu tun; im Roman übernehmen Hauslehrer Emiles Erziehung.
Mädchen und jungen Frauen ordnet Rousseau ein klassisches Rollenmuster zu, er empfiehlt sogar, ihre natürliche Neugier „abzutöten“, um Männer vor zu vielen weiblichen Fragen und eigenen Gedanken zu bewahren.
In einem kleinen Teil seines Romans beschreibt Rousseau „Sophie“, die spätere Ehefrau seines fiktiven Zöglings Emile. Zwar gesteht er Sophie zu, ähnlich begabt zu sein wie Emile, doch im Gegensatz zu ihm erhält sie keine Ausbildung, sondern lernt Singen, Klavierspielen, Nähen und Kochen, eben alles, was sie braucht um ihrem zukünftigen Mann zu gefallen und ihm das Leben angenehm zu machen.

„Die Frau hat mehr Geist, der Mann mehr Genie.
Die Frau beobachtet, der Mann schließt.“
Jean-Jacques Rousseau

Mütter, macht bloß alles richtig!


Erst 30 Jahre später, mit dem Beginn der französischen Revolution 1789, beginnt auch der Siegeszug von Rousseaus neuem Konzept:
Nachdem der „dritte Stand“ auf die Barrikaden geklettert war, König und Königin geköpft, Klerus und Adel aus ihren goldenen Palästen verjagt waren, machte man sich auch daran, das öffentliche Bildungssystem zu erneuern, beziehungsweise überhaupt erst einmal Schulen für die breite Öffentlichkeit - erstmals auch für Mädchen - zu schaffen.
Als wegweisend galt dabei der von vielen Revolutionären der ersten Stunde geschätzte Rousseau, der posthum mit seiner Lehre vom freien, wilden und guten Urzustand des Menschen zu einer Art pädagogischer Superheld der Revolution aufgestiegen war.

Die Kindheit als eigenständiger und besonderer Lebensabschnitt und Erziehung als wichtige Grundlage für die positive Entwicklung eines Kindes wurde zum allgemeinen gesellschaftlichen Konsens.

Eine für Mensch und Staat so immens wichtige Aufgabe konnte man natürlich nicht irgendwelchen Ammen, Hauslehrern oder Dienstboten überlassen – die waren für den größten Teil der Bevölkerung sowieso unbezahlbar – und so entdeckte man die Mütter, in deren natürlichen Zuständigkeitsbereich die Erziehung ihrer Kinder zukünftig fallen sollte.

Damit war die neue Lebensaufgabe von Frauen definiert, und es dauerte nicht lang, bis sie zum einzigen Sinn eines Frauenlebens erklärt wurden.
Der Begriff „Mutterliebe“ entsteht – und damit verbunden die unausgesprochenen Forderung:

„Mütter, macht bloß alles richtig, sonst kriegt euer Kind einen Schaden fürs ganze Leben.“


Den vollständigen Artikel mit allen Darstellungen und weiterführenden Leseempfehlungen ist in meinem Blog Generationengespräch zum Nachlesen: Die Erfindung der Mutterliebe

Copyright: Agentur für Bildbiographien, www.bildbiographien.de 2014

Die Agentur für Bildbiographien fertigt seit 2012 hochwertige Bildbände und Chroniken über Familien- und Unternehmensgeschichten an und bietet zusätzlich einen bezahlbaren Ghostwriting-Service für Unternehmen und Privatpersonen. Weitere Informationen auf unserer Homepage www.bildbiographien.de

