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Die Kunst, sich erfolgreich zu blamieren

Die Kunst, sich erfolgreich zu blamieren

Peter Leopold
15.05.2016, 04:58 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Alle Jahre wieder. Das ist nicht nur ein Weihnachtslied, sondern auch immer wieder ein Synonym für das Talent Deutschlands sich beim ESC zu blamieren. Und offen gesagt: Die diesjährige Leistung war wieder einmal wirklich unterirdisch. Nicht nur, was die Punktevergabe betrifft, sondern auch in Bezug auf den Musikgeschmack und die optische Präsentation. Und wenn es das einzige Blamable wäre, das sich im Laufen eines Jahres ergibt, könnte man sich seine Teilnehmerbestätigung per Post zuschicken lassen, auf die TV-Ausstrahlung verzichten und sich in den Schmollwinkel zurück ziehen.

Aber Deutschland ist hartnäckig und sucht immer wieder Gründe, die das Land aus einer peinlichen Sicht zeigen können. Ob es nun der Touri-Starrsinn ist, der einen deutschen Urlauber schon aus größerer Entfernung erkennen lässt, indem er mit Socken und Sandalen vom Strand direkt volltrunken in einen Nobelschuppen zum Abendessen stolpert, oder sich lautstark beschwert, weil im spanischen Spezialitätenrestaurant auf der Lieblingsinsel keine Bratwurst mit Sauerkraut serviert wird - man kann nicht sagen, dass Deutschland eine talentfreie Zone wäre, wenn es darum geht, sich lächerlich zu machen.

Auch die Hilflosigkeit der Behörden erhöht nicht gerade die Vertrauenswerte im Ausland. Selbst Länder, in denen Korruption offensichtlich ist, haben Deutschland etwas Wichtiges voraus: Die staatliche Autorität wird jedenfalls nach Aussen hin gewährleistet und irgendwie funktioniert das System auch dort. Natürlich freut sich der klassische Deutsche, wenn die Vorzüge betont werden. Wenn die Gleichberechtigung lobend erwähnt und der scheinbare Wohlstand zum Vorbild wird. Aber wir wissen Alle, dass der Eindruck, für den soviel Energie verschwendet wird - nur ein Täuschungsmanöver ist. Der Neuwagen des Nachbarn gehört der Bank und die neue Küche wurde zusammen gebettelt. Hauptsache, die Optik stimmt.

Natürlich "dürfen" auch Frauen arbeiten. Man sollte nur dazu sagen, dass man sich in den meisten Fällen das Leben gar nicht leisten könnte, wenn die Frau sich ausschließlich um den Haushalt kümmern würde. In kaum einem anderen Land sind Mieten und Energiekosten so hoch wie im "vorbildlichen Deutschland" Natürlich gibt es so etwas Ähnliches wie Gleichberechtigung. aber es sollte Jedem gleich gut gehen und nicht gleich schlecht. Im Ausland hat man das schon teilweise begriffen - nur in Deutschland nicht. Man könnte natürlich sagen, dass wie immer kein Geld da wäre. Aber wenn ein "ach so wichtiges Projekt" ansteht, kommt der Mann mit der Bunkerkohle und zaubert genau die richtige Summe als Überschuss aus dem Hut.

Auch das macht das Land unglaubwürdig und wenn einmal wirklich nichts da sein sollte, glaubt DAS niemand. Ehrlich gesagt: Völlig zurecht, denn "einen reichen Onkel" der immer alles gezahlt hat und plötzlich pleite sein soll, würde Jeder als Legende ansehen. Selbst das hoch gelobte deutsche demokratische System hat im Ausland hat Kratzer bekommen, denn wenn sich "Wir sind das Volk-Schreier" als Möchtegern-Politik outet, findet das im Ausland eher Belustigung als Bewunderung. Im schlimmsten Fall sogar Besorgnis, denn offenbar ist Deutschland das einzige Land mit historischer Alzheimer. Auch wenn es einen großen Rechtsruck in ganz Europa gibt - für Deutschland gelten da andere Kriterien.

Welch ein Glück, dass Deutschland Etwas wirklich gut macht. Das Land kann Satire - nicht immer oberhalb der Gürtellinie, aber so kann man wenigstens über blamable Zustände noch lachen...

2 Kommentare

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was soll ich jetzt sagen lieber Peter.... es ist noch so früh am Tag, da sag ich erstmal nix...
  • 15.05.2016, 08:14 Uhr
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Peter Leopold
  • 15.05.2016, 08:15 Uhr
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