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Der Übermensch kommt!

Der Übermensch kommt!

13.03.2017, 19:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Yuval Noah Harari's Homo Deus beschreibt eine Geschichte von Morgen

Yuval Noah Harari: Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen, München 2017, C.H.Beck-Verlag, 576 Seiten, 24,95 €.

Vor 70.000 Jahren tritt eines Morgens einer junger Homo Sapiens vor die Höhle, die sein Stamm (etwa 20 Menschen) vor kurzer Zeit in Beschlag genommen hat. Seine Sinne sind geschärft, er schnuppert die noch kühle Frühlingsluft; die nächste Jagd steht an; er und der Schamane des Stammes werden am Feuer die Tiergeister befragen müssen, um den besten Zeitpunkt und die Richtung der Jagdausflüge zu bestimmen. Dann denkt er an die junge Frau seines Stammes, Aya. Lustgefühle überkommen ihn. Er hat für die Auswahl seiner Partnerin nicht viele Möglichkeiten. Der nächste Stamm lebt 80 Km von der Höhle entfernt, und solange genug Wild, Früchte, Beeren, Holz, Wasser etc. in der Umgebung vorhanden ist, gibt es keine Veranlassung das Gebiet zu verlassen. Jeder Homo Sapiens lebt in der Regel 20-30 Jahre. Kurz also, das Nötige zum Überleben zu tun.
Die neurobiologischen Wissenschaftler 2017 behaupten, der junge Homo Sapiens folgt dem organischen Algorithmus seiner Natur. Die Evolution hat ihn bis hierher gebracht.

500 v. Chr. Ein babylonischer Priester steigt die Treppe des Tempels hinauf, um die Sterne zu befragen. Wann ist die beste Zeit der Aussaat? Soll der babylonische Großkönig sein Reich erweitern, indem er seine gut organisierte Armee in Gang setzt? Wie am besten das Land im Osten des Reiches verteilen. Alles eine Frage der richtigen Berechnung der Sternbilder und Konstellationen.

Die Juden, die in dieser Zeit als Gefangene in alten Babylon leben, erzählen eine andere Geschichte: nicht die Sterne, sondern der eine Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, regiert die Welt. Auch kein ägyptischer Gottkönig … Später werden sie sagen: Lies in den heiligen Schriften (wie die alten Inder oder die alten Chinesen ihre heiligen Schriften haben) und höre auf Gott (oder die Götter).

Die Neurobiologen würden sagen, dass hier ebenso ein Algorithmus am Werke war, der Religion und Kultur schuf, damit Menschen, die vielleicht eine Lebenszeit von ca. 40 – 50 Jahren haben, das Überleben zu sichern. Einige wenige hatten ein sehr angenehmes Leben, sofern sie zur Herrschaftsschicht gehörten und nicht einer Krankheit erlagen, die damals tödlich verlief, heute aber problemlos geheilt werden kann.

1866: ein junger Ingenieur sitzt mit seinem Team zusammen und macht gerade eine recht kurze Mittagspause. Bald werden sie sich über Reißbrettpläne beugen, auf diesem die Verbesserung einer Dampfmaschine konstruiert wird. Der junge Mann glaubt nicht an Sterne, die sein Schicksal beeinflussen, nicht an Götter oder einen Gott – von denen hat er während der Schulzeit und seiner Jugend gehört -, sondern er glaubt an Technik, Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und die Freiheit des Menschen, seine Zukunft zu gestalten, während er ein Rädchen darstellt von abertausend von Menschen, die von der Landwirtschaft in die Industrie wechseln. Er glaubt an Liberalismus und den damit verbundenen Humanismus. Er lebt im Berlin, zu dieser Zeit auf dem Weg zur Weltstadt, schwärmt von Paris und wird bald ein Mädchen heiraten, eine aus der bürgerlichen Mittelschicht.