19 Kommentare

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Seine Geliebte, heute nennt man das Lebensgefährtin, musste auf Verlangen von R. ihre zahlreichen gemeinsamen Kinder ins Waisenhaus bringen.
  • 28.04.2017, 10:42 Uhr
  • 0
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Super Hinweis, herzlichen Dank! Ja, R. war eine sehr vielschichtige Persönlichkeit ...
  • 28.04.2017, 12:15 Uhr
  • 0
...und war finanziell immer auf Sponsoren (würde man heute sagen) angewiesen.
  • 28.04.2017, 14:40 Uhr
  • 0
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
... das waren "die anderen" auch. Sogar Voltaire. Denken war (ist) halt doch manchmal eine brotlose Kunst.
  • 28.04.2017, 14:44 Uhr
  • 1
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Sehr interessant zu lesen
  • 20.02.2017, 19:36 Uhr
  • 0
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Ganz lieben Dank!
  • 21.02.2017, 11:50 Uhr
  • 0
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Es fällt mir schwer, zu glauben, dass Frauen früher die von ihnen geborenen Kinder nicht liebten. Sogar Tiermütter zeigen doch (meist) überdeutlich ihre Zuneigung zu ihrem Nachwuchs. Sollte es wirklich möglich sein, diesen Muttertrieb beim Menschen durch gesellschaftliche Regeln abzuschaffen? Trotz allem Bewusstsein, dass früher die Gesellschaft ganz anders funktioniert hat als heute : die Zuneigung der Eltern (Mütter noch mehr als Väter) zu ihren Kindern scheint mir elementar zu sein.
Aber ich kann mich natürlich irren.
Vielleicht hat der Autor die Güte, mit Belegen seine Ansicht näher zu begründen?
  • 19.02.2017, 22:14 Uhr
  • 1
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Sie nennen den Unterschied schon selbst, Herr Böhr, Muttertrieb und Mutterliebe. Muttertrieb ist eine Art Instinkt, der v.a. durch hormonelle und neuronale Aktivierungen kurz vor und nach der Niederkunft ausgelöst wird. Das ist die Basis. Die Basis wird zu Liebe, wenn Mutter und Kind nach der Geburt Zeit und Ruhe haben, sich aufeinander zu 'spuren'. Fehlt das, oder hat die Mutter in ihrer eigenen Kindheit Mutterliebe nicht selbst kennen gelernt, kann es eben schon passieren, dass Mutterliebe sich nicht so entwickelt, wie wir es kennen oder zu kennen glauben.
Mutterliebe muss zum Teil auch gelernt werden.
Es gibt beispielsweise Beobachtungen von Affenmüttern im Zoo, unerfahrene Gorillamütter, die als Jungtiere gefangen wurden und damit keine Möglichkeit hatten, von ihren Müttern zu lernen, wie man mit Babys umgeht.
Die springen vor Panik fast an die Decke, wenn sich nach der Niederkunft ihr Junges nach Gorillababyart an ihnen festkrallen will. Andere Affenmütter lassen sich ihr Baby wegnehmen und sehen teilnahmslos zu, wenn es von Mitgliedern ihrer Gruppe als Fußball benutzt wird. Kaum vorstellbar, denn in freier Wildbahn sind Gorillaweibchen sehr zärtliche und fürsorgliche Mütter, doch Instinkt und Hormone allein reichen nicht aus, um ohne positive eigene Erfahrungen und Vorbilder liebevoll mit den Nachkommen umgehen zu können.
Das ist auch ein Erklärungsversuch, für Mütter, die ihre Kinder misshandeln oder sogar töten. 'Automatisch' ist Mutterliebe eben nicht da. Leider.
  • 20.02.2017, 08:09 Uhr
  • 2
Das scheint sehr interessant.
Ich hätte vermutet, dass ein solcher Instinkt viel stärker und kaum zu unterdrücken ist - wo er doch offensichtlich für die Arterhaltung so wichtig ist.
Ich frage mich, wie das funktioniert bei Arten, die nicht gesellig leben. Einzelgänger(innen) können sich das (richtige) mütterliche Verhalten doch nirgends abgeschaut haben?
  • 20.02.2017, 08:22 Uhr
  • 0
Da werden unterschiedliche Begriffsinhalte vermengt. Mal ist die Mutterliebe eine gefühlsmäßige Hinwendung zum Kind, mal eine erlernbare Technik der Brutpflege. Typisch dafür ist der Satz: "Mütter, macht bloß alles richtig, sonst kriegt euer Kind einen Schaden fürs ganze Leben." Das dürfte, wie Volker richtig bemerkt hat, schon bei den Paläoanthropiciden vorhanden gewesen sein.
Was es aber mit der intimen gefühlsmäßigen Beziehung bestellt war, darüber kann man nur spekulieren. Die Mütter haben zu diesem Thema kein Schriftzeugnisse hinterlassen. Daraus auf ein Fehlen zu schließen, ist unzulässig. Selbst bei Elephanten ist eine gefühlsmäßige Bindung beobachtbar: Sie bleiben tagelang bei ihrem toten Nachwuchs, was sicher nicht erlernt ist. Auch bei anderen Säugern kann man das beobachten - sogar bei Hunden. Wenn man das für den homo sapiens bestreitet, dann muss man schon überzeugende elege anführen. Der Respekt der Kinder gegenüber den Eltern (die Anrede in der dritten Person oder im Plural) in gehobenen Kreisen reicht dazu nicht aus.
  • 20.02.2017, 18:38 Uhr
  • 1
Ich meine nicht, dass der Bemutterungstrieb und die Mutterliebe etwas verschiedenes sind.

