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Der Zwang, geliebt werden zu wollen

Der Zwang, geliebt werden zu wollen

Peter Leopold
17.05.2016, 04:27 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Kaum Jemand will nicht geliebt, geschätzt oder zumindest respektiert werden. Das ist ein positiver Effekt, den man nur zu gerne für sich in Anspruch nimmt. Aber ist es immer das eigene Verhalten, das die Ursache für die Verweigerung dieser Dinge ist? Oder muss man schon von Machtposition sprechen, wenn man man den Drang nach Wertschätzung und Liebe nutzt um sich einen Vorteil zu verschaffen? Im Netz müsste man das annehmen. Man ist ja nicht wirklich Jemandem verpflichtet. Und im realen Leben? Sind Andere mit solchen Wünschen im Nachteil?

Manchmal könnte man wirklich denken, dass es auch einen Zwang gibt, geliebt zu werden. Immerhin tut man auch Einiges dafür. Und man versucht auch Vieles in Kauf zu nehmen. Wenn die zu erwartenden Vorteile überwiegen, funktioniert das System auch. Schlimm wird es im Einzelfall erst dann, wenn man bereit ist, Alles über sich ergehen zu lassen und auch alles mitr sich machen lässt.

Sowohl im privaten Bereich, als auch im Beruflichen oder Politischen ist eine Anfälligkeit für den "Liebeszwang" vorhanden. Ein klares Beispiel ist der jüngste ESC und die Reaktionen, die darauf folgten. "Skandal" oder "Deutschland-Mobbing" sind nur zwei der verwendeten Begriffe, um eine Erklärung für das schlechte Abschneiden zu finden. Auf die Idee, dass der Song und dessen Interpretation unterirdisch waren, kommen nur Wenige. Warum sollte man auch die Schuld bei sich selbst suchen? Hat Deutschland auch bisher nur in wenigen Fällen gemacht.

Taktische politische Manöver wie die Äußerung der AfD, dass "die Politik Merkels dazu geführt hätte, dass Jamie-Lee Letzte wurde" hat schon etwas Kurioses. Ebenso Kurios ist, was alles herangezogen wird, um der AfD weitere Stimmen zu verschaffen. Also ob Deutschland einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen würde, wenn andere politische Gruppen mit seltsamen absurden Ideen etwas zu sagen hätten. Dass der ESC immer schon auch eine politische Komponente war, sollte Niemandem verborgen geblieben sein.

Deutschland versucht, sich seit Jahrzehnten seine Beliebtheit im Ausland zu erkaufen, um mögliche Vorteile zu nutzen. Dass noch Niemand auf die Idee gekommen ist, dass der freundlich grinsende Wirt in Istambul zwei Minuten vorher noch auf den Touristenteller gespuckt hat, zeigt schon eine gewisse Überheblichkeit. Sowas würde man ja beim großen und mächtigen Deutschen nie machen. Falsch gedacht: Natürlich würde man - und in anderen Ländern passiert so etwas auch. Geld ist nun einmal nicht Alles. Die Frage ist nur, wann das in Deutschland erkannt wird - privat und allgemein gesellschaftlich.

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15 Kommentare

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Der Wunsch nach Liebe, sozialen Kontakten und der Zugehörigkeiten zu sozialen Gemeinschaften gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Wenn man das Zwang nennen möchte, kann man konsequenterweisen auch den Wunsch nach Essen und Wärme einen Zwang nennen.

Wer sich von diesem Bedürfnis völlig frei spricht, ist entweder psychopathisch, ein absoluter Einzelfall oder - wohl in den meisten Fällen - tut er dies, weil er bereits genügend soziale Bindung hat, sei es durch PartnerIn, Kinder, Freunde usw. usf.

Wem die anderen so egal sind, der wird sich auch nicht regelmäßig vor den Rechner setzen und deren Verhalten mal mehr mal weniger wohlwollend beleuchten .... denn die wesentliche Antriebskraft für sowas müssten doch die Leser sein und zwar vor allem die, die sich durch einen Kommentar oder ein Lesenswert "outen".

