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Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?

Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?

Helmut Achatz
06.05.2016, 13:18 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Haben die Babyboomer ihre Kinder zu Spießern erzogen, zu „blassen angepassten“ Jugendlichen? Gibt es diesen Trend zum „Neo-Konventionalismus“ wirklich. Und, sind wir, ja, wir die Generation 50plus und 60plus daran schuld? Engagement egal, Politik egal – sind sie das, unsere Kinder? Nicht von ungefähr kennt heute noch jeder den Werbeslogan der LBS „Du Papa – wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden“, obwohl das schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt.

Klaudia Guesten hat sich in ihrem Blog mit der Generation Y – die Generation der von 1977 bis 1998 Geborenen – und der Erziehung durch die Babyboomer auseinandergesetzt und kann nur sagen „geht’s noch?“.

Babyboomern ohne Visionen?

Ja, „Geht’s noch? Wir Babyboomer sollen die Generation Y versaut haben? Die neue Sinus-Studie offenbart dem Autor Sebastian Christ zufolge, dass uns, sprich den Eltern der Generation Y, die Visionen für eine bessere Zukunft abhanden gekommen sind. Aber unsere Generation erwarte gleichzeitig, dass die nächste Generation wie aus dem Nichts heraus mit neuen Ideen die Welt verändern solle – aus dem Nichts?“

Klaudia Guesten „kann da leider nicht folgen. Unsere Eltern und Großeltern waren Wegbereiter für eine neue Zukunft, nachdem Deutschland in Schutt und Asche lag. Über traditionelles Schubladendenken und erzkonservative Einstellungen brauche ich nicht streiten. Das verbuche ich unter ‚Generationenkonflikte’“.

Gegen § 217 auf die Straße

Vielleicht, so meint sie, „sollte der Autor seine Eltern fragen, wie das so war in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren; wer auf die Straße gegangen ist und gegen Atomkraftwerke gestritten hat; wer gegen den § 217 demonstrierte und Menschen-Friedensketten bildete, um gegen den Nato-Doppelbeschluss aufzubegehren“. Wer erinnert sich noch an Wackersdorf, Gorleben, Brokdorf, Ostermärsche, Emanzipation und Frauenbewegung? Damit setzt sich Klaudia Guesten ausgiebig in ihren Blogartikeln „Generationen. Trends. Veränderungen„ auseinaneder. „Anscheinend haben nachfolgende Generationen nicht unseren Kampfgeist geerbt – und wir haben das verbockt und unseren Kindern nichts von unseren Siegen oder Niederlagen erzählt.“

Klaudia Guesten wagt „zu bezweifeln, dass wir uns in den letzten Jahren zurückgelehnt haben. Genauso wenig, wie ich die ‚Jungen’ über einen Kamm schere, möchte ich auch die Babyboomer nicht über einen Kamm geschert wissen“. Sie behauptet, dass „wir unsere Kämpfe – genau wie die ‚Jungen’ – heute digital fechten. Auch wir sind vernetzt. Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Kanälen. Wir unterzeichnen Petitionen bei Campact, wir lehnen uns gegen TTIP und Fracking auf. Der Diskurs wird weniger auf der Strasse geführt, er hat sich einfach ins Word Wide Web verlagert.“

Und noch eines ist ihr aufgefallen: „Wir ‚Alten’ haben heute ganz andere Kämpfe zu führen. Statista stellte bei Befragungen fest, dass die Altersdiskriminierung mit 49 Prozent über die Geschlechter-, Religions- und Herkunftsdiskriminierung triumphiert. Und das vor allem am Arbeitsplatz. Glück auf!“

