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29.09.2016, 06:02 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Guten Morgen......diesen heutigen Beitrag von Sascha Lobo in den sozialen Netzwerken möchte ich hier veröffentlichen. Er schreibt Vieles von dem, was ich empfinde, wenn der "Vergleich" zwischen den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten.... auch bei SB ....zum Thema gemacht wird.
Und hat damit aus meiner Sicht recht.

Hinweis: Der Link in dem Beitrag scheint nicht zu funktionieren......schade!! Dieser müßte klappen

http://www.zeit.de/1957/37/kantorowi...lettansicht
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Zitatanfang
Sascha Lobo......gepostet am 29. Sep. 2016 bei Facebook:

Nein, Trump und Clinton sind nicht "beide gleich schlimm". Und es ist nicht egal, wer gewinnt.
Etwas schockiert bin ich darüber, dass ich das überhaupt schreiben muss. Aber immer wieder werden in meinem Umfeld von doch eigentlich intelligenten, verständigen Menschen verschiedene Formen der Gleichsetzung betrieben. Das halte ich für fatal, für schlimm, für kurzsichtig.
Und zwar hauptsächlich der radikalen Menschenfeindlichkeit Trumps wegen.
Trump ist Rassist, Frauenhasser, Faschist. Und das sind nur seine politischen Eigenschaften, seine Kommunikation und seine Attitüde lassen auf einen Hypernarzissten schließen, der Freude an der Erniedrigung Dritter hat.
Hillary Clinton ist eine Politikerin, über deren Haltungen und Politiken man streiten kann und muss. Sie hat viele bittere und auch fatale Dinge gesagt, entschieden, getan. Ohne Zweifel. Fast einhundert harsche bis superzornige Kritiken habe ich auf SPON geschrieben über den Überwachungsfuror, die Drohnenmorde, die amerikanischen Behördeneskalationen samt weltweiter Folgen – und Hillary Clinton ist definitiv Teil davon. Dafür muss sie unbedingt kritisiert werden, und das werde ich auch weiter tun, wenn sie Präsidentin wird. Aber sie ist nicht Rassistin, sie ist nicht Frauen- oder Männerhasserin, sie ist nicht faschistoid. Und da liegt der zentrale, der essentielle Unterschied:
Da steht die in vielen Überzeugungen außerordentlich kritikwürdige Politikerin eines demokratischen Staats gegen einen lupenreinen, offen rassistischen, frauenverachtenden, behindertenfeindlichen Faschisten. Schaut Euch die antisemitischen, gewalttätigen, hardcore-rassistischen Fan-Truppen von Trump an, was sie im Netz sagen und auf ihren Rallys, das ist der schiere Grusel. Das sind zwei unterschiedliche Planeten, zwei unterschiedliche Systeme. Und zwar unvergleichbare.
Wer wegen Trumps vermeintlichem Isolationismus irgendwie hofft, er würde weniger bedrohlich für die restliche Welt sein, der schätzt
a) den Jähzorn und die Manipulierbarkeit Trumps falsch ein (vgl. seine Meinung von Putin, die vor allem positiv ist, weil Putin ihn "brillant" genannt haben soll, um Gottes Willen, was für ein Fladen!) und der hat
