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Warum wir Trolle brauchen

Warum wir Trolle brauchen

31.05.2016, 17:38 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wenn wir über Trolle im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken sprechen, meinen wir nicht die mehr oder weniger grauenhaften Fabelwesen, die, mit einer riesigen Keule bewaffnet, stinkend und sabbernd durch dunkle Verließe oder ebenso dunkle Wälder schlurfen. Das heißt - in gewissem Sinne trifft die Beschreibung auch auf die Internet-Variante zu.

Trolle, wie wir sie nicht nur auf seniorbook vorfinden, sind keine Fabelwesen. Es sind wirkliche Menschen, die es darauf angelegt haben, Diskussionen aus dem Ruder laufen zu lassen, ihre Gegenspieler mit Hohn, Spott und Beleidigungen zu überziehen, Intoleranz und Diskriminierung zu verbreiten und - was ihnen meist am Wichtigsten ist - Hass auf sich zu ziehen. Letzteres wird oft übersehen, oder für die Problembewältigung als nicht relevant betrachtet. Doch gerade das, die Sucht nach Hass, ist das eigentliche Motiv für Internet-Trolle, wie zahlreiche psychologische Forschungsarbeiten belegen. Und gerade das macht Trolle so wichtig für soziale Netzwerke, wie unangenehm und manchmal schmerzhaft der Umgang mit ihnen auch ist.

Was bewegt einen Menschen dazu, aus der Sicherheit seiner Anonymität hinter dem Computer heraus Menschen zu verunglimpfen, zu beleidigen, zu diskriminieren? Die Antwort ist überraschend einfach: Es ist das für den Troll unerträgliche Bewusstsein der eigenen Bedeutungslosigkeit. Im wirklichen Leben ist der Troll meist ein Mensch, der nichts erreicht hat, zumindest nichts von den Dingen, die ihm einmal erstrebenswert erschienen sind. Der Troll fühlt sich aber nicht als Versager, sondern als Opfer. Opfer einer grausamen, verständnislosen Gesellschaft. Opfer einer geheimnisvollen, allmächtigen Kaste, die ihm, und allen wie ihm, jeden Weg zum Erfolg und zur Selbstverwirklichung verbaut. Opfer einer schwachsinnigen Horde von Ignoranten, die in ihrer Dummheit seinen überlegenen Geist nicht zu würdigen wissen.

Ab hier ist der Weg vorgezeichnet. Aus Minderwertigkeitsgefühlen wird in den meisten Fällen Wut. Aus Wut wird Hass. Hass auf alles und jeden. Und nun liegt eine wichtige Weggabelung vor dem mit seinem Schicksal hadernden Zeitgenossen: Er kann den Weg in die passive Verbitterung gehen. Wer sich dafür eintscheidet, erscheint als Troll in den sozialen Netzwerken und als Gefolge der rechtsnationalen, demokratiefeindlichen Bewegungen. Oder er geht den Weg des Hasses weiter. Diese kleinere Gruppe taucht in den Nachrichten auf, und das öfter, als uns lieb ist. Wenn jemand auf dem Stadtplatz wahllos auf Passanten einsticht, mit Gesinnungsgenossen ein Asylbewerberheim anzündet oder, im Extremfall, mit einem umgeschnallten Sprengstoffgürtel eine U-Bahn-Station betritt, haben wir es mit jemandem zu tun, dem es nicht genügt hat, nur Troll zu sein.

Deshalb brauchen wir Trolle in unseren Netzwerken. Je mehr von ihnen diesen Weg gewählt haben, desto weniger wählen den anderen Weg. Und desto mehr von ihnen haben wir unter Beobachtung und können die Warnzeichen sehen, wenn bei einem von ihnen etwas aus dem Ruder läuft, denn Trolle sind mitteilungsbedürftig. Es kommt nur darauf an, die Warnzeichen zu erkennen und ernst zu nehmen.

