wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Brexit - was nun ?

Brexit - was nun ?

Peter Leopold
24.06.2016, 07:04 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Seit Monaten gibt es Diskussionen über den Austritt Großbritanniens aus der europäischen Union. Nun wurde auf nationaler Ebene abgestimmt. und das Ergebnis war weniger klar als es sich die Befürworter des Brexit gewünscht haben. Das Land steht vor einer kompletten Spaltung und die Auswirkungen werden in erster Linie die Briten selbst zu spüren bekommen. Für die Staaten ist das Königreich ohne EU-Mitgliedschaft nur die Hälfte wert und für die anderen EU-Staaten sinkt der Wert noch tiefer. Schottland hat beispielsweise mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib in der EU gestimmt. Daher wird sich langfristig auch die schottische Unabhängigkeitsbewegung durchsetzen. Nordirland hat wohl auch fast geschlossen gegen einen Austritt gestimmt. Damit ist das vereinigte Königreich durchaus einsturzgefährdet.


Die "Austritts-Kampagne" hat nur ein paar Kleinigkeiten vergessen. Ein definitiver Austritt mit allen Konsequenzen kann frühestens in zwei Jahren erfolgen und das EU-Parlament muss ebenfalls zustimmen. Die Auswirkungen wird man aber sofort spüren. Millionen britische Bürger finden sich in einem vergleichsweise kurzem Zeitraum ohne gültige Reisedokumente, denn der EU-Pass wird für Briten schneller ungültig, als sie sich vorstellen können. Und die Wirtschaft? Abgesehen von der Abwertung des britischen Pfund um mindestens 20% kann es keine Fortsetzung der bisherigen Geschäftsbeziehungen unter gleichen Bedingungen geben. Schon jetzt ist das britische Pfund auf den tiefsten Stand seit 1985 gefallen und die Börsen sind auf Talfahrt.

Einwanderer, die sich im Königreich niedergelassen haben, werden sehr schnell ohne Aufenthaltsgenehmigung sein und Firmen die auf der Basis des EU-Rechts gegründet wurden, könnten schnell als illegal deklariert werden, weil es bislang keinen Rechtsstatus auf nationaler Ebene für EU-Firmen gibt.

Der Finanzplatz London verliert ebenfalls an Bedeutung, denn alleine die Tatsache, dass bereits seit zwei Monaten, Auslandsüberweisungen (Renten, etc) nicht mehr über britische Transferenzbanken laufen, ist sehr aussagekräftig.

Auch für Deutschland wird sich einiges ändern. Die Exporte werden ebenso einbrechen wie andere Beziehungen mit dem Königreich, die auf EU-Recht bezogen sind. Dass alle ausgehandelten Sonderrechte, die England bisher genossen hat wegfallen, ist selbstverständlich und eine neuerliche Verhandlung würde die Positionen schwächen. England gehört nicht zum Schengen-Raum. Das bedeutet, dass selbst kurzfristige Urlaube nicht so ohne Weiteres möglich sind - jedenfalls muss damit gerechnet werden, dass plötzlich die Preise für Briten - sogar während dem Sommerurlaub drastisch erhöht werden - on den übrigen Preissteigerungen einmal abgesehen. Es versteht sich von selbst, dass die EU wohl erst einmal keine Investitionen in England tätigen wird.

Nicht vergessen darf man auch die Zuverlässigkeit, die man ab diesem Zeitpunkt im EU-Raum zumindest bezweifeln darf. Das Vertrauen dürfte schon bald völlig am Boden liegen. Natürlich ist die EU eine Art Bürokratiemonster und da muss sich auch Einiges ändern. Aber es gibt nun einmal Dinge, die unumkehrbar sind, wenn man nicht die Konsequenzen spüren will. England wird demnach ein Drittstaat und muss unter erschwerten Bedingungen neu anfangen. Viel Unterstützung wird es allerdings nicht geben.

Ein Domino-Effekt ist wahrscheinlich. Aber an diesem Beispiel sieht man schon bald, wie sich so eine Entscheidung auswirkt...Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 72%. Am Ende wird sich zeigen, ob die EU mehr die Briten braucht oder die Briten die EU, denn Viele kennen England ohne EU gar nicht.

Mehr zum Thema

5 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Heute dazu gelesen"In Südeuropa herrscht das Austeritätsdiktat(Sparsamkeit,musste ich nachschlagen)Während die Länder an der Peripherie bluten,die Jugend arbeitslos ist,profitieren Banken und Konzerne.Die Völker werden für dumm verkauft....Der Kaiser ist doch nackt,rufen die Menschen einander zu.Der Brüsseler Hofstaat aber tanzt und lobt die schönen Kleider"
  • 30.06.2016, 22:46 Uhr
  • 2
Naja für mich ist die EU eine Diktatur und die nur der Zerschlagung von Demokratie und Nationalstaatlichkeit
  • 10.07.2016, 13:26 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Bester Peter , ich finde deinen Beitrag sehr gut und wie gesagt man steht erst am Anfang. Aber anderseits bin ich erfreut das es auch noch einen Menschenwelt gibt wo Gefühle auch noch eine Rolle spielen. Wenn du in München wohnst und es sagt dir einen aus Hamburg welche Farbe Klopapier du zu kaufen hast oder wie schwer deinen Staubsauger saugen darf ,dann würdest du doch auch sagen das du das selber bestimmen willst. Das die UK gespalten wird ja, aber teilweise haben die es an sich selber zu verdanken mir NUR 72 % Beteiligung. Dass hätte mindestens 92 sein müssen mit wahrscheinlich ein ganz anderes Resultat.
  • 27.06.2016, 10:34 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
dem nichts mehr hinzuzufügen
  • 24.06.2016, 09:08 Uhr
  • 1
dito
  • 24.06.2016, 16:36 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.