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Wie Medien manipulieren

Wie Medien manipulieren

Peter Leopold
25.07.2016, 05:54 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Besonders Rechtsextreme und Rechtspopulisten bedienen sich gerne Schlagwörtern wie "Lügenpresse", wenn sich öffentliche Medien nicht dazu herab lassen, sich als radikale Werbeträger missbrauchen zu lassen und sich deren Hetzkampagnen anschließen, die nur das Ziel haben, eine Stimmung zu erzeugen, die das Land weiter spaltet. Dabei ist es nebensächlich, um Welches Medium es geht. Solange nicht eine bekannte radikale Verlagsgruppe dahinter steht, ist alles inakzeptabel.

Dabei manipulieren Medien tatsächlich - allerdings viel subtiler und und vom Einzelnen kaum wahrnehmbar. Das aktuelle Beispiel dazu ist der Amoklauf in München. Während staatliche Nachrichtensender David S. als Täter angegeben haben, haben einige Privatsender einfach den Zweitnamen "Ali" des Täters verwendet und den ersten Namen hat man nicht einmal erwähnt.. Bei der derzeitigen Lage im Land musste davon ausgegangen werden, dass mit diesem Zweitnamen automatisch die Wörter "Ausländer" oder "Flüchtling" assoziiert werden.

Damit wurde eine weitere Lunte gelegt, die unweigerlich zu einem Knalleffekt führen musste. Innerhalb kürzester Zeit haben soziale Netzwerke reagiert und den Amoklauf eines kranken DEUTSCHEN als islamisch und politisch motivierten Terroranschlag klassifiziert. Natürlich ist so eine Handlungsweise werbewirksam und erhöht beträchtlich die Quote. Seriös ist das allerdings kaum.

Dazu kommt, dass in den meisten Fällen eher Schlagzeilen in den Printmedien wahrgenommen werden, als ein kompletter Artikel, der nicht nur für den Bildungsstand Mancher viel zu umfangreich, sondern auch mit spezifischen Daten gespickt ist, die im Grunde genommen ohnehin nicht wahr genommen werden wollen. Für die Betreffenden könnte man einen kompletten Artikel auf die Überschrift kürzen: "Ausländer - Amok - Bumm". Und wenn es nur groß genug an verschiedenen Stellen zu sehen ist, gilt es als Wahrheit in bestimmten Kreisen.

Es gab einmal Gerüchte, nach denen der Kinozuschauer mit Werbung manipuliert wird, indem man z.B. ein einzelnes Bild einer Chipstüte in die laufende Bilderfolge einfügt, um die Leute dazu zu bringen, ein unwiderstehliches Verlangen nach Chips zu erzeugen. Bei einer Bildfolge von 33 Einzelbildern pro Sekunde, nimmt das menschliche Auge das Einzelbild nicht bewusst wahr. Trotzdem prägt es sich ein. Ich habe mich früher mit Schmalfilm beschäftigt und ein entsprechendes Experiment gemacht. Und tatsächlich wollten fast Alle einer sechsköpfigen Zuschauergruppe nach einem Kurzfilm über Naturschauspiele ein bekanntes Orangengetränk haben, dessen Einzelbild ich in diesen Film eingefügt habe. Manipulation geglückt.

Man muss sich schon näher mit der menschlichen Wahrnehmung befassen, um aufzuzeigen, wie manipulierbar der Mensch ist und welche Möglichkeiten genutzt werden können, um die Gedanken und Wünsche in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Das Alles sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man Medien konsumiert und man sollte die eigene Manipulierbarkeit nie so ganz ausblenden - so reißerisch Einem ein Medienbeitrag auch serviert wird...

11 Kommentare

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Die Zusammenarbeit mit der Presse ist eine sehr wichtige Angelegenheit. In dem Münchener Fall hat man bemerkt, dass die Verantwortlichen Oberen einer Behörde oder der Ministerien sehr sorgsam damit umgingen - insbesondere der Pressesprecher der Polizei.

Deshalb ist es immer notwendig, einen Verantwortlichen zu bestimmen, der das übernimmt. Im Regelfall immer der Chef oder ein Pressesprecher.