b) hat nichts von seiner superscary Atomwaffen-Fixierung mitbekommen; Trump würde ein moderner Nero werden, der die Welt brennen sehen will, weil das Feuer so interessant lodert.
Abgesehen davon wird der "Erwache!"-Effekt eines Trump-Sieges viele, viele Tote fordern, und zwar Tote unter Minderheiten. Angesichts des radikalen und gewalttätigen Rassismus von Trump ist es schlicht antiamerikanisch zu behaupten, es sei egal wer gewinnt: Dann sind einem nämlich die 300 Millionen Amerikaner und besonders die 70 Millionen ethnischen Minderheitsamerikaner darunter egal. (Dass so bestürzend viele Amerikaner ihrerseits Trump für wählbar halten, ist eine eigene, für sich zu beschreibende Katastrophe, die übrigens von der Struktur her der (falschen und fatalen) vermeintlichen Vergleichbarkeit der Kandidaten nahekommt, denn oft ist die Essenz dieser Meinung verlorenes Vertrauen in professionelle Politik verbunden mit "Was soll schon passieren?").
Und dass etwas passieren würde, Vieles, Schlimmes, Vernichtendes – wenn Trump an die Macht käme, das ist sicher. Denn wenn Trumps Rassismus und Misogynie die Speerspitze seiner Indiskutabilität (und Clinton-Unvergleichbarkeit) sind, ist seine kontrafaktische Weltsicht das Fundament.
Trump kümmert sich nicht um messbare Realität oder eine mehr oder weniger objektive Annäherung daran. Er richtet sich ausschließlich nach eigenen, egozentrisch gefärbten Empfindungen. Das ist eine Parallele zu den Rechtsextremisten weltweit, die Neue Gefühlsrechte. Mit Gefühlen als einziger Entscheidungsgrundlage aber kann man alles, alles, alles rechtfertigen. Diese Form der Wut ist nicht nur gewaltfördernd, sondern immunisiert sich mithilfe von medialer Inszenierung gegen die Wirklichkeit: Gefühl wird als Wahrheit betrachtet. Als einzige Wahrheit.
Deshalb kann man mit Trump nicht diskutieren, nicht argumentieren, nicht reden. Dazu ein Zitat von Heinrich Mann aus der ZEIT von 1957 (via Alfred Kantorowicz, interessanterweise ursprünglich über Walter Ulbricht):
"Sehen Sie, ich kann mich nicht mit einem Mann an einen Tisch setzen, der plötzlich behauptet, der Tisch, an dem wir sitzen, sei kein Tisch, sondern ein Ententeich, und der mich zwingen will, dem zuzustimmen." (Quelle: http://www.zeit.de/…/…/kantorowicz-b...lettansicht )
Mit einem solchen Mann kann man sich nicht nur nicht an einen Tisch setzen – man kann ihn auch nicht ernsthaft als Alternative in irgendeiner Hinsicht betrachten. Und doppelt nicht, wenn er dazu noch Rassist ist, denn diese Form der Menschenfeindlichkeit sticht alles.
Also – streitet über Hillary, kritisiert sie, protestiert gegen ihre Haltungen, Überzeugungen, gegen ihre Politik. Das ist okay und notwendig, und das werde ich auch tun, weil Macht immer kritisiert werden muss, und viel Macht muss intensiv kritisiert werden.
Aber stellt nicht einen weltgefährlichen, antipolitischen, antizivilisatorischen Protofaschisten auf eine Stufe mit einer Politikerin. Egal, ob Ihr deren Einstellungen teilt oder nicht.

