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IN or OUT – or both?

IN or OUT – or both?

01.07.2016, 19:00 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

IN or OUT – or both?

England ist zur Zeit sehr IN -
Nein, nicht etwa in der Gruppe der noch übriggebliebenen EM-Aspiranten. Na, da hat der kleine Nachbar Island dafür gesorgt, dass es anders gekommen ist, als die Crew aus dem Mutterland des Fußballs sich das gedacht hatte. Nun ist England sowas von OUT, outer geht’s gar nicht. Island hat ungefähr so viele Einwohner wie Bielefeld, so um die 330 000. Da kann man eigentlich kaum erwarten, dass ein so kleines Land in der Lage ist, eine Mannschaft zusammenzustellen, die den Rest Europas das Fürchten lehrt. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder, wie man sehen kann.

Im Grunde waren es doch die Engländer, die uns Kontinentaleuropäern stets zu zeigen bemüht waren, 'wo der Barthel den Most holt', was nichts anderes heißen soll, als dass sie immer wussten, die Dinge so zu drehen und wenden, dass etwas für sie dabei heraussprang. Nicht umsonst galt London – jedenfalls bis vor ein paar Tagen – als das erfolgreiche Welthandelszentrum. Und über Jahrhunderte hätte man meinen können, dass die Geschicke der Welt in Westminster gestaltet werden. Da liefen viele Fäden zusammen, an denen man ziehen konnte, damit irgendwo auf der Welt die Puppen nach der britischen Pfeife tanzten.

Nun ist England zwar noch IN, nämlich weltweit im Gespräch, hier und dort auch im Gespött, denn es ist gleichzeitig auch OUT, und zwar gleich zweifach. Aus der EM wurde es durch die Spätwikinger aus Island herausgekickt, und aus der EU hat es sich durch das unerwartete Ergebnis eines leichtsinnig und voreilig initiierten Referendums herauskatapultiert. Dass selbst der Initiator des Volksentscheids nicht mit Letzterem gerechnet hat, kann man daraus schließen, dass er sich ganz schnell nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses aus dem Staub gemacht hat.

Die Engländer können einem schon leid tun. Sie sind ein stolzes Völkchen, waren immer besonders stolz auf alles, was sie von den 'continentals' unterschied, und das war eine ganze Menge. Zwar waren sie von jeher geologisch durch den Kontinentalsockel mit dem Festland verbunden, doch das hielt sie nie davon ab, ihre eigenen Marotten zu pflegen, ihren SPLEEN eben.

Selbst im Sport, von dem man sagt, dass er die Völker verbindet, leisten sie sich eine Extrawurst, CRICKET genannt. Es gibt zwar außerhalb der British Isles Ecken in der Welt, in der Menschen leben, die sich diesem urenglischen Freizeitvergnügen verschrieben haben, doch muss man wohl in England geboren sein oder wenigstens dort seine genetischen Wurzeln haben, um zu verstehen, was auf dem Cricket-Platz geschieht.

Auch bei diesem Spiel geht es auf geheimnisvolle Weise um IN und OUT. Wie das? - Ich habe mir das mal von einem Engländer erklären lassen. Er meinte, es sei doch im Grunde ganz einfach.
Damit man das Ganze wirklich begreift, sind allerdings Basiskenntnisse der englischen Sprache erforderlich, was ich aber bei meinem geschätzten SB-Leserpublikum voraussetzen darf. Mein englischer Freund gab mir folgende Erklärung:

Cricket: As explained to a foreigner...

You have two sides, one out in the field and one in. Each man that's in the side that's in goes out, and when he's out he comes in and the next man goes in until he's out. When they are all out, the side that's out comes in and the side thats been in goes out and tries to get those coming in, out. Sometimes you get men still in and not out.
When a man goes out to go in, the men who are out try to get him out, and when he is out he goes in and the next man in goes out and goes in. There are two men called umpires who stay all out all the time and they decide when the men who are in are out.
When both sides have been in and all the men have out, and both sides have been out twice after all the men have been in, including those who are not out, that is the end of the game!