Sie haben auch immer die Aufgabe, die für ihren Bereich zuständigen Presseartikel durchzusehen und ggf. in Form eines Leserbriefes auch eine unrichtig dargestellte Sache richtig zu stellen, deren Veröffentlichung dann Pflicht der Presse ist.

Bei Auskünften müssen sie auch immer das Informationsrecht der Presse beachten und abwägen. ob nicht eine Kollision mit dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen in Gefahr ist oder auch Ermittlungsergebnisse beeinträchtigt werden können.

Zusätzlich von Vermeidung von Irrtümern in der Veröffentlichung können auch schriftliche Stellungnahmen herausgegeben werden.

Alles in allem klappt das wohl ganz gut - aber wenn jeder meint, er müsse mit Minderkenntnissen Stellungnahmen abgeben und damit der Presse eine gute Schlagzeile als Aufreißer zu bieten, wird diesem Anliegen nicht gerecht werden.

Auf Schlagzeilen sind die halt immer bedacht - es schafft halt mehr Leser als sachliche Darstellungen von kompetenten Leuten.
  • 25.07.2016, 18:17 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Vor Allem schaffen es Viele nicht einmal, mehr als die Schlagzeilen zu lesen. Diesen Eindruck könnte man durchaus bekommen...
  • 25.07.2016, 18:20 Uhr
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Eine Schlagzeile prägt sich ein - je negativer desto besser...Deshalb sollte auch nicht jeder ins Mikrofon babbeln dürfen - insbesondere sollten Persönlichkeitsrechte wie vollständige Namen, Wohnort oder vollständige Bilder des Betroffenen nicht genannt und veröffentlicht werden.

Jeder möchte halt die beste Schlagzeile haben, die die Konkurrenz nicht hat.
  • 25.07.2016, 18:23 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Wäre vielleicht zuverlässiger, wenn es nicht so etwas wie Prämien geben würde...
  • 25.07.2016, 18:24 Uhr
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Manchmal wird halt von einigen etwas durchgestochen, was gesetzlich verboten und strafbar ist, wenn hiermit z.B. eine Schweigepflicht besteht...

Aber sie geben halt nach ihrem Schutz, keine Informanten benennen zu müssen und ihrem Zeugnisverweigerungsrecht auch niemand bekannt.

So ist die Welt, in der wir leben.

Der Gesetzesbrecher einer Schweigepflicht ist der unbekannte Gute und der Betroffene und sein grundgesetzlich geschütztes Persönlichkeitsrecht ist der Schlechte.

Verkehrte Welt manchmal..
  • 25.07.2016, 18:29 Uhr
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Peter Leopold
Tja..da fällt Einem eigentlich nix mehr ein
  • 25.07.2016, 18:30 Uhr
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Natürlich wird dem auch nachgegangen - es ist ja eine Straftat - aber dem Betroffenen nutzt es gar nichts - die Nachricht ist raus und er damit verbrannt.

Sodann kommt es zu den Vorverurteilungen und wenn die Sache später richtig gestellt wird, interessiert sich niemand mehr dafür.

Nichts ist uninteressanter wie die Tageszeitung von gestern und deren Schlagzeilen...
  • 25.07.2016, 18:35 Uhr
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Peter Leopold
Das ist dabei wohl das größte Problem. Es interessiert soäter Keinen mehr...
  • 25.07.2016, 18:36 Uhr
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Überlege mal nur das Beispiel des ehemaligen Bundespräsidenten. Sein Freispruch wegen erwiesener Unschuld interessierte doch eigentlich niemand mehr - nur ihn.

Er wird auch nie mehr ein so hohes Amt bekleiden können - obwohl ja wirklich rechtlich möglich. Er könnte ja den Gauck beerben.

Aber jeder sagt doch innerlich - Um Gottes Willen - war das nicht der ............mit der Straftat x.....Geht gar nicht - ein absolutes NoGO...

Das meine ich an einem konkreten Beispiel. Er wirkt in der Öffentlichkeit gar nicht mehr mit - als Interviewpartner nicht mehr gefragt.

Verkehrte Welt...
  • 25.07.2016, 18:41 Uhr
  • 1
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. . . wie Wahr . . .
  • 25.07.2016, 09:14 Uhr
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  • 25.07.2016, 08:28 Uhr
  • 0
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