Die neurobiologische Elite 2017 sagt, zwischen dem jungen Homo Sapiens vor 70 000 Jahren und dem jungen Ingenieur 1866 besteht neurologisch und biologisch gesehen kein großer Unterschied. Beide gehorchen in ihrer Zeit jeweils biologischen Programmen, nur das der Ingenieur die Biologie oder die Natur durch Technik verbessert, und damit die Lebensqualität der Menschen seiner Zeit steigert. Er tut dies nicht zuletzt in seiner Überzeugung an den Fortschritt des Humanismus, der behauptet, der Mensch müsse nicht an Sterne, Götter, Gott glauben, es genüge, dass der Mensch an sich selbst glaube und auf seine innere Stimmen höre, zu entscheiden, was gut und was böse, richtig oder falsch ist. Gott ist tot, es lebe der Übermensch, der Homo Deus.
Der junge Ingenieur wird als alter Mann übrigens noch die Gründung des Deutschen Reiches erleben, vielleicht sogar noch den Ausbruch des 1. Weltkrieges und die Massenvernichtung von Soldaten in einer technisch-militärischen Materialschlacht.
Die Abdankung des Humanismus
2017 während ich das Buch des israelischen Historikers lese, tut sich eine Menge Aufregendes in den Brain Trusts und Forschungslabors in Silicon Valley und anderswo auf der Welt. Das Ziel, nichts weniger als die Verbesserung des Menschen und damit auch der Menschheit. Informatiker arbeiten bei Google, Microsoft, Apple etc. an Algorithmen, die Daten – und Informationsströme immer besser steuern. Die künstliche Intelligenz ist bereits in der Lage, Großmeister in Schach und Go-Spiel zu schlagen, die Pharmalabore entwickeln neuartige Medikamente und Methoden um Krebs, Übergewicht oder Herzkreislauferkrankungen in den Griff zu bekommen. Biologisch sei es möglich, dass ein Mensch im Jahre 2090 150 Jahre alt werde, satt der heutigen 70-80 Jahre. Heute schon vertrauen wir den Algorithmen die Börsenkurse der Wirtschaft, die Überprüfung unserer Fitness und den Terminkalender an, das alles wird sich in den kommenden Jahrzehnten effizienter und differenzierter gestalten.

Es entsteht eine neue Data-Religion, ein Dataismus, der dadurch überzeugt, dass er nicht nur den Menschen verbessert, sondern auch seine Mit-und Umwelt reguliert und nach seinen Bedürfnissen einrichtet. Das machen nun Menschen schon seit tausenden von Jahren, aber eben nicht so effizient und wirkmächtig wie dies in Zukunft geschehen kann. Und dies wird Folgen haben auf das Leben aller, ob positiv oder negativ.

„Der Dataismus nimmt gegenüber der Menschheit eine streng funktionale Haltung ein und bemisst den Wert der menschliche Erfahrungen allein nach ihrer Funktion in Datenverarbeitungsmechanismen. Wenn wir einen Algorithmus entwickeln, der die gleiche Funktion besser erfüllt, werden menschliche Erfahrungen ihren Wert verlieren. Wenn wir also nicht nur Taxifahrer und Ärzte, sondern auch Anwälte, Dichter und Musiker durch überlegene Computerprogramme ersetzen können, warum sollte es uns groß kümmern, wenn diese Programme über kein Bewusstsein und keine subjektive Erfahrung verfügen? Wenn manche Humanisten nun die Ehrwürdigkeit menschlicher Erfahrung preisen, würden Dataisten das als sentimentalen Humbug abtun. >> Die Erfahrung, die Sie da in den Himmel loben, ist nichts weiter als ein veralteter biochemischer Algorithmus. Vor 70 000 Jahren in der afrikanischen Savanne war dieser Algorithmus modern. Selbst im 20. Jahrhundert war er für die Armee und für die Wirtschaft noch zu gebrauchen. Aber schon bald werden wir über viel bessere Algorithmen verfügen.<< (Harari, S. 527).

D.h. für den Dataismus als neuer Religion ist der moderne Humanismus nichts weiter als eine Fiktion, die der Humanismus den Religionen, Gott, Seele, Geist unterstellt. Den humanistischen Werten wie Menschenwürde, Freiheit, Gefühl, Bewußtsein, Demokratie wird ebenso eine Fiktionalität unterstellt wie vormals den alten religiösen Mythen der Antike. Nicht nur der Mensch schafft sich ab, sondern auch der Deus Homo sich selbst gleich mit, indem er der nicht bewussten Intelligenz der Algorithmen, die sicherer und besser funktionieren als die biologischen, die Regelung aller Lebensvorgänge und sehr wichtige Entscheidungen überlässt. Sie können das besser als der Mensch. Das Leben und die Welt ist für den Menschen auch als Gott zu kompliziert und das Universum, Himmel und Hölle bleiben leer.