Mein Vorschlag zum Umgang mit Trollen ist anders als die üblichen Tipps. Ein Troll braucht die Beschimpfung und Verachtung der Gemeinschaft, die er kontaminiert. Dafür tut er es ja im Wesentlichen. Über die Motive gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche Psychologen vermuten, dass dahinter der Wunsch nach Bestrafung steckt, Bestrafung für ein verpfuschtes Leben. Andere Experten glauben, dass Trolle eine sadomasochistische Veranlagung entwickelt haben und ihre Anwesenheit in einer Online-Community als digitalen (und kostenlosen) Ersatz für ein Rendezvouz mit einer Domina (oder einem Dominator) sehen.

Wie auch immer. So lange ein Troll aus seiner Online-Aktivität die Befriedigung bezieht, die er sich wünscht, wird er keinen anderen, dramatischeren Weg gehen. Also sollten wir - zu unserer eigenen Sicherheit - Trolle nicht nur dulden, sondern auch ihren Erwartungen entsprechend behandeln. Es ist völlig aussichtslos, einen Troll beschwichtigen oder auf einen vernünftigen Weg bringen zu wollen, denn das ist es nicht, was er haben möchte. Alles, was wir damit erreichen, ist eine Radikalisierung seiner Verhaltensweisen, durch die der Troll versucht, die ersehnten virtuellen Peitschenhiebe doch noch zu beziehen.

Und genau das sollten wir tun. Beschimpfen wir sie. Beleidigen wir sie. Verhöhnen wir sie. Mit einem Wort: Machen wir sie glücklich. Denn dann bleiben sie, was sie sind: ein notwendiges Übel.

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40 Kommentare

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Super geschrieben ... Respekt!
  • 31.05.2016, 22:32 Uhr
  • 0
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Ich gehe Trollen aus dem Weg. Habe keine Lust, hier irgenwelche Wesen zu beschimpfen, nur weil es ihnen dann besser geht. Ich beachte sie nicht, sorry....
  • 31.05.2016, 21:21 Uhr
  • 2
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Interessanter Beitrag... mal aus einem anderen Blickwinkel
  • 31.05.2016, 21:07 Uhr
  • 1
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Hm - wenn ich das beim hier doll trollenden Troll richtig sehe, ist es ihm wichtig, dass seinen sexuellen Neigungen verbal entsprochen wird - und wehe man macht nicht mit und wendet sich angeekelt sogar ab. Dann wird es erst Recht heftig - wie ich heute las, droht er sogar mit dem Tod.
Das ist schon sehr extrem krank - und vor allem extrem Machtgeil - darum geht es auch dem Troll - er möchte Macht über seine Mitmenschen haben, indem er sie niedermacht.
  • 31.05.2016, 20:59 Uhr
  • 1
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Diese Kriterien gut herausgearbeitet ...
lassen sie uns hier jeden Tag gut erkennen!
Und richtig, wer sie liebt der füttert sie!
  • 31.05.2016, 20:28 Uhr
  • 4
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Ich sehe nicht ein, dass ich bei Trollen auch noch den Psychater mime.
Gibt es denn auch weibliche Trollchen?
  • 31.05.2016, 20:00 Uhr
  • 0
bestimmt...., lieber Heinzi,
gibts auch diese
  • 31.05.2016, 20:03 Uhr
  • 3
Ach Sybillchen, seit 3 Jahren warte ich auf
ein weibliches Trollchen. Mein Gedicht darüber
war wohl für die Katze
  • 31.05.2016, 20:05 Uhr
  • 2
Herzele, nicht auf geben...das Trollchen wird sich schon noch einfinden
  • 31.05.2016, 20:06 Uhr
  • 2
Billchen, Dein Wort in meinem Ohr
  • 31.05.2016, 20:12 Uhr
  • 1
wer braucht schon einen troll
  • 31.05.2016, 20:19 Uhr
  • 1
Tina, ich habe doch nur differenziert bei den Trollen
  • 31.05.2016, 20:22 Uhr
  • 0
ach so .... dann geht es ja
  • 31.05.2016, 20:25 Uhr
  • 1
Ja sicher. Ich habe mit Frauen Erfahrung. Siehe hier

