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Nostalgie - Das Gehirn als Interpretationsorgan

Nostalgie - Das Gehirn als Interpretationsorgan

Peter Leopold
26.09.2016, 05:03 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Natürlich werden Viele sagen, dass ihr Gehirn absolut zuverlässig und nach einer festen Struktur arbeitet. Was man in der Umwelt wahrnimmt, wird genau eingeordnet, bewertet und meistens an derselben Stelle wieder abgelegt. Aber das Gehirn kennt nur selten Logik und unbeeinflusste Tatsachen. So verhält es sich auch mit Erinnerungen, die je nach "Wohlfühlstatus" oft zu positiv bewertet werden. Das Konzept "Früher war alles besser" passt so gut wie immer.

Wenn man heute vor Problemen steht, die auf den ersten Blick kaum zu lösen sind, verfällt man in den Trotzmodus, in dem man nur noch fest stellt, dass früher sowieso alles besser war. Und objektiv betrachtet ? Es war wohl eher die Notwendigkeit, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen - die eigene Kreativität im Alltag zu nutzen. Wenn die Vorgaben nicht ausreichend waren, hat man eben an seinem eigenen Bereich gefeilt, bis es gepasst hat.

Interessant ist, dass dieser Spruch in jeder Generation seinen Platz hat. "Früher" war man jünger, hatte mehr Energien, hat sich weniger Gedanken um die Zukunft gemacht und es gab viele gemeinschaftliche Aufgaben, auf deren Lösung man stolz war, wenn man sie bewältigt hat. Man muss sagen, dass das eigene Gehirn ein Interpretationsorgan ist, das sich mögliche Lösungen je nach Befindlichkeit zurecht bastelt.

Es ist heute sehr einfach, Vergleiche zu ziehen wenn die Probleme größer werden und die Vergangenheit idealisiert wird. Dass man sich selbst auch verändert hat, wird dabei gerne vergessen. Aber früher war nicht alles besser. Die Wochenarbeitszeit lag bei mehr als 50 Stunden, bei Nylonstrümpfen wurden die Nähte nach gemalt und weiße Sportschuhe wurden mit Deckweiß farblich verschönert, wenn sie schon etwas älter waren.

Heute wird jedem Flüchtling vorgehalten, dass er überleben will und deshalb sein Land verlassen hat. Und Wirtschaftsflüchtlinge ? Sie sind das ultimative Feindbild einer Gesellschaft, die so gerne in der Vergangenheit lebt. Dabei wird vergessen, dass gerade Wirtschaftsflüchtlinge ein deutsches Phänomen sind. Jährlich haben sich in der alten BRD 300.000 Wirtschaftsflüchtlinge aus der ehemaligen DDR eingefunden und sie hatten zum Teil sehr abenteuerliche Fluchtaktionen hinter sich. Wird das vergessen, oder werden immer noch Unterschiede gemacht zwischen Deutschen und Menschen aus anderen Ländern ?

Vielleicht war früher wirklich alles besser, denn man war "menschlicher" und ist näher zusammen gerückt. Wirklich eng wurde es nie und wenn, wurde es nicht als störend empfunden. "Früher" durften Frauen ohne Einwilligung des Mannes nicht arbeiten und Karriere war sowieso undenkbar. Viele Frauen heute sehen das ganz praktisch. Als Mann hört man oft "Du wolltest mit mir zusammen leben, also hast Du mich auch zu erhalten" Welch eine Nostalgie...

Und wieder interpretiert das Gehirn und sucht sich die bequemste Option aus. Nicht anders ist es mit dem politischen Gedanken. Rebellion wird groß geschrieben und vielleicht hofft man insgeheim, dass sich die Zeiten von Wirtschaftswachstum und nostalgischen Erinnerungen wiederholt. Doch die Zeit ist eine Einbahnstraße, die nur eine Richtung kennt: Den Weg nach vorne. So kann diese Nostalgie, wenn sie zu weit zurück führt auch ins Verderben führen, denn die Idealisierung der Vergangenheit kommt auch irgendwann an den Punkt, an dem man im schwärzesten Teil der Geschichte landet.

25 Kommentare

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Früher war alles besser - das sind so Sprüche, die wohl jede Generation für sich in Anspruch nimmt und sich gern darüber unterhält.

Dies liegt aber auch an unserem Gehirn, welches die Informationsüberflutung im Langzeitgedächtnis nur das positive Erlebnis verklärend für uns als Erinnerung zur Verfügung stellt. Alles andere ist zwar noch vorhanden, wird aber mehr oder weniger ausgeblendet. Man sagt ja auch, die Zeit heilt alle Wunden.

Objektiv gesehen ist das aber nicht der Fall. Es gibt Studien darüber, dass wir gar nicht mehr so leben könnten wie z.B. in den 70-ger Jahren, wo es uns auch gut geht.

Wenn man älter wird, sollte man schon mit der Zeit gehen, um alles besser zu verstehen. Heute sind die Halbwertzeiten einer Änderung sehr schnell - manche kommen da gar nicht so recht mehr mit. Aber da sollte man versuchen, sich immer schlau zu machen. Das hält auch das Gehirn fit - sich für Neuerungen zu interessieren...

Ich jedenfalls möchte in keinem Fall, dass mir ein 7-jähriger eine Welt der Technik erklärt, da möchte ich aber entschieden mit- und auch dagegen halten können. Sonst verstehe ich selbst eines Tages nicht mehr alles...
  • 26.09.2016, 17:59 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Nein..DAS muss ich auch nicht haben. Aber wenn ich sehe, dass ein 5-Jähriger im Vergleich zu so manchem 30 Jährigen ein Meister bei dem Ballerspiel "Counter Strike" ist, kann Einem schon mulmig werden...
  • 26.09.2016, 18:08 Uhr
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Ja bei diesen Spielen und was es da gibt, komme ich natürlich nicht mit. Will ich auch nicht. Aber ich möchte schon verstehen, wie ein IPhone funktioniert. Wobei die Seiten, die ich anklicke, ganz andere sind als die der Jugend.