Mehr unter vorunruhestand.de

104 Kommentare

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Es ist zwar jetzt eine andere Zeit, aber die Erziehung beginnt doch in der Familie und nicht in der Umwelt, dies kommt erst im Nachhinein !!!!!!!!!!!!!
  • 15.05.2016, 10:04 Uhr
  • 0
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Jede Jugend hat gleiche Rechte wie wir Alten. Ich habe damit kein Problem. Nur unsere eigenen Blickwinkel haben sich aus unserer Lebenserfahrung heraus verändert. Früher gab es Kriminelle und heute auch. Früher gab es eigennützige Politiker und heute auch.
  • 07.05.2016, 19:26 Uhr
  • 2
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Die Rebellion erscheint mir eher als ein Projekt der Generation der jüngeren Senioren (Straßendemos, soziale Netzwerke). Die jüngere Generation ist mit der Kommunikation über die Smartphones so beschäftigt, dass kaum Zeit zum rebellieren bleibt.
  • 07.05.2016, 17:04 Uhr
  • 4
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Die Zeiten, wo die öffentliche Rebellion gegen gegebene Zustände ein Privileg der Jugend war, scheinen somit schon lange vorbei zu sein. Schön mainstreamförmig schwimmt die Mehrheit der deutschen Jugend im immer enger werdenden merkelschen Meinungskanal entlang.
  • 07.05.2016, 16:45 Uhr
  • 2
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Ja!? Ich denke da an meine Kinder (Ärztin, Redakteur). Sie wurden im Gegensatz zu uns durchs Studium gepeitscht (Regelstudienzeit, keine fundamentalen Diskussionen an der Uni etc.). Oder haben sich unsere Kämpfe wie gegen den Nato-Doppelbeschluss, Atomkraftwerke, Emanzipation etc. nur ins Netzt verlagert? Haben wir versagt, unsere Kinder zu kämpferischen Demokraten zu "erziehen"?
  • 07.05.2016, 15:33 Uhr
  • 0
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Ganz im Gegenteil: Den Spießern gehört die Sichere Zukunft. Ein Hoch auf die, die kleine Spießer groß gezogen haben!
  • 07.05.2016, 12:13 Uhr
  • 3
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Ich glaube nicht, dass wir die Jungen vermurkst haben- aber ist es nicht so, dass jede Generation versucht, ein Gegengewicht gegen die Elterngeneration zu bilden? Unsere Eltern waren spießig, konservativ, angepasst, wir haben dagegen rebelliert- und nun "rebelliert" die neue Generation auf ihre Weise wieder gegen uns. Wir sollten die Hoffnung in unsere Enkel setzten- die werden für ihre Eltern wieder herausfordernd werden...
  • 07.05.2016, 11:34 Uhr
  • 6
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Ich glaube nicht, daß man die Generation 1977 und die Generation 1998 unter einen Hut stecken kann. Da ist ein großer Unterschied. Die heute 35-jährigen sind völlig anders, als die die grade Anfang 20 sind. Das sehe ich an meiner Tochter (33) und meinen Nichten/Neffen (Anfang 20, null bock) ....
  • 07.05.2016, 10:12 Uhr
  • 1
Klar werden die neuen Generationen anders.
  • 07.05.2016, 20:06 Uhr
  • 0
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Ich habe es von der Familiengeschichte vlt. schwer gehabt, Mutter tot, als ich 13 war, Vater in neuer Ehe als ich 14 war und weg, Oma ein Jahr vor meinem Abi auch tot. Ich also quasi alleine.
Aber ich habe es gut gehabt, weil mein Weg durch den Besuch des Gymnasiums vogezeichnet war. Und auch ganz wesentlich geprägt durch die Musik und Mode der 60er /70er Jahre, die alle alten Zöpfe und die Rocksäume abschnitten.
Viele Freiheiten für die Frau wurden erkämpft. Der MAnn musste zuvor in ihren Arbeitsvertrag einwilligen, es kam die Pille und die eheliche Pflicht von zweens die Woche wurde zur Lust, auch ohne dazu die Ehe überhaupt zu benötigen, der Kuppeleiparagraf entfiel...
Liberalismus, Kapitalismus, Marxismus - diese Thesen standen nach der Hitler Diktatur im Raum, amerikanischer Imperialismus, die neuen Waffen, die die Qualität eines jeden Krieges verändern, es gab so viel zu tun.
Von wirklich Reichtum und easy going träumten wir eigentlich gar nicht so. Make love not war war unser Motto.
Und immer war alles irgendwie greifbar. Es war da, es war bei uns. Und von allem waren wir -bis auf den Korea und Vietnamkrieg - unmittelbar betroffen. Aber auch der störte unser ethisches und politisches Empfinden.