Y.N. Harari bezeichnet seine Geschichte von morgen nicht als Prognose, als komme es genau so und nicht anders. Er spricht von der Möglichkeit solcher Entwicklungen. Natürlich sind solche Gedanken nicht neu, Star Wars, die Tribute von Panem und ein ganzes Heer von SFi - Literatur spielen mit diesen Szenarien, die übrigens Harari gut kennt und er selbst verwendet in seinen Beschreibungen eine Vielzahl kleiner alltägliche Szenerien der Zukunft, die er geschickt dann mit Makrotendenzen einer möglichen zukünftigen Entwicklung verbindet. Worin das Buch besticht, ist das Weiterdenken eines Historikers, der ähnliche Muster in der Geschichte der Menschheit erkennt und die Linien einfach auszieht und die Tendenzen beschreibt. Und das sehr wohl logisch begründet.

©Thomas Bernhard2017
Alle Rechte beim Autor.

32 Kommentare

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Hörtipp zum Thema:

"Die Transhumanisten träumen von einer möglichst optimalen Verbesserung des Menschen mit Hilfe von Wissenschaft und Technik. Was ist dran an dieser Idee?"
http://podcast-ww.wdr.de/medp/fsk0/1...us_wdr5.mp3
  • 21.03.2017, 19:38 Uhr
  • 0
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Der Übermensch ist nicht als Homo Deus zu bezeichnen. Höchstens als
Homo Superior. Ein Wesen was sich aus dem mittelmäßigen Dasein sich herauskristallisiert und zu einer höheren Lebensform entwickelt hat. Mittelmäßig ist dagegen der heutige moderne Mensch. Dumm, langweilig, gutgläubig, zahm, halt ein Massenmensch in einer anonymen Massengesellschaft und ihr totes Gewicht. Da der "Übermensch = Gott ist tot zu setzen ist", ist der Ausdruck Homo deus
somit nicht angebracht.
Aber hören wir uns F. Nietzsche an:

"Wohlan! Wohlauf! Ihr höheren Menschen! Nun erst kreißt der Berg der Menschen-Zukunft. Gott starb: nun wollen wir – daß der Übermensch lebe. (Vom höheren Menschen. Also sprach Zarathustra von F.W. Nietzsche).

Interessant ist das Buch von Yuval Noah Harari. Übermenschliche Tendenzen und zur gleichen Zeit Abwendung von Gott und hoffentlich da Ende des Christentums, sowie alle anderen Religionen gibt neue Hoffnungen , daß der Homo Sapiens sich zu einer höheren Lebensform
sich weiterentwickeln kann. Dann würde z.B. statt der scheinheilige Humanismus = versteckte christliche Werte durch einen reziproken
Altruismus ersetzt werden. Eine Wohltat für die Menschheit
  • 18.03.2017, 19:55 Uhr
  • 1
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Isaac Asimov war Biochemiker und verfasste rund 500 Bücher. Darunter wissenschaftliche Werke und Science-Fiction-Romane. Er erkannte, dass künstliche Intelligenz Regeln braucht, damit die Menschheit nicht von Maschinen beherrscht wird. Deshalb formulierte er 5 Gesetze für Roboter:

0. Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.

1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen, außer er verstieße damit gegen das nullte Gesetz.

3. Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen – es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum nullten oder ersten Gesetz.

4. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieses sein Handeln nicht dem nullten, ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.

Es wäre schrecklich, wenn Algorithmen unser Leben beherrschen, denn dann wären wir nur noch eine funktionierende Biomasse mit einem Gehirn auf Sparflamme.
  • 14.03.2017, 15:48 Uhr
  • 3
Ich habe diese Bücher gelesen
Gerade diese Robotik-Bücher.
Genial!!!
Bezeichnend sind die Geschichten, wo Roboter selbst beginnen diese Regeln auszulegen, indem sie beginnen zu philosophieren, was denn eigentlich ein Mensch ist. Welche Kriterien machen jemand/etwas zu einem Menschen, bzw. zu einem Wesen, das nach diesen Gesetzen geschützt werden muss. Ihre Erkenntnis ist, dass dazu auch Roboter gehören.

