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Kinderehen - Wenn der Amtsschimmel wiehert

Kinderehen - Wenn der Amtsschimmel wiehert

Peter Leopold
10.08.2016, 04:46 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Das Problem der Kinderehen ist seit Langem bekannt. Und plötzlich kommt man auf den Gedanken, dass es vielleicht doch keine so gute Idee ist, bspw. Jugendliche mit 14 Jahren doch nicht der staatlichen Kontrolle zu entziehen indem man Kinderehen anerkennt. Bisher würden Ehen international gegenseitig anerkannt. Dass die Ehemündigkeit sich allerdings in Deutschland nach deutschem Recht zu richten hat, hat man offenbar bisher vergessen.

Tatsache ist: Mit der Eheschließung hat man den Status eines Volljährigen und damit wären Kids heutzutage definitiv überfordert. Ich weiß...Kritiker die mich kennen, werden sagen, dass ich ja auch schon lange vor dem 18. Geburtstag die vorzeitige Volljährigkeits - Erklärung hatte. Aber das war eine ganz andere Situation. Ich war auf mich alleine gestellt, hatte eine gesicherte Ausbildung und die Behörden hatten keine Lust, sich um jede Kleinigkeit zu kümmern.

Volljährigkeit durch Kinderehe zu erlangen, ist aber ein gravierender Fehler. Und doch ist das bisher traurige Realität. Ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Bamberg im Mai sorgte für Aufsehen, indem es der Stadt Aschaffenburg verweigerte, über den Aufenthaltsort einer damals 14-Jährigen aus Syrien zu bestimmen. Die Ehe sei wirksam und selbst im Falle einer Unterschreitung des in Syrien geregelten Ehemündigkeitsalters nicht unwirksam. Es ist unnötig zu erwähnen, dass der Nachweis einer solchen Ehe in Ländern wie Syrien kaum nach deutschen Standards erbracht werden kann.

Der Gleichheitsgrundsatz hinkt aber dabei auch ganz massiv. Ich weiß noch sehr genau, was es für einen Papierkram bedeutet hat, meine Ehe die in Spanien geschlossen wurde, in Deutschland anerkennen zu lassen. Übersetzungen, Gebühren und sonstige Kosten waren nicht Ohne. Meine Frau und ich sind aber schon ein paar Tage über 18. Andererseits wurden bereits vor der Hochzeit Dokumente verlangt, die es nach dem deutschen Personenstandsgesetz gar nicht gibt - wie zum Beispiel eine "Ledigkeitsbescheinigung", die für ein Ehefähigkeitszeugnis "benötigt" wurde. Gegen diesen Aufwand war die Adoption der Kleinen ein Jahr später ein Kindergeburtstag, denn die war in 3 Monaten durch.

Andererseits scheint es kein Problem zu sein, jemanden per Email beim EMA ab- bzw. umzumelden - selbst, wenn man noch in keinem verwandtschaftlichen Bezug steht. So ist es eben, wenn der Amtsschimmer wiehert.

Insgesamt wäre etwas weniger Bürokratie die auch für den Einzelnen verständlicher ist, durchaus möglich - und wünschenswert, denn Keiner kann mir erzählen, dass alles immer so genau kontrolliert und geprüft werden muss. Viele Dinge wären so gar nicht möglich. Dafür dürfte man bei anderen Dingen ruhig einmal genauer hinsehen. Und das Problem der Kinderehen existiert nicht nur bei Flüchtlingen...

2 Kommentare

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  • 10.08.2016, 07:12 Uhr
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