Diesen Wettbewerb strebe ich nicht an. Dafür interessiert sich der junge Mensch weniger für Politik, die ja auch durch das Medium vermittelt werden.

Hier trennen sich die Geister....
  • 26.09.2016, 18:13 Uhr
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Peter Leopold
Nöö..DAS muss ich auch nicht haben. Aber die Kids leben fast davon Ich denke, die Funktionsweise der technischen Errungenschaften ist kaum noch Jemandem vertraut. Wer kann heute schon noch personalisierte Programme selbst schreiben um das zu haben, was er selbst haben will ?
  • 26.09.2016, 18:19 Uhr
  • 0
Nein so nicht - nur die Handhabung verstehen natürlich....

Weder Kids noch wir blicken da in die Entscheiderebene eines Programms durch..Aber Anwenden sollte man es schon können und alles mal durchprobieren - und nichts ls Teufelszeug der Neuzeit abtun...
  • 26.09.2016, 18:22 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Grins...ich schon Aber es stimmt schon...anwenden sollte man es können. jedes Ding kann man positiv oder negativ nutzen.
  • 26.09.2016, 18:28 Uhr
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Kids waren doch auch in der Vorcomputer-Zeit z. B. in "Memory" jedem Erwachsenen haushoch überlegen
  • 27.09.2016, 08:08 Uhr
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Peter Leopold
  • 27.09.2016, 08:09 Uhr
  • 0
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Wenn früher wirklich ALLES besser war, dann müsste das doch auch für mich gelten, oder?
War ich früher besser`? - Das Gegenteil von 'besser' ist 'schlechter'. Also bin ich heute schlechter als früher? - War ich früher wenigstens gut? - Gut zu irgend jemandem, oder gut in irgendwas? Und bin ich das heute nicht mehr?
Jetzt bin ich aber leicht verwirrt. Irgendwas kann doch an dem Satz FRÜHER WAR ALLES BESSER nicht stimmen, oder? Was wohl?
  • 26.09.2016, 16:20 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Ich denke auch nicht, dass dieser Satz stimmt. Aber man muss sich nur umsehen...wie Viele sagen, dass wirklich ALLES besser war
  • 26.09.2016, 16:23 Uhr
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Meine Erklärung:
Wir neigen fast alle dazu, die Vergangenheit zu 'verklären', indem wir das Positive in Erinnerung behalten und das Negative löschen (oder wenigstens tief vergraben). Ich denke, dass wir diese Veranlagung von der Natur geschenkt bekommen haben, damit wir in den Anfangszeiten der Menschheit überhaupt überleben konnten, denn wenn uns alle Probleme und Nöte für immer im Gedächtnis geblieben wären, hätte uns das vielleicht völlig verzweifeln lassen.
  • 26.09.2016, 16:29 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Aber das trübt auch den Blick in die Zukunft
  • 26.09.2016, 16:37 Uhr
  • 0
Für die 'Zukunft' ist - rein biologisch-evolutionär - die 'Hoffnung' zuständig - ebenfalls ein Geschenk der Natur.
  • 26.09.2016, 16:40 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Hmm... Man strebt aber bei einer verklärten Vergangenheit eher nach diesem vermeintlichen Idealbild. Wie kann man dann nur mit offenen Augen in die Zukunft blicken ?
  • 26.09.2016, 16:44 Uhr
  • 0
Der griechische Philosoph Theokrit hat gesagt: Der Mensch hofft, so lange er lebt.
Worauf gründet er seine Hoffnung? Darauf, dass die Zukunft besser - zumindest nicht schlechter - als die Vergangenheit sein wird. Eltern sagen: Mein Kind soll es einmal besser haben als ich !
Verklärung der Vergangenheit, Hoffnung auf eine bessere Zukunft: beide Anlagen tragen wir in uns!
  • 26.09.2016, 17:05 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Ist wohl so... obwohl auf die rückbezogene Eigenschaft könnte ich gerne verzichten. Das tun Einige auch - aber nur, wenn die Vergangenheit wirklich mies war...
  • 26.09.2016, 17:09 Uhr
  • 0
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Das Gehirn passt sich den veränderten Gegebenheiten zügiger an, als der Mensch diesen Veränderung mit seinen Emotionen und in seinem Handeln folgen kann.
  • 26.09.2016, 09:21 Uhr
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Peter Leopold
Wenn man nur Emotionen beschleunigen könnte...
  • 26.09.2016, 09:29 Uhr
  • 1
  • 26.09.2016, 11:31 Uhr
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Peter Leopold
Sooo schnell geht das nun doch nicht
  • 26.09.2016, 11:33 Uhr
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Kann unser Gehirn jemals richtig erforscht werden? Guten Morgen und einen schönen Montag!
  • 26.09.2016, 09:05 Uhr
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Peter Leopold
Mooorgääähn! Vielleicht nicht im Moment. Aber irgendwann....wer weiß ?
  • 26.09.2016, 09:09 Uhr
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  • 26.09.2016, 06:01 Uhr
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Peter Leopold
Moorgääähn!
  • 26.09.2016, 06:01 Uhr
  • 0
Morsche Peter, so früh schon unterwegs
  • 26.09.2016, 06:08 Uhr
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