Geschichte: "Dass du seiner eingedenk bist"
Leseprobe, wo aber leider der bestimmte Teil fehlt
https://books.google.de/books?id=uDy...enk&f=false
  • 14.03.2017, 16:06 Uhr
  • 2
Richtig! Da aber die Neurowissenschaften Begriffe wie Geist, Seele, Selbstbestimmung, Freiheit nur als ein Resultat eines biochemischen Algorithmus sehen und z.B. Seele und Geist nur als einen fiktiven Prozess und was wohl entscheidender ist - auch die Menschenwürde wird es möglich sein, dass auch eine KI eine abgespeckte Definition des Menschenbildes übernimmt. Warum sollte eine Maschine humaner sein als ein Mensch? Insofern besteht keine Grundlage mehr für das sog. Robotergesetz. Zu diesem Resultat könnten ja Roboter kommen, die sich ab Generation X selbst konstruieren, weil sie längst intelligenter als Menschen sind.
  • 14.03.2017, 16:21 Uhr
  • 1
Thomas, ich habe kein Problem damit, dass im Zuge der Evolution KI den Menschen ablöst.
Aber die Mehrheit der Menschen dürfte anders denken. Somit machen die Roboter-Gesetze schon Sinn. Besonders, weil die fehlende Humanität vieler Menschen von den Robotern nicht zugelassen wird.
  • 14.03.2017, 16:51 Uhr
  • 1
Asimov hat das alles ja sehr schön dargestellt
Wenn man den ganzen Zyklus seiner der Roboterentwicklung gelesen hat, (die über Jahrhunderte geht), sieht, dass er sich um sehr viele Aspekte Gedanken gemacht.
Auch über die Ängste der Menschen gegenüber der Intelligenz der Roboter.
Unter Anderem wird dies auch in der Geschichte "Der Zweihundertjährige" schön thematisiert
[ wurde verfilmt, ein schöner Sci-Fi-Film, nur leider ziemlich am Original vorbei )
Gerade in der von mir oben genannten Geschichte, wird auch thematisiert, wie 2 Roboter herausfinden, wie man den Roboter in der Menschenwelt wieder etablieren kann, nachdem er sozusagen entfernt wurde, aus Ängsten.
Sie finden heraus, dass der Mensch sozusagen nur dann Angst vor Robotern haben, wenn sie menschliche Formen haben und sie dürfen nicht größer sein als Menschen

In Form von Kästen, Tieren, usw. ist es kein Problem.
Sie entwickeln Roboterformen, die so einfach sind und nur eine gewisse Aufgabe zu erfüllen haben, dass sie diese Robotik-Regeln nicht bedürfen.
Dieser Gedanke, dass es Roboter geben wird, die diesen Regeln nicht unterliegen, auch seien sie nur so groß wie ein Vogel, stimmt sie freudig.

Und zum Schluss stellen sie halt fest, dass sie sich gegenseitig wertvoller halten und die Kriterien des Menschseins mehr erfüllen als alle Menschen und deshalb geschützt werden müssen.
  • 14.03.2017, 17:43 Uhr
  • 2
Edelgard, die Romane von Asimov habe ich mit Vergnügen gelesen. Das ist exellente Literatur und hat nichts mit dem Schwachsinn von z. B. Perry Rhodan zu tun.
  • 14.03.2017, 18:12 Uhr
  • 1
Ja, es war ein Vergnügen und sie sind excellent

Allerdings habe ich auch alle Perry Rhodan Bücher gelesen
  • 14.03.2017, 19:40 Uhr
  • 1
Oh, jetzt habe ich dir auf "die Füße getreten". Tröste dich, auch ich habe eine ganze Menge Schmöcker gelesen! Meistens Wildwest-Romane.
  • 16.03.2017, 10:36 Uhr
  • 1
Nein, kein Füße treten, noch nicht mal ansatzweise
  • 16.03.2017, 17:48 Uhr
  • 1
Das ist die Verfilmung mit Will Smith - I Robot.
I, Robot | Film 2004 | moviepilot.de [http://www.moviepilot.de/movies/i-robot_green]
Ser gut gemacht. Und die Robotergesetze, wie Digger sie geschildert hat, stehen im Fokus.
Es ist ja so gar nicht meine Welt, aber den Film habe ich gerne im Unerricht mit den Schülern gemacht, Und sie waren ganz aufmerksam.
  • 18.03.2017, 18:11 Uhr
  • 1
Jedoch ist der Mensch da immer noch der Mensch, wie er eben als Mensch ist.
  • 18.03.2017, 18:12 Uhr
  • 1
  • 21.03.2017, 19:40 Uhr
  • 0
Peter, eine sehr gute und fundierte Zusammenfassung.
  • 21.03.2017, 20:03 Uhr
  • 0
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Thomas, die Geschichte (s.o.) hat auch noch einen anderen Aspekt. Ja, sie fokussiert ihn geradezu. Sie verlangt von uns darüber nachzudenken, "Was ist der Mensch ? - Woher kommt er ? Was ist er im Gegenwärtigen ?, und wer will/soll er in Zukunft sein (Zukunftsbild) ?