Benutzte Quelle: http://www.espncricinfo.com/ci/conte...429550.html

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5 Kommentare

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Nun ist es also passiert: Great Britain is out, Cameron is out -
Das Groteske ist, dass der britische Premier ja im Grunde lieber 'in' geblieben wäre - sowohl in der EU als auch in No. 10 Downing Street. Nun muss er das altehrwürdige aber unscheinbare Gebäude eher räumen als im lieb war. In ist ab Mittwoch eine Lady, die auch lieber in der EU geblieben wäre, die also nach eigenem Bekunden gegen den Brexit gestimmt hat. Theresa May ist ab Mittwoch neue Premierministerin. Ihr obliegt es nun, die schwierigen Verhandlungen mit Brüssel zu führen, die einen möglichst geräusch- und reibungslosen Ausstieg Großbritanniens ermöglichen. Das ist ein hartes Stück Arbeit. Sie muss nun versuchen, das durchzufechten, was die Brexiteers ihren Wählern großmundig versprochen haben, nämlich Great Britain wieder "Great" zu machen, Glanz und Gloria vergangener Epochen wieder aufleben zu lassen. Das wird ihr nur schwerlich gelingen, denn das 'glorious Empire' gehört ein für allemal der Vergangenheit an.
Frau May hat sich als Ziel gesetzt, die zerrissene Nation wieder zu einen und bei den Verhandlungen mit der EU so viel wie möglich für das eigene Land herauszuholen. Warten wir ab, ob es ihr gelingt.
  • 11.07.2016, 23:02 Uhr
  • 0
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Grinsend würde ich sagen, die Franzosen wussten schon immer von den Unterschiede, oder besser gesagt vom dem doppelten Profil der Briten! Als Nachbar bekommt man ja einiges mit
Und seit der Zeit als die Engländer Jeanne d´Arc verbrannt haben, ist eh keine richtige "Entente" mehr möglich
  • 02.07.2016, 11:41 Uhr
  • 0
Bis zum Ende des Hundertjährigen Krieges blieb es doch weitgehend unklar, ob die Franzosen eigentlich Untertanen des englischen Königs waren oder umgekehrt, zumal doch seit 1066 England praktisch unter französisch/normannischer Besatzung stand. Immer noch sind in ganz England die Spuren normannischer Herrschaft deutlich erkennbar, und so mancher englischer Landedelmann (Lord) kann sich noch sonnen in dem Ruhm seiner normannischen Vorfahren.
Das 'gespaltene' Verhältnis zwischen den beiden Nachbarn hält an bis in unsere Tage, wie man leicht sehen kann. Und das ist auch einer der Gründe, warum der 'gemeine Engländer' (the common people) - im Gegensatz zu einer Mehrheit der Oberschicht - es so schwer findet, sich als Europäer zu fühlen. Schon die Unterschiede in Sprache, Religion und Brauchtum erscheinen manchen als unüberbrückbare Hindernisse.
  • 02.07.2016, 12:13 Uhr
  • 1
Ja alles wurde sehr brenzlig um 1154 durch eine Liebesgeschichte!
Eleonore von Aquitanien ( Mutter von Richard Löwenherz) war zunächst verheiratet mit dem König von Frankreich!
Die Auflösung der Ehe mit Ludwig VII. gilt als eine der folgenreichsten Trennungen der Geschichte, da sie eine Entwicklung in Gang setzte, die zu einem mehr als 300 Jahre währenden Konflikt zwischen dem englischen und französischen Königreich führte. Kurz nach der Annullierung der Ehe mit dem französischen König heiratete Eleonore den jungen Heinrich Plantagenet, den Herzog von Anjou und der Normandie, der gleichzeitig Anwärter auf die englische Krone war. Weniger als drei Jahre später wurden Heinrich und Eleonore als englische Monarchen gekrönt.

Durch Aquitanien, Anjou und die Normandie waren die englische Monarchen auch Vasallen des französischen Königs, und sollten diesem huldigen!
Der nötige Kniefall dazu,wirkt wohl immer noch nach
Bekannt sind die Treffen zwischen den Nachfolger François Ier. und Richard Löwenherz!
  • 02.07.2016, 18:06 Uhr
  • 1
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Da weiß man nun wirklich nicht, wie die Situation zu bewerten ist. Das Volk, das die Weltsprache sein eigen nennt, eine Sprache, die über 300 000 Wörter ihr eigen nennt, mehr als das Deutsche und viel mehr als das Französische, erinnert sich wieder an die 'splendid isolation'.

Ihren Humor habe ich immer geschätzt. Ihre Literatur geliebt - aber mit der Monarchie konnte ich nie etwas anfangen, obwohl ich natürlich das englische Königshaus als Beweis für die Vererbung astrologischer Planeten gern nutze.

Aber politisch finde ich Monarchien, auch konstitutionelle, out of date. 54 000 € haben die Kleider gekostet, die Kate während der 4-tägigen Indienreise trug. Sie sah hinreißend aus, aber ich frage mich, ob man das Geld nicht besser nutzen könnte.
Es ist kein Neid, ich habe auch genug BLusen etc. -), aber ich komme mit meinem Gerechtigkeitsempfinden oft nicht mehr ganz klar.

Cricket must be wonderful, indeed, just coming in and going out

I came in to write a short commentary and now I'll go out - good night
  • 01.07.2016, 19:56 Uhr
  • 1
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