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Kinder mit Münzeinwurf

Kinder mit Münzeinwurf

Peter Leopold
04.06.2016, 05:20 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Seltsame Ideen tun sich in Deutschland auf. Viele davon sind Grund für langwierige Streitereien, Diskussionen mit Stammtischniveau und Möchtegern-Experten, die wie Unkraut aus dem Boden schießen. Dumm ist nur, wenn diese Ideen auch den Weg in den Alltag finden, weil sie nicht etwa vernünftig erscheinen, sondern einfach beschlossen werden. Solche Dinge stoßen letztendlich ihnehin wieder auf großen Widerstand, sodaß sie ohnehin wieder geändert werden müssen.

Einde dieser Ideen ist eine geplante neue Unterhaltsregelung. Für alleinerziehende Hartz IV Empfänger sind 9 € viel Geld. Und der Unterhaltspflichtige Ex kann der Kindesmutter wohl demnächst so richtig an den Karren fahren. Nocht, dass es Manche nicht verdienen würden, aber als generelle Regelung ist das wie ein Totalschaden.

Das Prinzip ist einfach - zu einfach, als dass es funktionieren könnte. Für jeden Tag, den z.B. ein Grundschulkind beim Vater statt bei der Mutter ist, werden dieser neun Euro abgezogen und dem Vater als Unterhaltsverpflichtung zugeschlagen. Nun hat diese Sache aber mehrere Haken. Zum Einen wird das wohl dazu führen, dass Unterhaltsverweigerer um den Nachweis jedes Tages kämpfen werden, die das Kind bei ihnen ist und andererseits stehen die Chancen recht gur, dass "Geldfurien" alles versuchen werden, um das Kind dem Kindersvater völlig zu entziehen. Immerhin kostet sie ja jeder Tag, an dem das Kind nicht bei ihnen ist, bares Geld.

Und wenn man das Ganze noch weiter stricken will, muss das natürlich schon aus Gründen der Gleichheit gelten, wenn das Kind bei den Großeltern ist. Dann ist nichts mehr mit "Mama, kannst Du heute mal auf Deinen Enkel aufpassen ?" Ich sehe schon, dass Kinder in solchen Fällen eher alleine zu Hause gelassen werden, als dass ein Kindesvater oder die Großeltern betreuen dürfen.

Aber damit nicht genug: Ein Kind, dass entweder eine Ganztagesschule oder eine KITA besucht, wird ja auch nicht von der Unterhaltsempfängerin - oder besser gesagt - Unterhaltsverwalterin (Der Unterhalt steht ja dem Kind zu) an diese Tagen betreut, darf also auch keine Kosten verursachen. Wenn das Kind also nur 11 Tage im Monat ausser Haus verbringt, macht das schon 100 Euronen weniger Hartz IV Bezug für den erziehenden Teil, bei dem das Kind lebt.

Eigentlich könnte dieser Vorschlag alleine schon als Satire bewertet werden. Aber er ist leider traurige Realität und ich bin gespannt, wieviele Unterhaltsstreitigkeiten dann wieder vor Gericht enden. Einem Familienzusammenhalt zuträglich ist so ein Vorschlag jedenfalls nicht. Am Besten, man erfindet endlich Kinder mit Münzeinwurf. So müsste sich Jeder, der das Kind für sich "in Anspruch nimmt" nicht mehr streiten und könnte bequem wie beim Spielautomaten nach Lust und Laune investieren. Traurige Aussichten...

Übrigens..von Kommentaren wie "Nur die Wahlen können etwas ändern" bitte Abstand nehmen. Es geht hier um die Dummheit mancher Vorschläge, die es in allen Lebensbereichen gibt, nicht um politische Fehlbesetzungen.

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11 Kommentare

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Wenn die Eltern sich nicht einigen können, bestellt das Familiengericht einen Umgangspfleger. Der wird es schon verbindlich für beide Seiten regeln..

Kenne mehrere Fälle, die dann bestens funktionieren...

https://dejure.org/gesetze/BGB/1684.html
  • 04.06.2016, 09:04 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Das sollte am Ende auch so sein. Aber was ist mit den nicht so seltenen Fällen, in denen sich die Eltern nur "bewaffnet" treffen? Da hilft nicht mehr viel...
  • 04.06.2016, 09:06 Uhr
  • 0
Es ist immer wieder zu beobachten, dass der Rosenkrieg auf den Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Irgendwie will man den anderen schaden - egal wie.

Nach einer gewissen Zeit sind auch Einigungen unter den Eltern möglich. Bei manchen dauert der Streit aber dauerhaft an - dann muß ein Pfleger her - möglichst auch eine alleinerziehende Mutter mit Erfahrung - die das dann regelt. Sie wird dafür auch vergütet...
  • 04.06.2016, 09:10 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Wäre ja wünschenswert. Aber ich kenne da Einige, die selbst damit nichts anfangen könnten
  • 04.06.2016, 09:11 Uhr
  • 0
Dann können weitere Maßnahmen erwogen werden - bis zum Entzug des Sorgerechts...

Familiensachen sind die emotionalsten Sachen bei Gericht überhaupt. In vielen Jahren ist es sogar zum Schusswaffengebrauch gekommen. Aus diesen Gründen finden ja auch die Eingangssicherungen statt.

Jedenfalls darf es nicht dazu führen, dass Väter nur deswegen ein Höchstmaß an Umgangsrecht fordert, um die Mutter zu schädigen. Es ist nicht zum Wohl des Kindes und es handelt sich um Kindesunterhalt - seines Kindes....
  • 04.06.2016, 09:23 Uhr
  • 0
Peter Leopold
DAS ist der Punkt. Und ich fürchte, genauso wird es kommen....
  • 04.06.2016, 09:27 Uhr
  • 0
Ich kenne akademisch "besorgte" Väter aus meinem Bekanntenkreis, die alles versuchten. Später kümmerten sie sich einen Dreck um die Kinder.. Alles nur, um der Mutter eins auszuwischen...
  • 04.06.2016, 09:29 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Kommt ja bisher schon oft genug vor...und es wird mehr werden...
  • 04.06.2016, 09:30 Uhr
  • 0
Ich persönlich finde die alte Grundregelung gut. Die Mutter sorgte für den Naturalunterhalt, der Vater für den Barunterhalt. Umgangsrecht ein bis zweimal im Monat.

Da klappte vieles besser.

Heute ist ja jede Form möglich.
  • 04.06.2016, 09:32 Uhr
  • 0
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Ich hoffe das diese Regelung kommt und die gebeulteten Väter einen Sturm auf die deutsche Gerichte laufen. Für mich würde diese Regelung zu spät kommen.
  • 04.06.2016, 06:43 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Naja..jedenfalls wird es Dauerstress geben - vor Allem für die Gerichte.
  • 04.06.2016, 07:38 Uhr
  • 0
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