Auch die Aufklärung, mit Kant & Co, im 17/ 18 Jh., hatte diese Frage, „Was ist der Mensch?“, als zentralen Gegenstand. Die damaligen "Aufklärer" erkannte die Gefangenschaft des Menschen in seinen eigenen, selbstinszenierten Geschichten (…wie wir es heute auch wieder sehen) und haben ihn, den Mensch, in ein neues Selbstverständnis hineingeleitet. Ich glaube, heute sind wir wieder gefordert, ja vielleicht dringender als je zuvor, diese Fragen neu zu beantworten, „Was ist der Mensch und wer soll er werden“ ?

Heute erkennen wir globale Vernetzungen und ihre multifunktionalen Wirkzusammenhänge (…wann ist der letzte Fisch gegessen?) . Wir staunen über Komplexität, Dynamik und über zirkuläre Kausalitäten (…Hunger und Kriege in der Welt, Klimaerwärmung) und verhaften „sehend“ immer noch in unseren gewohnten linearen Denk- und Lösungsmuster – als Individuum und als „geschlossene elitäre“ Gesellschaft.

Ich glaube wir benötigen eine andere, ein neue empathische Beziehung des Menschen zur Welt, zur Welt in ihrer Ganzheit. Eine wertschätzende Beziehung zur Welt, die der Ganzheit des Menschen würdig ist. Ein Algorithmus, so perfekt er auch sein möge und auch uns, als Mensch verführt, dass in uns wohnende naturgegebene Menschliche zu verdrängen, ist immer nur ein „rationaler“ Teilaspekt vom Ganzen. Soll/möchte also Mensch dieser „rationale“ Teilaspekt vom Ganzen sein ?...darüber lohnt sich nachdenken ! Thomas, Danke für den Artikel.
  • 14.03.2017, 10:40 Uhr
  • 4
Ich stimme Dir vollkommen zu, dass wir wieder neu denken müssen, was und wer wir als Menschen sind. Hatte Kant noch im philosophischen Widerstreit um den freien oder unfreien Willen des Menschen die Freiheit, die Seele, das Selbst, Gott etc. postuliert, so scheint sich die Waage durch die Neurowissenschaften als Leitwissenschaften eben zum unfreien Willen (und gibt es überhaupt einen Wille) zu neigen.
Verstärkt würde das ganze, wenn wir immer mehr Entscheidungskompetenz an die KI delegieren werden, weil die KI effektiver und schneller logisch arbeitet und die Entscheidungen qualitativ besser sein werden. Vielleicht ist es auch bequemer. Und in der Tat - den empathischen Teil des Menschen kann eine KI nicht ersetzen; Gefühle sind nicht Sache eines Algorithmus ...
  • 14.03.2017, 16:45 Uhr
  • 1
Was ist der Mensch und wer soll er werden ? Zur Reflexion dieser Frage können wir heute auf verschiedenste gelebte Erfahrungen und Erkenntnisse in Europa zurückgreifen. Neben der Aufklärung (> der befreite Mensch) gibt dazu auch die christliche Soziallehre (> der in der Schöpfung verwurzelte Mensch) einiges her. Als Anregung dazu zB. folgender Link:

https://www.erzdioezese-wien.at/haup...-todsuenden.

...oder ganz aktuelle, das Nachdenken über den wachsenden Rassismus, der das Menschliche im Menschen negieren will. Als Anregung dazu zB. folgender Link:

