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Alle Menschen sind gleich

Alle Menschen sind gleich

Peter Leopold
18.07.2016, 05:48 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Ein schöner Satz - und doch so falsch, denn Manche sind eben gleicher. Immerhin sollten vor dem Gesetz alle Menschen gleich sein. Doch dass wir weit davon entfernt sind, alle Menschen gleich zu behandeln, zeigt das Schmerzensgeld Tabellenbeispiel aus der Versicherungsbranche. In dieser ist das gesamtes Haupthaar etwa 12.000 Euro wert, ein Ohr rund 30.000 Euro, eine Hand bis zu 42.000 Euro, ein Auge 110.000 Euro und ein Bein 390.000 Euro. Alle Körperteile zusammen ergeben einen Realwert von 3,3 Millionen Euro. Soviel zur Theorie.

Die Praxis sieht allerdings anders aus. So wird der Verlust von drei Fingern bei einem Pianisten höher bewertet, als bei einem Bauarbeiter weil auch das Einkommen des Betreffenden stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Das könnte man ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber die Tatsache, dass ein alter Mensch weniger hoch bewertet wird als ein Kind, hat schon einen bitteren Beigeschmack.

Entschädigt wird ein Mensch für die Schmerzen und das Leid, das er im Rest seines Lebens auf Grund der Verletzung noch erleiden muss. Interessant, wie Anwälte und Versicherungen die voraussichtliche Lebensdauer als Grundlage heran ziehen. Man darf sich nicht verleiten lassen, einfach zusagen, dass der Mensch "unbezahlbar ist", auch wenn das moralisch gesehen durchaus zutreffen mag. Aber die Finanzwelt hat ihre eigenen Gesetze und Moral hat da keinen Platz.

Die Entschädigung für den Tod eines Familienmitglieds richtet sich nach der Summe, die das Opfer aufgrund seiner bisherigen Biographie in der voraussichtlichen Lebensdauer noch verdient hätte. Auch die Frage, wie viel Schmerzen, Leid und emotionalen Stress das Opfer ausgesetzt war, spielt eine Rolle - wenn auch eine Untergeordnete. Nach den Anschlägen vom 11. September in New York wurde etwa das Leben eines Hilfsarbeiters mit 250.000 Dollar bewertet. Das Leben eines Bankers war den Versicherungen acht Millionen wert.

Wer nun denkt, dass diese auf US-Verhältnissen beruhenden Zahlen in Europa ohnehin nicht gültig wären, der irrt sich nicht. Es ist vielmehr so, dass die Entschädigungszahlungen beim Tod des Opfers in Deutschland vergleichsweise lächerlich erscheinen. Die Hinterbliebenen der Toten des Zugunglücks von Eschede aus dem Jahr 1998 bekamen umgerechnet 19.000 Euro - inklusive Beerdigungskosten.

Wesentlich großzügiger war da schon die Lufthansa beim Absturz der German-Wings Maschine. Pauschal gab es erst einmal 50.000 Euro. Dazu kamen 25.000 Euro für das Leiden des Opfers, 10.000 Euro für jeden nahen Familienangehörigen - Kinder und Partner, sowie eine Hinterbliebenenrente, die sich nach dem finanziellen Wert des Opfers für seine Familie richtete. Wenn das Opfer der Haupternährer der Familie war, lagen einzelne Summen aber sogar über eine Million Euro.

Die Frage ist, ob wir nicht alle mit einem umgehängten Preisschild durch die Gegend laufen sollten - nur für alle Fälle... wenn uns einmal ein Bus überfahren sollte. Zumindest würde das den Hinterbliebenen langwierige Klagen ersparen, denn eine Kleinigkeit fehlt bei diesen ganzen Berechnungen: Der emotionale Wert, den ein Mensch für die Angehörigen hat und der mit Geld nicht zu berechnen ist. Die Vorstellung, dass jeder Mensch gleich wäre, ist zumindest rechnerisch eine schöne Illusion...

14 Kommentare

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... unglaublich , wie unser aller , doch so wichtiges Leben berechnet wird
  • 18.07.2016, 07:09 Uhr
  • 3
Peter Leopold
Offenbar braucht der Mensch aber für Alles handfeste Zahlen .-/
  • 18.07.2016, 07:17 Uhr
  • 0
Peter , Zahlen hin oder her ;
ich bin etwas erschüttert , wie unterschiedlich doch die einzelnen Gliedmaßen der Menschen in Zahlen errechnet werden ..... ALLE sind doch gleich , also MENSCH ist Mensch , egal ob Pianist oder Bauarbeiter , Kind oder Erwachsene , et cetera pp . !
  • 18.07.2016, 07:27 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Ja, das sollte man annehmen. Aber die Praxis sieht da ganz anders aus :-
  • 18.07.2016, 07:55 Uhr
  • 2
... ja LEIDER !
  • 18.07.2016, 07:58 Uhr
  • 0
Nicht leider. Beethoven oder Einstein haben für die Menschheit mehr getan, als Du und ich. Wie Peter richtig schreibt, "alle Menschen sind gleich, manche sind gleicher".
Das war unter dem Kommunismus so, und ist bei uns nicht anders. Wichtiger ist allerdings, wie der jeweilige Mensch von seinem sozialen Umfeld beurteilt wird. Geld ist doch wirklich nur ein notwendiges Übel.
  • 18.07.2016, 08:08 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Und trotzdem scheint es die allgemein gültige Messlatte zu sein.
  • 18.07.2016, 08:09 Uhr
  • 0
Natürlich, aber man sollte es nicht zu wichtig nehmen.
  • 18.07.2016, 14:08 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Ich gehe dabei nicht von Mindeststandards aus, sondern eher davon, was Versicherungen ein Mensch wert ist. Und das ist verdammt wenig...
  • 18.07.2016, 15:55 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Wie denn auch ? Die haben ja auch kein besonderes Interesse an einer menschlichen Wertsteigerung...
  • 18.07.2016, 16:01 Uhr
  • 0
Eure Probleme sind leicht zu lösen. Die Versicherungen erhöhen ihre Beiträge, die Steuer werden erhöht, damit statt 80 Milliarden 200 Milliarden Euro an die Rentenkasse als Zuschuss gezahlt werden. Dann könnten auch die kaputten Zähne bezahlt werden. Ach ja, die Bundeswehr und die vielen Politiker könnten wir auch abschaffen, dann wäre genug Geld in der Kasse.
Das Problem ist nur, ihr müsstet eine Partei gründen, die das alles durchsetzt.
  • 18.07.2016, 19:29 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Oder mich zum Weltherrscher wählen
  • 18.07.2016, 19:42 Uhr
  • 0
Es ist schön, dass ihr Humor habt. Das dauernde Meckern über Geldprobleme kann einem schon auf den Geist gehen.
Wer ohne Behinderung geboren wurde, ist nun einmal für sein Leben selbst verantwortllich. Wenn sie/er eine zu geringe Rente hat, dann kann nicht die Gesellschaft dafür verantwortlich gemacht werden.
Jeder kann sich weiterbilden, um einen besser bezahlten Job zu bekommen. Wer dazu keine Lust hat, kann dann immerhin hier bei SB noch meckern.
  • 19.07.2016, 07:31 Uhr
  • 0
Wer behauptet denn, dass das Leben einfach ist?
  • 19.07.2016, 13:41 Uhr
  • 0
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