KOMM ZU MIR DU SÜSSER TROLL

Bist Du so ein echter Troll?
ich fänds wirklich Wundervoll
hättest Du lange schwarze Haare
mit Komplimenten ich nicht Spare
ich kann es fast nicht Glauben
Du hast ja süsse Kulleraugen
trollig Du herrlich Trollchen
ich träume von so nem Bollchen
meine Güte erst Dein rotes Mündchen
allein mit Dir mal so ein Stündchen
erhöre mein sehnlichst Flehn
möcht mit Dir mal trollen Gehn.
  • 31.05.2016, 20:27 Uhr
  • 1
jetzt verstehe ich warum du
kein glück hast ......
  • 31.05.2016, 20:28 Uhr
  • 1
Och Tina. Meinst Du ich habe die falschen
psychologischen Ansätze verwendet?
  • 31.05.2016, 20:33 Uhr
  • 1
grins ... sieht so aus
  • 31.05.2016, 20:32 Uhr
  • 1
Ich habs einfach nicht drauf, uäääähhh
  • 31.05.2016, 20:33 Uhr
  • 0
  • 31.05.2016, 20:34 Uhr
  • 1
Ilchen, lass uns davon Trollen
  • 31.05.2016, 22:16 Uhr
  • 1
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Ignorieren
  • 31.05.2016, 19:55 Uhr
  • 1
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Diese Art Dialog führe ich erst garnicht. Troll hin Troll her. Aber kranke Menschen sinds, Da geb ich dir Recht, nur lasse ich mich nicht hinreißen, das Spiel mit zu spielen.
  • 31.05.2016, 19:39 Uhr
  • 2
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Ein hervorragender Beitrag.
  • 31.05.2016, 18:54 Uhr
  • 1
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Stimme Dir voll zu - es entspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen...

Hier kann man die Versager im Leben deutlich erkennen...
  • 31.05.2016, 18:31 Uhr
  • 3
Das mag sein, Elmar, dennoch mag ich mich nicht zum Schimpfen und Beleidigen aufrufen lassen... das hat - irgendwie - ein "Geschmäckle".
Nicht nach meinem Geschmack, ganz und gar nicht!
  • 31.05.2016, 18:31 Uhr
  • 3
Das sollst Du auch nicht und geht aus dem Kommentar deutlich hervor...
  • 31.05.2016, 18:35 Uhr
  • 0
Verstehe ich das falsch?
"Und genau das sollten wir tun. Beschimpfen wir sie. Beleidigen wir sie. Verhöhnen wir sie. Mit einem Wort: Machen wir sie glücklich. Denn dann bleiben sie, was sie sind: ein notwendiges Übel."
  • 31.05.2016, 18:38 Uhr
  • 2
Da gebe ich Dir Recht - diese Alternative sollte man nicht bevorzugen - insoweit schränke ich meine Zustimmung ein. Wird auch wissenschaftlich nicht empfohlen. Danke für den Hinweis - hatte ich anders gelesen...

Die Analyse war richtig - in der Reaktion sollte man ihnen aus dem Weg gehen und/oder melden...
  • 31.05.2016, 18:49 Uhr
  • 1
Im gesamten Text geht es darum, sich einem "Troll" anzupassen!
Nicht mein Ding!
  • 31.05.2016, 19:26 Uhr
  • 1
Stimme Dir zu. Man soll nie einen Troll füttern...Außerdem könnte er den Eindruck gewinnen, man zähle sich selbst zu einem Lebensversager..

Bei mir entsteht immer nur Mitleid mit diesen untauglichen Versuchen, mich auf sein Versagermodell einzulassen..
  • 31.05.2016, 19:31 Uhr
  • 1
Emil Horowitz sieht es anders.
Sein Recht, seine Meinung... und ob er es wirklich ernst meint, steht in den Sternen oder wo auch immer.
Egal!
  • 31.05.2016, 19:37 Uhr
  • 1
  • 31.05.2016, 19:43 Uhr
  • 0
Na, die Ironie in dem Text ist doch unverkennbar !
  • 01.06.2016, 09:51 Uhr
  • 1
Wenn es so ist - alles ok...
  • 01.06.2016, 09:57 Uhr
  • 0
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