https://www.amnesty.de/materialien-gegen-rassismus

Damit wir als Mensch nicht durch ein Algorithmus entwertet werden, müssen wir uns als Menschen, mit all unseren Qualitäten wieder ernst nehmen und sie auch aktiv leben wollen...
  • 15.03.2017, 17:06 Uhr
  • 1
Sind die Gefühle denn nicht auch ein im Menschen verankerter Entwurf, der sich über die tausende bw. 10tausende Jahre in uns als archaische Muster festgesetzt hat? Zunächst mal dem Überleben und Selbsterhaltungstrieb geschuldet? Bedient nicht schon jede Postkarte mit Sonnenschein, Wasser, Grün dieses Muster: Hier ist es schön, hier ist es gut für mich, hier möchte ich sein.
Dann der Fortpflanzungstrieb. Arterhaltung, Sippe = Schutz schaffen.
Empathie mit dem Schwachen, mit dem der es selbst nicht schafft, dem wir uns gleichwohl zuwenden sollen, den wir caritativ unterstützen - seit wann gibt es das in der Geschichte der Menschheit?
Was wird mit diesen Schwachen werden?
Es werden Berufe, die jetzt noch als erstrebenswertes Ziel existieren, wegfallen, ads Heer, der Nichtbenötigen also noch größer werden. Wie werden diese leben, wovon?
  • 18.03.2017, 18:21 Uhr
  • 1
Genau das die Frage: wie die meisten Menschen leben werden.
Der erste Abschnitts deines Beitrage würde so beantwortet werden von den Kybernetikern, dass dies alles einem biologisch-evolutionärem Programm folgt: einem organischem Algorithmus, der zu diesen Zeiten Sinn machte.
Empathie für die Schwachen - das wäre wiederum ein kultureller Algorithmus ist, den es nicht so in der Natur gibt (oder nur sehr reduziert - nur in der eigenen Arterhaltung).
Und dann ausgeführt in Religion und Humanismus.
Der Technische Algorithmus der Perfektion des Menschen ist auf diesen kulturellen nicht mehr angewiesen, es könnte sogar hinderlich sein ... Das liegt eben sehr an uns.
  • 18.03.2017, 19:30 Uhr
  • 1
Hier zwei interessante, sehr kontoverse Gespräche ohne ein Wertung für den einen oder anderen Pfade abzugeben.
Die Frage bleibt: Worauf begründen wir die Spezie Mensch und wer soll er werden ? Der Mensch als mathematischen Algorithmus ein Irrweg ?

Evolutionstheorie


Muhammad Al-Suri: Deutscher Wissenschaftler stellt Evolutionstheorie infrage

Religion

Richard Dawkins - Die Schöpfungslüge und Der Gotteswahn
  • 20.03.2017, 16:18 Uhr
  • 0
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Ich stelle diese Buch mal dagegen ......

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gr...9Fe_Entwurf

Die Entwicklung der Welt / Menschheit geht weiter .... hoffentlich zu Wohle der Menschheit
  • 14.03.2017, 08:56 Uhr
  • 2
Danke
  • 14.03.2017, 16:46 Uhr
  • 0
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Sehr spannend.
Danke sehr für den Tipp
  • 14.03.2017, 08:17 Uhr
  • 2
Gerne
  • 14.03.2017, 08:20 Uhr
  • 1
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Schwere Kost, aber macht nachdenklich
  • 13.03.2017, 21:42 Uhr
  • 2
Ich denke, dass Buch ist besser zu lesen als meine Rezension
  • 13.03.2017, 21:52 Uhr
  • 1
vielleicht lese ich das Buch mal
  • 14.03.2017, 15:48 Uhr
  • 0
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Viel kann ich dazu nicht sagen - nur dass ich mich freue, wenn so ein gescheiter Herr Harrari seine Ideen durchaus auch aus der SiFi-Literatur anstoßen lässt.
Ich schaue gerade in einem Durchlauf eine vor 30 Jahren gedrehte SiFi-Serie an, die ich damals auch gesehen hatte. Manchmal erschrecke ich, dass vieles von dem, was damals revolutionäre Fiktion war, heute schon von der Realität überholt wurde. Damit meine ich die Technik - die Dinge, die sie verwenden, aber eben auch den Umgang mit Daten und künstlicher Intelligenz - die noch nicht überholt, aber auf gutem Weg ins Leben ist.
Wenn ich diese Geschwindigkeit sehe, wie sich der kleine Höhlenbewohner das alles weiterentwickelt, wird es noch ungemein spannend.
In der Serie hat sich der Homo Sapiens noch nicht abgeschafft - im Gegenteil, er hat sich mit der künstliche Intelligenz arrangiert.
Es ist alles offen... Und ich würde es gerne erleben.
  • 13.03.2017, 21:20 Uhr
  • 2
Ich weiß nicht, nach der Lektüre, ob es so offen ist ...
Jedenfalls habe ich nach der Lektüre beschlossen, hier bei WL nicht mehr über Gott zu diskutieren, sondern fundamentalistischen Atheisten auf dieses Buch zu verweisen
  • 13.03.2017, 21:50 Uhr
  • 1
Diesen Entschluss halte ich für logisch und lobenswert.
  • 13.03.2017, 22:20 Uhr
  • 2
Wenn ich mal eine Kurzgeschichte, die ich vor Jahrzehnten schrieb, wiederfinde - und sie digitalisiert bekommen, denn das war noch mit der Schreibmaschine - dann schick ich dir die mal... Hat auch mit Algorithmen zu tun - und mit dem, was man Gott nennen kann....
  • 13.03.2017, 22:23 Uhr
  • 2
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