Und dann entwickelte sich mein Leben weiter, positiv.
Und ich habe nie geträumt, dass es ,meine Kinder mal besser haben solten, weil es ging mir nie schlecht, auch nicht zu Studienzeiten, wo unser gemeinsames Budget emax. ein Drittel war, von dem was ich heute habe.
Es hat uns genügt, wir kamen aus.
Genügsam bin ich auch heute noch. Und das werde ich auch bleiben wollen, weil sich leben für mich nicht im haben, haben, haben abspielt.
Kinder gehen heute einen anderen Weg, was logisch ist, aber jedes seinen eigenen, obwohl sie gleiche Bedingungen hatten.
Sie schauen auf ihre Bedürfnisse und finden geschickt Wege, diese zu erfüllen. Sie sich selbst.. Insofern sehe ich in dieser Bedingung KEINEN Unterschied zu mir. Ich ging auch meinen Weg alleine.
Es sind schöne, hilfsbereite, fröhliche Menschen. Was ihre Mutter am meisten freut.
Mit unterschiedlichen Interessen. Alle haben schöne Wohnungen, aber z.B. kein Interesse an einem eigenen Haus -was damals in der Werbung ja als ultima ratio Gegenstand der Werbung war.
Alle sind in festen Partnerschaften und so weit ich das beurteilen kann, auch recht treu (ganz die Mama). Wer zweimal mit der selben pennt, der gehört schon zum Establishment - zählt für sie nicht mehr.
Alle sind verlässlich und ehrliche Menschen (ganz die Mama).
Ihr Arbeitstag ist voll (ganz die Mama).
SIe halten recht gut zusammen, ihre Stammfamilie ist noch wichtig.
Sie bauen sich ein eigenes Nest (ganz die Mama)

So gesehen sind sie alle in meinen Augen gut geraten, und ich messe das eher an Charaktereigenschaften anstelle von erreichten Gütern oder an Aktionismus.

Ich habe nie gewünscht, dass sie es besser haben als ich, aber sie sollen es genauso schön haben wie mein Leben war.