Was die Techniken der Brutpflege betrifft, so werden sie mindestens beim Menschen ja von Großmutter zu Mutter weitergegeben, "unerfahrene" Mütter ohne Unterstützung von Älteren, Erfahrenen können da sicherlich manches falsch machen.
Aber der Wunsch, alles richtig zu machen ist m.E. sehr tief in den Instinkten verankert. Und sein Neugeborenens anderen Artgenossen als Fußball zur Verfügung zu stellen dürfte halbwegs psychisch gesunden Müttern instinktiv zuwider sein.
Ich vermute, dass solches Handeln weniger damit zu tun hat, dass mütterliches Verhalten nicht am Beispiel gelernt werden konnte sondern vielmehr damit, dass die Tiere in Gefangenschaft einen schwerwiegenden seelischen Knacks kriegen. Dazu passt ja auch, dass manche Arten in Gefangenschaft überhaupt nicht dazu zu bewegen sind, sich fortzupflanzen.
  • 21.02.2017, 11:57 Uhr
  • 0
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Verhaltensforscher gehen davon aus, dass es Zärtlichkeiten bzw. Paarbindung nur bei Arten gibt, die so etwas wie Mutterliebe kennen - sie leiten das u.a. aus der Beobachtung ab, dass viele kindliche Verhaltensmuster sich später in Partnerschaften wiederholen. Das gilt für das Flügelzittern von Spatzen genauso wie eine höhere Tonlage der Stimme bei Menschen: die Mutter, die mit ihrem Kind spricht, der Mann, der mit seiner Liebsten liebevoll spricht etc.
Wichtig ist, dass es zunächst eine Art Initialzündung der Mutter-Kind-Bindung während der Geburt zu geben scheint, die man tatsächlich auch über die mütterliche Oxytocin-Konzentration (und einem großen Cocktail weiterer Endorphine) messen Kann. Danach kommt aber ein neuer Kreislauf ins Spiel, der offenbar aus dem Instinkt echte Liebe macht. dafür braucht es zeit, raum und Gelegenheit; wenn man diesen Mechanismus unterbricht kann es zu einer gestörten Bindung kommen (ich betone: kann!).

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung eines Kinderarztes namens Marshall Klaus, der folgenden tragischen Zufallsbefund beschrieben hat: In einem israelischen Krankenhaus ereignete sich der Albtraum aller Eltern, Babys wurden vertauscht.
Die Mütter hatten die falschen Kinder etwa zwei Wochen bei sich, bevor die Verwechslung bei einer Nachuntersuchung auffiel, und die Säuglinge eilig wieder zurückgetauscht werden sollten.
Doch dann kam die Überraschung: Die beiden betroffenen Mütter tauschten nur sehr widerwillig das fremde Baby gegen ihr eigenes. Die Interpretation: Zwei Wochen hatten genügt, um eine intensive Mutter-Kind Bindung zum „falschen“ Säugling aufzubauen.
  • 21.02.2017, 12:02 Uhr
  • 0
Sehr geehrte Frau Gebert,
Sie scheinen ja einiges von diesem Thema zu verstehen. Bestimmt können Sie mir einschlägige Lehrbücher empfehlen (die nicht allzuviel Vorwissen erfordern).
  • 22.02.2017, 22:21 Uhr
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Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
Es gibt von Spektrum der Wissenschaft, Psychologie heute und vielen anderen ausgezeichnete Special-Hefte zum Thema. Die muss man sich gar nicht alle kaufen, viele liegen in Büchereien aus.
Einen wirklich hervorragenden Überblick zu allen wichtigen Themen der Psychologie gibt m.E. (auch für Nicht-Psychologen) " Das Psychologie Buch" die deutsche Ausgabe von The Psychology Book. Dorling Kindersley Verlag, 2012, ISBN 978-3-8310-2209-0
Dort werden u.a. alle wichtigen Forschungsergebnisse (und Forscher) rund um Kindheit, Erziehung, Bindungen etc. vorgestellt und man kann sich dann anhand der aufgeführten Hauptwerke weiter ins jeweilige Thema einlesen.
  • 15.03.2017, 08:57 Uhr
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Vielen Dank
  • 15.03.2017, 11:15 Uhr
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Übrigens: ich hab in dem empfohlenen Buch nichts zum Thema gefunden...
  • 28.04.2017, 17:28 Uhr
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Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
In dem empfohlenen Buch sollte ein ausführliches Kapitel zum Thema Entwicklungspsychologie sein. Die biochemischen Mechanismen (Oxytocin & Co.) werden darin nicht behandelt, falls Sie danach gesucht haben, Herr Böhr. Da würde ich Sie auf die zahlreichen Themenhefte von z.B. Spektrum der Wissenschaft, Gehirn und Geist (oft auch Beiträge in den "normalen" Ausgaben) verweisen. Es gibt unzählige Sobderpublikationen zum Thema Elternschaft und Kindheit -> Bibliothek! Einige weiterführende Links habe ich auch auf meinem Blog verlinkt.
  • 28.04.2017, 17:37 Uhr
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Na ja, übliche Klischees. Über das Verhältnis der Mütter zu ihren Kindern in der frühen Zeit wissen wir nichts - bis auf Niobe, die zu Stein erstarrt, als ihre Kinder getötet werden. Das spricht ja nicht gerade für Gleichgültigkeit. Und wo die Quellen fehlen, hat die Fantasie fröhlichen Auslauf.
  • 19.02.2017, 15:47 Uhr
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