Zitatende

52 Kommentare

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"United States first" ,
das ist Trumps Parole und sein Trumpf.

Dagegen verblasst Hillary`s Auftritt - leider- und zum Leidwesen von uns Europäern.

Interessant in dem Text ist auch das Zitat von Heinrich Mann.
Kantorowitz wollte damit ausdrücken, dass im Stalinismus allein die Partei darüber entscheiden würde, ob der Tisch an dem man sitze, ein Tisch sei oder keiner sei.
Gleiches galt auch im Maoismus.

Ob dieses Zitat nun auch auf Trump passt?
  • 29.09.2016, 19:13 Uhr
  • 0
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Sollte dieser Fanatiker
je zu Einfluß und Macht kommen,
dann sehe ich schwarz
  • 29.09.2016, 11:27 Uhr
  • 2
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Moin liebe sb Gemeinde!
Stellen wir doch mal einen Vergleich an.
Eigentlich ist Deutschland in der gleichen Situation wie die USA.
Wir, genau wie die Amis wollen das sich was ändert. Wir wollen keine Kriege mehr. Wir wollen eine Regierung das die Leiden des Volkes ernst nimmt.Wir wollen nicht von Lobbyisten regiert und ausgeplündert werden. Wir wollen nicht die Sklaven der Eliten sein. Wir wollen das sich das ändert.
Wählt Clinton und es wird sich nichts ändern
Wählt Merkel und es wird sich nichts ändern.
Trump ist für die Amis die Möglichkeit das sich was ändert. Ob, wie, in welchen Umfang, man weiß es nicht.
Viele in Deutschland rennen zur AfD. Mit der gleichen Hoffnung und um das System ab zu strafen.
Ist Trump oder Petry regierungsfähig? NEIN.
Aber die Hoffnung treibt die Menschen in die Parteien.
  • 29.09.2016, 11:01 Uhr
  • 0
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Nur wie die US-Amerikaner ticken, ist uns völlig fremd. Dort gibt es streng Religiöse und das Gegenteil davon, Hasser von allen, Politiker, Schwarze, Latinos. Massenweise laufen Waffennarren herum. Das Geld bestimmt, was politisch beschlossen wird.
  • 29.09.2016, 10:39 Uhr
  • 1
Ganz fremd ist es mir nicht, da es viele Bekannt-und Freundschaften Zeit meines Lebens mit Amerikanern gibt....und Etliches von dem, was du anführst ist auch in DE verankert....da es zum kapitalistischem System zwingend dazu gehört...um das "Rad" am Laufen zu halten und schneller werden zu lassen.
  • 29.09.2016, 10:43 Uhr
  • 2
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RICHTIG !!! Ich habe das TV-Duell der beiden gesehen und und es hat mich geschüttelt. Glücklicherweise scheint der größere Teil der Amerikaner ähnliche Rückschlüsse gezogen. Wir können nur hoffen, dass es so bleibt
  • 29.09.2016, 09:58 Uhr
  • 1
Es wurde mir auch deutlich, wieviel größer mein Anspruch an solche Diskussionen ist. Nicht NUR wegen Trump...mir fiel auch so Vieles ein, was Clinton hätte sagen und sich damit nach "Vorne" bringen können.
  • 29.09.2016, 10:31 Uhr
  • 1
Sie hatte den 'schwereren' Stand, weil sie an dem gemessen werden konnte, was sie bereits getan hat und das brachte sie häufig in die 'Rechtfertigungsrolle'. Da die Redezeit ja begrenzt war, ist es schwierig zu agieren, denn viel Zeit ging fürs reagieren drauf.
Neulinge in dem Geschäft müssen nur Versprechungen machen ... sieht man ja bei uns gerade auch ... das hat aber mit Realpolitik und Umsetzbarkeit nichts zu tun. Leider hinterfragen so viele 'Wähler' nicht und kommen mir manchmal vor, wie trotzige Kleinkinder
  • 29.09.2016, 10:48 Uhr
  • 2
so ist es
  • 29.09.2016, 11:03 Uhr
  • 0
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da kann man nur zustimmen
  • 29.09.2016, 09:24 Uhr
  • 2
genau.
  • 29.09.2016, 09:26 Uhr
  • 1
  • 29.09.2016, 09:27 Uhr
  • 0
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Der Lobo kann was !!!!!
  • 29.09.2016, 08:43 Uhr
  • 2
genau...nicht NUR Frisur...
  • 29.09.2016, 09:16 Uhr
  • 0
naja, die ist nun wirklich Geschmacksache
  • 29.09.2016, 09:28 Uhr
  • 1
  • 29.09.2016, 09:32 Uhr
  • 0
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mir graust es vor November...
  • 29.09.2016, 08:15 Uhr
  • 4
Mir nicht......das wird' !!!
  • 29.09.2016, 08:18 Uhr
  • 2
  • 29.09.2016, 08:20 Uhr
  • 3
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wenn es nicht so traurig wäre,
würde ich behaupten,
hollywood dreht eine serie mit dem titel.
ein schrecklich lustiger präsident.
  • 29.09.2016, 08:12 Uhr
  • 1
.... der Film kommt NACH der Wahl..
  • 29.09.2016, 08:15 Uhr
  • 2
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Guten Morgen Reni,
zunächst Danke fürs Einstellen. Es ist genau auf den Punkt gebracht, die Unterschiede zwischen Politik und dem rechten Populismus sind sehr gut und deutlich erkennbar. Es sollte auch hier bei uns einige zum Nachdenken anregen. Nur allein dafür fehlt mir der Glaube. Wenn man sieht, was hier im Netz abgeht kann man nur noch sagen, die rennen den geistig inhaltslosen, menschenverachtenden und rassistischen Thesen der rechten Populisten, ohne darüber nachzudenken, nach.
  • 29.09.2016, 08:01 Uhr
  • 3
so ist es.....ein Trump veranschaulicht so offensichtlich, wie gefährlich dieser "Weg" ist....
  • 29.09.2016, 09:19 Uhr
  • 3
Trump bedeutet das Ende der Zivilisation Man muss fassungslos den Kopf schütteln ,dass in einem Land wie die USA jemand überhaupt soweit kommen konnte und die Gefahr besteht,dass er Präsident wird.
  • 29.09.2016, 10:26 Uhr
  • 1
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