Auch wenn mal eine herbe Enttäuschung dazu kommen solte wie bei mir, wo nach 32 Jahren mein Mann die Familie verließ, auch das gehört vlt. zum Leben dazu. Es kommt auf die Fähigkeit an, es zu überstehen, und die Kraft, alle Schicksalsschläge zu überstehen, das wünsche ich meinen Kindern.
Und die Fähigkeit, eigene und gute Entscheidungen für sich und ihr Leben zu treffen und die Welt dabei nicht aus den Augen zu verlieren.
  • 07.05.2016, 09:52 Uhr
  • 13
sehr schöner Beitrag danke
  • 07.05.2016, 10:04 Uhr
  • 2
Dazu wünsche ich Dir und Deiner Familie für die Zukunft recht viel Gesundheit ,was wohl das Wichtigste ist !!
  • 07.05.2016, 10:19 Uhr
  • 1
Danke für Deinen Bericht und alles Liebe und Gute!
  • 07.05.2016, 10:27 Uhr
  • 1
Dankeschön. Ja, noch bin ich relativ gesund und hoffe, dass es so bleibt.
Ich glaube es sind noch zwei weitere Eigenschaften wichtig: kein Selbstmitleid und kein Neid. Beides kann ganz schön fressen und knabbern dann das Schöne am Leben weg.
  • 07.05.2016, 12:32 Uhr
  • 5
...eine Frau mit einer riesigen Lebenserfahrung ,die sie weiter gibt ,danke
  • 07.05.2016, 12:44 Uhr
  • 2
Werner, danke für dein Lob. Wenn ich dir jetzt noch erzählen würde, wieviel Lebenserfahrung ich in der Ehe sammeln "durfte", das würde den Rahmen sprengen, gehörte aber auch dazu und ich bin an allem gewachsen.
  • 07.05.2016, 12:50 Uhr
  • 1
Jeder Mensch wenn er auf ein erfülltes Leben zurück blicken kann hat seine Erfahrungen gemacht ,im Guten und im Schlechten,wohl dem wo das Gute überwiegt
  • 07.05.2016, 12:53 Uhr
  • 2
In meiner Schulzeit gab es noch Ohrfeigen, einmal ließen wir einen Lehrer gar nicht ins Klassenzimmer, wir wollten mit dem Direktor der Schule sprechen, wegen seiner Lehrmethode. Ich als Klassensprecher, erzählte alles dem Herrn Direktor, er sagte Kein Wort zu uns, aber dem Hr. Lehrer schrieb er einen Zettel legte Ihn auf den Schreibtisch, von da an wurden wir nicht mehr geschlagen noch verhöhnt als stinkende Landkinder.
  • 07.05.2016, 18:54 Uhr
  • 1
Ich kam 1947 mit 13 Jahren,fast unterernäht in die Schule,war eine schwere Zeit und alles Negative mitgemacht.
  • 07.05.2016, 19:18 Uhr
  • 0
Werner, bist du Jahrgang 1934? Dann war deine Kindheit in der härtesten Zeit, die Deutschland hatte. Ich kenne alles nur durch die Eltern, die Oma erzählt. Aber die Angst spürte ich auch in den 50er Jahren noch, die sie übrigbehalten hatten.
@ Franz: Wunderbar, dass eure Gegnwehr Erfolg hatte beim Direktor. Ich kam Ostern 59 ins erste Schuljahr, da wurde nicht mehr geschlagen.Zum Glück!
  • 07.05.2016, 19:24 Uhr
  • 1
..war leider ein Zahlendreher ,zur Richtigkeit :geb. 1942
eingeschult 1947 und in Meine Metzgerlehre mit 13 Jahren 1956 begonnen,mit 16 Jahren hatte ich meinen Gesellenbrief
erworben.
Diese Daten sind nun richtig!
  • 07.05.2016, 19:29 Uhr
  • 1
Wer meint die Demokratie wäre ab 1945 ins Land eingezogen der irrt gewaltig ,das autoritäte Verhalten hat sich bis in die 70er Jahre hinein gezogen.
  • 07.05.2016, 19:32 Uhr
  • 1
Wie sollte sie das auch nach der Vorgeschichte. Daher gab es ja die 68 er, die Studentenbewegung, die sich dagegen auflehnte.
  • 07.05.2016, 19:34 Uhr
  • 1
In der Provinz haben wir davon nichts mitgekriegt,wir waren zu sehr mit arbeiten aus gelastet .
  • 07.05.2016, 19:36 Uhr
  • 0
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Ich habe meine Tochter locker erzogen, es gab ein paar Regeln, ansonsten lange Leine und ich bin gut damit gefahren. Sie ist heute eine selbstbewusste junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und auch Menschen denen es schlechter geht, als ihr, nicht vergisst. Ab ihrem 16ten Lebensjahr fuhr sie quer durch Deutschland um an Demonstrationen gegen 'Rechts' und Atommüll teilzunehmen und von zu Hause bekam sie jede Unterstützung.
Keine Rede von blass, spießig, angepasst.
  • 07.05.2016, 09:20 Uhr
  • 6
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