Ob sich dieses Verhalten so auch auf Gruppen und Regierungen übertragen lässt, wage ich zu bezweifeln, in der Regel geht es hier doch um die Wahrung eigener Interessen und dem Machterhalt oder -Ausbau und nicht um die Beliebheit. Der AfD wird ihre Beliebheit am Ar.. vorbeigehen, solange sie gewählt wird.
  • 18.05.2016, 14:57 Uhr
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Peter Leopold
Diese Grundbedürfnisse gibt es zwar zweifellos, aber am Ende ist es eine Frage der Dosierung. Wenn Jemand anfängt, sich selbst untreu zu werden und sich für Andere verbiet, damit er in ein bestimmtes Bild passt, DANN ist das schon ein sehr krankes Bild.
  • 18.05.2016, 15:10 Uhr
  • 0
  • 19.05.2016, 01:14 Uhr
  • 0
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Peter, das ist mir alles zu viel Durcheinander. Mich muß niemand lieben, wenn er nicht möchte. Darauf spekuliere ich nie. Ich bin ich und dazu stehe ich. Ich habe im realen Leben alles was ich benötige. Was soll diese Liebesjammerei? Ich bin deutsch, aber das muß man nicht mögen und mir ehrlich gesagt ist das auch völlig wurscht!!! Jeder soll oder kann so sein wie er mag, aber unter Liebe oder auch nur mögen verstehe ich ganz was anderes. Mit ist doch egal warum und wer diesen blöden ESC gewinnt. Wenn die Veranstalter damit glücklich sind. Ich habe dazu nicht beigetragen und habe den Mist net mal geguckt. Und Frau Merkel wird auch ziemlich egal sein ob fremde Menschen sie "lieben". Ich finde diese Notiz von Dir ging völlig daneben, aber das ist mir auch wurscht
  • 17.05.2016, 22:31 Uhr
  • 1
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Lieber, Peter, ich würde sagen Pichelsteinereintopf.
Gut gemeint, schlecht gekocht gekocht
Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen geliebt zu werden. Das heißt, angesehen und angehört, berührt zu werden.
Es gibt Menschen, die sich schlagen lassen um sich selber und die Nähe eines Menschen zu spüren.
"Die Kunst des Liebens" von Erich Fromm ist da ein hilfreiches Büchlein -
Egal ob Sängerin oder Mutter der Nation, beide haben dieses Grundbedürfnis - von Machern wurde und wird es ständig Mißbraucht und fehlgeleitet. Da muss man schon ein tiefes Urvertrauen in sich tragen, dass das was man macht nicht davon geleitet wird. Es sind zweierlei Geschichten, denke ich so...
  • 17.05.2016, 17:23 Uhr
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Peter Leopold
Schlagen lassen um sich selber und die Nähe eines Menschen zu spüren ? Na das ist aber schon sehr grenzwertig
  • 17.05.2016, 17:57 Uhr
  • 1
Ja da stimme ich dir zu, es ist ein Zeichen von Fehlentwicklungen.
Frag doch mal eine Domina. Sie weiß was ihr Geld bringt...
  • 17.05.2016, 18:08 Uhr
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Peter Leopold
Naja..die gehören nicht unbedingt zu meinen "Standard-Gesprächspartnern" .-/
  • 17.05.2016, 18:13 Uhr
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Ich gebe zu es ist ein sehr drastisches Beispiel, kaum verständlich für jene, die sich damit nicht beschäftigen wollen müsssen.
Bleiben wir also beim Grundbedürfnis nach Liebe/Zuwendung:
http://du-bist-frei.org/grundbeduerf...nd-bindung/
  • 17.05.2016, 21:33 Uhr
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für mich ist es wichtiger lieben zu können, danach gibt es ja vielleicht auch liebe zurück. mir scheint alle(Frauen) wollen zuerst einmal geliebt werden
  • 18.05.2016, 10:55 Uhr
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Sönke,
der Schein trügt, nicht nur Frauen, auch Männer wünschen sich das oft.
Deine Einstellung trifft es eher und als erste bedingungslose Liebe wird immer wieder die Mutterliebe genannt.

Wobei heute alles nicht wirklich mehr gilt. Wir müssen es wohl selber erarbeiten. Männer die zuviel Lieben werden oft als schwach bezeichnet. Das Leben ist rätselhaft

Allerdings denke ich wer einmal sich wirklich geliebt gefühlt hat braucht nicht mehr die Anerkennung durch Applaus oder anderen Ovationen: Er/sie tut was dran ist - singen oder regieren
  • 18.05.2016, 11:24 Uhr
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Sehr guter Beitrag! Nach dem Lesen sollte man sein eigenes Verhalten auch einmal gründlich hinterfragen. Es erfordert schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein um nicht auf der Beliebtheitswelle durchs Leben zu paddeln.
  • 17.05.2016, 11:43 Uhr
  • 2
Peter Leopold
Stimmt. Zum Glück war es mir persönlich immer völlig egal, was Andere sagen, denken, tun oder wollen. Das mag egoistisch klingen - ist es aber nicht. Ich orientiere mich aber nicht an Anderen.
  • 17.05.2016, 11:48 Uhr
  • 2
Mir ist inzwischen nur noch die Meinung einiger wichtig - mit denen ich mich auch kritisch austauschen darf und kann. Wer keine Kritik verträgt, darf auch nicht kritisieren. Ich denke, jeder von uns macht auch immer wieder Fehler, mit denen wir uns auch selbst in Frage stellen müssen und oft muss man seine Meinung auch sachlich korrigieren - aber nicht um irgend jemanden zu gefallen. Wer einen Menschen nur schätzt, der ihm nach dem Mund redet - liebt ja doch nur seine eigene Meinungen - oder sich selbst.
Dass bei solchen Veranstaltungen nicht alles nur nach Können läuft, denke ich, ist so - aber d.h. nicht, dass ich Schlechtes für Gut halte.
  • 17.05.2016, 15:32 Uhr
  • 3
Da bin ich ganz deiner Meinung...
  • 19.05.2016, 01:21 Uhr
  • 0
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