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Bar a la lune

Bar a la lune

25.07.2017, 16:00 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Bar a la lune


Und dann ganz plötzlich, es muss so gegen halb drei gewesen sein, ganz genau kann ich mich nicht daran erinnern, fiel mir Isabelle ein mit ihrer Tochter Isabeau, als wir in der bar a la lune am Zinc nebeneinander saßen, unsere perroquets tranken und Isabeau mit ihrem Po unruhig auf dem braunen ledernen Barhocker umher rutschte und wir sie fragten, was ihr die Ruhe raubt, wo sie doch im allgemeinen so total in sich ruht und sie nichts aus der Ruhe bringen kann, da platzt es aus ihr heraus, nachdem sie einen weiteren perroquet, diesmal mit mehr Eis aber weniger Sirop menthe bestellt hat: Was können wir überhaupt über einen Menschen wissen? Diese Frage hat sich Sartre gestellt und am Beispiel von Gustave Flaubert durchdekliniert. Er kannte seine Romane, an erster Stelle natürlich Madame Bovary, er kannte seinen Briefwechsel in 13 Bänden veröffentlicht und er hatte seine Methode der existenzialistischen Introspektion. Über diesen Flaubert hat er fünf Bücher geschrieben unter dem Titel: Der Idiot der Familie. Wir waren elektrisiert, bestellten noch drei Grimbergen blonde und fragten uns, wen wir mit dieser Frage und dieser Methode in seiner Totalität erkennen können. Ein Mensch ist nämlich niemals ein Individuum; man sollte ihn besser ein einzelnes Allgemeines nennen: von seiner Epoche totalisiert und eben dadurch allgemein geworden, retotalisiert er sie, indem er sich in ihr als Einzelnheit wiederhervorbringt.

Isabelle und ich wußten zwar, dass Isabeau in ihren philosophischen Studien an der Sorbonne schon weit fortgeschritten war, doch ahnten wir nicht im Geringsten, inwieweit das existenzialistische Denken schon von ihr Besitz ergriffen hatte und sie damit für den normalen durchschnittlichen Mann mit seinen Ambitionen für schnelle Autos und Quickies absolut unbrauchbar gemacht hatte. Wir ließen uns nichts anmerken, lächelten ihr zu und ich sagte, dass wir das an einem Objekt, das wir am Besten kennen verifizieren könnten. Und wer wäre das?, meinte Isabelle. Das sind wir selbst, jeder für sich, erwiderte ich. Isabelle strahlte und schlug vor, gleich damit zu beginnen und uns in einem Jahr am gleichen Ort zu gleicher Zeit mit den gleichen Getränken wieder zu treffen, um unsere Ergebnisse zu diskutieren. Und morgen um halb drei sitzen wir wieder auf den braunen ledernen Barhocker in der bar a la lune und stellen unsere Ergebnisse vor.

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